Neues aus der Anstalt: Transager

Bevor Paul sein wahres Ich fand, war er ein etwas übergewichtiger 52-jähriger Mann. Der Kanadier war mit einer Frau verheiratet und Vater von sieben Kindern. Doch all das war gestern. Denn heute ist Paul in seinem Selbstfindungsprozess weiter. Das erfahren wir aus einem Video des Transgenderprojekts, das gerade durchs Netz geistert. Paul ist jetzt Stefonknee, ein sechsjähriges Mädchen. In seinem neuen Leben geht es ihm auch viel besser, sagt er. Er braucht keine Medikamente mehr, und auch die Suizidgedanken seien weg, jetzt da er mit Schleifchen im Haar und Schnuller im Mund bei seinen neuen „Adoptiveltern“ lebt.

Nun freue ich mich sehr, wenn Paul seine Medikamente nicht mehr braucht und ein prima Leben mit Kuscheltieren und Kleidchen verbringen kann. Wunderbar auch, dass er ein neues Zuhause gefunden hat, weil seine Ehefrau und seine sieben Kinder so intolerant reagiert haben auf einen Daddy und Ehemann, der gar nicht mehr Mann sein will und auch lieber jünger als seine eigenen Kinder. Denn früher hätte es für Paul nur einen Platz in einer Anstalt gegeben, heute reicht ein Spielplatz. Das kommt auch das Gesundheitssystem viel billiger.

Aus einer blonden Weißen wird eine „schwarze Frau“

Immer wenn man denkt, es geht nicht noch irrer, meldet sich an der Transfront wieder jemand Neues mit weiteren Transformationen zu Wort, an die wir Ungläubigen in unserer Intoleranz gar nicht zu denken gewagt hatten. Dabei hatten wir doch schon die „schwarze“ Menschenrechtsaktivistin Rachel Dolezal, die in ihre afro-amerikanische Herkunft nur vortäuschte, weil das einst blonde weiße Mädchen sich selbst als „schwarze Frau“ bezeichnet, die sie sein will. „Transracial“ scheint da wohl der Fachbegriff. Ja logisch, warum nicht und wie weitsichtig, wo doch jeder weiß, dass „weiß“ zu sein eine unterdrückende, privilegierte Lebensform mit Neigung zum Rassismus ist. Da möchte nun wirklich keiner mehr dazu gehören und schon gar nicht Rachel, die sich als Neu-Schwarze für die Rechte von Schwarzen einsetzt, was blond und weiß einfach nicht so authentisch rüber kommt.

Aber hey, warum nicht? Wenn man sich angeblich über sein Geschlecht hinwegsetzen kann und die Biologie hier kein Hindernis ist, warum nicht über die eigene Hauptfarbe, Abstammung, das eigene Alter oder alles gleichzeitig? Und haben wir die ganzen Möglichkeiten der Trans-Bewegung überhaupt schon zu Ende gedacht? Müssen wir nicht noch viel toleranter werden, als wir bislang dachten? Gender kennt keine Grenzen und nach der Geschichte mit Stefonknee, formally known as Paul, verstehe ich auch endlich, was es mit dieser ganzen intersektionalen Genderforschung auf sich hat, die ja inzwischen alle möglichen Quer-Verbindungen von Ausgrenzung in einen Topf bringt, damit die verschiedenen Mehrfach-Diskriminierungen endlich mit unserem Steuergeld zutage befördert, analysiert, kategorisiert und dann beseitigt werden können. Ich verstehe jetzt auch endlich, warum die Stadt Wien bei der Verkehrssicherheit die Kategorie Alter in die Kategorie Gender verschoben hat. Denn wenn es in Sachen Verkehrssicherheit um „Umsetzungsbeispiel von Gender Mainstreaming“ bei Neuplanungen von Straßen, Wegen und Plätzen geht, wird in Wien „auf die Bedürfnisse von Frauen, Männern, älteren Menschen, Jugendlichen sowie mobilitätseingeschränkten Personen Rücksicht genommen“. Jetzt, da wir Stefonknee kennen, zeigt sich erst die Weitsicht der Stadt Wien: Alt zu sein ist auch Gender.

