Die Regierenden sind nackt

Kennen Sie das? Die Geschichten von den zaristischen Domestiken, die in allen Ortschaften, die die kaiserlichen Hoheiten durchfahren oder gar besuchen würden, dafür sorgten, dass die sichtbaren Fassaden in ordentlichem Zustand waren? Es konnte ja nicht verantwortet werden, dass die Regierenden mit der hässlichen Realität konfrontiert würden.

Und erinnern Sie sich noch an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“? Da waren die Lakaien, die Minister, der Hofstaat und das Volk von den Einflüsterungen des „Schneiders“ so eingeschüchtert und verängstigt, dass es eines unschuldigen Kindes bedurfte, um die Wahrheit auszusprechen: „Der Kaiser ist ja nackt!“

Entourage verkommt zu liebedienernden Sklaven

Solche Verhalten kann man zu Recht belächeln. Ja man kann darüber sogar lauthals lachen. Denn das sind Auswüchse einer Gesellschaftsform und einer Regentschaft, die einzig das Wohl der Regierenden im Blick hat. Und das Umfeld der Regierenden tut alles, um das Wohlgefallen der Potentaten zu erringen oder zu erhalten. Das geht soweit, dass man die Wahrheit nicht mehr ausspricht, obwohl man sie kennt. Die Entourage verkommt zu liebedienernden Sklaven einer einzelnen Person.

Wir, in unserer Demokratie, sind vor solchen Auswüchsen gefeit. Wir haben Regierende, die einen Eid geschworen haben. Da heißt es in Artikel 56 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland:

„Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen
Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des
Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit
gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“

Da heißt es nicht, dass die Regierenden ein Recht darauf haben, dass Volk und Mitarbeiter ihnen alles recht machen müssen. Da heißt es auch, dass sie an Gesetze gebunden sind und nicht despotisch zu bestimmen haben, was dem Volk gefälligst genehm zu sein habe.

Lachen Sie noch immer? Oder ist Ihnen das Lachen jetzt im Halse stecken geblieben? Das kann man verstehen. Angesichts des derzeitigen Verhaltens der Regierung und besonders der Bundeskanzlerin mehren sich die Zweifel. Hat man da in Berlin wirklich noch „das Wohl des Deutschen Volkes“ im Auge? Tut man im Kanzleramt wirklich mit realistischem Blick alles, um den „Nutzen des Volkes zu mehren“. Erkennt man Fehler noch oder dürfen die nicht mehr ausgesprochen werden, damit die Regierende ihr Gesicht wahren kann? Wird da „Schaden abgewendet“ oder schweigen die Hintersassen – allen voran Fraktionschef Kauder – aus purem Machtkalkül und persönlichem Ehrgeiz.

Wer beobachtet hat, wie der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion Volker Kauder den Bundestagsabgeordneten der CDU, Matthias Mattfeld, im Plenum des Deutschen Bundestages vor allen Fraktionen und vor offener Kamera angepflaumt hat, weil er in seiner Recde offensichtliche Fehlentwicklungen angesprochen hat, wie Kauder alle anderen Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion noch während der Rede Mattfelds dazu verdonnert hat, dem Redner keinen Applaus zu zollen, der kann angesichts dieses verlogenen Getues massives Magengrimmen bekommen.

„Obergrenze“ darf nicht erwähnt werden

Und wer mitbekommt, welchen Affentanz die Union im Vorfeld ihres Bundesparteitages aufführt, damit niemand auf die Idee kommt, den Begriff „Obergrenze“ mit Bezug zur derzeitigen Flüchtlingsproblematik in einem Parteitagsbeschluss zu verankern, der fasst sich an den Kopf und verliert den Glauben an die Demokratie: Der Wille der Parteivorsitzenden und Kanzlerin wird hier von den Delegierten des Parteitages über das Wohl des Volkes gestellt. Selbst die jungen Mitglieder der Partei haben nicht mehr den Mut, sich diesem irrationalen Verhalten entgegen zu stellen. Die Junge Union wollte eine „Obergrenze“ beschließen lassen.
Wegen des Widerstandes aus dem Kanzleramt und der Parteispitze zog man kleinlaut zurück und nennt das Projekt jetzt anders: Hauptsache die Fassade stimmt für Ihre Hoheit.

Angesichts solcher Spielchen kann man als resignierendes Wahlvolk nur noch feststellen: „Die Parteipolitik hat keine Scham mehr. Sie entledigt sich ihrer letzten Feigenblätter und kämpft völlig entblößt und nackt, um der divenhaft Herrschenden mit allen Mitteln zu Diensten zu sein.“ Rückgrat, Überzeugung und Standhaftigkeit sucht man da vergebens. Einsicht, Klugheit und Vernunft sind ersetzt durch „Order der Kanzlerin“, stures Beharren auf Standpunkten und Durchregieren wider jede bessere Erkenntnis.

So schafft man Politikverdrossenheit, Wahlverweigerung und radikalisiert die Bevölkerung, die sich nicht ernst genommen fühlt. Denn das Volk sieht inzwischen sehr deutlich, dass die Regierenden „nackt“ sind.

Autor: Dominik Ventus

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