Herzerwärmend: Von Lichtern und St. Martin

Martinsumzüge und Weihnachtsmärkte in der dunklen und kalten Jahreszeit wärmen das Herz. Schon längst hat der Sozialstaat den Hl. Martin überflüssig gemacht. Bettler gehen in die Kleiderkammer nicht zum Bundeswehroffizier, wenn sie frieren. Weihnachten ist längst ein Hochfest des Kommerz. Die Geburt des Kindes in der Krippe von Bethlehem ruft allenfalls noch das Jugendamt auf den Plan.

In der Tat sind ja nur noch eine Minderheit der Menschen in Deutschland bekennende und praktizierende Christen. Da ist die Botschaft einen heiligen Bischofs und Einsiedlers oder eben auch die Weihnachtsbotschaft, dass Gott Mensch geworden ist, keine Nachricht mehr. Aber wir sind gute Menschen, deshalb ist ja Martin den kleinen Kindern ein Vorbild. Und wir sind Romantiker, deshalb ist die Weihnachtsfeier – beginnend irgendwann Mitte November – so herzerwärmend.

Christlichen Feste sind keineswegs harmlos

Manche jedoch sind klüger als andere und wissen darum, dass diese christlichen Feste keinesfalls so harmlos sind, wie die Romantik uns glauben machen möchte. Martin teilte seinen Mantel mit dem frierenden Bettler, weil Armut eine Wirklichkeit ist. Gott wurde Mensch, weil der Mensch der Erlösung bedarf. Das darf nicht sein! Der Sozialstaat löst die Armut und der moderne Mensch hat gefälligst gut zu sein. Selbst in Kirchen wird das gepredigt. Unter dem Mantel der Toleranz, der übrigens nicht geteilt werden darf, bekämpft man nicht nur die Namen der Feste sondern auch deren Inhalte.

Aus dem Fest des Heiligen Martin von Tours wird eine Sonne, Mond und Sterne- Fest. Aus dem Weihnachtsmarkt wird zuweilen ein Lichtermarkt, wie z.B. in Elmshorn. Andere Orte finden andere vermeintlich neutrale Namen. Nun muss man, um der Wahrheit Ehre zu geben, ja zugeben, dass gerade konservative Katholiken mit dem Begriff Weihnachtsmarkt durchaus fremdeln. Gar nicht mal so sehr, weil Weihnachten ja noch gar nicht begonnen hat, ja nicht einmal der Advent wäre auch nur schon in der Nähe. Allenthalben hört man in diesem Jahr von einem kurzen Advent. Nein, er beträgt vier Sonntage, wie in jedem Jahr, die symbolisch für 4000 Jahre Wartezeit auf den Erlöser der Welt stehen. Und ja, er hat ein paar weniger Tage für die Weihnachtseinkäufe, aber allem Kommerzgerede zum Trotz „Jesus is the reason for the season!“. Mit diesem Motto gingen vor ein paar Jahren vor allem amerikanische junge Christen gegen den überbordenden Kommerz zu Weihnachten vor.

Sie wissen nicht, was sie tun

Die religiöse Basis für die Feste ist, wie oben gesehen, längst weggebrochen. Nun beginnt zu Bröckeln, was an kulturellen Derivaten aus dem Glauben hervorgegangen ist und lange Zeit so reiche Früchte für unsere Gesellschaft getragen hat. Das nämlich ist der Kern des Problems, mit dem wir derzeit zu kämpfen haben und das uns Allerheiligen kostet und Halloween beschert. Ein Phänomen, das uns St. Martin verleidet, aber auf Laternenumzüge nicht verzichten will. Einen schönen Laternenumzug macht hier vor Ort der evangelische Kindergarten. Die feiern einen Heiligen! Vor wenigen Jahren noch hätte man vom Oberkirchenrat noch eine strenge Rüge für derart papistische Umtriebe bekommen. Sie wissen nicht, was sie tun. Weihnachten wird aus Gründen der Toleranz zum Lichterfest. Das Kind in der Krippe stört die Toleranten ebenso wie es den Kommerz stört.

Was noch nicht auffällt, ist die Leere, die aus dem Wegbrechen der Kultur entsteht. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne kulturellem Handeln einfach einen neuen Namen verpassen und den Kern ignorieren. Das vom Kern befreite Fest wird ein kurzes Eigenleben entwickeln, und dann an seiner eigenen Sinnlosigkeit zerbrechen. Schon jetzt will man den vierten Sonntag im Advent die Geschäfte öffnen, weil der Advent so kurz ist. Bald werden wir darüber diskutieren, warum wir am ersten Weihnachtstag nicht mit der Familie einkaufen gehen können. Da kann man sich die Geschenke doch direkt aussuchen.

Es wird ein Vakuum entstehen

Wir werden bei fortschreitender Entwickelung unsere Kultur so weit aushöhlen, dass am Ende nichts mehr davon übrig bleibt. Dann, wenn dieses Vakuum entstanden ist, kommt es zum Schwur. Wer oder was wird in ein bis zwei Generationen bereit stehen, dieses religiöse und kulturelle Vakuum zu füllen? Denn dass sich dieses Vakuum füllen wird, daran besteht kein Zweifel.

Autor: Peter Winnemöller

„Freiheit“ ist Toleranzfähigkeit gegenüber Andersdenkenden

Bitte distanzieren Sie sich erst einmal! Egal wovon, von irgendetwas ganz gruseligem, wie der jüngst in den Bundestag eingezogenen Partei. Im Diskurs erlebe ich das in jüngster Zeit öfter. Es ist ein gängiges Muster in den Sozialen Medien. Immer dann, wenn ein Konservativer auf einen (zumeist) Linksliberalen trifft.

