Wie man Wasser in Eis verwandelt

Der Katholikentag steht ins Haus. Ab kommenden Mittwoch, dem 25. Mai, treffen sich in Leipzig für vier Tage Menschen aus der Kirche, aus Vereinen, Verbänden und Gruppen, aus anderen Konfessionen und Religionen, Interessenvertreter und Amtsträger, um gemeinsam über Politik, Gesellschaft, Religion und Glauben zu reden. Veranstaltet wird dieses Treffen vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ („ZDK“), einer von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) anerkannten Laienorganisation aus den Strukturen und Verbänden der Kirche.

Ein solches Treffen wirft medial natürlich seine Schatten voraus. Der Präsident des „Zentralkomitees“, Thomas Sternberg, wurde vom Deutschlandfunk zur Bedeutung des „ZDK“, zu Kirche, Theologie, kirchlicher Lehre und zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen befragt, die Programmpunkte des Treffen sein werden. Die Antworten des Komitee-Funktionärs werfen zum Teil Fragen auf, die man als praktizierender, gläubiger Christ von der katholischen Basis und als politisch vielseitig interessierter Mensch gerne noch beantwortet sähe. Im Folgenden werden einige Passagen seiner Ausführungen weiterführenden Fragen gegenübergestellt:

Sternberg: „… Soweit ich sehe ist hier keine Position wirklich ausgegrenzt oder ausgeschaltet worden, es sei denn, es sind wirklich eindeutig menschenfeindliche Parolen, die auf einem Katholikentag so nichts zu suchen haben. …“

Was ist mit der Anwesenheit von „donum vitae“? Ein Verein, der sich nach dem Ausstieg kirchlicher Beratungsstellen aus der staatliche geförderten Schwangerenberatung gegründet hat, um das päpstliche Verbot der Beteiligung am sogenannten „Beratungsschein“ – der zwingenden Voraussetzung zur straffreien Tötung ungeborener Kinder – zu umgehen. Vertritt „donum vitae“ so nicht auch durch sein Handeln „menschenfeindliche Parolen/Positionen“?

Was ist mit „pax christi“? Ein Verein, der rhetorisch kaum verhohlen gegen den Staat Israel hetzt und eine Kennzeichnungspflicht für Produkte aus jüdischen Siedlungen aus den sogenannten besetzten Gebieten fordert. Welche Gedanken drängen sich da dem geschichtsbewussten Christen auf?

Sternberg: „… Wenn Sie wieder lesen, was heute an Unfug auf den Zeitungen steht, dass sie (Frauke Petry) Probleme hat überhaupt mit dem Kopftuch in diesem Land. Ich frag mich, wie man in den bayerischen Dörfern mit den alten Frauen nächstens umgeht. …“

Die „alten Frauen“ in Bayern tragen heute eher keine Kopftücher mehr. Wenn sie das tun, dann meistens aus (noch gelebter) Tradition und individuellem Modeempfinden oder aus Praktikabilitätsgründen. Es ist bisher in Deutschland auch kein Fall bekannt, in dem Frauen ethnisch deutscher Herkunft von nahen Angehörigen genötigt, ja gezwungen wurden Kopftuch zu tragen. Soweit bekannt, hat in den vergangenen sechzig Jahren niemand den Frauen der oben beschrieben Gruppe Gewalt angedroht, sollten sie es wagen, kein Kopftuch zu tragen. Es ist ebenso kein Fall belegt, in dem eine Frau aus der oben skizzierten Gruppe ermordet wurde, weil sie kein Kopftuch trug und deshalb die „Ehre der Familie“ wieder hergestellt werden musste. Warum benutzt er also einen so hinkenden Vergleich? Was will er damit bewirken? Soll die Diskussion banalisiert und zurückgedrängt oder gar lächerlich gemacht werden?

Sternberg: „… Wir hatten am 29. April in Münster den bundesweiten Tag der Diakonin. Da wurden die Frauenverbände immer schräg angesehen, dass sie hier mit einer solchen Vehemenz auf den Diakonat der Frau pochen. Und zwei Wochen später verkündet der Papst vor Ordensfrauen in Rom, dass er genau das jetzt etwas intensiver prüfen werde. …“

Hat Sternberg den Originaltext oder eine fundierte Übersetzung gelesen? Wenn nicht, so sei ihm das dringend ans Herz gelegt. Selbst Frau Florin weist ihn ja immerhin darauf hin, dass seine Interpretation ein wenig hoch gegriffen ist.

Sternberg: „… Es geht mir eher darum, dass Christen deutlich machen, was sie trägt in ihrem sozialen Dienst. Und dass erst die Frage kommt, was sie trägt, und dann erst über Gott gesprochen wird und nicht primär, wie das in einigen Sekten üblich ist, zunächst einmal über Gott und über den Glauben gesprochen wird. Bei den Christen steht der Dienst an erster Stelle. …“

Wie kommt er auf diese interessante Theorie? Steht an erster Stelle auch für Christen nicht der Gottesdienst. Dieser manifestiert sich auch im Dienst am Nächsten. Aber ohne den Bezug zu Gott verliert der „Dienst am Nächsten“ seine transzendente Rückbindung und somit auch seinen „Sinn“?

Sternberg: „… Wenn ich Kritik habe, dann die, dass ich die Hoffnung habe, dass diese wunderbaren Ankündigungen, die er (Papst Franziskus) macht und diese Bewegung, auch in Strukturen umgesetzt wird. (…) Das muss jetzt auch Niederschlag finden, das gilt für eine ganze Reihe weiterer Dinge, ich habe die große Hoffnung, dass er uns erhalten bleibt und dass es uns auch gelingt diese Bewegung in Strukturen umzusetzen.“

Mit solchen Funktionären ist es nicht erstaunlich, dass viele Strukturen der Kirche wie bleierne Bunkerfundamente wirken. „Bewegung in Strukturen umzusetzen“,  ist das nicht wie Wasser in Eis zu verwandeln?

Autor: Martin Wind

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