Karneval: Düsseldorf – Köln … 0 : 0

Die Kölner haben den Karneval durchgezogen – trotzdem eher ernüchternd, was dort zu sehen war.

Als Westfale, Pilstrinker (weder Kölsch noch Alt – letzteres schon eher – sind wirklich Bier) und Verächter des gemeinen Herrenwitzes steht mir eigentlich ein Urteil über den rheinischen Karneval nicht zu. Zwischenzeitlich – mit Kindern – habe ich mich damit abgefunden, den einen oder anderen Karnevalszug zu besuchen, örtlich, klein und nicht länger als eine gute Stunde, dabei eine Tüte mit Süßigkeiten einzusammeln, von der man rund die Hälfte nur entsorgen kann – ob „Kamelle“ ursprünglich eine rheinische Bezeichnung für Süßigkeiten mangelhafter Qualität oder abgelaufenen Haltbarkeitsdatums war?

Woran ich zugegeben meist Spaß hatte ist der Düsseldorfer Rosenmontagsumzug – ohne das gekünstelte Kölner Lokalkolorit eines Volksstamms, der tatsächlich der Meinung ist, es genüge, wenn die Altstadt versifft genug ist und in der Mitte der Stadt ein imposanter Dom steht und schon könne man sich als schönste Stadt der Welt begreifen; vielleicht ein bisschen mehr Schicki-micki aber immer auch mit bissigem Humor der Wagen ausgestattet: Der Düsseldorfer Karnevalsumzug war schon immer politischer als die anderen Züge. Das ist für einen Konservativen, und besonders für einen Gläubigen, auch nicht nur lustig, aber im Zweifel ging es bei den Themenwagen gegen die Mächtigen dieser Welt, zu denen auch die Kirche gehört, in den vergangenen Jahren auch mehr und mehr gegen die Terrorregime und auch die deutsche Verbindung zu ihnen. Wenn es also gegen Papst und Kirche geht, dann muss man eben auch mal die Zähen zusammenbeißen, es sportlich oder – besser noch – mit Humor nehmen!

Quälend: Ging es wirklich nur ums Wetter

Jetzt kann man lange darüber nachdenken, ob man am gestrigen, leicht windigen, ab und an böigen und regnerischen Tag tatsächlich aus Sicherheitsgründen den Düsseldorfer Zug hat absagen müssen. Ich möchte auch nicht in der Haut der Düsseldorfer Verantwortlichen stecken, die die Entscheidung getroffen haben und für die Sicherheit der Menschen mitverantwortlich waren: Ging es wirklich nur ums Wetter? Hatte man nach der Kölner Silvesternacht Zweifel, ob man für die Sicherheit der Gäste aus aller Welt garantieren könnte? Oder gab es tatsächlich – wie einige unken – Terrordrohungen, die man lieber verschwiegen aber trotzdem ernst genommen hat? Verschwörungstheorien schossen schon am Vorabend ins Kraut, als spekuliert wurde, man müsse einige Züge wegen des Wetters eventuell absagen, und seit islamismuskritische Bilder von Düsseldorfer Wagen im Netz kursierten (hier eine Auswahl von Wagen der Rheinischen Post), erhalten sie zusätzliche Nahrung. Womöglich war die Entscheidung der Absage des Düsseldorfer Zuges aus Sicherheitsgesichtspunkten richtig, aber ein Kotau vor dem Islamismus, dem man lieber keine Anknüpfungspunkte für Terrorakte liefern wollte?

Nun glaube ich nicht, dass die Menschenimitationen des IS einen Vorwand für den Terror brauchen: Karneval an sich wird für diese Schlächter ausreichend Grund zum Terror sein. Insofern kann man einerseits wiederum den Kölnern nur danken, dass sie durchgezogen haben, gefeiert haben, bei durchwachsenem Wetter und aus Sicherheitsgründen ohne Pferde – aber rheinisch-fröhlich. Andererseits war der Kölner Karnevalszug politisch auch mal wieder derart harmlos, dass es einen schon verrückt machen kann: Wenn der Düsseldorfer Karneval dafür gestanden hätte, dem Terror die Stirn zu bieten, war der Kölner Karneval offenbar darauf bedacht, sich bloß ja nicht aus dem medialen Mainstream heraus zu bewegen.

