Jean-Claude Juncker – der kleine Absolutist

Da steht er nun also: ein grauhaariger, alter Mann in einem etwas zu groß geratenen Anzugsakko, leicht vornübergebeugt, eine Tasse Kaffee in der Hand. Nichts ungewöhnliches, sollte man denken. Schaut man genauer hin, dann ist auf dem Foto zu erkennen, dass es sich bei dem alten Mann um Jean-Claude Juncker handelt. Ja, genau – den Jean-Claude Juncker, der seit 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission ist. Protegiert von der Bundeskanzlerin der Deutschen wurde der ehemalige Finanz- und Premierminister Luxemburgs auch von Deutschen in seinem Amt installiert.

Das Foto als solches ist eigentlich vollkommen unspektakulär: Man sieht diesen alten, gebeugten Mann, neben ihm einen seiner Mitarbeiter, hinter ihm eine Mitarbeiterin, beide dienstbeflissen um den Herrn bemüht. Im Hintergrund schaut ein gestrenger Herr aufmerksam in die Runde: Sicherheit! Und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte zu diesem Bild. Gefunden habe ich es bei einem Bekannten, selbst mal Minister in einer Landesregierung und mit den Gepflogenheiten in politischen Kreisen vertraut. Nach seinen Informationen sollte Juncker am Flughafen Tegel aus dem Auto steigen, die Abfertigungshalle durchschreiten und in seiner Lounge Platz nehmen, bis er ins Flugzeug steigen konnte. Dafür – und nur dafür – waren mehrere Polizisten abgestellt worden, die den Weg Junckers für seinen Durchmarsch für den Publikumsverkehr sperren sollten.

Der Wunsch des Herrn ist Befehl

Doch dann fällt Juncker plötzlich ein, dass er dann doch noch gerne eine Zigarette rauchen will und dazu einen Kaffee trinken möchte. Er bleibt demnach vor der Abfertigungshalle mit den Gates stehen und lässt sich einen Kaffee bringen.

Und jetzt kommt es dicke. Der Bekannte schreibt: „Ein prominenter Europäer trinkt außerhalb (!) des Flughafengebäudes noch einen Kaffee, deshalb werden innerhalb (!) des Gebäudes Hunderte Passagiere gestoppt und dürfen nicht zu ihren Gates. Den Polizisten war das sehr unangenehm. Gut, dass außerhalb des Gebäudes die Kommentare der Leute nicht zu hören waren.“

Das Volk ist empört

Wie diese Kommentare gelautet haben könnten, wird im Kommentarbereich des Bekannten deutlich: „Das muss wohl irish coffe gewesen sein?“ oder auch „ab jeder Realität, weit ab von den Menschen“ und „Was erwartet man von einem Mann, der sich wie ein Despot aufführt?“. Lediglich der kurzzeitig CDU-Generalsekretär gewesen und und ehemalige MDB der CDU, Ruprecht Polenz, ließ noch Verständnis für den armen Menschen durchblicken, der so sehr unter den Sicherheitsvorkehrungen leiden müsse.

Der Autor dieser Zeilen hat Bundespolitik am Rhein erlebt, auch höchste Sicherheitsstufen, er hat zehn Jahre in Berlin gelebt, dort in der Landespolitik gearbeitet und Bundespolitik hautnah erlebt. Und er hat erlebt, wie Menschen mit Sicherheitsvorkehrungen umgehen können. Da gab es welche, die es genossen, mit großem Aufzug vorzufahren und zu beobachten, wie beim Begleitschutz die Türen aufflogen, bevor noch die Fahrzeugkolonne zum Stehen kam. Es waren meistens eher die weniger wichtigen, aber dennoch vorsichtshalber schon mal als „gefährdet“ eingestuften, die Wert auf solchen Popanz legten. Die wirklich wichtigen haben auf solche Auftritte und vor allem auf solche Beeinträchtigungen der Bevölkerung meistens genervt reagiert und ihre Begleiter zu Zurückhaltung aufgefordert.

Es passt ins Bild dieses skrupellosen Politikers

Aber es passt ins Bild eines Mannes, in dessen Verantwortung das Großherzogtum Luxemburg zur Steuerumgehungsoase für globalisierte Großkonzerne wurde und der schon mal Sätze sagt, die folgendermaßen lauten:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

oder auch:

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Wenn ein solcher Mann, den laut Aussage vieler Menschen aus der näheren Umgebung mit dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, eine übergroße Vorliebe zu edlen Weinen verbindet, so keinerlei Gespür für die Belange seiner Mitmenschen hat, dann wundert man sich nicht über den Hass und die Abneigung, die den europäischen Institutionen inzwischen aus der Bevölkerung entgegenschlägt. Und man wundert sich auch nicht, dass Völker, die frei über ihren Verbleib in der Europäischen Union abstimmen dürfen, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und sich der Inhaftnahme für Schuldenmacher entziehen. Und so ist es gar nicht „gut“ sondern im Gegenteil sehr schade, dass dieser fleischgewordene Inbegriff des Molochs der Europäischen Union nicht hören konnte, was die Menschen von ihm und seinem hochherrschaftlichen Auftritt halten.

Autor: Martin Wind

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