Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld …

… davon hab ich schon als kleiner Bub geträumt. – Wer das buchstäblich noch einmal vorhat, sollte sich sputen. Die Zeiten, dass man sein Geld tatsächlich in den Säckel packen kann, scheinen dem Ende zuzugehen.

Money makes the world go round

Geld ist ein Medium um Tauschgeschäfte zeitlich und räumlich flexibler zu machen. Geld macht Waren und Dienstleistungen tragbar und aufbewahrbar. Nur mit Geld ist eine moderne, flexible und weltoffene Gesellschaft überhaupt vorstellbar. Das heißt aber auch, dass im Geldsystem im wahrsten Sinne des Wortes der Schlüssel zur Weltherrschaft steckt. Deswegen wurde die klassische Gewaltenteilung um die Idee einer unabhängigen Notenbank ergänzt. Doch dieses über Jahrzehnte staatstragende Prinzip erodiert. Die Europäische Zentralbank wird zunehmend missbraucht, um die enormen Staatsverschuldungen zu kaschieren. Eine ausufernde Geldmenge und Niedrigzinsen sind das Resultat. Wenn die Entwicklung der letzten Jahre weitergeht – und es sind keine Vorzeichen für eine Trendwende erkennbar – dann erwarten uns für Bankeinlagen bald negative Zinsen (so wie es die Banken selbst bereits jetzt für Einlagen bei der Zentralbank über dem Mindestreservesoll haben; derzeit wird diese sogenannte Einlagefazilität mit -0,3 Prozent strafverzinst).

Wer Geld auf die Bank bringt, wird absehbar – zumindest ab einer gewissen Menge – für die Aufbewahrung zahlen müssen. Ein Schelm, wer das nun irgendwie mit den jüngsten Überlegungen zur Abschaffung von Bargeld beziehungsweise Begrenzung von Bargeldgeschäften in Verbindung bringt (Plan der Bundesregierung für eine Obergrenze bei Bargeldzahlungen von 5.000 Euro – SPD-Idee zur Abschaffung des 500-Euro-Scheins – These des Deutsche Bank-Chefs John Cryan in Davos, dass Bargeld in zehn Jahren verschwunden sein wird).

Ganz neue Bedeutung von „flüssig sein“

Wenn es kein Bargeld gibt und die Banken bald mehr oder weniger gezwungen sind, für Bankeinlagen prozentuale Gebühren zu erheben, dann wird uns das Geld wie Wasser durch die Finger rinnen. Klammheimlich würde damit ein staatlich steuerbares Schwundgeldsystem eingeführt. Wenn Geld dann nicht ständig zirkuliert, beginnt es umgehend zu schwinden. Aberwitzig die Vorstellung, dass es dann gegebenenfalls sogar lukrativer sein könnte, auf Pump zu leben, denn sparsam zu haushalten. Ein solches Geldsystem konterkariert die Kapitalstockbildung genauso wie die private liquide Vorsorge und das vorsichtige Gebaren eines ordentlichen Kaufmanns.

Mit der Funktion des Geldes, Tauschgeschäfte zeitlich flexibel zu machen, sind bedeutsame Freiheitsgrade verbunden. Die Abschaffung von Bargeld und alle Tendenzen dahin bedeuten daher unweigerlich Freiheitsverluste und führen die Regierenden in totalitäre Versuchung. Wehret den Anfängen.

Autor: Gerd Maas

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