Die unheilige Wirkung unreflektierter Buchtreue …

[...] Ja, Herr Bedford-Strohm, mehr Islamunterricht. Und zwar am besten organisiert von der EKD. Dann können wir sichergehen, dass sich kein Glaubenssatz in den deutschen Islam einschleicht, der irgendwie kontrovers, anstößig oder nicht mit dem mehrheitsgesellschaftlichen Hedonismus und Materialismus kompatibel wäre. Das wäre dann tatsächlich für Sie und für den Rest der Friede-Freude-Eierkuchen-Elite eine angenehme Religion. [...] Von Anna Diouf

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„Ja ja, nein nein“

[...] Dem Sexualtrieb, einem wilden Gaul, der ohnehin oft kaum zu reiten ist, wurden die Zügel abgenommen: zügellose Sexualität. Doch was als Befreiung empfunden wurde, ging nach hinten los. Der Gaul tritt um sich und die Gesellschaft findet sich auf seinem Rücken wieder, im Rodeo. Und so treibt die selbstbezogene Leidenschaft im Bett und anderswo ihre traurigen Blüten. [...] Von Bastian Volkamer

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Denunzieren leicht gemacht – eine Handreichung

[...] Und was sagt uns die "Beobachtung" denn nun wirklich? Sie sagt: ALLE sind Rassisten, bzw. können Rassisten sein. Menschen jeden Alters, jeder Bildungsschicht, jeden Geschlechts, sogar jene, die selber Migrationshintergrund haben, können Rassisten sein. Nur bei den weißen, alten Männern, darunter gibt es noch ein paar Rassisten mehr (Ob das eine im Original US-amerikanische Studie war? Denn den KKK habe ich hier in Deutschland noch nicht reiten sehen.). [...] Von Heike Sander

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Die EU ist tot. Es lebe Europa!

[...] Europa ist und bleibt mehr als ein Wirtschaftsraum, mehr, viel mehr als eine „Wertegemeinschaft“. Die EU kann, unter großer Anstrengung und unter gemeinsamem Engagement, die Inhalte wiederbeleben, die sie groß und unverzichtbar gemacht haben, und jeder von uns ist gefragt, an dieser Aufgabe mitzuwirken. Aber wir können und sollen uns nicht darauf verlassen, dass die, die an den Schalthebeln der Macht sitzen, diese Aufgabe überhaupt begriffen haben. Darum sollte man sich zurückbesinnen, nicht auf die Union, einen Zusammenschluss, der zusammenkommen und sich auflösen kann, sondern auf Europa, einen einzigartigen Kulturraum, der über Konflikte, Kriege und Selbstzerfleischung hinweg unauflösbar verbunden ist [...] Von Anna Diouf

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Statistik und ihre Tücken

[...] Die unrühmlichste weil dämlichste ließ sich ebenfalls vor allem im Netz beobachten, allerdings konnte man auch ihre Demaskierung genüsslich mitverfolgen: Um auch dem letzten EU-Kritiker deutlich zu machen, wohin der Weg führt, nämlich ganz gleich ob in die Glückseligkeit oder ins Verderben, keinesfalls raus aus der EU, wurde kolportiert, der Brexit sei gegen die Stimmen der Jungen durchgesetzt worden. Das Motto: Die verbitterten, ewiggestrigen Alten haben der Jugend die Zukunft verbaut. Die zweifache Hybris dieser Aussage lässt einen dann doch sprachlos zurück: Zum einen ghören wirklich Chuzpe und ein gehöriges Maß an Realitätsverweigerung dazu, wenn man behaupten will, die Zukunft liege zwangsläufig und einzig in der EU. Das kommt auf sehr viel mehr Faktoren an als auf eine rückwärtsgewandte EU-Romantik, die aus 70 Jahren Frieden einen alleinigen Verdienst der EU macht, während es rings um sie herum knallt, und zwar durchaus nicht zu knapp mit Hilfe von Waffen, die Mitgliedstaaten dieser EU an die Kombattanten liefern. Der zweite Punkt ist nicht nur größenwahnsinnig, sondern auch unanständig, undankbar und idiotisch: Seit wann ist die Entscheidung der Alten zwangsläufig schlecht? Kann es nicht zumindest theoretisch sein, dass sich bei Entscheidungen, die Weitblick erfordern, am Ende die Perspektive des Alters und der Erfahrung als hilfreich und rettend erweist? Was macht die Generationen derer, die keinen Krieg und keine Nachkriegszeit erlebt haben, die keine verwüsteten Städte aufgebaut oder ihren Müttern dabei zugeschaut haben, so verdammt sicher, dass sie es besser wissen? Allein schon diese Selbstgewissheit lässt einen davor schaudern, dass diese Generation politische Verantwortung übernehmen soll. [...] Von Anna Diouf

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Der Brexit ist beschlossen. Was passiert nun?