Das Motiv dahinter ist im Grunde ganz einfach. Man geht nicht auf Argumente pro oder contra ein, sondern ist bemüht, den Gesprächspartner zu diskreditieren. Der wiederum hat den Schwarzen Peter doch erst einmal beweisen zu müssen, daß er diskursberechtigt ist.

Wenn die „falsche Person“ etwas sagt …

Es geht dann sehr schnell nicht mehr darum, ob z.B. Gendermainstreaming sinnvoll ist oder nicht. Kern der Unterhaltung ist sehr schnell, ob denn dieser oder jener, der die Haltung auch vertritt nicht gar rechtsextrem ist. Das Denkverbot ergibt sich nicht aus dem Gedanken an sich, sondern daraus, wer noch so denkt.

In der Tat ist es ja so, daß AfD, Identitäre und andere durchaus Ansichten vertreten, die dem Grunde nach originär Konservativ sind. So manch ein gruseliger Nationalist, Rassist oder Sexist vertritt zuweilen in anderen Bereichen durchaus aus als sinnvoll zu bezeichnende Positionen. Nun ist es allerdings wenig sinnvoll zu behaupten, Lebensrecht für alle Menschen sei eine rechte Position, nur weil rechtsextrem denkende Protagonisten zuweilen gegen Abtreibung sind. Doch genau das passiert. Du bist gegen Abtreibung? Die AfD ist auch gegen Abtreibung! Distanzier Dich erst mal von der AfD! Dann muß man nicht mehr über Abtreibung reden.

… dann „darf“ selbst „das Korrekte“ nicht „richtig“ sein.

Der tiefere Sinn ist tatsächlich eine von Linken immer häufiger angewandte Strategie der Diskursverweigerung. Mehr und mehr Menschen erkennen, daß linke Welt- und Gesellschaftsmodelle nicht funktionieren. Sie haben noch nie funktioniert und sie werden nicht funktionieren. Doch da gilt es Pfründe zu verteidigen. Allein in Deutschland gibt es um die 200 Genderlehrstühle. Man entzieht sich bislang erfolgreich einer neutralen Evaluierung, was natürlich völlig unwissenschaftlich ist. Gender hat bislang noch eine linke Politmacht im Rücken. Gender ist tief in die öffentliche Verwaltung eingedrungen und hält in Form eine Aufklärung zu Diversität in allen Schulfächern munter Einzug in die Schule. Doch es regt sich Widerstand. Die meisten Menschen in unserem Land denken bürgerlich, das ist zu unterscheiden von konservativ, aber die Überschneidungen sind weitaus größer als gedacht. Gegen diesen Widerstand wütet eine linke Diskursverweigerung. Alles was nach rechts riecht, wird aus dem Diskurs gekegelt.

Weisen Sie doch erst mal nach, daß Sie nicht AfD sind! Zack, Ende, fertig!

Die verführerische Leichtigkeit der Ausgrenzung

Der Widerstand aus der Mitte verschwindet nicht, er verstummt. Und er weckt Schläfer an den Enden der politischen Extreme. Wo in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr die Debatte um den richtigen Weg geführt werden darf, verlagert sich die Debatte nach außen. Wo in der Mitte die Freiheit nicht verteidigt wird, da fällt sich rechten oder linken Extremen zum Opfer.

Es ist schon eine Einschränkung der Freiheit, wenn wissenschaftliches Arbeiten in jedem nur denkbaren Fach die sogenannte Genderperspektive zu berücksichtigen hat. Spätestens hier sollte jedem Auffallen, daß Gendermainstreaming ein Widergänger des Dialektischen Materialismus ist. Wenn es Studenten und Dozenten nicht mehr können, braucht es vielleicht die Stimme eines Kindes, den nackten Kaiser zu entlarven. Es gibt Jungen und es gibt Mädchen. Und die unterscheiden sich voneinander. Das ist alles.

Derzeitige Diskurshegemone unterdrücken den freien Austausch der Gedanken

Mehr und mehr tritt das gefährliche Schweigen ein. Hinter vorgehaltener Hand im Wohnzimmer – bei abgeschalteter Alexa – wenn man unter Freunden ist, wird Tacheles geredet. Ansonsten spricht man mit Disclaimern oder windet sich diplomatisch. Ein falsches Wort kann das berufliche Aus bedeuten.

Es ist demgegenüber gerade das Kennzeichen einer freien Gesellschaft, immer und überall frei reden zu dürfen. Mache sich jeder klar, wie sehr der Grad unserer Freiheit schon eingeschränkt ist, wenn man bei fast jedem Satz nachdenken muß, ob man nicht irgendetwas einschränken muß.

Zwischenmenschlicher Umgang gegen ideologische Ausgrenzung

Es ist Zeit, das offene Wort zu suchen und wieder ohne Disclaimer auszusprechen. Und es ist Zeit, mit dem örtlichen AfD- Abgeordneten auch dann auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein zu trinken, wenn man seine Ansichten zutiefst verabscheut.

Wer mir eine der Freiheit feindliche Gesinnung unterstellen will, der ist in der Beweispflicht. Nicht ich muß nachweisen, mit wem ich rede, um im Diskurs zu bleiben.

So geht Freiheit.

Autor: Peter Winnemöller

Gewagt – Eine Lanze für Horst

„Abgesprungen wie ein Königstiger, gelandet als Bettvorleger“, „Drehhofer“, „Umfaller“ oder auch „Merkels Marionette“, so und ähnlich klang in den vergangenen Monaten die Häme, wenn das Gespräch auf Horst Seehofer kam. Der Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Vorsitzende der CSU hat bei oberflächlicher Betrachtung in der Tat seit 2015 eher selten eine gute Figur in der Bundespolitik gemacht.

