Europa treibt es bunt

Ja, die Aufregung ist berechtigt, aber wie in Deutschland üblich, regt man sich nicht über das tatsächlich zu beklagende Übel auf.

Wenn die BZgA in Zusammenarbeit mit der WHO mit deutschen Steuergeldern eine Seite aufbaut, die Migranten über Sexualität und damit verbundene Lebensbereiche „aufklären“ soll bezüglich der Sachverhalte, die sich unter Umständen stark von den Gegebenheiten im Heimatland unterscheiden, wäre das ja löblich. Es ist sicher sinnvoll, Menschen aus anderen Kulturkreisen zu erklären, dass es bei uns keine Polygamie gibt, dass die Ehe mit Minderjährigen verboten ist, dass man als Homosexueller hier nicht gesteinigt werden darf, wo man Beratung bekommt, wenn man schwanger ist und wo Hilfe, wenn man sich mit einer Krankheit infiziert hat.

Peinlich platt und antiquiert

Diese Dinge kommen zur Sprache – vor allem aber wird auf einfach nur peinlich platte und irgendwie auch antiquierte Weise das erklärt, was sich jeder denken kann: rein – raus, ja, so funktioniert das mit den Bienchen und den Blümchen, sicher eine Neuigkeit, die den unbele – äh – unwissenden Einwanderern sicher noch nicht klar war; und auf die Idee, dass „Rhythmus und Intensität (zu) variieren“ zum Vergnügen beiträgt, kommt sicher kaum jemandem in den Sinn, der nicht einen deutschen Hochschulabschluss vorweisen kann.

An sich ist allerdings auch diese naive, dümmlich pädagogische Art nichts Neues. Sie verfolgt uns in Form der Kuschelpädagogik mit Stuhlkreisen, gestalteten Mitten und einer das selbstständige Denken erstickenden Fürsorge, konzipiert von Frauen, die mangels Kinderschar ihre Mütterlichkeit auf die ganze Menschheit ausdehnen und einfach alle zwangsbeglucken wollen.

Teile der Aufregung und Empörung sind falsch intendiert

Nun offenbaren viele Schlagzeilen und Kommentare zu Zanzu.de ziemlich stereotype, um nicht zu sagen rassistische Denkmuster. Der (schwarze) Einwanderer mit der angeblich unstillbaren Libido soll bloß von unseren blonden weißen Frauen fernbleiben. Kann es ernsthaft sein, dass man sich über diese Kampagne aufregt, weil sie Sex zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft zeigt? Dementsprechend wird auch von den zahlreichen, zum Teil sehr expliziten, aber immer irgendwie albern wirkenden Zeichnungen eine gewählt, die einen nackten dunkelhäutigen Mann auf einer blonden weißen Frau in eindeutiger Pose darstellt. Was daran nun skandalös sein soll, erschließt sich mir partout nicht– Die Nürnberger Rassegesetze sind schließlich schon eine Weile passé. Wer es wagt, die Seite selbst zu besuchen (ein gefährliches Unterfangen, wenn man sich nicht mit Humor und Abgeklärtheit wappnet), wird außerdem feststellen, dass die Initiatoren in Fragen der diversity mit allen Wassern gewaschen sind. Da treiben’s alle fröhlich miteinander, in allen denkbaren Kombinationen. Dünn, dick, schwul, trans, alt, hell, dunkel. Wenn, dann sind Asiaten unterrepräsentiert, aber die beschweren sich ja auch normalerweise nie, sind zurückhaltend und anständig, die kann man ruhig ein wenig übergehen …

