Von allerlei Zwängen: Schweinefleisch und Verhüllung

Vernunft und Mitte sind zwei wunderschöne Worte, die im Augenblick nicht gerade Hochsaison haben.

Gibt es zwischen aggressiver Brüskierung und vorauseilendem Appeasement eigentlich keine Zwischentöne im Umgang mit dem Islam?
Wenn Dänemark öffentlichen Einrichtungen „Schweinefleischzwang“ verordnet, dann ist das, abgesehen davon, dass man mal wieder die Juden vergessen hat bei der Konfrontationspolitik, ein Schlag ins Gesicht für alle normalen Muslime, die stillschweigend zwei oder drei der „Fünf Säulen“ ihres Glaubens beachten und abseits davon Hadithe Hadithe sein lassen und Allah einen guten Mann.

In den Medien tauchen diese Muslime zwar fast nie auf, aber man darf annehmen, dass es sie gibt. Fahre ich nämlich den Computer herunter, schalte den Fernseher aus und verlasse das Haus, dann gehört der Großteil der Muslime, die ich treffe, zu dieser Gruppe.

Ich frage mich angesichts einer solchen Maßnahme auch, wie hilflos die westliche Kultur eigentlich schon ist, wenn die kulturelle Höchstleistung, mit der man Einwanderer zwangsbeglücken will, Schweinsbraten ist. Bayrische Leser mögen mir diesen Kulturchauvinismus verzeihen – wir reden hier schließlich von dänischem Schweinsbraten, nicht zu vergleichen mit dem Gipfel kulinarischer Hochkultur, dem bayrischen Schweinsbraten, den ich natürlich niemals als vernachlässigbare Kulturleistung einstufen würde, sondern als Herz und Mitte freistaatlicher Kochkunst.

Haben wir dem Islam wirklich nichts Besseres entgegenzusetzen?

Doch, sollte man meinen. Z.B. die einzigartigen, beeindruckenden und wunderschönen Kunstwerke, die wir etwa in den Kapitolinischen Museen finden. Hier bewahren wir Zeugnisse der Wiege unserer Kultur auf. Ein uneingeschränktes Bekenntnis zur Einheit von Seele, Geist und Leib, ein steingewordenes Liebesbekenntnis zur Schönheit des menschlichen Körpers und des Menschen an sich, ein Zeugnis menschlicher Kunstfertigkeit und Gestaltungskraft.

Schönheit berührt. Schönheit führt zur Wahrheit. Schönheit verbindet. Wer angesichts dieser Abbildungen brüskiert ist, der soll sich im Bible Belt eine Hütte im Wald bauen und sein Leben in verbiesterter Einsamkeit verbringen. Davon auszugehen, ein muslimischer Staatschef sei schockiert oder beleidigt von unserer Kultur, ist leider nicht völlig abwegig, denn wir sehen mit grausamer Regelmäßigkeit, wie Kulturgüter zerstört werden, weil sie als „unislamisch“ angesehen werden. Da ist man froh um jeden assyrischen Löwen, der es bis nach Berlin geschafft hat. Manchmal weiß man erst Hundertfünfzig Jahre später, wozu koloniale Bereicherungsmentalität gut sein kann.

Persien hatte eine reiche vorislamische Kultur

Allerdings sollte uns auch bewusst sein, dass der Iran vor noch nicht allzu langer Zeit „Persien“ hieß und eine reiche vorislamische Kultur vorweisen kann, die aus Sicht eines Iraners weit über die der europäischen Barbaren hinausragt. In doppelter Hinsicht haben wir also keinen Grund, uns oder unsere nackten Griechen und Römer zu verstecken. Ein Gast passt sich an und ein Gastgeber ist rücksichtsvoll, aber beide tun das nicht bis zur Selbstverleugnung!

Einem Moslem Schweinefleisch vorzusetzen ist schlicht unhöflich und ungehörig. Stattdessen sollte man ihn lieber ins Museum mitnehmen und ihn teilhaben lassen an den kulturellen Glanzleistungen, die unseren Kontinent auszeichnen. Angesichts der aufgeheizten Lage der Nation spare ich mir den polemischen Hinweis darauf, dass der eine oder andere Iraner ja vielleicht auch ganz froh ist, mal eine Frau ohne Tschador zu sehen.

Autor: Anna Diouf

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