Deutschlands immer noch willige Helfer. Oder: Weg mit Israel!

Reißerischer Titel? Ja, vielleicht. Und es wird auch Menschen geben, die sagen „Meine Güte, wozu die Aufregung?“.

Aber ich habe mich aufgeregt, und zwar über diesen Artikel in der FAZ:

„Israel fehlt auf Kempinski-Liste“

Wenn Sie glauben, ich würde jetzt in flammender Rede zum Boykott eines Hotels aufrufen? Falsch. Denn tatsächlich sehe ich das Kempinski in Berlin nur als eine Art Platzhalter für das eigentliche Problem. Oder besser: die eigentliche Schande.

Auf Anweisung der Direktion …

Da bemerkt ein Hotelgast, dass die Vorwahl Israels auf der Telefonliste in seinem Zimmer fehlt. Gut, das allein ist keine Nachricht wert. Diese Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch auf Nachfrage erhält er (sicher hinter vorgehaltener Hand) die Auskunft, man habe die Vorwahl Israels auf Anweisung der Direktion von der Liste gestrichen, da dies von der arabischen Kundschaft verlangt worden sei.

Glaube ich das? Ja. Und zwar trotz des Versuchs eines Dementi von Hotelseite im
Spiegel

… und ein Dementi

Dort heißt es u.a. zu der Aussage, Israel sei auf Verlangen arabischer Kunden von der Liste gestrichen worden:

„Das klingt ungeheuerlich. Auch deshalb, weil der Kempinski-Gründer Berthold selbst jüdischen Glaubens war, das Unternehmen wurde in der Nazizeit arisiert.“

Äh.. ja. Das ist jetzt der Gegenbeweis?

Man könne die Aussage des Mitarbeiters nicht bestätigen. Aha. Oder auch: Naja.

Trotzdem: Wir haben eine Aussage, und wir haben ein Dementi. Warum glaube ich der Aussage?

Antwort: Weil der Schuh passt.

Leider.

Der Schuh passt

Er passt in ein Deutschland, in dem es linkerseits zum guten Ton gehört, gegen den „Judenstaat“ zu hetzen, der alle braven Palästinenser fälschlich zu Terroristen stempelt und seine Nachbarstaaten knechtet. (Manchmal möchten man diesen Leuten ja mal einen simplen Größenvergleich auf der Weltkarte anraten, aber naja… lassen wir das.)

Er passt in ein Deutschland, in dem eine latente Verächtlichkeit gegen alles Jüdische immer vorhanden war und in den vergangenen Jahren eher zu- als abnimmt.

Falls das schwer zu glauben ist: Hier drei spontane Beispiele – nicht vom Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben:

Drei Beispiele

+Vor einigen Jahren meinte eine damalige Kollegin im Gespräch über die Judenverfolgung der Nazizeit (ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen):
Ja, das sei natürlich schlimm gewesen, aber irgendwie seien sie ja doch auch selber Schuld gewesen. Denn immerhin werde dieses Volk seit Jahrhunderten immer wieder verfolgt – also müsse es dafür ja wohl auch einen Grund geben. (Wer es nicht verstanden hat: Soll heißen „Selber Schuld!“)

+Dann gab es da die Bekannte, die davon erzählte, wie sie auf den Namen für ihre gerade geborene Tochter Sabine gekommen waren, und dass kurz auch Sarah in der engeren Auswahl gewesen sei, aber das wäre ihr dann doch zu jüdisch gewesen.

+Und als drittes Beispiel: Gerade heute die Aussage über ein südamerikanisches Land, Geschäfte seien dort besonders schwierig. Viele Juden da.

Diese drei Geschichten sind keine Ausnahmen, sondern Beispiele. Beispiele für Dinge, die man so und ähnlich immer wieder und überall zu hören bekommt.

Die alten Vorurteile

Die alten Vorurteile sind immer noch da. Manchmal frage ich mich sogar in Bezug auf all jene, die bei der Erwähnung des Holocaust sofort in Rufe ausbrechen wie „Wir wollen davon nichts mehr hören!“ und „Was haben wir damit heute noch zu tun?“:
Wann wird es soweit sein, dass sie die (heutigen) Juden als Schuldige dafür ausmachen, dass sie, die Deutschen, sich heute noch in der Verantwortung sehen müss(t)en? Weil schon allein die Existenz eines „Judenstaates“, in dem regelmäßig der Shoah gedacht wird, ein elender Mühlstein am Hals der eigenen Selbstgerechtigkeit ist?

Ist es da ein schwerer Schritt für einen Deutschen, bzw. für die Direktion eines deutschen Hotels, Israel mal eben von der Landkarte… äh… nein, soweit sind wir ja (noch) nicht – aber immerhin doch von der Länderliste der Telefonvorwahlen zu streichen? Weil es eine Grupper reicher arabischer Gäste so verlangt?

Nein. Obwohl man es nicht glauben möchte. Man möchte sich wünschen, dass eine Geschichte wie die unsere einer solchen Forderung nur eines entgegenhalten könnte:

„NEIN!“

Doch die Araber konnten sich damals wie heute auf „ihre“ Deutschen verlassen, wenn es gegen „den Juden“ ging/geht. Jemand, der jahrelang beruflich auch in arabischen Ländern unterwegs war, erzählte mir vor Jahren einmal, wie oft er dort als Deutscher begrüßt wurde mit den Worten „Deutscher? Hitler! Guter Mann! Die Juden!“, und es folgten ein nach oben gereckter Daumen und ein breites Grinsen.

Die Schande

Sei es, weil die Geldbörse wichtiger ist als der eigene Anstand.
Sei es, weil einfaches Nichtstun und Wegsehen sicherer ist.
Sei es, weil schlicht nicht sein kann, was nicht sein darf.
Sei es, weil „man“ insgeheim denkt: „Selber Schuld.“

Egal, was die Gründe sein mögen:

Eine Schande bleibt eine Schande bleibt eine Schande

Autor: Heike Sander

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