Aber wieso meinen so viele Menschen, dass Seehofer keinen Erfolg gehabt habe? Orientieren sich die meisten an der veröffentlichten Meinung führender Medien, weil man sich bei vielen politischen Vorgängen leider auf diese Medien verlassen muss? Wir wissen aus einer Statistik vom Januar 2017, dass rund 50 Prozent der Journalisten eine rot-dunkelrot-grüne Partei präferieren. Von den rund 9 Prozent, die sich der CDU/CSU nahestehend empfinden, ist die Mehrheit eher der CDU zugeneigt. Es bleiben nicht mehr viele übrig, die von Grund aus einen CSU-Vertreter „wohlwollend begleiten“.

Will Seehofer sich selbst erledigen?

Es wäre zu kurz gesprungen, das Bild Seehofers ausschließlich auf eine Antipathie der Journaille zu schieben. Seehofer selbst hat durch sein Verhalten massiv dazu beigetragen. Wir erinnern uns an seine Forderungen und Versprechen, von denen nicht viel übrig geblieben ist. Letzten Endes konnte man den Eindruck gewinnen, da wolle sich jemand politisch selbst erledigen. Aber genau das sollte stutzig machen. Seehofer ist ein erfahrener und ausgeschlafener Politiker. Er kennt das Parkett, auf dem er sich bewegt. Er kennt Berlin, er kennt die dortigen Akteure, die Mechanismen, seine Freunde oder auch seine Feinde, wie Angela Merkel.

Jetzt sollte man die weniger offensichtlichen Effekte des Seehoferschen „Scheiterns“ betrachten. Es ist ihm mit seinen Maximalforderungen immerhin wieder und wieder gelungen, dass bestimmte Aspekte des Regierungshandelns in den öffentlichen Diskurs gezerrt wurden. Schwer vorstellbar, dass das den Strategen im Kanzleramt um Merkel gefallen hat. Dort fällt man Entscheidungen gerne über die Köpfe des Kabinetts, der Fraktion, des Parlaments und des Volkes hinweg. Die unkoordinierte und konzeptlose Einreisepolitik der Kanzlerin, die Obergrenze, die Grenzschließung, die Verteilung von illegal Eingereisten auf das Bundesgebiet, die mehr als mangelhafte Abschiebepraxis für abgelehnte Eingereiste, all das kam und kommt auch durch Bemerkungen und Forderungen Seehofers zur Sprache. Er benennt Probleme, stellt maximale Forderungen, er jagt die Kanzlerin und erzwingt Entscheidungen. Diese mögen im Ergebnis nicht seinen formulierten Ansprüchen entsprechen, dennoch hat er den Lauf der Politik geändert.

Es keimt ein verwegener Gedanke

Erstaunlich daran ist, dass er trotz vermeintlicher Niederlagen unverdrossen genau mit diesem Spielchen weitermachte. Und nun kommt ein gewagter Gedanke, der aber im großen Spiel der Politik so selten gar nicht ist: Was, wenn ihm die Niederlagen egal, aber die Effekte sehr wichtig sind? Was, wenn er die Kanzlerin vor aller Augen vorgeführt hat, um sie von ihrer Politik abzubringen? Was, wenn Seehofer das Wohl des Volkes und der Nation über seine weitere politische Karriere gestellt hat? Aus der Großen Koalition aussteigen konnte er nicht. Merkel hätte ohne zu zögern die Grünen ins Boot geholt. Dann hätte die CSU überhaupt keinen Einfluss mehr gehabt. Merkel hätte ihre, aus Sicht der CSU desaströse Politik noch verschlimmern können. Widerstand von Seiten der Grünen war und ist nicht zu erwarten.

Horst Seehofer muss nichts mehr erreichen. Er war Minister in Berlin, er ist noch Ministerpräsident in Bayern und Vorsitzender der CSU. Seehofer hat keine höheren Ziele mehr. Derzeit sitzt er noch in der großen Runde der Koalitionsverhandler. Kaum anzunehmen, dass er dort plötzlich aus Gründen des Pragmatismus eine noch weiteren Verortung der CDU im linken Milieu und einer Verbrüderung mit den Grünen ohne Widerspruch zuschaut. Aus konservativer und bürgerlicher sowie liberaler Sicht könnte Horst Seehofer in den vergangenen zwei Jahren seines Agierens mehr für das Volk und die Nation getan haben, als das von der Kanzlerin sedierte Parlament oder auch Merkel selbst. Und je länger ich darüber nachdenke, umso unglaublich wahrscheinlicher scheint mir dieser Gedanke.

Autor: Martin Wind

Reformation – ein Nachklapp

Es ist vorbei! 500 Jahre Reformation sind erfolgreich bewältigt. Gab es denn überhaupt einen Grund zu feiern? Wohl eher nicht. Wurde überhaupt ordentlich gefeiert? Auch das war eher Fehlanzeige. Nach dem Kirchentag in Berlin war die Luft raus. Nur noch ein dünnes Luthersäuseln hier und da. Eher war man katholischerseits damit beschäftigt, sich je nach Anschauung ökumenisch anzubiedern oder vor selbigem zu warnen.

An der einen oder anderen Stelle gab es den Wunsch nach einem gemeinsamen Christusfest. Aber sorry, Christusfest? Die Kirche feiert ein ganzes Kirchenjahr lang Christus. Vom ersten Advent bis Christkönig ist jeder Sonntag ein Christusfest. Darum ordnet sich ein Festjahr, das in seiner Gesamtheit, egal ob Marien-, Heiligen- oder Herrenfest auf Christus hinweist.

Nett gemeint …

Evangelischerseits mag die Einladung nett gemeint sein. Die einzelne Gemeinde mag sich in die Pflicht genommen gefühlt haben, doch unterm Strich war das doch reiner Popuilismus.

