Hass und Häme, Lug und Trug

Wenn man Menschen in diesem Land befragen würde, welche Tugenden und Werte ihnen wichtig sind, dann würde wahrscheinlich „Ehrlichkeit“ relativ hoch eingestuft, Steuerhinterziehung hin oder her.

Warum ist es dann recht und billig, mit allen Mitteln eine friedliche, aus der Mitte der Gesellschaft wirkende Veranstaltung zu diskreditieren und zu diffamieren mit völlig unhaltbaren Vorwürfen?

Jeder hat das Recht auf eine schwachsinnige Meinung

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Antifa-Mensch gegen den „Marsch für das Leben“ ist. Er findet es in Ordnung, Menschen abzutreiben, weil er meint, dass eine Frau selbst bestimmen kann, was sie mit ihrem Körper tut, und wenn sich in diesem Körper zufällig ein weiterer befindet, kann sie entscheiden, was damit passiert. Ich finde es bedenklich, dass ein Mensch tatsächlich politisch mündig sein und eine derartig schwachsinnige Position vertreten kann, aber es ist so, und es ist einsichtig, dass ein solcher Mensch gegen den Marsch für das Leben ist.

Ich habe ebenso wenig ein Problem damit, wenn ein Nazi gegen den „Marsch für das Leben“ ist. Denn ein Nazi findet nicht jedes Leben gleich lebenswert. Hitler hat „lebensunwertes Leben“ vernichten lassen, und ebenso geschieht es heute, dass Kinder, bei denen ein Downsyndrom diagnostiziert wird, praktisch kaum eine Chance haben, geboren zu werden. Das ist ein Fakt, und wer das in Ordnung findet, muss sich damit abfinden, in nicht so guter Gesellschaft zu sein, was dieses Thema betrifft.

Christen hetzen gegen den „Marsch für das Leben“?

Wie aber Christen gegen den „Marsch für das Leben“ hetzen können, ist mir unverständlich und macht mich betroffen und ratlos.
Ein paar kurze Fragen: Darf und soll man um Tote trauern? Darf und soll man an Menschen erinnern, die zu früh aus dem Leben gerissen worden sind? Oder sollte man versuchen, sie zu vergessen und ihr Andenken nicht zu bewahren? Glaubst du, dass Gott den Menschen erschaffen hat und jedes einzelne Leben schafft? Glaubst du, dass Gott jeden Menschen liebt? Glaubst du, dass Gott möchte, dass ein gezeugter Mensch nicht das Licht der Welt erblickt? Einfache Fragen, für die es für einen Christen nur eine Antwort gibt. Ja, man soll um die Toten trauern, man soll ihr Andenken ehren. Und darum gibt es den Marsch für das Leben. Er erinnert an alle jene, über deren Leben jemand anders das Todesurteil gesprochen hat, weil sie gerade nicht in die Lebenssituation gepasst haben, weil sie behindert gewesen wären, oder weil sie durch ein Verbrechen entstanden sind (übrigens sind das weniger als ein Prozent der Fälle, nur mal so für die Statistiker).

Er erinnert außerdem daran, dass jedes Leben lebenswert ist. Punkt. Dies sind die Anliegen des Marsches, und wer andere unterstellt, der ist ein Lügner. Natürlich ist es tatsächlich der Mehrheit der Bevölkerung nur schwer zu vermitteln, dass es gut sein soll, ungeborene Kinder zu töten. Da es also schwierig ist, Unterstützer für das Anliegen der Gegendemonstranten zu finden, wenn man den tatsächlichen Sinn des Marsches betrachtet, werden einfach allerlei Anliegen erfunden, unterstellt oder aufgrund der katholischen Positionen eines Teils der Teilnehmer angenommen. Dann noch ein paar Anschuldigungen wie „erzkonservativ“ oder „rechts“ oder „radikal“ hinzufügen, und schon kann man es als positiv darstellen, gegen den Marsch für das Leben zu sein – obwohl man mit seiner Opposition gegen diese Veranstaltung eigentlich gegen das Recht auf Leben für alle Menschen ist, und damit übrigens auch gegen das Grundgesetz.

