Im Herzen blond

[…] Im Grunde ist diese absurde Einstellung Folge einer komplexen, von Schuldgefühlen geprägten Psychose. Wenn alles, was „deutsch“ ist, automatisch schlecht ist und mit dem Makel behaftet, von Nazis instrumentalisiert worden zu sein oder von Neonazis instrumentalisiert werden zu können, dann bleibt nicht mehr viel, worüber man sich identifizieren kann. Heiliges römisches Reich deutscher Nation? Da kommen gleich drei gefährlich braun anmutende Worte drin vor. Volk? Das Nomen zu „völkisch“, also tabu. „Geschichte“? Dazu gehören unzweifelhaft die Jahre 1933-45. In Ansätzen hat dieses notorisch schlechte Gewissen auch die Esskultur bereits erreicht. Eine gescheite Bratwurst kann eben beim besten Willen nicht halal sein, wer weiß, wann auch diese letzte Bastion deutschen Selbstverständnisses fallen wird – beim Bier gibt es ja wenigstens die alkoholfreie Alternative. […]

Von Anna Diouf