Den Flüchtlingen eine Neue Heimat?

Niemand will die Fehler der 70er wiederholen. Wir machen zwar das gleiche, aber diesmal machen wir die Fehler besser. So ungefähr lassen sich die erklärten Ziele der nordrheinwestfälischen Landesregierung (NRW) zusammenfassen. Wohnraum für die Flüchtlinge wird gebraucht. Sehr viel Wohnraum sogar: ca. 120.000 neue Wohnungen in kurzer Zeit. Das kostet Geld und benötigt kurze Entscheidungswege. Beides will die Regierung bereitstellen. Sie setzt auf große Baumaßnahmen, große Investitionen, verringerte Anforderungen an die Bauten und höhere Häuser. Die Politik vertraut da auf innovative Architekturbüros, die klargemacht hätten: „Ein gut geführtes Hochhaus ist ein Dorf in der Vertikalen.“ Ein Irrtum: Es wird falsch investierter Aufwand sein.

In den 70ern gab es eine architektonische Vision von vielen Menschen, die auf geringem Raum in gut gepflegten Hochhäusern in intensiver Gemeinschaft zusammenleben. Günstige Kosten, kurze Wege, enge Nachbarschaft und gute Wohnqualität wollte man so erreichen. In der Theorie haben auch damals alle Voraussetzungen gepasst. Das bekannte Resultat waren jedoch anonyme Viertel, die von riesigen Firmen oft schlecht verwaltet wurden (und werden). Bald war die niedrige Miete der einzige Grund, sie zu bewohnen. Als eine Kapitalobjekte wurden sie so immer uninteressanter. Das wiederum führte zu einem Sanierungs- und Investitionsstau, da sich die Kosten dafür nicht tragen. Stattdessen wurden sie immer wieder verkauft, was die Mieter zusätzlich verunsicherte. Wer es konnte, verließ diese Wohnungen. So entwickelten sie sich immer problematischer und wurden inzwischen großenteils abgerissen, weil sie zu sozialen Brennpunkten mutierten. Warum sollte das plötzlich anders sein?

Geschichte wiederholt sich, die Folgen sind bekannt

Die Geschichte wiederholt sich: Die geplanten Maßnahmen fördern vor allem Großprojekte von Großinvestoren. Die Folgen werden die bekannten sein. Hochhaussiedlungen, die in erster Linie von Zuwanderern ohne Geld bewohnt werden und eine (extra dafür zugelassene!) schlechtere Bausubstanz haben, taugen nicht als ernst gemeinte und langfristige Investition. Sie werfen keinen Gewinn ab, werden jedoch künftig hohe Sanierungskosten produzieren, wenn man sie später einmal an normale Baustandards anpassen möchte. Tut man das nicht,entstehen wieder dauerhaft zweitklassige Quartiere, deren Bewohner eher aus prekären Milieus stammen werden. Die Maßnahmen fördern Wohnungsbau als Spekulationsobjekt. Das einzig interessante ist, die Bauten abzuschreiben und dann an jemanden zu verkaufen, der noch irgendwie Geld herausholen kann. Am Ende steht die öffentliche Hand: Das Land und damit die Steuerzahler werden letztlich die Kosten tragen. Und die werden hoch sei! (Straßen-und Brückensanierung im Land zeigen derzeit, wie es in der Politik um die Einschätzung von Folgekosten bestellt ist.) Die Gleichung „sozial“ = „von geringer Qualität, zentral verwaltet und daher billig“ geht letztlich nicht auf. Dazu kommt die soziale Problematik: Siedlungen von Flüchtlingen, die unter sich bleiben, haben mit der dringend notwendigen Integration nichts zu tun.

Wir brauchen keine Massenunterkünfte in schlechter Qualität. Was wir brauchen, ist ein Ansatz, der zugleich die Qualität der Bausubstanz im Land und die dezentrale Integration der Wohnungssuchenden ins normale Wohnumfeld fördert. Der nicht Großinvestitoren mit Interesse an schnellem Profit auf den Plan lockt, sondern Privatleute und kleine Unternehmer. Denn die haben am Erhalt ihrer Häuser langfristig Interesse, da sie von ihnen leben. Warum werden nicht zumindest mit einem Teil des Geldes Hausbesitzer massiv bei Sanierungen und Ausbauten unterstützt? Im Gegenzug bekommt das Land für eine längere Zeit Zugriff auf einige Wohnungen, zahlt geringe Mieten und hat das Recht, sie zu belegen. Eine Maßnahme, die für viele interessant wäre, die sich anstehende oder gewünschte Arbeiten derzeit nicht leisten können. So könnte für viele Menschen dezentral Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, was die Integration fördert und soziale Brennpunkte verhindert.

Das Modell fördert die regionale Wirtschaft

Die Bausubstanz wäre verbessert, nicht im Standard gesenkt, was Folgekosten minimiert. Zumindest ein Teil des zusätzlichen Wohnungsbedarfs wäre so aus dem sozialen Sektor herausgeholt, weil sich ein Teil der Unterbringung (was ein furchtbares Wort!) auf dem normalen Wohnungsmarkt abspielt. Der bekäme zudem durch zusätzlichen Bedarf einen Schub. So wäre zumindest Teil der Großmaßnahmen durch viele kleine Einzelmaßnahmen ersetzt, was regional tätigen Firmen zugute kommt, die ansonsten bei Mammutprojekten regelmäßig außen vor bleiben. Und vielleicht der wichtigste Vorteil: Die Problemstellung würde mit den Menschen vor Ort gelöst und nicht gegen sie. Zu erwartender Widerstand der Bevölkerung gegen derartige Projekte ist der Politik bewusst, denn auch von geringeren Möglichkeiten des Einspruchs ist schon die Rede gewesen.

Ich wünsche der Politik Weitsicht und die Fähigkeit, aus schon einmal gemachten Fehlern zu lernen. Und ich wünsche der Politik den Mut, mit ihren Bürgern zusammen zu arbeiten und auf sie zu vertrauen, anstatt sie als Gegner einzuplanen.

Autor: Bastian Volkamer

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