Gute Manieren sind gefragt

Wer am Kaffeetisch versehentlich seine Tasse auf den Boden fallen lässt, tut gut daran, die Tasse in die Spülmaschine zu räumen und sich eine neue zu holen. Hat er allerdings dabei den Kaffee auf die Hose seines Sitznachbarn geschüttet, ist der mit Recht erstaunt, wenn es bei einer neuen Tasse bleibt. Ein „Entschuldigung!“ und ein paar Servietten wären da nicht zu viel erwartet. Eher angemessen – alles andere wäre nicht nur unhöflich, sondern ließe den Ungeschickten zusätzlich als Egoisten erscheinen: Die Hose bleibt dreckig, Hauptsache, meine Tasse ist sauber. So weit – so einsichtig.

Wenn ein Nachrichtenportal versehentlich eine Falschmeldung bringt, tut es gut daran, die zu löschen. Hat es dabei allerdings einen unschuldigen Menschen mit Dreck beworfen, tut es gut daran, eine Richtigstellung zu bringen, verbunden mit einer Entschuldigung. Und das so, dass beides auch wahrgenommen wird. Alles andere wäre nicht nur unprofessionell, sondern auch unglaubwürdig: Der Dreck bleibt kleben, Hauptsache wir haben keine Fehler auf dem Portal. Ist doch klar – oder?

… soweit die Theorie. Die Praxis …

Bei KNA und Domradio scheint man das anders zu sehen. Eine dreckschleudernde Falschmeldung ohne eigene Recherche zu übernehmen – das geht. Bei Domradio ist das sogar verständlich: den Agenturen, von denen man seine Nachrichten erhält, vertraut man. Domradio ist kein Riesenunternehmen. Von KNA hingegen kann man Recherche erwarten! Wie dem auch sei: Ein Versehen dieser Art ist passiert. Man hat eine skandalöse Meldung übernommen und verbreitet: Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen in seiner Predigt mitgeteilt, sie seien an ihrer Lage selbst schuld. Diese Meldung ist offenbar falsch. Und ist sie falsch, ist sie bösartig und für den Bischof (und die ganze Kirche!) eine schwere menschliche Verletzung. Doch bevor man das offen korrigiert, braucht man offenbar erst einmal viel Zeit zum Nachdenken: Der Artikel sei aufgrund vieler Rückmeldungen vorerst offline schreibt Domradio lakonisch auf Facebook, man habe keine Zugriffsberechtigung heißt es auf der Website. Keine Richtigstellung, keine Entschuldigung. Von KNA kommt nichts.

Es ist doch nicht so schwer!

Es ist verständlich, dass man jetzt gründlich recherchiert, sogar wichtig ist das. Doch eins geht nicht: nur das eigene Portal zu putzen. Hier wurde ein Schaden angerichtet.
„Unsere Meldung, Erzbischof Rodriguez Plaza habe misshandelten Frauen die Schuld an ihrem Zustand gegeben, war falsch. Wir bitten ihn unsere Leser um Entschuldigung. Eine Übersetzung seiner Predigt, auf die wir uns bezogen, finden Sie hier.“ Seid Ihr unsicher, dann schreibt eben „…war offenbar falsch. Für diesen Fall bitten wir…“. Aber schreibt!

Moral:

Ohne eine solche Meldung an prominenter Stelle entsteht der Eindruck, oder besser: so wird klar, dass es mehr um die Firma geht als um die Inhalte. Dass man mit dem Werfen von Dreck schneller ist, als mit dem angesagten Aufräumen. Dass andere Schaden nehmen dürfen, nur man selbst nicht. Für ein katholisches und sogar kirchliches Unternehmen geht das gar nicht. Wollt Ihr das sein, was Ihr zu sein vorgebt, dann handelt

Autor: Bastian Volkamer

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