„Unkorrekte“ Medien: Für wen oder was der Autor nicht schreiben würde

Können Christen es sich leisten, für bestimmte Medien nicht zu schreiben, nur weil man das falsch verstehen könnte?

Das war mal eine interessante Frage: Für wen würdest Du nicht schreiben? Nachdem ich mich hinsichtlich meines Engagements beim Magazin „eigentümlich frei“ (ef) aus dem Fenster gelehnt hatte, wurde mir dafür auf Facebook angedeutet, ich würde mich zum Steigbügelhalter der Neuen Rechten machen. Die Wortlaute waren unterschiedlich, vom freundlichen Hinweis bis zum Appell an mein Gewissen, teilweise zweifelnd, teilweise im Brustton der Überzeugung vorgetragen, ich möge doch einsehen, mit wem ich mich da gemein mache. Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass es richtig ist, bei der ef zu publizieren, dass es dort zwar Beiträge und Kommentare gibt, die ich nicht teile, mir aber der Gedanke eines Magazins mit einer Redaktion ohne Schere im Kopf mehr gefällt als ich diese Meinungen ablehnen oder kritisieren würde.

Wo ist Deine persönliche Grenze?

Eine in diesem Zusammenhang aber viel intersessantere Frage hat mir dabei eine Journalistin gestellt, die ich gerne im Wortlaut wiedergebe:

„Was wäre denn für Dich eine Grenze, nicht mehr bei einem Medium zu publizieren, Felix? Oder gäbe es eine solche überhaupt nicht? Lass uns mal weg von den rechts-links-Themen: Würdest du z.B. für ein Blatt schreiben, wo ein Satanist eine regelmäßige  Kolumne hat? Oder wo  Sklavenhandel, Zwangsprostitution und Abtreibung positiv kommentiert wird? Das ist doch das Problem (für Christen! Sonst mag das ja funktionieren) mit der libertären Denkungsart: Dass letztlich jede Meinung gleichwertig dasteht. Ich würde nie sagen, dass es Medien wie ef nicht geben sollte (dafür bin ich liberal genug), aber der Knackpunkt ist doch, ob man sowas selbst aktiv unterstützt – oder nicht.

 Es ist so wie mit dem gekreuzigten Frosch. Ich toleriere sowas (mit zusammengebissenen Zähnen) als Kunstfreiheit. Aber ich würde mich nicht damit gemein machen, indem ich einen (kritischen) Beitrag für den Ausstellungskatalog schreiben würde .“

Gerade der Hinweis auf die „libertäre Denkungsart“, die ich mir selbst gerne attestieren würde (manche „Hardcore-Libertäre“ sehen das vermutlich anders), hat mich nachdenklich gemacht. Dass es ein Magazin wie die ef geben sollte, dass ein solches Magazin als Ergebnis einer freien Meinungsbildung seinen Wert hat, ist eine Seite. Aber muss man deshalb dafür schreiben? Darf man mit gutem Gewissen als katholischer Blogger für ein Magazin schreiben, in dem auch Autoren zu Wort kommen, deren Beiträge man nicht unbedingt als christlich bezeichnen kann? In jedem Fall ist für mich richtig, dass die allermeisten (!) Meinungen tatsächlich gleichberechtigt nebeneinander stehen können. Unsere Aufgabe als Christen ist es in diesem Zusammenhang, für eine „christliche Denkungsart“ zu werben, oder – eigentlich noch mehr – Menschen mit Christus in Verbindung zu bringen, die daraufhin einen weiteren Aspekt in ihre Meinungsbildung mit einbeziehen. Ich benutze hier aus Gründen der Neutralität bewusst nicht den Begriff der Mission (tue es hiermit natürlich doch), zumal es in einem säkularen Umfeld eben leider oft nicht zuerst um eine Gotteserfahrung geht sondern um einen Wettbewerb von Ideen: Für jemandem, der nicht an Gott glaubt, sind viele christlichen Argumente gar nicht tragfähig, die Folgerungen aber womöglich zumindest bedenkenswert.

Macht man als Autor sich mit allen Inhalten des Mediums gemein?

