„Feiglinge!“ – eine Philippika an Medienschaffende

Darf man die Medien schelten? In einem freien Land darf man. Ihr schweigenden Medien mit Elitedünkel! In Köln finden in aller Öffentlichkeit schwerste sexuelle Nötigungen statt, die Polizei richtet eine Ermittlungsgruppe ein. Und Ihr? Ihr schreibt nichts. Ihr, die Ihr vorgebt, stets auf der Höhe der Zeit zu sein, oder sogar noch ein wenig höher, zieht plötzlich den Schwanz ein. Warum?

Der Verdacht drängt sich geradezu auf: Wer ständig damit kokettiert, die wahren Hintergründe zu liefern, könnte hier auf einen Migrationshintergrund stoßen. Denn den hatten die Täter offensichtlich. Das aber erlaubt Ihr Euch erst zu schreiben, wenn Ihr eine Erklärung dafür habt, die das ausblendet. Peinlich!

„Ihr verweigert den Diskurs“

Jederzeit sei Euch zugestanden, felsenfest davon überzeugt zu sein, dass es keine Frage der Nationalität oder Mentalität ist, was da passierte. Dass es einer differenzierten Betrachtung bedarf, bevor man mit Schlüssen um sich wirft. Da ist eine gute Einstellung. Doch dass Ihr Euch schon der Diskussion darüber entzieht, ist schlicht feige. Und dümmlich dazu: Euer Schweigen legt nahe, dass Ihr dort gar keinen Bedarf seht, zu berichten. Dass Ihr die Vorkommnisse als zu vernachlässigende Kollateralschäden seht, wenn es um das hohe Gut des Asylrechts geht. Offenbar seid Ihr nicht in der Lage zwischen einem Recht auf menschliche Behandlung und dem Recht, andere zu vergewaltigen, zu differenzieren. Intellektuell ist das nicht sehr elitär.

Ihr, die Ihr bereit seid, in jedem zölibatär lebenden Priester einen Mann mit sexuellem Notstand zu sehen, einen potentiell Übergriffigen – liebt Ihr Euer Weltbild wirklich mehr als die Frauen, die hier Opfer faktischer Übergriffe wurden? Es kann nur die nackte Angst um eben dieses Weltbild sein, die Euch hier schweigen macht. Es darf keine Bösen unter denen geben, die Ihr für gut erklärt habt. Offenbar glaubt Ihr selbst nicht daran, dass Integration möglich ist. Lieber bei ein paar Nötigungen und ein wenig Missbrauch von Frauen ein Auge zudrücken. Das aber ist brandgefährlich: Es schürt die Angst.

„Ihr habt Angst um Euer Weltbild“

Den Vorfällen gehört höchste Priorität eingeräumt. Sie offen zu behandeln ist Prävention gegen Rechtsradikalität – begreift Ihr das nicht? Wir wollen Fremde aufnehmen? Dann müssen wir unter ihnen sicher sein können. Wen fürchtet man am meisten? Den, gegen den ich mich nicht wehren darf, auch wenn er mich misshandelt. Doch genau das sagt Ihr den vergewaltigten Frauen: „Wir erheben jederzeit die Stimme, doch für euch nicht.“

Wer schreiendes Unrecht nicht beim Namen nennt, bereitet denen den Boden, die darauf ihr politisches Süppchen kochen. Ihr seid es, die durch ihr Schweigen alle Zuwanderer unter Generalverdacht stellen, weil man einzelne nicht anrühren darf. Für tausende Flüchtlinge ist das eine Katastrophe. Eure Unfähigkeit zu differenzieren fördert das Pauschalisieren; Euer Schweigen fördert die Fremdenfeindlichkeit. Und genau die können wir derzeit nicht gebrauchen, wenn wir das tun wollen, was menschlich und verfassungsgemäß, kurz, was angebracht ist: Den Flüchtlingen zu helfen, ohne sie gleich in die Ecke „potentiell sehr gefährlich“ zu stellen.

Frauen brauchen Hilfe, und Ihr schweigt. Flüchtlinge brauchen Schutz, und Ihr stellt sie unter Generalverdacht.

Ihr ach so aufgeklärten Medien verweigert hier den Diskurs, weil Ihr genau die Antworten nicht habt, mit denen Ihr ständig angebt. Ihr seid Feiglinge.

Autor: Bastian Volkamer

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