Die Reformation, die hier großartig zu feiern vorgegeben wurde, hat unterm Strich Trennung, Streit und Krieg gebracht. Mit dem 30-jährigen Krieg fand das seinen Höhepunkt. Dieser zog wie ein andauernder Orkan über unser Land und brachte Verwüstung, Tod und Terror im Namen der Religion. Was gibt es da zu feiern?

Instinktiv haben viele wohl gemerkt, daß es wenig Grund zu feiern gibt. Allenfalls romantisch zu nennen sind Träume von einem gemeinsamen Abendmahl ohne gemeinsames Amt. Förmlich zerschellt sind die Träume von einem Papstbesuch zum Reformationstag in Deutschland. Der Papst war zu Besuch beim lutherischen Weltbund. Die EKD – die evangelische Kirche in Luthers Heimat – ist da nicht Mitglied. Das sagt auch was.

Ökumene in Deutschland? Werbeschauspiel …

Es nützt auch nicht wirklich etwas, im Sinne der Einheit im Glauben, wenn Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm publikumswirksam zusammen durch Jerusalem flanieren und auch sonst auf Harmonie machen. Es ist gut, wenn der DBK- Vorsitzende und der EKD- Vorsitzende sich persönlich gut verstehen. Persönliche Sympathie und räumliche Nähe der Wirkungsorte verkürzen so manchen Weg, der sonst wesentlich länger wäre. Doch in Wahrheit ist Ökumene in Deutschland vor allem PR. Als wäre ins Sachen Einheit etwas machbar.

Die Einheit im Glauben, die zu einer Einheit der Kirche führt, ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Das erkennt man an der Rückkehr eines Teils der Anglikaner in die Kirche. Das sieht man an der immer konkreter werdenden Chance der Piusbruderschaft eine Personalprälatur zu werden. Die Einheit ist ein Wesensmerkmal der Kirche. Darum kann es nur eine Form der echten Ökumene geben: Die freie Rückkehr in die Einheit. Aspekte wie „versöhnte Verschiedenheit“ sind keine Einheit und auch keine echte Option für die Kirche. Eine friedliche Koexistens ist politisch. Das ist keine Existenz in der Wahrheit.

Einheit ohne Wahrheit geht nicht

500 Jahre nach der Reformation mögen viele Wunden verheilt sein und man kann gut miteinander reden. Das sollte niemand geringschätzen. Doch in gleicher Weise sollte sich niemand Illusionen machen. Eine Einheit ohne Wahrheit wird es nicht geben. Am Ende zerschellen Populismus und Wunschdenken an dieser einfachen Wirklichkeit.

Es ist gut, daß das Feiern und Gedenken nun ein Ende hat.

An vielen Stellen in der Kirche und ganz besonders im Rat für die Einheit der Christen im Vatikan wird ganz still und sehr, sehr intensiv Ökumene betrieben. Das ist Schwerstarbeit und ein Monsterwerk an Kommunikation. Im Gegensatz zu dem, was sich der deutsche Michel denkt, ist Ökumene ein weltkirchliches Thema. Die EKD ist da gerade mal eine Fußnote.

Ökumenisch: der Buß- und Bettag

Und wenn es wieder einen evanglischen Feiertag in Deutschland geben soll, dann streitet doch bitte für den Buß- und Bettag, denn da kann ein Katholik ganz ökumenisch mitgehen. Der Reformationstag ist kein Tag der Versöhnung und wahrlich kein Tag für ein Fest.

Autor: Peter Winnemöller

Claus Kleber und die Religionsfreiheit im Grundgesetz – ein Missverständnis

Gilt die Religionsfreiheit für eine Religion, die Religionsfreiheit ablehnt? Claus Kleber springt mit seiner Diskussion dazu viel zu kurz.

Da hat Claus Kleber mal wieder in die … gegriffen: Den Katechismus der katholischen Kirche mit der Scharia verglichen, das erzürnt, wie ich finde zu Recht, nicht nur Katholiken sondern jeden, der etwas auf die christlichen Grundlagen unserer Gesellschaft hält. Allerdings ist da auch eine Menge künstlicher Aufgeregtheit im Spiel, denn erstens ist Kleber sicher nicht so dumm zu glauben, dass das, was darin stünde (in KKK und Scharia) sei doch irgendwie ähnlich und zweitens ging es in dem Interview auch gar nicht um den Vergleich dieser beiden Dokumente. Worum es aber ging ist etwas anderes: Mit seiner Nachfrage (die Diskussion mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel ist bei kath.net gut wiedergegeben) machte er nämlich auf den springenden Punkt in der Debatte um den AfD-Bundestagsabgeordneten und Bewerber für das Amt eines Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, aufmerksam. Der hatte in einem Interview erläutert, dass, wenn eine Religion aufgrund ihrer Glaubenssätze die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit nicht respektiere, diese Religion diese Freiheit auch nicht für sich in Anspruch nehmen könne.

Scharia vor Grundgesetz?

Das ist eine politisch in der Tat spannende Frage und durch das Verdikt „islamfeindlich“ reichlich naiv und dümmlich beschrieben. Albrecht Glaser soll aufgrund dessen – nach dem Willen der meisten Parlamentarier der anderen Parteien – nicht Bundestagsvizepräsident werden, weil er damit die im Grundgesetz festgelegte Religionsfreiheit für Muslime in Frage stelle. Nun stellt sich die Frage, ob ein Scharia-Anhänger Bundestagsvizepräsident werden könnte, weil der ja ebenfalls die Religionsfreiheit – für alle anderen Religionen – ablehnt? Das dahinter stehende generelle Problem, so das Argument Alice Weidels, könne man formal nur auflösen, wenn Islamvertreter einen Eid auf unsere Verfassung leisten müssten. Und hier denkt sich der bauernschlaue Kleber, könne er einen Stich machen, indem er ihr in den Mund legte, dass dies bedeute, den Moslems das Recht auf Religionsfreiheit zu bestreiten. In Wahrheit ist das natürlich vergleichbar mit der Frage der Schlange im Paradies, ob Gott wirklich gesagt habe, Adam und Eva dürften von keinem der Bäume kosten – nicht mal eine Dreiviertelwahrheit. Worum es eigentlich geht, ist ja die Frage, ob die Religionsfreiheit auch für die Teile einer Religion gilt, die nicht verfassungskonform sind.

