Flüchtlingspolitik: Wie der Feminismus versagt

Über den Gender-Pay-Gap zu streiten, das geht leicht von der Hand. Anzügliche, oder vermeintlich anzügliche Bemerkungen alternder Politiker gegenüber gestandenen Journalistinnen – da ist der #aufschrei groß. Um nicht direkt missverstanden zu werden: Wenn Frauen nur aufgrund ihres Geschlechts bei gleicher Qualifikation und Berufserfahrung und gleicher Tätigkeit mit gleichem Potenzial weniger verdienen als Männer, dann ist das ungerecht. Statistisch gesehen lässt sich der Gender-Pay-Gap um die im vorigen Satz beschriebenen Bedingungen aber auf fast 0 % runter rechnen. Mit anderen Worten: Der Gender-Pay-Gap ist ein Randproblem. Und auch wenn Männer Frauen blöd anmachen, ist das nicht in Ordnung. Aber auch wenn Anne Wizorek, wenn sie Gelegenheit dazu bekommt, nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten: Unser Land ist kein Land von Sexisten, die Frauen nur auf den Ausschnitt starren und sie unterdrücken oder ausnutzen.

Keine Frau, die nicht betroffen wäre

Ob aber etwas ein Massenproblem ist, hängt nicht nur von der nominellen Zahl der Fälle sondern auch von der Wahl der „Grundmenge“ und der Dramatik ab. Und da scheint der Feminismus in Deutschland in weiten Teilen tief zu schlummern. Das mag daran liegen, dass Feminismus und die politische Linke oft einen hohen Deckungsgrad aufweisen, und man sich also schwer tut, etwas im Hinblick auf Frauenrechte zu thematisieren, was einem politisch nicht ins Konzept passt. Gemeint ist Gewalt gegen Frauen in Flüchtlings- und Asylantenheimen. Gerade berichtet die Organisation „Women in Exile“, dass Übergriffe gegen Frauen in solchen Heimen zur Tagesordnung gehörten. Es ist gut, dass darüber berichtet wird, es ist aber ein Skandal, dass bisherige Berichte, die in diese Richtung gingen, bislang keine adäquate Reaktion hervorgerufen haben. Dabei sind die Schilderungen dramatisch, haben aber vermutlich mit der „Lebensrealität“ der durchschnittlichen Feministin in Deutschland zu wenig zu tun. T-Online leitet den Beitrag mit den Worten ein:

„Es gibt keine Frau, die nicht eine Geschichte von aufdringlichen Blicken, widerlichen Kommentaren, unerwünschtem Anfassen oder Vergewaltigung erzählen könnte“,
teilte der Verein am Mittwoch in Potsdam mit.

Nun kenne ich die entsprechenden Statistiken nicht, kann mir auch vorstellen, dass die Formulierung „keine Frau“ womöglich übertrieben ist. Da es aber Berichte über solche Zustände immer mal wieder in die Zeitungen – wenn auch nicht auf die Titelseiten – schaffen, und auch andere Organisationen davon berichten, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich nicht eben um ein Randphänomen handelt.

Natürlich versucht man seitens der Politik und Behörden das Problem zu relativieren und die Verantwortung gleich mal wieder bei anderen zu suchen:

Zu sexuellen Übergriffen komme es in Deutschland auch im Alltagsleben, erklärte die Sprecherin des Brandenburger Flüchtlingsrates, Ivana Domzet. „Aber in Sammelunterkünften treten diese konzentrierter und vermehrter Form auf. Denn dort haben Menschen kaum Rückzugsmöglichkeiten und sind extremen Alltagssituationen, Enge und Stress ausgesetzt„, so Domazet weiter. Daher fordert der Flüchtlingsrat, dass Flüchtlingsfrauen und -kinder nicht mehr in Massenunterkünften untergebracht werden.
(Hervorhebungen durch den Autor)

Mit anderen Worten: Erstens kommt das auch ganz normal vor. Bislang kann ich mich allerdings noch an keine Statistik erinnern, die annähernd gleichartige Übergriffe in dieser Masse im „Alltagsleben“ belegt hätte. Und das zweitens extreme Alltagssituationen, Enge und Stress Begründungen für sexuelle Übergriffe sein sollen, ist wohl auch eine eher neue Erkenntnis, die Tür und Tor öffnen würde für „mildernde Umstände“, die man sich heute zurecht nicht vorstellen kann.

Das Schweigen über fundamentale kulturelle Unterschiede

Der eigentliche Grund, warum es zu diesen Übergiffen kommt, und aus dem heraus man auch die Forderung, Flüchtlingsfrauen und -kinder nicht mehr in Massenunterkünften unterzubringen, durchaus verständlich erscheint, ist aber doch ein anderer: Menschen sind eben nicht alle gleich und vor allem unterscheiden sie sich nach ihrem kulturellen Hintergrund. Das sind manchmal nur Kleinigkeiten, manchmal aber auch fundamentale Unterschiede: Der Umgang mit der Religionsfreiheit, die generelle Einschätzung von Gewalt gegen andere Menschen und speziell die Gleichberechtigung der Frau, auch die Frage der Diskriminierung von Minderheiten wie Homosexuellen bishin zum wenig kaschierten Antisemitismus in islamischen Kreisen – das alles passt so recht gar nicht in die westliche Gesellschaft.

Ein Verdikt „Wir schaffen das!“ ist daher auch vor der Frage zu konkretisieren, ob wir es schaffen sollen, die neu Zuziehenden so zu verändern (man ist versucht zu schreiben „zu erziehen“), dass sie sich den Werten, seien sie säkular, seien sie christlich, anpassen, oder ob wir es schaffen sollen, die abweichenden Werte zu tolerieren. Die politische Linke steht pauschal gesprochen für die zweite Alternative, und versucht dabei, genau die kritischen Punkte auszublenden. Arabische Kochgewohnheiten oder auch das Gebetsleben eines Moslems zu tolerieren, sind leichte Übungen. Bei kulturellen Unterschieden aber auch eine Grenzziehung zuzulassen, daran scheitern die Refugeeswelcome-Apologeten regelmäßig.

Unter dieser Unfähigkeit zur Differenzierung leiden die Frauen unter den Flüchtlingen und Migranten. Und sie werden in den absehbar entstehenden Parallelgesellschaften weiter darunter leiden, wenn sich nicht zumindest diejenigen, die sich Frauenrechte auf die Fahnen geschrieben haben, dieser Themen annehmen. Von Regierungsseite war hier nie viel zu erwarten – zu groß ist das Risiko, mit Forderungen der beschrieben Art in die rechte Ecke gestellt zu werden. Dass aber seitens feministischer Interessengruppen beredt geschwiegen wird, ist ein Skandal und lässt Schlimmstes befürchten für die Zukunft von Flüchtlingsfrauen in Deutschland.

Autor: Felix Honekamp

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