Stoppt die Rituale – Worte alleine genügen nicht!

Fassunglosigkeit. Dieses Gefühl ist mächtiger als die Trauer oder das Mitgefühl. Fassungslosigkeit angesichts der Grausamkeit, der Kaltblütigkeit, der Erbarmungslosigkeit eines Menschen, der beschlossen hat, der Vernichtung und Zerstörung zu dienen. Fassungslosigkeit angesichts der atemberaubenden Schnelligkeit, mit der sich ein fröhliches Fest in ein Massaker verwandelt, im Herzen Europas.

Das Netz ist nicht die reale Welt

Wenn in einem fernen Land ein Attentat geschieht, dann sind sie nicht weit: Die Klagen der pseudo-humanistischen Elite, die meint, weil ein Massenmord in einem westlichen Land mehr Solidaritätsbekundungen auf Facebook und in anderen sozialen Medien hervorrufe, seien die Leben von Nichteuropäern weniger wert. Nun möchte man diese Menschen fragen, ob sie eigentlich in der Realität angekommen sind. Das Netz ist nämlich nicht die reale Welt, auch wenn man das vergessen könnte, wenn man das Haus nur noch verlässt, um Soja-Latte zu trinken und ansonsten das, was Algorithmen vorgeben, als das echte Leben betrachtet.

Im Gegenteil scheinen europäische Leben erschreckend wenig wert zu sein: Sie sind es nicht wert, dass man für sie kämpft, dass man für sie entschlossen gegen Salafismus und Islamismus vorgeht, dass man sich anders für sie einsetzt als mit bloßen Worten des Entsetzens nach einer Gräueltat. Unsere Politiker, unsere Verantwortlichen können ein Leben in Bangladesch oder in Bagdad nicht schützen. Aber es ist auch nicht ihre Aufgabe. Es ist ihre Aufgabe, ihr Volk zu schützen, und alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um seinem Wohl zu dienen. Und darüber könnte Sicherheit auch an anderen Orten, an denen Islamisten wüten, wieder einkehren. Vielleicht sollte man angesichts der Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, von Hybris und Selbstüberschätzung abkommen, und wieder öfter die Formel „so wahr mir Gott helfe“ verwenden – denn angesichts einer Ideologie, deren Anhänger genau eines wollen, nämlich uns ermorden, ist es wohl angebracht, etwas Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn keiner hingeht, aber der Krieg zu Dir kommt

Der erste Schritt allerdings wäre, die Augen zu öffnen und die Realität wahrzunehmen. Ist den Eliten wirklich nicht klar, dass keine Propaganda und keine Augenwischerei sie halten wird, wenn die Bevölkerung irgendwann nicht mehr akzeptieren will, den Blutzoll für Realitätsverweigerung zahlen zu müssen? Kann man es wirklich darauf ankommen lassen, dass am Ende aus besorgten Bürgern zornige Bürger werden, die womöglich selbst in die Hand nehmen werden, was der Staat nicht tun will? Wollen wir dabei zusehen, wie Europa im Hass versinkt? Was tun, wenn keiner hingeht, aber der Krieg zu dir kommt?

Autor: Anna Diouf

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