Wenn also ein Moslem heute sagt, er hänge zwar der Scharia an, das Grundgesetz stehe für ihn aber höher, und darum werde er die Religionsfreiheit für andere Religionen oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau achten, dann wäre der Konflikt schon aufgelöst. Niemand wird ihn dann hindern zu beten, eine Moschee zu besuchen oder sonst wie seine Religion auszuüben. Zum Dschihad muss er sich allerdings ein anderes Land suchen – die Freiheit zum Kampf gegen Vertreter anderer Religionen hat in diesem Land niemand; das hat Verfassungsrang!

Grundgesetz, es sei denn Scharia?

Aber die Frage bleibt: Kann ein gläubiger Moslem einen solchen Eid wahrhaftig und ernsthaft leisten? Kann er das, wenn er tatsächlich glaubt, dass es Allahs Wille ist, dass sich die Frau dem Mann in der von der Scharia geforderten Weise unterwerfe? Kann er sich dann gegen Allah stellen – gegen Gott, auch wenn sein Verständnis von Gott für einen Christen noch so abstrus erscheinen mag? Kleber stellt das in Frage und versucht, Frau Weidel daraus einen Strick zu drehen: Das könne man doch von einem Moslem nicht verlangen! Und da sind wir – aus politischer Sicht – beim wirklichen Skandal. Der liegt nicht darin, dass Kleber Scharia und KKK vergleicht, der liegt darin, dass er insinuiert, dass man von Moslems nicht verlangen könne, die Verfassung zu achten (und auf sie einen Eid zu leisten), da sie ansonsten ihr Recht auf Religionsfreiheit einbüßten. Keine Ahnung, ob Herrn Kleber eigentlich klar ist, an welcher Lunte er da zündelt: Unterdrückung von Frauen, Verfolgung von Homosexuellen, Dschihad in Deutschland? Klebers These: Ja, wenn sie doch daran glauben!

Grundgesetz oder Katechismus

Umgekehrt ist Klebers Vergleich mit dem Katechismus aus katholischer Sicht trotzdem interessant. Selbst ein Vertreter des linksorientierten Staatsfernsehens wird am Ende ja nicht umhin kommen, diese Einschätzung auch auf andere Religionen auszuweiten – auch auf Christen und Katholiken. Für „uns“ ist die Situation im Moment noch einigermaßen bequem, weil im deutschen Grundgesetz (soweit ich den Überblick habe) nichts drin steht, was unserem Glauben widerspricht. Es gibt Gesetze bei denen man da Zweifel haben kann, aber das Grundgesetz atmet noch immer einen christlichen Geist, ist, wenn man so will, ein säkulares Dokument mit Gottesbezug. Darum haben auch deutsche Bischöfe kein Problem damit, konkordatsgemäß einen Eid auf die Verfassung zu schwören.

Was aber, wenn sich das mal ändert? Was, wenn zum Beispiel ein angebliches Recht der Frau auf eine Abtreibung mal Verfassungsrang bekommen sollte? Auszuschließen ist das nicht. Was, wenn tatsächlich mal in der Verfassung geregelt wird, dass es mehr als zwei Geschlechter gäbe und diese frei durch den Menschen wählbar sein sollen? Auch das nicht allzu sehr aus der Luft gegriffen. Und beides ist in keinem Fall mit dem Katechismus und dem katholischen Glauben vereinbar. Von aktuell noch abwegigen aber nicht auszuschließenden anderen Verfassungsänderungen wollen wir gar nicht erst reden.

Die katholische Antwort: Katechismus vor Scharia!

Bislang lautete die vorwurfsvoll gemeinte Frage an dieser Stelle immer: Du willst doch nicht Deinen „privaten“ Glauben über die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland stellen? Und die Antwort darauf musste schon immer lauten, Claus Kleber hat das jetzt nur in seiner Rolle als „Meinungsführer“ einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung vermutlich aus Versehen bestätigt: „Ja sicher, was denn sonst!?“ Atheisten und Säkularisten bekommen bei sowas Ausschlag, und aus ihrer Sicht ist das durchaus nachvollziehbar. Aber für einen Christen gilt, dass er zwar dem Kaiser geben wird, was dem Kaiser gehört, aber in jedem Fall Gott geben wird, was Gott gehört. Und die unwiderrufliche Loyalität eines Christen gilt immer in erster Linie Gott, eine eingeschränkte Loyalität kann einem Staat nur gelten, wenn der sich gottgemäß zeigt, sich insbesondere nicht selbst zu einem Gott macht.

Der gesellschaftliche Dissens lässt sich über ein kurzes Fernsehinterview nicht auflösen: Für einen Katholiken steht Jesus Christus, dessen Willen Bibel und Katechismus dokumentieren, über dem Grundgesetz, was nur so lange unkritisch ist, wie das Grundgesetz dem Katechismus nicht widerspricht. Ich nehme für mich in Anspruch, meinen Glauben über die Verfassung zu stellen. Ich negiere nicht mal den gleichen Anspruch der Moslems, ihren Glauben über die Verfassung zu stellen. Ich negiere aber ganz entschieden den Anspruch irgendeines Gläubigen anderer Religionen, seinen Glauben über den katholischen zu stellen. Die Verfassung ist mir aus der Glaubensperspektive ziemlich egal – die Bestrebungen anderer Religionen, die Freiheit meiner Religionsausübung einzuschränken, ist es aber nicht. Den Unterschied allerdings wird ein Herr Kleber mit seiner säkularen Brille vermutlich so schnell nicht verstehen.