Der allgemeine Tenor der Kritiker ist der, dass hier ja sozusagen eine „Anleitung“ gegeben werde, sich trotz Grenzschließungen freizügig zu geben. Richtig ist: Die Seite offenbart einen eklatanten Mangel an Einfühlungsvermögen in kulturelle Welten, die Westeuropas Schamlosigkeit nicht kennen. Dies könnte tatsächlich zu Missverständnissen führen, wenn die Seite inflationär besucht würde, was ich angesichts des infantilen Designs bezweifle – auch Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge möchten gerne als denkende Menschen ernstgenommen werden. Wer aus einem Land kommt, in dem man nicht so direkt über Sexualität spricht, sei es aus gebotener oder übertriebener Zurückhaltung, wird angesichts dieses Internetauftritts die moralische Integrität Deutschlands anzweifeln. Wer aus solch einem Land stammt, aber eher in westlicher Denkweise verwurzelt ist, wird sich dagegen ganz einfach totlachen angesichts der rührenden Bemühungen, Einwanderern den Zugang zur Geschlechtlichkeit zu erleichtern – ob „die“ das übrigens überhaupt wollen, wird natürlich gemäß tradierter kulturimperialistischer Prinzipien gar nicht erst gefragt.

Sex ohne Verantwortung wird propagiert

Eigentlich aber zeigt diese Internetseite ein viel gravierenderes Problem als kulturellen Sprengstoff in Sachen Sex: Wir lernen beim Browsen durch die Einträge, dass die deutsche Gesellschaft in egoistisch-hedonistischer Manier sexualisiert ist – bei konsequenter Verkürzung des Begriffes „Sexualität“ auf „Sex“. Alles ist okay, alles, was Spaß macht, ist nicht nur erlaubt, sondern auch gut. Nach der Maxime „Nimm ein Kondom und tu, was immer du willst“, scheint die einzige Verantwortung, die man uns zumutet, die der Verhütung zu sein. Sämtliche Dimensionen der Sexualität abgesehen von der körperlichen werden auf inakzeptable Weise verkürzt. Vom „Verliebt sein“ etwa hat jeder normal entwickelte Fünfjährige ein elaborierteres Konzept als das hier dargelegte. Selbstverständlichkeiten wie die „Freiwilligkeit“ nehmen dagegen so viel Raum ein, dass man den Eindruck nicht los wird, die Autorinnen der Seite hielten Migranten für gewissenlose Wilde, die zwischen richtig und falsch nicht unterscheiden könnten ohne die gönnerhafte Hilfe von Europäer*Innen.

Während eindeutig der Anspruch besteht, nicht nur über medizinische Fakten aufzuklären, sondern auch „wertend“ ein bestimmtes Modell für das eigene Sexualleben zu propagieren, mangelt es an tatsächlichen Werten. Es gibt kein moralisches oder ethisches Gerüst, das plausibel machen würde, ob oder wieso nun dieses oder jenes gut ist. Aufschlussreich ist etwa folgende Erklärunge zum Thema Pornografie: „Es ist in Ordnung, wenn Sie Pornografie mögen. Viele Menschen mögen sie, andere nicht.“ Dass die dargestellten Handlungen negativen Einfluss auf die Psyche des Konsumenten von Pornografie haben – geschenkt. Dass dahinter eine menschenverachtende Industrie steckt, die Menschen ausbeutet – unwichtig. Die Frage ist also nicht, ob man Migranten Informationen zum Thema Sexualität vermitteln sollte, sondern, ob die bezüglich des Themas vermittelten „Werte“ wirklich die sind, die wir als Bürger dieses Landes wollen.

Negative Aspekte eines verantwortunglosen Sex´ werden verharmlost

Es versteht sich von selbst, dass da, wo die Ideologie eine bestimmte Position vorgibt, auch munter Fakten unterschlagen werden. Nehmen wir etwa den Eintrag zum Schwangerschaftsabbruch: Bei „Abtreibung“ als Suchwort wird überhaupt nichts angezeigt – sehr nah an der Lebensrealität der Menschen. Nach den Worten „Embryo“, „Fötus“ oder gar „Baby/Kind“ sucht man vergeblich. „Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein medizinischer Eingriff, den eine Ärztin/ein Arzt an Ihnen macht, um Ihre Schwangerschaft zu beenden.“ Aha. Liest man weiter, wird man darüber informiert, dass der Arzt die Innenseite der Gebärmutter „reinigt“. Mit keinem Wort wird erwähnt, dass hier menschliches Leben zerstört wird, kein Wort darüber, dass ein Kind heranwächst, kein Wort zum schweren psychischen Konflikt, dem eine Frau in einer solchen Situation ausgesetzt ist, und natürlich kein Wort zu den möglichen schwerwiegenden psychischen und körperlichen Folgen.

