Gute Zeiten – schlechte Zeiten

Die schöne neue Welt beginnt zu blühen. Vielfältig und bunt soll sie sein, sauber und ohne Angst. An allen Fronten wird gearbeitet. Gute Zeiten brechen an.

Neben Wisenten und Wölfen werden auch alte Stasi-Spitzel wieder ausgewildert, um frei ihren Vorlieben frönen zu können: Jagd zu machen auf unliebsames Gedankengut. Sie machen fette Beute! Und so wird uns beigebracht: der Anteil der gefühlten Nazis liegt gebietsweise inzwischen bei über einem Viertel.

NAZIS – überall Nazis …

Geht die Entwicklung so weiter, vereinfacht sich der künftige Diskurs im Land ungemein. Ab einem AfD-Wähleranteil von ca. 30% kommen wir in einen Bereich, in dem auch ungezieltes Zuschlagen genügend homophobe Reaktionäre trifft, um moralisch gerechtfertigt zu sein. Wir arbeiten daran.
Sogar den Lobbyismus konnten wir erfolgreich bekämpfen. Niemand kann uns mehr beeinflussen – wir entscheiden selbst, mit wem wir zu Abend essen. Und wir sind günstig: jeder soll es sich leisten können. Ein Paradies!

Doppeldenk und Integritätsversluste

Der Autor, dem es fernliegt, die AfD zu wählen, fragt sich unterdessen, welchen Wert der Datenschutz eines Justizministers hat, der nach eigenem Bekunden nicht merkt, wenn er selbst zum Essen vermietet wird? Oder wie der Mindestlohn einer Arbeitsministerin einzuschätzen ist, die für ein Abendessen 7.000,-€ nimmt?

Vielleicht sind die Zeiten doch nicht so gut?

Autor: Sebastian Volkamer

Posted in Feuilleton, Gesellschaft, Politik.