Autor: Felix Honekamp

Neuwahlen – jetzt!

Die Zeit ist reif. Der Bundestagswahlkampf 2017 I ist gelaufen. Die Wahlen sind ausgezählt, der Bundestag ist zusammengetreten. Beinahe alle Parteien haben sich eingerichtet, Spreu wurde vom Weizen getrennt, die Masken des Wahlkampfes, die hohlen Phrasen, die leeren Versprechungen sind als solche erkennbar, leider jedoch nicht ordentlich genug geworfelt:

Der Eindruck bleibt: Merkel ging und geht es nur und ausschließlich darum, an der Macht zu bleiben egal wie, egal mit wem, egal wozu überhaupt noch.

„Macht“ – koste es, was immer es wolle …

Die FDP hat erneut bewiesen, dass sie für eine Beteiligung an der Macht, beinahe zum Verrat aller Kernanliegen „liberaler Politik“ bereit ist. Kennt man.

Die Grünen zeigen mehr als deutlich, dass sie überholt sind. Sie sind ein einziger Hemmschuh gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung. Mit ihren Thesen und Zielen aus dem letzten Jahrzehnt im letzten Jahrhundert des untergegangen Jahrtausends, sind sie so weit aus der Welt, dass man leider inzwischen daran zweifeln muss, ob die Wähler dieser Zukunftsverweigerer überhaupt wissen, was diese Partei betreibt. Hier drängt sich der Verdacht auf, dass man in „grünen Kreisen“ so situiert ist, dass man von den Folgen einer grünen Regierungsbeteiligung nicht unmittelbar bedroht wäre. Darauf einen – hach! – Chai Latte.

Die SPD tut, was sie immer tut: Sie bemitleidet sich selbst und jammert der Chance nach, nicht schon früher mehr für „Gerechtigkeit“ getan zu haben. Was ist das eigentlich? Mit Martin Schulz – dem Politzirkus-Millionario mit SchlafwagenRhetorik – war „Gerechtigkeit“ jedenfalls nicht zu vermitteln
Die Linke – legitime Nachfolgepartei der SED-, Mauerschützen- und STASI-Partei, lenkt mir allen zur Verfügung stehenden Mitteln von ihrer verbrecherischen Vergangenheit ab und zeigt mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die AfD.

Manches braucht Zeit, um sich selbst zu überleben

Tja – die AfD! Wenn man nur wüsste, woran man mit dieser Partei ist. Das gesamte Projekt krankt daran, dass es in der Selbstfindungsphase nicht gelungen ist, der Vernunft zum Durchbruch zu verhelfen. Schauen wir mal, was die Zukunft bringt. Bei den GRÜNEN hat es auch ein paar Jahrzehnte gedauert, bis sie so erfolgreich von den anderen kopiert waren, dass sie selbst obsolet geworden sind.

Das alles wurde nach dem Wahlkampf mit den rhetorischen Nebelgranaten, den taktischen Lügen, mit der Schönrednerei der gesellschaftlichen Situation für uns Wähler inzwischen so wunderbar offen und ungeschminkt erkennbar.  Das alles und die Auftritten der Parteitrolle – unter anderem Ruprecht Polenz für die Kanzlerin – die Offenbarungseide für Spitzenkandidaten, die fulminanten Abtürzen und spektakulären Zugewinnen,  verlangt dringend nach einem Akt politischer Hygiene: möglichst schnell Neuwahlen anberaumen.

Neuwahlen- jetzt!

Fassen Sie sich ein Herz, liebe Parlamentarier, lassen Sie die verlogenen Koalitionsverhandlungen platzen, gehen Sie volles Risiko und setzen Sie alle auf Neuanfang.

Autor: Martin Wind

Dem Staat vertraut – auf Sand gebaut

In diesem Land hören wir tagtäglich von Gewalttätern, untergetauchten Terroristen und islamistischen Umtrieben. Diese Leute gehören abgeschoben. Sie haben hier nichts verloren. Weil sie nichts sind als gemeine Verbrecher, die alle, die hier leben, bedrohen. Sie bedrohen unser Leben, unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden. Es ist die erste Aufgabe des Staates, dem wir Bürger uns unterwerfen, uns zu schützen. Wir treten unsere Freiheit zu einem nicht geringen Teil an ihn ab, weil wir das von ihm erwarten.

Und nun geht dieser Staat hin und holt Berufsschüler aus dem Unterricht um sie abzuschieben. Das ist das Verhalten dessen, der dem Kleinsten auf dem Schulhof das Butterbrot wegnimmt, weil er sich an die älteren Kinder nicht herantraut. Ekelhaft.

Kein Einzelfall

Dabei ist der junge Afghane aus Nürnberg beileibe kein Einzelfall. Die, an die der Staat herankommt, sind jene, die dazugehören wollen. Er weiß, wie sie heißen, wo sie wohnen, und wo sie sich aufhalten, weil sie nämlich gerade dabei sind, sich zu integrieren. Sie haben den fatalen Fehler begangen, den auch Deutsche machen, schon darin erweisen sie sich als kompatibel mit der deutschen Gesinnung: Sie haben sich dem Staat anvertraut und sich in seine Klauen begeben. Und der macht jetzt eben mit ihnen, was er will. Schön doof, kann man da eigentlich nur sagen.

