Was unterscheidet den Islam vom Islamismus?

Insbesondere eine Reihe italienischer Medien (hier ein Bericht auf Französisch) berichtet, dass offenbar ein wichtiger Vertreter der französischen islamischen Gemeinschaft, der Iman von Nimes, Hocine Drouiche aufgrund des Terroranschlages in Nizza zurückgetreten ist. Er spricht von einer Krise des Islam und der Notwendigkeit zur Reform der Religion. Der politische Islam hat den Islam des Lebens und der Hoffnung in einer Ideologie des Todes verwandelt. Drouiche spricht davon, dass der Extremismus ein Phänomen innerhalb der islamischen Gemeinschaft ist. »Es ist schwierig geworden, den Islam von den Islamisten zu unterscheiden.«

In Deutschland fehlen die klaren Worte

Das klingt doch deutlich anders als die hiesigen Islamverbände, die versuchen die zwei Seiten der Medaille zu trennen. Bei DİTİB ist in der Pressemeldung zu Nizza kein Wort vom Dschihad oder eine Distanzierung zum politischen Islam zu lesen, es wird nur ganz allgemein Terror verurteilt. Das ist dürftig. Das ist wenigstens Vogel-Strauß-Taktik, schlimmstenfalls verheerende Ignoranz.

Millî Görüş verleugnet die Tatsachen sogar noch weitergehend: »Es ist auch falsch und gefährlich, den abscheulichen Anschlag am gestrigen Abend mit der Herkunft oder Religion des Mörders zu erklären.« Mir drängt sich da genau das Gegenteil auf: Es ist falsch und gefährlich die Augen davor zu verschließen, dass eine wachsende Zahl von Menschen bereit ist, im Namen das Islam und für die Errichtung eines islamischen Kalifats zu morden.
Es ist falsch und gefährlich die Augen davor zu verschließen, dass es dem Islamischen Staat und Konsorten gelingt eine glaubhafte Auslegung der Lehren Mohammeds durchzusetzen, in der Mord und das Schleifen grundlegendster Menschenrechte nicht nur legitim, sondern sogar besonders achtbar sind.

Gibt es den Willen der Muslime, sich vom Fundamentalismus im Islam abzugrenzen?

Der friedliche Teil der Muslime scheint sich nicht durchsetzen zu können, die Deutungshoheit über die islamische Religion zu erlangen. Und wenn ich mir das Lavieren von DİTİB und Millî Görüş selbst angesichts solch grausamer Taten und der wachsenden Frequenz von Terrorakten anschaue, frage ich mich, wie viel Wille dazu tatsächlich vorhanden ist, die Konsequenzen daraus zu ziehen: die unumwundene Anerkennung der individuellen Freiheit aller Menschen und der allgemeinen Menschenrechte sowie die Lossagung von allen weltlichen politischen Herrschaftsansprüchen.

Autor: Gerd Maas

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