Frauen in Not werden im Stich gelassen

Wenn die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz sich gegen den „Marsch für das Leben“ engagiert, weil sie meint, Beratungen müssten „ergebnisoffen“ sein, dann schlägt sie damit Schwangeren in Not ins Gesicht. Sie sagt damit auf gut deutsch: Ich will mit deinem Leid nichts zu tun haben. Sie sagt damit, dass sie sich für das Leben des Kindes einsetzen will, aber nicht entschieden. Sie will es lieber in Kauf nehmen, dass das Kind stirbt, als anzuecken. Das ist in etwa die Fürsorge von Eltern, die ihr Kind lieber vor’s Auto laufen lassen, als ihm den Ernst der roten Ampel zu erklären – könnte unangenehm sein, das Kind könnte sich verletzt fühlen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen verletzen und sich verletzt fühlen. Während eine Frau, die abtreibt, ihre eigene Integrität und das Leben ihres Kindes in jedem Fall verletzt, kann man nie verhindern, auch bei noch so freundlicher, respektvoller Beratung, dass ein Mensch in einer Extremsituation sich verletzt fühlt, wenn man ihm rät. Teile der evangelischen Kirche sehen es daher als Beratung, einfach das zu unterstützen, was die Frau tun will, egal, was für Folgen es hat, und das nennt man dann „ergebnisoffen“. Für das Wohl der Frau und des Kindes nicht das Risiko eingehen zu wollen, das Leben zu verteidigen und damit erst einmal etwas zu sagen, was die Frau als Affront verstehen könnte, offenbart Bequemlichkeit, Desinteresse und Gleichgültigkeit und ist durch nichts zu rechtfertigen.

Abgesehen davon bewegt sich die Kirche damit auch gesetzlich auf unsicherem Terrain. Man darf ja nicht müde werden, es zu betonen, weil es kaum jemand weiß, aber Abtreibung ist in diesem Land verboten. Offenbar ist Abtreibung also ganz klar als ein Übel erkannt und angesehen, und es gibt keinen Grund, wieso sich die Kirche mit denen gemein machen sollte, die Abtreibung als ein positives Recht sehen. Diese stehen damit nämlich ganz klar und eindeutig dem Gesetz entgegen und verlangen eine Relativierung des Rechts auf Leben, die es natürlich praktisch bereits gibt, auch wenn (wenigstens) theoretisch am Recht auf Leben festgehalten wird.

Sonderlinge diskreditieren das gute Anliegen nicht

Natürlich ist es ärgerlich, dass sich unter Lebensschützern auch Menschen befinden, die wenig eloquent, wenig empathisch oder wenig intelligent sind, und durch krude oder brutale Wortwahl ihrem eigenen Anliegen ein Bein stellen. Aber solche Menschen gibt es überall. Würde man jedes Anliegen lediglich nach denen beurteilen, die es verfolgen, könnte man wohl jedes gesellschaftliche Engagement an den Nagel hängen. Ja, diese Leute sind lästig, und man will sich mit ihnen nicht gemein machen. Das ist verständlich. Aber was hindert uns eigentlich daran, diesen Menschen schlicht und einfach kontra zu geben, ihnen zu widersprechen und dennoch engagiert im Lebensschutz tätig zu sein? Gar nichts hindert uns daran. Es wäre doch zu raten, statt der pathologischen Fixierung auf ein paar Querschläger im Bereich Lebensschutz (von denen einige auch schlicht aus Entsetzen und Empfindsamkeit emotional oder verbal heftig werden, was ja nun auch vielleicht bis zu einem gewissen Grad verständlich ist), einmal auf die Charaktere schauen, die man unter den Gegnern trifft. Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz macht sich also lieber gemein mit Menschen, die „Hail Satan“ proklamieren? Ist das wirklich angemessener, als einem übermotivierten Lebensschützer zu mehr Empathie zu raten? Ist es angemessen, Menschen zu unterstützen, die unverhohlen fordern, dass Menschen das Recht bekommen, über Leben und Tod eines anderen zu entscheiden? Menschen umzubringen, weil sie eine „Last“ wären, weil ihr Leben nicht so wäre, wie man das für sie gerne hätte? Wo ist der kritische Blick der evangelischen Kirche auf die Gegendemonstranten und ihre menschenverachtenden Parolen und Forderungen?

Medien sind mitverantwortlich und machen sich schuldig

Wer einmal auf dem Marsch für das Leben war, dem kann nicht verborgen bleiben, dass hier tatsächlich die Gesamtgesellschaft Partei für das Leben ergreift: Hier sind alle zugegen, Familien, Jugendliche, alte Menschen, Menschen jeder Religion und Weltanschauung. Dagegen blickt man bei den Gegendemonstranten auf eine einheitliche, schwarz gekleidete, aggressive Masse (mit ein paar pinkfarbenen oder blauen Schöpfen dazwischen). Der Marsch für das Leben wird daran gehindert, eine flächendeckende Bewegung mit Millionen Anhängern zu sein, indem eine verabscheuungswürdig voreingenommene Presse die Lügen der Gegner bereitwillig streut, die Selbstdarstellung und das Selbstverständnis der Bewegung aber ignoriert und verfälscht. Es ist die Fehlinformation, nicht das Anliegen, das den Marsch in Verruf bringt. Wer sich als Christ versteht, sollte aber der Wahrheit verpflichtet sein und nicht dabei helfen, die Tatsachen zu verunklaren.

Autor: Anna Diouf

http://www.marsch-fuer-das-leben.de

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