Mark und die Milliarden

Kaum ein Mensch kann sich 45 Milliarden Dollar vorstellen. Noch weniger Zeitgenossen können sich vorstellen, was man damit machen kann. Ausgeben kann man das kaum. Vom verstorbenen Fürst Johannes von Thurn und Taxis ist der Ausspruch überliefert, ein großes Vermögen könne man nicht verschwenden, man könne es aber sehr wohl verschlampen.

Was tun, wenn man ein so großes Vermögen hat, wie es über Mark Zuckerberg hereingebrochen ist?
Mach was Du willst, sagt der Liberale. Vergesellschaften, fordert der Marxist. Kauf Land und zeuge viele Kinder, rät der Adel. Halt Dein Geld zusammen, damit es sich mehrt, sagt der Bürger. Gib es den Armen, verlangt der Sozialromantiker.

Was ist gut?

Mark Zuckerberg hat seine Entscheidung getroffen. Er hat die Absicht, einen Großteil seines Vermögens über die kommenden Jahre hinweg zu spenden, um damit Gutes zu tun. Doch was ist gut?
Ein so großes Vermögen ist nicht allein Geld. Ein Vermögen dieser Größenordnung ist Macht. Exakt diese Macht will der Internetmilliardär mit dem Geld ausüben. Die Motive mögen philanthropisch sein, die Wirkung wird nichts desto weniger ein Akt der Machtausübung sein.
Niemand, der ein solches Vermögen erwirbt, vermag sich dem Druck der Macht des Geldes zu entziehen. Es ist erstaunlicherweise die Geburt seines Kindes, die den jungen Amerikaner im grauen T-Shirt diesen Druck hat spüren lassen.

Ein Vermögen kann einem Menschen schaden

Auch mit dem bescheidenen Restvermögen, das er seiner Familie erhalten will, wird das Kind mit goldenem Löffel im Mund aufwachsen können. Es wird nach menschlichem Ermessen nie materielle Not leiden. Zuckerberg hat, wie übrigens schon andere Milliardäre vor ihm, begriffen, daß ein Megavermögen einem Kind auch schaden kann.
Es ist die amerikanische Kultur, die einem Menschen sagt, er könne alles schaffen, wenn er nur wolle. Es ist aber auch amerikanische Kultur, einen Menschen ins kalte Wasser zu werfen und zum Erfolg zu zwingen oder untergehen zu lassen, wenn er es eben nicht schafft. Der amerikanische Unternehmer und erst recht der amerikanische Gründer ist wohltätig und spendierfreudig, sozial im europäischen Sinne ist er nicht. Das befremdet den Europäer. Doch die amerikanische Kultur ist aus unserer Sicht immer ein wenig im Wilden Westen geblieben. Jeder trägt sein eigenes Fell zu Markte. Und jeder Tellerwäscher kann Millionär werden. Der amerikanische Traum ist oft genug Wirklichkeit geworden. Ein Student erfindet das größte Soziale Netzwerk der Welt und ist mit Anfang 30 Multimilliardär. In Europa ginge das nicht.

Diese Andersartigkeit mag uns Europäer verstören, sie ist der amerikanische Weg zum Erfolg. Die USA sind ein Land der Gründer, ihre Geschichte ist zu kurz um in Jahrhunderten denken zu können, wie es Europäer gewohnt sind. Darum sind sie so anders, so jung, so aggressiv und so radikal.

Geld bedeutet Macht und Einfluß

Von einem Europäer würde man verlangen, den Druck des großen Vermögens auszuhalten und eine Dynastie zu gründen. In den USA gibt es nur wenige Dynastien und die, die es gibt, sind dann doch wieder sehr europäisch geprägt. Der Westen der USA hat andere Gesetze, das Silicon Valley lebt diese Gesetze in der radikalen Schnelligkeit in der auch die Prozessoren getaktet werden. Mark Zuckerberg hat das verstanden und handelt so.
Es ist müßig zu spekulieren, was aus dem Geld werden wird, das in Fonds, Stiftungen, Hilfswerken und anderen (Wohltätigkeits-)Organisationen landen wird. Es wird ein Machtfaktor sein und es wird Politik machen. Das ist schon jetzt klar. Das nicht kontrollieren zu können, ist für einen alten Europäer kaum auszuhalten. In den USA geht das. Somit bleibt nur abzuwarten, welche Einflüsse man nehmen wird, denn darüber wird Zuckerberg selber entscheiden. Auch das Weggeben von Geld kann ein Akt der Machtausübung sein.

Weil die USA grundsätzlich liberal sind, wird dort kaum jemand die Stirne runzeln. Mag der Mark doch mit seinem Geld machen, was er will. Der moralische Zeigefinger kommt allenfalls aus Europa und ist nicht selten entsetzlich peinlich. Statt uns über einen jungen amerikanischen Multimilliardär zu echauffieren, sollten wir uns lieber fragen, warum es solche jungen Menschen bei uns nicht gibt. Es gäbe sie vielleicht sogar, doch in Europa wäre schon der Versuch, ein Unternehmen wie Facebook aufzubauen, in der Anfangszeit in Vorschriften ersoffen. Darüber sollten wir einmal nachdenken.

Autor: Peter Winnemöller

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