Kirche doch nicht bedeutungslos? Ein Hoffnungsschimmer

Wenn ich es richtig verstanden habe, ist die Rahmenhandlung folgende: Eine katholische Gemeinde lädt seit über zehn Jahren alle Kinder der dritten Klasse zur Erstkommunionfeier ein. Alle. Auch die nicht-katholischen, die nicht erstmals an den Altar treten. Aber die waren eben an dem Tag trotzdem dabei, des Gemeinschaftsgefühls zuliebe. Und bisher kamen auch alle – jedenfalls die meisten. Die Schule organisierte zu diesem Anlass eine Art Ausflug in die Kirchengemeinde. In diesem Jahr wird dieser nicht als Schulveranstaltung stattfinden, weil sich Eltern beschwert haben.

Die Kirche als Gefahr für das Gewissen

Das Interessante daran ist nicht der Protest oder die Absage, sondern die zugehörige Begründung: Es sei unzumutbar, Menschen in Gewissensnöte zu stürzen. Das wirft zwei Fragen auf. Zum einen: Ist das so? Und wenn das so ist, müsste dann nicht jegliche Konfrontation mit der Welt unterbleiben, soweit diese eben ein durch und durch von moralischen Entscheidungen geprägter Raum ist? Zum anderen: Warum billigt man eigentlich gerade der Kirche zu, eine Instanz zu sein, die Menschen ins Gewissen spricht? Schon durch ihre Rituale bzw. begleitende Feierlichkeiten. Offensichtlich geht die Gefahr für das Gewissen der nicht-katholischen Kinder ja ganz deutlich von der Kirche aus, und zwar bereits im Rahmen einer Feier anlässlich der Erstkommunion.

Das ist allerdings – richtig verstanden – ein Kompliment und zugleich ein bleibender Auftrag. Solange die Kirche die Macht hat, allein durch das Angebot zur Teilnahme an ihren Veranstaltungen Menschen „in persönliche Gewissensnöte und Bedrängnis zu bringen“ (Schulleiter Alexander Bär), ist für sie noch nichts verloren. Solange die Kirche Gewissensnöte auslöst, ist alles in Ordnung.

Wenn die Kirche als harmlos empfunden würde, dann hätte sie verloren

Anders gesagt: Erst, wenn nicht-katholische Eltern ihre nicht-katholischen Kinder mit einem Schulterzucken in die Obhut eines Pfarrers entlassen, erst dann, wenn die Einladung in die Kirche so behandelt wird wie ein Wandertag ins Grüne oder ein Besuch im Currywurstmuseum, erst dann also, wenn im kollektiven Bewusstsein nicht-katholischer Eltern von der Kirche keinerlei Gefahr für das nicht-katholische Gewissen ihrer Kinder ausgeht, hätte die Kirche verloren. Und zwar deutlich.

Solange aber nicht-katholische Menschen auf die Barrikaden gehen, wenn die Kirche es wagt, auch sie einzuladen, gibt es Hoffnung. Insoweit darf man den Protesteltern dankbar sein.

Autor: Josef Bordat

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