Das ZdK, der Professor und die Tötungsscheine

Abtreibungen in Deutschland demnächst auch mit kirchlichem Segen? Das scheint die schöne neue Kirchenwelt zu sein, jedenfalls dann, wenn es nach dem neu gewählten Vorsitzenden des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ (ZdK), Prof. Thomas Sternberg, geht. Mit diesem Gremium haben lehramts- und papsttreue Katholiken schon seit jeher ein Problem, setzen sie doch immer wieder die Themen auf ihre Agenda, die aus der Giftküche des kleines Häretikers stammen könnten: Diakonat und Priesterweihe für Frauen, Segnung, wenn schon nicht sakramantale Ehe für wiederverheiratete Geschiedene, Segnung homosexueller Partnerschaften, im Ganzen mehr „Mitsprache“ und „Demokratie“ in Lehramtsfragen. Man kann dem ZdK dabei nicht einen gewissen Erfolg absprechen: Während sich andere Nationen bei der Familiensynode mit den tatsächlichen Familienthemen hervortaten, reisten die deutschen Bischöfe wieder mit diesen alten Hüten im Gepäck an.

Keine Anpassung der Lehre an den Massengeschmack

Um nicht missverstanden zu werden: Für die Pastoral, also die Seelsorge, ist der Umgang mit gebrochenen Lebenssituationen durchaus herausfordernd und die Kirche muss Antworten auch zu den diesbezüglichen Fragen geben. Das kann allerdings nicht mit einer Anpassung der Lehre an den Geschmack der Masse einhergehen.

Sternberg hat nun in einem kurz nach seiner Wahl gegebenen Interview wieder ein Thema auf die Agenda gesetzt, das man schon alleine deshalb nicht als Ladenhüter abtun kann, weil es dabei um Leben und Tod geht. Auf die Frage von domradio Köln nach der Perspektive des ZdK (die durchaus berechtigt scheint, bei einem Gremium, das lediglich behauptet, die Interessen der katholischen Laien zu vertreten), stellte er ein für ihn offensichtlich wichtiges Thema in den Mittelpunkt:

„Ich glaube, dass es sehr wichtig und gut ist, wenn wir unsere Kräfte nicht weiter in innerkirchlichen Streitigkeiten verschleißen müssen und dass einige kirchliche Streitthemen möglichst rasch vom Tisch kommen. Ich habe es bereits bei meiner Antrittsrede gesagt, dass in der nächsten Zeit der Einsatz von katholischen Männern und Frauen für das ungeborene Leben, das sie bei „Donum vitae“ leisten, kein Streitpunkt in der Kirche mehr sein wird. Solche unnötigen Streitthemen müssen relativ rasch ausgeräumt werden. Ich denke, da ist vieles zu erreichen und ich bin auch hoffnungsfroh, dass man dies vom Tisch bekommt.“

Leider – oder absehbar – hat domradio hier nicht weiter nachgehakt, aber angesichts der sonstigen Äußerungen sollte klar sein, was hier gemeint ist: Der Einsatz von Donum Vitae soll auch innerkirchlich legitimiert werden. Dazu muss man wissen, dass Donum Vitae eine Organisation, gegründet von Katholiken, darstellt, die Schwangere in Konfliktsituationen berät und dafür sogenannte Beratungsscheine ausstellt, mit denen in Deutschland Abtreibungen bis zum dritten Schwangerschaftsmonat straffrei durchgeführt werden können.

Fast schon zynisch: „Donum Vitae“

Nach der Neuregelung des § 218 StGB hatte sich Papst Johannes Paul II. exakt in diesem Punkt mit einem Machtwort an die deutschen Bischöfe gewandt, dass von keiner katholischen Stelle ein solcher Schein, der zur Tötung ungeborenen Lebens berechtigt, ausgestellt werden dürfe. Gerade die deutschen Bischöfe (rühmliche Ausnahmen wie Erzbischof Johannes Dyba außen vor) waren es, die sich gegen diese Leitlinie gewehrt und erst durch das Einschreiten des Papstes zur Kirchenlehre zurück gefunden haben. Das hat aber einige katholische Laien nicht daran gehindert, unter dem fast schon zynisch zu nennenden Namen „Donum Vitae“ weiterhin solche Berechtigungsscheine auszustellen.

Wenn nun Professor Sternberg schon in seinen ersten Amtshandlungen als ZdK-Präsident eine Legitimierung dieses Vereins innerhalb der katholischen Kirche anstrebt, verheißt das nichts Gutes. Haben wir unter den deutschen Bischöfen ausreichend Kraft, sich gegen dieses tödliche Ansinnen zur Wehr zu setzen? Will man sich dem überhaupt widersetzen oder wird die Arbeit von Donum Vitare nicht ohnehin stillschweigend geduldet. Dem ohnehin nicht eben ausgeprägten Lebensschutz in den Institutionen der katholischen Kirche wurde mit der Wahl Professor Sternbergs jedenfalls ein Schlag versetzt.

Autor: Felix Honekamp

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