Deutschlands freundliches Gesicht

Deutschland ist ein schönes, erstrebenswertes Land. Ein Land, das in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigt und dessen politische Führung dazu steht. So sehr unsere Bevölkerung auch mit sich ringt und diskutiert: unsere Offenheit wird in der Welt gesehen und gelobt. Ich bin stolz auf diese Offenheit. Darauf, dass wir nicht vergessen haben, wieviel wir selbst anderen verdanken. Doch gerade weil ich damit einverstanden bin, besorgt es mich zu sehen, wie immer wieder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.

Zu oft wird vergessen, dass Freundlichkeit freundlich beantwortet werden muss, sonst hat sie kein langes Leben. Ein unfreundliches Deutschland aber wünscht sich niemand. Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass es uns gut ansteht, zu helfen. Wir sollten darüber nicht vergessen zu lernen, dass Situationen kippen und Schlimmes hervorbringen können: auch das lehrt unsere Geschichte. Ein Mindestmaß an politischer Vorsicht mit uns selbst ist angebracht.

Daher halte ich es für fatal, wenn Politiker Mietern ihrer Gemeinde die Wohnung kündigen, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Noch deutlicher kann man nicht sagen, dass die eigene Bevölkerung nicht mehr zur Aufgabe gehört, die man im Amtseid beschwor. Ebenso fatal ist es, wenn Frauen und Kinder sich in manchen Flüchtlingsheimen nachts nicht auf die Toilette trauen, aus Angst, vergewaltigt zu werden. Viele Frauen fragen sich, ob auch sie demnächst Angst haben müssen. Es ist fatal, wenn die Massenschlägereien zwischen Neuankömmlingen noch mehr Aufwand für uns zur Folge hat, für die Schläger jedoch meist nichts.

Wann, fragt sich mancher, wird endlich klar gemacht, was bei uns geht und was nicht. Wann wird klar, dass man sich auf mehr als auf Unterstützung einlässt, wenn man zu uns kommt. Wann wird das Bild, dass sich die Zuwanderer von uns machen, endlich vollständig: dass Deutschland erstrebenswert ist und dass man sich dort zu benehmen hat? Wer es als sein Recht ansieht, andere zu bedrohen, zu vergewaltigen oder an der Mitsprache zu hindern, ist hier falsch. Wie kann sich jemand auf die Herkunft aus einem unsicheren Drittland berufen, wenn er genau diese Unsicherheit selbst verbreitet? Er schadet uns und allen, die nach ihm zu uns kommen wollen, denn er hat ihr Gesicht für uns geprägt. Das aber trägt zu einer allgemeinen Vorverurteilung bei, die bei uns niemals wieder siegen darf!

Stimmungen dieser Art sind politisch ernst zu nehmen. Nicht der Umfrageergebnisse wegen, sondern weil diese Stimmungen Kraft haben und uns prägen können, wie wir es nicht wollen. Zu oft wird vergessen, dass es bei Sorgen erst einmal darum geht, dass sie existieren, nicht, ob sie berechtigt bzw. opportun sind.

Ein solches Thema ist schwer zu behandeln. Ich tue es nicht, um einer Stoppt-die-Flüchtlinge-vor-unseren-Grenzen-Mentalität das Wort zu reden – im Gegenteil. Es geht darum, unserem freundlichen Gesicht den nötigen Charakter zu geben. Es sollte das Gesicht eines Freundes mit Niveau und Lebensart sein, der weiß, was er will, und es von seinen Mitmenschen erwartet. Nicht das Gesicht eines grinsenden und zu allem nickenden Trottels, der irgendwann wieder den rechten Arm hebt, weil er vor sich selbst erschrickt.

Autor: Bastian Volkamer

Posted in Gesellschaft, Politik.