Wirklich kritische Wagen fehlten

An den Islamismus hat man sich nicht rangetraut, stattdessen bekamen Baschar al-Assad, der Präsident Syriens, Kim Jong-Un, sein Pendant aus Nordkorea, und – hinter ihnen stehend – Wladimir Putin ihr Fett weg, als die „Scheinheiligen“, die angeblich der Meinung wären, ihnen gebühre der Friedensnobelpreis. Sicher, alles auf ihre Art Diktatoren, einer immerhin leidlich demokratisch gewählt, jedenfalls aber doch nicht der unberechenbare Schrecken der Welt! Und ich sag’s mal so: Auf einem echt kritischen Wagen wäre wenigstens Barack Obama (Sie erinnern sich: Der, der es bis heute nicht geschafft hat, die Guantanamo-Internierungslager zu schließen) mit der Medaille vor den Dreien hergelaufen. So aber war dieser Wagen an Gratismut kaum zu überbieten.

Apropos Gratismut und Schrecken: Was ist die erschreckendste politische Kraft, die derzeit Deutschland erschüttert? Manche würden sagen die AfD, andere die Linken … aber in Köln macht ein politischer Wagen für Toleranz mit einem Kraken mit der Aufschrift NPD und Ähnlichkeit mit Adolf Hitler auf. Aber keine Sorge: Die AfD und auch Pegida wurden als Arme dieses Kraken dargestellt. Gruselig, dieser Wagen, in mehrfacher Art: Denn schon bei kurzem Nachdenken könnte einem einfallen, dass man diesem Kraken, von mir aus bezeichnet als „Nationalismus“, einen anderen mit den Namen „Islam“ gegenüberstellt, mit ein paar islamischen und islamistischen Verbänden in Deutschland – ein Pierre Vogel hätte sich auf so einen Krakenarm doch gut gemacht, oder Saudi-Arabien …? Beide Kraken, die um die Weltkugel kämpfen – hätte Sinn gemacht, ist aber niemand drauf gekommen, wäre wohl auch zu kritisch gewesen – zu gefährlich!

Wagenmottos als mutlose Ergebenheitsadressen

Und damit auf gar keinen Fall untergeht, welche politische Richtung sich gehört: Ein Wagen mit Angela Merkel, Titel „Merkelancholie“, mit einer Europa-Flagge mit nur noch einem Stern – aller anderen Sterne sind abgefallen. In der Tat ein hintersinniges Bild, könnte man Spaß dran haben, wüsste man aufgrund der anderen Wagen nicht, dass man seitens der Offiziellen des Kölner Karnevals hinter den einsamen politischen Entscheidungen der Kanzlerin steht wie ein Mann! Auch hier fallen einem Bilder ein, wie die von der Kölner Domplatte aus der Silvesternacht, die man hätte darstellen können und andere europäische Regierungsvertreter, die nur noch Kopfschütteln für Merkel übrig haben. Das allerdings hätte die Gedanken womöglich auf eine ganz anderer Reise geschickt.

Meine Leser wissen, und der Beginn dieses Beitrags hat es schon deutlich gemacht: Ich bin kein besonderer Fan Kölns. Trotzdem war ich am Beginn dieses Tages angetan davon, dass man in Köln den Mut aufgebracht hat, dem Wetter und anderen Bedrohungen zu trotzen – vielleicht auch mit einer gehörigen Portion „Jetzt erst recht!“. Und ja, man hat gefeiert, trotz allem, das will ich nicht geringschätzen. Aber das war eine Feier, ein Karneval mit angezogener Handbremse, offenbar beseelt von der Furcht, irgendjemandem auf die Füße zu treten. Schade drum – hoffen wir, dass es die Düsseldorfer im nächsten Jahr wieder besser machen!

P.S. An alle Kölner Leser: Es war eigentlich nicht meine Absicht, Köln zu „bashen“, es ist einfach so mit mir durchgegangen. Ich hoffe, Sie nehmen es mit Humor?

Autor: Felix Honekamp

Anmerkung der Redaktion: Der Autor weiß nicht, was ein richtiges Bier ist: Hefeweizen!

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