Nun könnte man sagen, die Homepage sei bewusst einfach gestaltet und könne nicht kontrovers informieren. Dagegen sollte man einwenden, dass es dann doch wohl zielführender sei, angesichts eines derart komplexen Themas, Broschüren herauszugeben, die sich den Themengebieten tatsächlich angemessen widmen. Meinetwegen soll jeder Migrant einen Rechtsanspruch auf ein Abonnement der „Bravo“ erhalten, jedenfalls würde selbst die eine deutlich bessere Informationsquelle darstellen. Wenn es hier nämlich auch tatsächlich um gesundheitliche Aspekte gehen soll, wie etwa die Eindämmung von Geschlechtskrankheiten, wären weniger drastische Darstellungen und mehr handfeste Information die zielgerichtetere Lösung. Ein zweiter Einwand ist, dass an anderer Stelle sehr wohl Kompliziertes erklärt wird; und zwar vermutlich völlig unverständlich für einen Menschen, der tatsächlich keine Ahnung hat. Der Unterschied zwischen Geschlecht und „Geschlechtsidentität“ wird jedenfalls einem Analphabeten aus Anatolisch-Hintertupfingen schwer zu vermitteln sein.

Der Mensch wird als lustgesteuerter und willenloser Konsument dargestellt

Zanzu legt ganz nebenbei offen, dass die europäische Politik – und nicht nur die – im Bereich der Sexualität, und damit in einem zentralen Aspekt menschlichen Lebens, der ja die Familie und damit die Gesellschaft im Innersten betrifft, einer Agenda folgt, die mit europäischen Grundwerten nicht vereinbar ist. Es erklärt nicht, wie Sex in Europa funktioniert, es erklärt, wie von Sinn, Bedeutung und Verantwortung befreiter Sex in Europa funktioniert. Es erklärt, wie eine Minderheit in Politik und Gesellschaft europäischen Sex gerne hätte. Dies ist Teil einer Agenda, die die Gesellschaft destabilisiert und die Menschen zu lustgesteuerten, willenlosen Konsumenten machen will – durch Genderideologie, Frühsexualisierung und jetzt eben auch durch die Bemühungen, den Migranten mit zumindest zum Teil intakten Wertegerüsten diese wegzunehmen.

Das Fehlen eines Wertefundaments, das Migranten vermittelt werden kann, wird nicht aufgefangen durch gutgemeinte und schlecht gemachte Internetseiten, die erklären, in welchen Stellungen man miteinander schlafen kann. Wenn wir uns also über dieses steuergeldfinanzierte Übel aufregen, dann doch bitte aus dem richtigen Grund: Nicht, weil es Menschen mit erkennbarem Migrationshintergrund beim Sex mit Menschen mit nicht erkennbarem Migrationshintergrund zeigt. Nicht, weil es sich bemüht, deutsches Sexualleben anderen Kulturen zugänglich zu machen. Sondern, weil das, was man uns hier demonstriert, nicht in eine Gesellschaft führt, in der Menschen verantwortungs-, liebe- und würdevoll miteinander leben – das aber sollte doch das gemeinsame Ziel sein.

Es gibt immerhin einen guten An-Satz auf der Seite

Übrigens will ich mir nicht nachsagen lassen, ich sei destruktiv und würde an der Initiative kein gutes Haar lassen: Unter dem Stichwort „Sex“ benennt Zanzu als ersten Grund, wieso Menschen Sex haben möchten, den Kinderwunsch. Nun, das ist doch ein hoffnungsvoller Ansatz. Die BZgA sollte die Seite einstampfen und um diesen Satz herum eine Neuauflage erwägen. Dafür stelle ich meine Steuern gern zur Verfügung.

Autor: Anna Diouf

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