[...] Es ist eines der größten Probleme Europas: dass die Vision eines friedlichen und geeinten Kontinents durch die Vision eines reichen Kontinents ersetzt wurde und die Vision von Menschlichkeit durch die Vision von Bürgerlichkeit. Die Aufbauphase eines zerstörten Europas ist im Suchen nach Wohlstand versickert. Übrig bleibt eine trübe Pfütze von „Gib mir genug Geld und ansonsten meine Ruhe“. [...] Von Bastian Volkamer

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Lasst es bitte Fußball bleiben

[...] Nebenbei bemerkt: Ich bezweifle, dass die Trademark „Die Mannschaft“ in erster Linie politisch gemeint ist. Viel plausibler ist, dass man eben aus Marketinggründen einen prägnanten, griffigen Namen brauchte, wie es sie auch für andere Nationalmannschaften gibt. Wenn man allerdings der Streichung des Wortes „national“ eine tiefere Bedeutung beimessen will, dann sollte doch auffallen, dass, während alle anderen ganz bescheiden einfach nur ihr Land vertreten, die Deutschen mal wieder alles an sich reißen: Sie stehen nicht für ihr Land, sondern für „die Mannschaft“ an sich, für den Fußball schlechthin. Sollten also die Deutschen tatsächlich an einem national bedingten Größenwahn leiden, dann würde es hier evident. [...] Von Anna Diouf

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Mit aller Gewalt: erfolgreich selbst ausgrenzen

[...] Anstatt diese Zeichen der Mehrheitsgesellschaft (als mehr will ich das ja nicht mal deuten) der Zusammengehörigkeit, der Annahme, der Toleranz und des Respekts, der Menschenwürde und des Mitgefühls freudig zur Kenntnis zu nehmen und zu versuchen, diese positiven Signale in den Alltag zu übernehmen und darauf konstruktiv aufzubauen, kommen nun einzelne Schreiber aus der Szene und hauen den Gutwilligen und Mitempfindenden ein Scheunentor vor der Nase zu. [...] Von Martin Wind

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Lasst den Tätern endlich ihre Motive

[...] Als er darauf angesprochen und aufgefordert wird, Ross und Reiter zu nennen, zieht er sich blasiert auf sein vermeintliches Herrschaftswissen zurück. Anstatt sich zu erklären, suhlte er sich in seiner vermeintlichen „intellektuellen Überlegenheit“, die er aus seiner kryptischen Zitation ableitet. Enzensberger hat einen eindrucksvollen und schlüssigen Text geschrieben. Der entbindet aber einen Journalisten nicht davon, den Kern der Sache zu benennen. Und der heißt in diesem Fall, im Fall des Terrors in Orlando, im jedem einzelnen Fall der getöteten mehr als 50 homosexuellen Mitmenschen „Hass des Islam gegenüber Homosexuellen“. [...] Von Martin Wind

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Überall Rassisten

[...] Im Rahmen der Berichterstattung Gauland/Boateng stand ich kürzlich am Kölner Hauptbahnhof neben einem offenbar – aus Hautfarbe und Kleidung geschlossen – schwarzafrikanischen Ehepaar, die sich auf Englisch unterhielten. Kurz habe ich überlegt, zu fragen, was sie denn von der ganzen Geschichte halten. Und es ging tatsächlich die Schere in meinem Kopf los: Ist es nicht ein Affront, sie anzusprechen mit keinem anderen Anlass als ihrer Hautfarbe und ihres fremdländischen Äußeren? Ein „weißes“ Ehepaar hätte ich jedenfalls nicht angesprochen, da sie vermutlich nicht betroffen wären. Was ich sagen will: Zu der natürlichen Hemmung, Menschen am Bahnhof einfach so auf politische Themen anzusprechen, gesellte sich die Hemmung, eine (Mikro) Aggression ausstrahlen zu können. Ich habe sie also nicht angesprochen, und frage mich jetzt, abgesehen von ihrer Meinung zu dem Thema, ob das nicht auch das Ergebnis ihrer Hautfarbe und insofern ebenfalls rassistisch war. Da bräuchte ich selbst ein paar Schleifen im Hirn, bis ich das für normal halten könnte. [...] Von Felix Honekamp

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