Das Patriarchat ist schuld – Eine Polemik

Schuld ist – das Patriarchat. Jawohl. Der Sündenbock der Achtundsechziger ist zurück. Patriarchat und „restriktive Sexualmoral“ haben sich „gewisse Kreise“ nun zum Täter erkoren.

Für linke Chefideologen ist es natürlich der Supergau:  In jedem Fall schützenswerte, unschuldige und zu idealisierende Minderheit (muslimische Flüchtlinge) bedrängt andere in jedem Fall schützenswerte, unschuldige und zu idealisierende Minderheit (Frauen). Wenn es jüdische Mitbürger trifft, kann man sie als tragischen Einzelfall aus der Öffentlichkeit wegretuschieren und weil man ja israelkritisch ist, fühlt man sich nicht zu übergroßer Empathie verpflichtet. Aber Frauen? Wehrlos und womöglich blond? Da muss ein Schuldiger her. Und der muss ganz klar benannt werden. Ohne Tabus. Ohne Rücksicht. Da muss man durchgreifen. Hart.

Es ist angenehm, mit den Wölfen zu heulen

Das hört sich an wie beste konservative Diktion. Und es ist ja auch angenehm, ab und zu mit den Wölfen heulen zu können. Es klingt so schön, wenn der Mainstream „endlich“ mal Probleme benennt. Wir müssen bloß höllisch aufpassen, dass es auch die tatsächlichen Probleme sind.
Man versucht sich nämlich gerade an der Quadratur des Kreises: Kritik an einem Immigranten, der mit Merkels Segen eingereist ist, ist Kritik an der Regierung und an der Willkommenskultur (pfui), Kritik am Islam ist islamophob (pfui pfui). Kritik am soziokulturellen Hintergrund der Täter ist auch nur in Maßen möglich, denn sonst erwiese man sich ja als Kulturchauvinist und das geht gar nicht.
Schuld sind also der Mann an sich und sein Herrschaftsanspruch gegenüber der Frau. Relativierend ist vielleicht noch einzuwenden, dass er ja nichts dafür kann, dass er in ungegenderten Gesellschaften auf diese Rolle festgelegt wird, ohne die geringste Chance, sich dieser Prägung, etwa durch Reflexion, zu entziehen. Schuld ist die Repression, und Repression findet wo statt? Genau, im Patriarchat. Und spätestens jetzt sollte die Warnblinkanlage im konservativen, womöglich christlichen Hirn hektisch zu leuchten beginnen. Patriarchal, hierarchisch, restriktiv. Das Feindbild Nr. 1.

Argumentative Ablenkungsmanöver
Nicht zufällig, wie mir scheint, versuchen einige Medienvertreter nun verstärkt, die Aufmerksamkeit auf den Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen zu lenken. Ich erlaube mir kein Urteil über die Stichhaltigkeit der Vorwürfe. Aber ich weiß, dass die Kirche in dieser Sache keine Fairness erwarten kann. Der Umgang mit dem letzten „Skandal“ in einer Kindertagesstätte (in Mainz; Hinweisder Red.), der sich als leere Konstruktion erwies, spricht Bände. Wer hätte sich für die heftigen und ungeheuerlichen Anschuldigungen entschuldigt? Für den irreparablen Schaden, der der Einrichtung, den Angestellten und der Kirche entstanden ist?
Durch diese argumentativen Ablenkungsmanöver werden drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:
Man baut die Illusion von Journalismus auf, der endlich wieder schonungslos aufdeckt. Man umgeht die notwendige Selbstkritik am eigenen Realitätsverlust und Opportunismus. Und man diskreditiert nebenbei auch noch „das Patriarchat“. Ein bequemer Ausgangspunkt, um  dann demnächst wieder auf Lebensschützer und Kondomgegner zu schießen, wenn die kriminellen Asylanten dann alle abgeschoben sein sollten und als Feindbild nicht mehr taugen.

Autor: Anna Diouf

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