Jetzt stellt sich die Frage, was eigentlich ein Autor eines Magazins unterstützt, wenn er für dieses schreibt. Wer für ein libertäres Magazin schreibt, unterstützt natürlich damit in gewisser Weise eine libertäre Denkungsart, schreibt einer für ein Musikmagazin unterstützt er damit wohl zumindest in gewisser Weise die Popkultur, in beiden Fällen selbst dann, wenn er sich zum Libertarismus oder Popmusik kritisch äußert. Es kommt aber unbestritten noch ein weiterer Aspekt dazu, bei dem es um die faktische Ausrichtung eines solchen Blattes geht. Nehmen wir der Einfachheit halber mal das, was man im weitesten Sinne Popkultur nennen könnte: Da ist es natürlich ein Unterschied ob jemand für die Bravo, den Rolling Stone oder Metal Hammer schreibt. Wer in letzterem Magazin Texte zu Silbermond publiziert, wird sich dort in einer Niesche wieder finden. Aber wenn sie’s drucken … was sollte einen Silbermond-Fan hindern, dort einen Beitrag zu veröffentlichen? Etwas anderes ist es, wenn man dort thematisch fremd publiziert, also beispielsweise politische oder auch theologisch-religiöse Kommentare. Macht sich ein Theologe, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Metal-Fans Jesus nahezubringen, mit Heavy-Metal und seinen bisweilen satanisch angehauchten Texten gemein, wenn der dort schreibt (mal angenommen, man ließe ihn dort schreiben)? Die Frage beantwortet sich hoffentlich von selbst.

Aber macht man sich als Christ nicht mitschuldig, wenn man in einem Magazin veröffentlicht, das sich in Teilen oder gar schwerpunktmäßig in einem Themenumfeld tummelt, das man antichristlich nennen müsste (ich meine damit bewusst nicht „Metal Hammer“, ich kenne das Magazin nur aus den Zeitschriftenauslagen, womöglich gibt es darin sogar Silbermond-Beiträge?!). Wird man dadurch nicht zu einem christlichen Feigenblatt? Besteht nicht zumindest das Risiko? Und wenn es sich um ein – angeblich – „rechtes“ Magazin handelt (wobei man schon noch mal diskutiueren müsste, worin dieses „rechts“ im Einzelnen besteht) – läuft man dann nicht Gefahr, indirekt Werbung für „rechtes Gedankengut“ zu machen, selbst wenn man das gar nicht teilt und sich auch nicht entsprechend äußert? Könnten die Betreiber eines solchen Magazins dann nicht auch äußern, „Seht her, so schlimm sind wir doch gar nicht, der Honekamp publiziert doch auch bei uns.“?

Schadet es mir, dass ich in diesem Medium publiziere?

Ich sag es mal ganz offen: Ich kann dem Betreiber eines Magazins nur vor den Kopf gucken, kann also nur mutmaßen, welche Intentionen André Lichtschlag, den Chef der ef, den ich mittlerweile auch persönlich kenne, tatsächlich umtreiben. Ich hielte es nebenbei auch für vermessen, ausgerechnet mich als Betreiber eines kleinen konservativ-katholischen Blogs als Referenz für die politische Unbedenklichkeit benennen zu wollen. Eher würde doch umgekehrt ein Schuh daraus, dass ich mir den Weg in größere Zugriffszahlen verbaue, indem meine Beiträge in der ef publiziert werden (meine Blogstatistik geht jedenfalls nicht rasant in die Höhe, nur weil die ef ab und zu meine Beiträge wiedergibt). Und aus alldem ergibt sich für mich, dass es der Redaktion um ein möglichst breit gestreutes Themenspektrum geht, in der auch Meinungen stattfinden, die es sonst nicht überall zu lesen gibt. „Katholisch und libertär“ – das ist so ein Themenmix, den es nicht eben häufig zu bestaunen gibt, und der aus diesem Grund für ein Magazin wie die ef interessant sein dürfte.

