Nizza: Nur ein kurzer Einwurf

Nizza reiht sich ein in die Liste des Terrors. Sind wir jetzt alle Nizza? Und dann vergessen wir lieber alles und werden bald London … oder Köln?

Offenbar mehr als 80 Tote in Nizza: Ein Lkw rast in eine Menschenmenge, die den Nationalfeiertag feiert; kilometerweit werden Menschen mitgerissen, schwer verletzt und ermordet. Im Internet kursieren Handy-Aufnahmen, die den Schrecken in ihrer mangelnden Bildqualität nur verstärken.

Hört man zunächst von einem solchen Zwischenfall – „Lkw rast in Menschenmenge – Mehrere Tote!“ – dann wünscht man sich, man dürfe von einem Unfall ausgehen. Es geht aber nicht mehr: Seit Paris, Brüssel, London, Madrid, New York … ist der erste Gedanke bei einem Zwischenfall mit vielen Toten der an einen Terroranschlag. Und in den meisten Fällen liegt man damit richtig. Und dann fragt man sich auch nicht mehr, welchen Hintergrund der oder die Täter haben: Sozialistische Terroristen der Art der RAF? Separatisten? Könnte alles sein, aber im Zweifel: Islamisten! Auch hiermit liegt man meistens richtig.

Gebet für die Opfer

Dann gehen einem die Bilder der getöteten Menschen, auch die Bilder verstörter und trauernder Angehöriger und Freunde nicht mehr aus dem Kopf. Für die zu beten ist erste Christenpflicht. Sie wurden aus dem Leben gerissen oder ihr Leben wurde unwiderruflich aus der bisherigen Bahn geworfen: Das Leben einer Ehefrau oder eines Kindes eines Mannes, der von diesem Lkw in Nizza zerquetscht wurde, wird niemals mehr so sein wie früher. Man mag sich nicht vorstellen, wie man selbst fühlen würde – es geht einfach nicht, dazu reicht die Vorstellungskraft nicht aus. Welche unvorstellbare Kraft brauchen diese Menschen, von der ich überzeugt bin, dass sie nur Gott schenken kann.

Beten wir also für diese Menschen – das ist das einzige, was wir für den Moment tun können. Und doch erscheint es mir zu wenig. In aller Hilflosigkeit erscheint es so, als dürften solche Taten nicht länger ohne Konsequenzen bleiben.

Der immer gleiche Hintergrund

Denn in den kommenden Tagen werden wir wieder halbherzige Versuche sehen, die Tat von Nizza als die eines verwirrten Einzeltäters darzustellen: Mag er sich auch auf den IS oder den Islam berufen, mag er auch einen nordafrikanischen Migrationshintergrund haben. Es darf nur ein Einzeltäter gewesen sein, sonst würde die Panik nur vergrößert. Erinnern Sie sich an die Sätze unseres Innenministers: „Ein Teil der Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern!“ Offener ist wohl selten kommuniziert worden, dass im Umfeld solcher Anschläge die Lüge um sich greift.

Denn eines ist wohl zwischenzeitlich unstrittig: Wo immer in der westlichen Welt Terroranschläge geschehen, liegt man mit der Einschätzung „islamistischer Hintergrund“ zu fast 100 % richtig. Das heißt nicht, dass jeder Moslem ein Islamist ist, aber es bedeutet, dass diese Religion und Ideologie offenbar ein Gewaltproblem hat. Das bedeutet, dass die Gefahr, die von einem Christen, einem Hindu oder einem Buddhisten in Europa ausgeht, als eher gering eingeschätzt werden kann. Beim Islam ist das anders. Darum ist es auch nicht verwerflich, hier einen genaueren Blick zu wagen: Moscheen zu überprüfen, Migranten einer besonderen Kontrolle zu unterziehen. Das ist nicht diskriminierend sondern Folge von Erfahrungen und Statistik.

Und nun?

Sind wir nun alle Nizza, wie wir schon Paris oder Brüssel waren? Und ist das überhaupt hilfreich? Vor kurzem erst wurde von einem – Gott sei Dank – vereitelten Anschlag in Düsseldorf berichtet. Heute beginnt in Düsseldorf die Rheinkirmes, Deutschlands zweitgrößtes Volksfest nach dem Oktoberfest. Am Samstag finden ein paar Kilometer weiter rheinaufwärts die „Kölner Lichter“ statt. Hundertprozentig sichern kann man solche Feste nie – aber glaubt irgendjemand, dass in Deutschland genug getan wird, Anschläge wie die in Nizza zu vereiteln? Unser Plan ist, in der kommenden Woche die Rheinkirmes zu besuchen – man ist versucht zu sagen: Jetzt erst Recht. Aber ich kann auch nicht sagen, dass mich die Sicherheitslage gänzlich unbeeindruckt ließe.

Die deutschen Grenzen stehen noch immer sperrangelweit offen, noch immer gibt es Tausende Migranten, die unerfasst in Deutschland leben. Die meisten von ihnen – so hoffe ich jedenfalls – auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung oder von mir aus auch nur Armut in ihren Herkunftsländern. Die meisten von ihnen auf der Suche nach einem besseren Leben. Aber es reichen ein paar wenige Irre, die sich mit den Flüchtlingen haben ins Land schleusen lassen.

Und nun? Ich habe keine Antwort! Aber ich gebe zu: Ich habe jetzt schon die politischen Antworten der kommenden Tage satt, deren Protagonisten genau so ahnungslos sind.

 

 

Autor: Felix Honekamp

Nachtrag: Mein lieber Freund Klaus Kelle schreibt hier, was auch mich umtreibt:

„Wir sind in diesen schweren Momenten an der Seite von Frankreich“, sagt gerade Außenminister Steinmeier im Fernsehen. „Kurz vor dem Wochenende erholen sich die Temperaturen“, meldet der Nachrichtensender N 24…. ich glaube, ich muss kotzen.

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