Früher war mehr Lametta. Nicht.

Der 24. Oktober ist vorbei, und überrascht haben wir an diesem Tag festgestellt: In zwei Monaten ist Heiligabend. DerReformationstag ist ins Land gegangen und die Feiertage Allerheiligen und Allerseelen liegen hinter uns. Wenden wir uns dem kommenden Fest zu, reden wir darüber.
Vorzugsweise über frühere Weihnachten. Als alles besser war. Als die Familie gemütlich beisammen saß und sich die Christbaumkerzen in seligen Kinderaugen spiegelten…

Ach so, ja, stimmt, das Bild stammt aus der Cola-Werbung und aus alten Hollywoodfilmen.

Aber wie war das wirklich, im eigenen „früher“? Ich habe heute mal zurückgedacht.

„… als alles besser war …“

Die „selige Kleinkinderzeit“, als der ganze Vorbereitungsstress noch auf den Erwachsenen lastete, während man selbst ganz unbeschwert den Heiligabend genießen konnte:

Nach schneller Bescherung zu Hause mit gestressten Eltern ab ins Auto und auf zum Haus der Oma, wo sich der Rest der damals großen Familie zum „richtigen“ Heiligabend traf, noch mal Bescherung und dann das große und recht steife Festessen, während der Vater und andere Männer noch vor dem Dessert mehrfach heimlich auf die Uhr schauten, weil sie wussten, dass sie diverse Familienmitglieder noch würden nach Hause fahren müssen.

Als einzig besondere Erinnerung an all diese Heiligabende fällt mir interessanterweise die alte Porzellanspieluhr meiner Oma ein, die nur an Heiligabend hervorgeholt und auf der Anrichte aufgebaut wurde, wo sie – wenn wir Kinder sie unter strenger Aufsicht hatten aufziehen dürfen – „Alle Jahre wieder“ spielte.

Feiertagsterror

Eigentlich – und un-eigentlich auch – wurde es danach nie besser. Anders, ja. Besser, nein. Da gab es das Hin- und Herfahren zu verschiedenen Verwandten an Heiligabend und den Feiertagen, etwas, zu dem nicht jeder in der Familie Lust hatte und so entsprechend genervter und schlechter Stimmung war. Nicht jeder hatte Freude am Einkauf von Geschenken in der Zeit vor Heiligabend – entsprechend „gestresst“ von der lästigen Pflicht war der- oder diejenige an Heiligabend. Essen kochen, Baum schmücken, Geschenke einpacken, die Zimmer schmücken, den Tisch decken, Verwandte besuchen, Verwandte zu sich holen – naja, wer kennt das nicht?

Ein Weihnachten, von dem ich heute rückblickend sagen würde „Das war so richtig schön und gelungen; wäre es doch heute wieder so wie damals!“ war tatsächlich nicht darunter.

Später kamen noch einige Weihnachtsfeste hinzu, die überschattet waren von schwerer Krankheit und Todesfällen, aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Sitze ich hier und tue mir gerade so recht von Herzen selber leid?

„Weihnachten“ war so nie …

Nein. Eher nehme ich erstaunt zur Kenntnis, dass alles, was ich oben zusamengefasst habe, Erfahrungen sein dürften, die – zumindest, wenn sie einmal ehrlich mit sich und ihrem persönlichen „früher“ sind – sehr viele Menschen so oder ähnlich gemacht haben.

Warum sonst schießen „Alle Jahre wieder“ kurz vor der Adventszeit die Rat-und-Hilfe-Angebote wie Pilze aus dem Boden. „Endlich stressfreie Weihnachten!“ wird darin versprochen, oder „10 Tipps, wie Sie dem Weihnachtsstress entgehen!“, oder auch das Versprechen „Dieses Jahr wird alles anders!“.

Letztlich laufen all die Ratgeber auf die eine Sache hinaus:

Jene, die sie befolgen, versprechen sich davon, dass Weihnachten wieder so wird, wie es nie war.

Da werden Geschenke schon im Oktober gekauft, oder aber man versichert sich „Dieses Jahr schenken wir uns nichts!“. Fleisch wird Wochen vor Weihnachten vorbestellt und Lebensmittel eingelagert, oder man reserviert gleich einen Tisch für die ganze Familie im Restaurant. Kein Plätzchenbacken, schließlich sind die Kinder schon groß, und gekaufte Plätzchen schmecken auch gut. Und so weiter, und so weiter.

Same procedure as every year

Und so vergeht wieder ein Weihnachten, und einige haben es tatsächlich geschafft, den Vorbereitungsstress ganz oder teilweise für sich hinauszunehmen. Doch am 2. Weihnachtstag sitzen die meisten von ihnen da und ertappen sich auch in diesem Jahr wieder bei dem Gedanken:

„Gut, dass es vorbei ist.“

Warum ist das so? Ich meine, ich weiß es.

Fragen wir uns erst mal kurz: Was ist Weihnachten?

Weihnachten ist
– Plätzchen backen
– Geschenke machen
– Lebkuchen und Spekulatius essen
– Glühwein trinken
– „Jingle Bells“ und „Last Christmas“ im Radio hören
– „In Familie machen“
– Duftkerzen anzünden
– auf Schnee hoffen
– Weihnachtsbaum schmücken
– „Drei Nüsse für Aschenblödel“ gucken

Falsch!

Die meisten begehen Weihnachten aus und in Tradition

Alles, was ich oben aufgezählt habe, ist – zumindest hierzulande – WeihnachtsTRADITION. Eine Tradition, gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist und die ich jedem Menschen (auch mir) von Herzen gönne.

Aber feiern wir denn eine Tradition? WENN das so ist, müssen wir alles, was ich oben benenne, umtaufen in „Winterfest“ oder „Sonnwendfeier“. So manch einer hätte damit heute leider gar kein Problem. Er oder sie mag sich hier bestätigt fühlen und darf mit dem Lesen aufhören.

„Weihnachten anders“ – durch Rückbesinnung auf das Wesentliche

Für den Rest, der sich auch heute noch nach jedem Weihnachtsfest fragt „War das alles?“, möchte ich weiterschreiben. Und ich möchte fragen:

„Haben wir nicht vergessen, den einzig wahrhaft wichtigen Gast zu unserem Heiligabend einzuladen?“

Sagen wir es nur so dahin, vielleicht auf die Frage in der Fußgängerzone in der Adventszeit: „An Weihnachten feiern wir, dass Jesus geboren wurde“ – oder GLAUBEN wir auch daran?

„Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gelebt.“

Wow! Was für ein Satz. Was für eine Nachricht. Was für ein – Glaube!

Glauben wir daran? Können wir an Heiligabend mit einem von Freude erfüllten „Halleluja!“ auf Jesu Geburt anstoßen?

Wenn ja, wird unser Heiligabend nie wieder mit dem schalen Gefühl des „War das alles?“ enden.

Wenn nein, wird es bei den sinnentleerten Traditionen bleiben.

Autor: Heike Sander

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