Und täte ich auch dabei bleiben, wenn die ef nicht – wie jüngst geschehen – den Schutz ungeborenen Lebens aus Sicht der Verteidigung der Freiheit jedes Menschen als quasi „Hausmeinung“ festlegen sondern Abtreibungsbefürwortern breiten Raum einräumen würde? Ich möchte die Frage anders wenden: Wo sollte man für den Schutz ungeborenen Lebens werben: In Medien, in denen das sowieso common sense ist, oder da, wo man damit auf Widerspruch trifft (nicht jeder Libertäre heißt die in der ef publizierten Meinungen zu dem Thema gut)? Würde ich also für ein Magazin schreiben (so ich denn gefragt würde), in dem regelmäßig Satanisten schreiben, um dort den Glauben an Christus zu verbreiten? Und wieder: Wo sollte man denn Menschen zu Christus führen: In Medien, die sowieso nur von Christen gelesen werden oder da, wo man damit auf heftigen Widerspruch trifft?

Man erreicht Leser, die normalerweise kein Interesse für diese Themen hätten

Auch bei der ef schlägt mir bisweilen Widerspruch entgegen, andererseits gibt es auch immer wieder Leser, die entweder bei der ef bekunden, dass sie dankbar sind, dort auch solche Themen vertreteten zu sehen, oder bei mir kommentieren, dass sie erst durch mein Engagement bei der ef auf diesen Blog aufmerksam geworden sind. Wenn das nicht auch eine Art von Evangelisierung ist, dann weiß ich es nicht. Natürlich könnte ich mich politisch korrekt aus Medien heraus halten, die auch „unchristliches“ posten oder seitens des Mainstreams als rechts oder neurechts einsortiert werden, womöglich – das schreibe ich bewusst dazu – in Einzelfällen sogar zu Recht. Dann gäbe es meine Beiträge bei freiewelt.net wohl nicht mehr, sicher nicht die bei der „eigentümlich frei“, vermutlich aber auch nicht die bei kath.net. Umgekehrt sind meine Beiträge kaum katholisch.de-kompatibel und kämen wohl auch nicht für das deutsche Radio Vatikan in Frage. Was wäre also damit gewonnen? Ich würde weniger Menschen mit Glaubensinhalten und christlichen oder mindestens christlich geprägten Meinungen erreichen als es möglich wäre.

Das bedeutet nicht, dass ich für das „Magazin niedergelassener Abtreibungsärzte“ schreiben würde oder für die Hauszeitung „Der kleine Satanist“ (nicht googlen, gibt es unter dem Namen beide nicht), sehr wohl aber für eine Ärztezeitung, in der mit Mehrheit für Abtreibungen plädiert wird oder für ein Magazin, in dem auch Satanisten zu Wort kommen. Da gäbe es dann in den Kommentaren auch den Wind von schräg vorn und mancher würde argwöhnen, ob solche christlichen Beiträge dort nicht nur ein Feigenblatt wären. Aber wollen wir ein solches Feld lieber den Feinden des Glaubens, den Feinden des Lebens, den Feinden der Liebe Gottes überlassen, es einfach verloren geben?

Es gibt also nicht viele Beispiele von Medien, für die ich nicht schreiben würde, wobei die Mehrzahl der „kritischen“ sich kaum um mein Engagement bemühen dürften. Interessanter ist da eher die Frage, wer eigentlich in der Mehrzahl nur noch in Medien für Leser schreibt, die man ohnehin nicht mehr „katholisch machen“ muss oder bei denen man nicht mit erheblicher Gegenwehr rechnen muss? Und spannend ist auch die Frage, welche vorgeblich katholischen Medien Beiträge, wie ich sie zu schreiben pflege – und es gibt ja noch mehr Blogger in dem Umfeld – lieber nicht auf ihre Seiten nehmen? Ich täte jedenfalls auch in einem Kunstkatalog mit gekreuzigtem Frosch schreiben, wenn ich den Freizeitatheisten dort richtig den Kopf waschen dürfte!

Autor: Felix Honekamp

Felix Honekamps Text hat Josef Bordat zu eigenen Gedanken zum Thema bewegt:

Warum ich auch für „Der kleine Satanist“ schreiben würde

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