Sternstunden bei den Grün*Innen

Es ist endlich soweit, die Partei des grünen Fortschritts will Vorreiter*In werden und auf ihrem Parteitag eine einheitliche, gendersensible Schreibweise für die eigenen Schriftstücke beschließen. War ja auch bislang mühsam bei den Damen und HerrInnen Grünen. Die einen benutzen in ihren Anträgen Unterstriche um die Männ_Innen und die weiblichen Freundinnen von Anton Hofreiter sprachlich zu kennzeichnen, die anderen nur das große Binnen-I für die StraßenreinigerInnen. Wieder andere nutzten die Doppelschreibweise für Sprachmörderinnen und Sprachmörder und dann gab es auch noch die Verweigerer, die bislang in schnödem Duden-Deutsch schrieben.

151118autorenkarte_birgitJetzt wird alles besser, und vor allem einheitlich. Wir sind in Deutschland, da geht doch nichts über eine klare Regelung. Aber jeder bitte nur einen Stern! Denn auch wenn man doch eigentlich eine bunte Partei sein will, bricht sich der Drang zum einheitlichen Drangsalieren bei den Grün*Innen doch immer wieder freie Bahn. Das ist beim versuchten Veggie-Day nicht anders, als bei der bundesweiten Raucherjagd, warum also nicht auch in der Sprache?

Auf dem Parteitag in Halle, soll laut Meldung des Magazins Der Spiegel der sogenannte „Gender*Star“ ganz groß rauskommen, um dann Einheit und Ruhe in den sprachlichen Gender-Trouble zu bringen. Warum es nicht ein deutscher Gender-Stern sein kann, weiß ich zwar nicht, nehme aber an, dass die Formulierung in der englischen Sprache weitere Modernität im global ausgerichteten Marsch Richtung Regenbogen darstellen soll. Zwar sind die Grünen sonst immer ein bisschen kritisch in Sachen Globalisierung, hier will man aber den weltoffenen Anschluss offenbar nicht verpassen. Möglicherweise soll auch eine Verwechslung mit dem deutschen Mercedes-Stern als Symbol von Konsumdenken und Kapitalismus bei den Grün*Innen vermieden werden.

Oder heißt es jetzt gar die Grünenden, analog zu den Studierenden und Demonstrierenden, und Rad Fahrenden, die uns neuerdings überall zufußgehend begegnen? Zumindest laut Leitfaden des grünen Bundesvorstandes, sind solche Formulierungen gern gesehen. Wenn der gendersensible Grünende also am Ampelweibchen-Übergang steht, ist er als an der Ampel Stehender Zufußgehender am korrektesten beschrieben. Selbst wenn die Apel gar nicht grün, sondern rot ist.

Ein wahrer Sternenregen wird das also zukünftig in den parteiinternen Dokumenten der Grün*Innen werden. Wobei zu befürchten ist, dass damit das Ende der sprachlich korrekten Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein wird. Warum nur Parteidokumente mit sexuell vielfältigen Sternchen versehen, wenn man einen ganzen Sprachraum begrünen kann?

Die neuen Bildungsplan-Entwürfe im grün-rot-regierten Baden-Württemberg schlagen schließlich vor, dass zukünftig auch alle Schüler, oder heißt es jetzt Lernende,  im Rahmen des Deutschunterrichtes die gendersensible Sprache kennen lernen sollen. Nicht geklärt ist bislang, ob dann dort noch die lustigen A- und X-Endungen des AK-Sprachhandeln an der Berliner Humboldt-Universität, der Gender_Gap oder die finalgrüne Sternchenvariante unterrichtet werden sollen, schließlich bastelt sich derzeit jeder Gender-Experte eigene Schreibweisen, was die Initiative auf dem grünen Parteitag erst nötig macht. Sicher gestellt wäre damit aber auf jeden Fall, dass das Beharren von Schüler*innen auf dudendeutsche Grammatik beim Verfassen der Hausaufgaben, deren homophobe und transphobe Gesinnung eindeutig outet, und es deutlich leichter werden wird, die Guten und die Bösen in der Klasse zu identifizieren.

Eines ist klar: Es grünt ziemlich grün, wenn Deutschland Sprachblüten blühen. Wenn die Abstimmenden ihr „ja“ zum Gender*Star gegeben haben, könnte somit der Tag des Parteitagsbeschlusses auch als gendersensibler Sternschnuppentag parteiintern jährlich neu begangen werden. Kinder könnten den Sternschnuppen-Tanz vorführen und gleichzeitig ihr Geschlecht tanzen. Die Regenbogenfähnchen können mit Sternchen beklebt werden. Gitarrenklänge untermalen den Ausklang bei lecker Bionade und Tofu-Wrap. Man könnte es aber auch als den Tag begehen, an dem die Grün*Innen ihre Gehirnwindungen final ins All katapultiert haben.

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