Wie will man uns eigentlich vermitteln, dass, nachdem man uns unkontrollierte Immigration als Bereicherung verkaufen wollte, die, die ernsthaft daran gehen, eine Bereicherung zu werden, wegschafft werden? Offenbar will man uns übers Ohr zu hauen. „Seht her, wir setzen Recht durch“, ruft man uns zu; und während man spontane Proteste niederprügelt, lässt man die Gefährder gewähren. Im Grunde nur eine weitere Facette des jüngsten Skandals um die Bundeswehr: Wo immer deutlich wird, dass der Staat schwach, planlos und tatenlos ist, wird wahllos dreingeschlagen um die Fassade aufrechtzuerhalten und die eigene Unfähigkeit zu kaschieren. Ein sicheres Zeichen für Verfall.

Autor: Anna Diouf

Rechte Heiden

Erinnern Sie sich noch? Asterix. Da gab es diesen Druiden, Miraculix, der bei aufkommenden Gefahren angesichts der römischen Besatzer einen Zaubertrank zusammenbraute, den alle Dorfbewohner vor dem Kampf tranken (außer Obelix, der als Kind in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen und daher dauerhaft gestärkt war). Der Druide Miraculix ist ein weiser, sympathischer Greis, friedliebend und naturverbunden.

Naturverbunden sei er auch, so Burghard B., selbsternannter Druide aus Schwetzingen[sic!]. Hier hören die Gemeinsamkeiten mit Miraculix aber schon auf. Denn als weise, sympathisch und friedliebend lässt sich nur schwerlich ein Mensch charakterisieren, der in den Sozialen Medien zur Vernichtung aller Juden und Moslems aufruft. Burghard B. wird zur Reichsbürgerszene gezählt, gegen die in den letzten Tagen verstärkt vorgegangen wurde.

Bindungskraft rechtsextremer Ideologie

Dass der neuheidnische Kult alles andere als ein harmloses Freizeitvergnügen esoterisch veranlagter Naturfreunde ist, war bereits vorher bekannt. Der Neopaganismus ist das religiöse Moment der rechtsextremen Ideologie, mit dem vor allem Frauen und politisch weniger interessierte Menschen an die „Bewegung“ angebunden werden sollen. Offenbar mit Erfolg.

Zur Naturverbundenheit tritt die Heimatliebe und die Verklärung der antiken bis frühmittelalterlichen Geschichte der Germanen, die sich tapfer gegen die Römer wehrten und erst von christlichen Missionaren ihrer Kultur beraubt wurden. Das übliche Feindbild der Neuheiden ist denn auch das Christentum, insbesondere die Katholische Kirche. Nicht von ungefähr ist der Voigt-Rosenbergsche Neun-Millionen-Mythos besonders in neopaganen Kreisen virulent.

Die Kirche brachte Kultur

In Wahrheit hat die Kirche so etwas wie Kultur erst nach Mitteleuropa gebracht. Denn Kultur braucht Verstetigung. Die gab es bei den alten Germanen aber nicht, weder besondere Bauwerke noch Bücher oder Artefakte, die nicht zugleich Gebrauchsgegenstände waren. Bibliotheken gab es erst, als auf „deutschem“ Boden Kirchen und Klöster errichtet wurden. Eine Ausbildung in Kulturtechniken (wie Lesen und Schreiben) gab es ebenfalls erst mit dem Christentum.

Auch ethisch schneidet der Neopaganismus schlechter ab als die „böse Kirche“. Während der spätantiken Völkerwanderungen ging beispielsweise die Idee des gerechten Krieges, wie sie Augustinus entfaltet hatte, weitgehend unter und wurde wieder durch den „natürlichen“ Krieg ersetzt. Dieser kannte keine der für den bellum iustum-Topos üblichen Anfragen und Einschränkungen, sondern nur ein vorzivilisatorisches „Recht des Stärkeren“.

Der „Stärkere“ hat den „mächtigeren Gott“

Ohnehin war Stärke im heidnischen Stammesdenken alles. Und auch der entscheidende Grund, den Gott der Christen nach einer militärischen Niederlage anzunehmen: Er hatte sich als der Stärkere erwiesen. Das allein zählte. Argumente und liebevolle Zuwendung waren in der Heidenmission de facto untaugliche Mittel. Welcher Gott lässt uns Schlachten und Kriege gewinnen? Das war die Frage des Heiden.

Schaut man sich Fälle wie den im Zuge von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gestern verhafteten Burghard B. an, so scheint das Heidentum germanischer Prägung in den letzten 1500 Jahren nur wenig dazugelernt zu haben. Immerhin: Man nutzt moderne Technik für den Hass auf andere Religionen. Das ist allemal erstaunlich. So als naturverbundener Druide.

Autor: Josef Bordat

 

(Der Text erschien zuerst auf Jobo72 und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors hier übernommen Herzlichen Dank Josef Bordat.)

Angemessener Rassismus?

Dilemma – das ist eine unangenehme Situation, in der man nicht das „Richtige“, sondern immer nur eine Nuance des Schlechten, Schlechteren oder nicht ganz so Schlechten tun kann.

Ein Dilemma ist es, wenn man weiß, dass eine Tätergruppe vornehmlich aus Menschen besteht, die eine gewisse Physiognomie gemein haben, während die meisten Menschen, die zufällig diese Eigenschaft teilen, friedlich und unbescholten sind.

Problematische Situation

Es kann uns nicht egal sein, wenn die Polizei generell Nordafrikaner – oder Menschen, die man als nordafrikanisch oder arabisch aussehend empfindet (was auch durchaus den einen oder anderen Mexikaner, Griechen oder auch Deutschen treffen kann) – aussortiert und prophylaktisch kontrolliert. Als freie Bürgerin eines freien Landes möchte ich das nicht. Als Mensch mit sichtbarem Migrationshintergrund möchte ich das nicht. Als Frau aber möchte ich ebenso wenig von Menschen eben jenes Kulturraums (oder irgendeines anderen) bedroht oder genötigt werden.

