Mit aller Gewalt: erfolgreich selbst ausgrenzen

Eine kleine gesellschaftliche Minderheit fordert seit Jahrzehnten die Inklusion in die Mehrheitsgesellschaft. Den Mitgliedern dieser Minderheit wurde und wird oft übel mitgespielt. Immerhin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einiges im Sinne eines toleranten Umgangs mit dieser Minderheit getan. Und das ist auch gut so!

Nun wurden mehr als 100 Angehörige dieser Minderheit zu Opfern eines feigen Terroranschlags: 50 wurden mit einem Sturmgewehr niedergemäht, ermordet. Mindestens weitere 50 Menschen wurden schwer verletzt. Noch ist nicht sicher, ob alle Verletzten ihre Verwundungen überleben werden.

Ein Anschlag auf alle

Der zivilisierte Teil der Mehrheitsgesellschaft reagiert mit Entsetzen, mit Abscheu, Erschütterung und Mitgefühl. Tenor: Das ist ein Anschlag auf uns alle, die Minderheit gehört zu uns, stehen wir zusammen, bieten wir dem Terror – (auch wenn wir derzeit noch nicht ganz so offen darüber reden wollen, woher der Terror kommt) – die Stirn! Auch das ist gut so.

Und jetzt wird es interessant.

Anstatt diese Zeichen der Mehrheitsgesellschaft (als mehr will ich das ja nicht mal deuten) der Zusammengehörigkeit, der Annahme, der Toleranz und des Respekts, der Menschenwürde und des Mitgefühls freudig zur Kenntnis zu nehmen und zu versuchen, diese positiven Signale in den Alltag zu übernehmen und darauf konstruktiv aufzubauen, kommen nun einzelne Schreiber aus der Szene und hauen den Gutwilligen und Mitempfindenden ein Scheunentor vor der Nase zu.

Chance vertan

Unter so kruden Schlagzeilen wie „Warum Orlando kein Angriff auf die offene Gesellschaft war“ (Süddeutsche) oder auch „Es ist nicht eure Welt, die hier zerschossen wurde“ ( Welt) tun diese Menschen alles, um die Minderheit mit allen Mitteln gegen die Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen. Ja, sie versteigen sich sogar zu so aberwitzigen Thesen, dass das alltägliche Leben in zivilisierten Ländern für Mitglieder der Minderheit schrecklicher sei, als nun dieser eine Terrorakt. Sie lehnen ab, sie stoßen zurück, sie verharmlosen den Terror und bauschen die alltägliche zwischenmenschliche Ablehnung auf, sie relativieren und negieren und ja – sie klagen sogar an.

Bei solchen Reaktionen aus der Szene oder von „gutmeinenden“ und solidarischen Journalisten muss sich die Minderheit nicht wundern, wenn sich selbst die Gutwilligsten irgendwann entnervt abdrehen.

*undab*

Autor: Martin Wind

 

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