So mancher Affe übertrifft im IQ manchen Menschen

Fehlt im bunten Reigen der Transformationen nur noch das Verlassen der eigenen Spezies. Wer sagt denn, dass wir überhaupt als Mensch leben und unser Menschsein akzeptieren müssen, nur weil irgendein Gott oder eine ominöse übermächtige Natur uns in diesen Körper gesteckt hat? Warum darf ich nicht als Haustier leben und mein Menschsein ablegen, wenn es mir mehr zur Last wird, als mich zu erfreuen? Schon in den 70er Jahren haben die ersten Wissenschaftler die Theorie des Speziezismus aufgebracht, die in der Einteilung der Lebewesen in Spezien wie Mensch und Tier auch nur eine Unterdrückungsform sehen, die Rassismus und Sexismus gleich kommt. Schließlich gibt es beispielsweise Menschenaffen, die in ihrem IQ so manchen Menschen übertreffen, warum ihnen also nicht Menschenrechte zugestehen, wie es „Ethiker“ wie Peter Singer schon lange fordern? Wenn wir aber Tiere als Menschen anerkennen sollen, warum nicht Menschen als Tiere? „Transhuman“ sozusagen. Und warum nicht „Transnature“ insgesamt? Ich erinnere mich, wie sich zu meinen Studienzeiten in Freiburg grüne Aktivisten an Bäume ketteten, den Bäumen Namen gaben und ihre Freunde, die Bäume, damit vor der Kettensäge retten wollten. Bäume als getaufte, menschliche Freunde. Die Krönung dieser Bewegung wäre wohl die Transformation eines Menschen, der fortan als Eiche im Wald lebt und sich von Regenwasser ernährt. Da können selbst die Veganer noch was lernen!

Nichts zeigt besser als all diese absurden Geschichten, dass sich Gender Mainstreaming längst von seiner Ursprungsdefinition als Frauenpolitik verabschiedet hat, wenn es das überhaupt jemals gewesen ist. Der Gender-Begriff stammt aus der Transsexuellen-Forschung, er wurde von der feministischen Bewegung zwar adaptiert als Synonym für das „soziale Geschlecht“ zur Überwindung von stereotypen Frauenleben. Heute ist die Opfergruppe Frau aber nur noch eine von vielen auf der ständig weiter wachsenden Opferseite der Geschlechterfront.

Nur Naive meinen noch, bei „Gender“ gehe es um Frauenförderung

Wie mit einer zweiten Welle ist die gesamte Gender-Thematik inzwischen überrollt worden und längst bei ganz neuen Opfergruppen angelangt, während die Mehrheit der naiven Politiker immer noch denkt, man betreibe mit der Finanzierung von Gender-Beauftragten und Gender-Lehrstühlen irgendeine Form von Frauenförderung. Das „andere“ Geschlecht ist längst der „Vielfalt der Geschlechter“ gewichen, die Definition von Geschlecht wiederum ist für vogelfrei erklärt.

Sex ist das neue Geschlecht. Hautfarbe ist das neue Geschlecht. Alter ist das neue Geschlecht. Reichte es noch vor wenigen Jahren, die Frau in der Sprache sichtbar zu machen, muss heute mit Sternchen, Strichen und Wortverrenkungen die Vielfalt der Geschlechter, oder besser gesagt die Vielfalt der sexuellen Orientierungen, sprachlich sichtbar gemacht werden. Je mehr darüber geredet wird, dass Geschlecht und sexuelle Orientierung keine Relevanz haben sollten, umso mehr wird uns täglich das Gequatsche über die sexuelle Vielfalt und deren Ausdrucksformen aufgenötigt, als gäbe es kein anderes Thema mehr. Feierte man früher die Einrichtung von eigenen Frauen-Toiletten als feministische Errungenschaft, müssen heute weitere Unisextoiletten hinzukommen, damit auch die Vielfalt der Geschlechter aufs Klo gehen kann.

Die „Ehe für wirklich Alle“ ist noch nicht zu Ende diskutiert

Frauenquote? Dass ich nicht lache. Wir werden auf kurz oder lang Trans-Quoten diskutieren, spätestens wenn sich die erste Transfrau auf einen Frauen-Quoten-Posten gerichtlich einklagt. Das ganze wird sich fortsetzen im Familienrecht, denn die Ehe für Alle – ja, für wirklich Alle – ist noch lange nicht zu Ende diskutiert. Schließlich muss nach der Ehe auch das Recht auf Elternschaft, Adoption, künstliche Befruchtung für alle Geschlechter erstritten werden. Die Familien-Vielfalt lässt grüßen. Ging es früher um Frauenrechte, geht es heute um die Rechte von Schwulen-, Lesben- und Transsexuellen – und wie die Beispiele oben zeigen, ist das Ende der Gender-Fahnenstange noch lange nicht erreicht.

Geschlecht, sexuelle Orientierung, Hautfarbe, Alter – nichts ist mehr sicher vor der Gender-Front, die wir mit Millionenbudgets durchfüttern, damit sie uns anschließend in eine homo-trans-bis-was-auch-immer-phobe Ecke verbannen, wenn wir den Schwachsinn nicht mit lautem Hurra begrüßen. Wann hat diese Verblödung eigentlich begonnen? Eines muss ich der Gender-Befreiungs-Front aber lassen, wenn das so weiter geht, erscheint die Option als asexueller, cis-weiblicher Baum auf einem Kinderspielplatz zu leben plötzlich als sympathischer Gedanke.

Autor: Birgit Kelle

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