Es ist heuchlerisch, auf die Polizei zu schimpfen. Aber natürlich könnte man, wenn man denn wollte, anfangen, sich darüber zu unterhalten, wie man die freien Bürger und die freien Gäste dieses Landes beschützt – vor Kriminalität und vor rassistischer Vorverurteilung gleichermaßen. Vielleicht können wir bessere Rezepte finden. Wenn aber ohne Rassismuskeule und Empörungsgeheul kein Diskurs möglich ist, kann sich auch die Polizei nicht frei und ehrlich darüber äußern, was sie braucht, will und kann. Schließlich wird niemand, der seinen Verstand einsetzt, behaupten, die deutsche Polizei sei per se rassistisch oder wolle rassistisch sein. Aber wieso soll die allgemeine Überforderung mit einer für uns neuen Situation für die Polizei nicht gelten? Arbeiten dort Übermenschen? Nein, dort treffen wir auf dieselben grundsätzlich gutmütigen, tendenziell romantisch-idealistischen und Loriotesk tragischen Gestalten, die im deutschen Volk überproportional vertreten sind.

Handeln kann oft nicht perfekt sein

Man kann Sicherheitsmaßnahmen wie die in Köln ohne Hetze und ohne Polemik rechtfertigen, und man kann alle Bürger, die unberechtigterweise ins Visier derer geraten, die für unsere Sicherheit garantieren sollen, um Verständnis bitten, man kann sich schon im Voraus bei denen entschuldigen, die jetzt scheel angesehen werden. Das Problem ist hier der deutsche Hang zur heroischen Tugendhaftigkeit: Es fällt offenbar schwer, einzusehen, dass etwas, das man tut, nicht perfekt, aber notwendig ist. Ob Deutsche kontrollieren oder nicht kontrollieren, es ist keine pragmatische Frage, sondern es geht um ein idealistisch verklärtes Prinzip: Egal, was getan wird, es soll es moralisch geboten, einwandfrei und unanfechtbar sein. Was dazu führt, dass die Front zwischen Fanatikern verläuft: Zwischen denen, die behaupten, braune Haut sei statistisch gesehen mit Hang zu sexueller Nötigung verknüpft, und denen, die sich jetzt – typisch – statt inhaltliche Auseinandersetzung zu leisten, an einem harmlosen Wort wie „Nafri“ aufreiben, um sich nicht der traurigen Realität zu stellen.

Dass wir uns dazu herablassen, nach Aussehen zu selektieren, ist ätzend, nervig. Es macht uns bewusst, dass unsere Freiheit, vorurteilsfrei zu sein, schon arg strapaziert ist, wenn sie nicht schon als eingestürztes potemkinsches Dorf darniederliegt. Das tut weh. Und es bleibt nur zu hoffen, dass uns etwas Würdigeres einfällt. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir erkennen, dass latenter Rassismus keinesfalls erst seit vorgestern ein Problem in Deutschland ist, und dass er, wenn überhaupt, nie so angemessen war, wie in der jetzigen Situation.

Autor: Anna Diouf

Mit dem Terror leben lernen? Niemals!

Wir lassen uns unsere Lebensart nicht nehmen, hallt es derzeit durch Medien und soziale Netzwerke, und zwar aus allen erdenklichen politischen Richtungen. Das sei die adäquate Antwort auf den Terror.

Etwas an dieser Aussage ist kolossal falsch und lächerlich surreal. Offenbar ist Klarheit über das Wesen islamistischen Terrors noch nicht bis ins Bewusstsein der Menschen gedrungen. Das endgültige Ziel der Islamisten ist nicht, Terror zu verbreiten, Menschen in Schockstarre zu versetzen, Grauen hervorzurufen. Das mögen Etappenziele sein. Das Endziel ist, uns zu töten. Sie, mich, uns alle. Oder uns zu unterwerfen. Was auf lange Sicht dasselbe bedeutet. Wer sagt, er lasse sich seine Lebensart nicht nehmen und sich Weihnachten nicht verderben, der wischt damit nicht dem Djihadisten eins aus, er vermeidet es, aktiv zu werden. Und er verklärt das zur Heldentat, was alle Menschen ohnehin schon immer getan haben – weitermachen. Schließlich ist es nichts Neues, dass Menschen in jeder Situation irgendwie weitermachen, wenn sie noch irgendeinen Funken Lebenswillen in sich verspüren.

Wir müssen den Hass erkennen

Wir haben die totale Entmenschlichung, den totalen Hass, der diese Menschen treibt, noch nicht begriffen. Wir werden sie nicht beeindrucken, indem wir „keine Angst“ haben. Also können wir uns das auch sparen, und lieber das tun, was Islamisten beeindruckt und uns schützt.

Wenn wir den Islamisten eins auswischen wollen, dann müssen wir verhindern, dass sie uns töten, anstatt uns der Illusion hinzugeben, wir seien Märtyrer der Freiheit, wenn wir uns erhobenen Hauptes, den Glühwein in der Hand, lachend in die Luft sprengen lassen – weil, sie können uns ja nichts, diese Islamisten, töten ja, aber nicht vom Feiern abhalten, und das ist doch, was eigentlich zählt. Ernsthaft? Woher der plötzliche heroisch-pathetische Leidenswille in einer werteberaubten Gesellschaft? Nur ein Bruchteil derer, die in sozialen Netzwerken den dem Leben gegenüber indifferenten Helden spielen, würde seinen eigenen Posts gerecht werden, wenn der Henker mit dem Schwert hinter ihm stünde. Zumal ein Mensch selten nur für sich verantwortlich ist. Man mag für sich entscheiden, dass man „jetzt erst recht“ feiern will, aber würde man auch seine Kinder, Eltern oder Freunde auf dem Altar der „Wir-machen-weiter-als-wäre-nichts“-Mentalität opfern? Hier geht es schließlich am Ende nicht um eine Gesellschaft, die abstrakt bleibt, es geht um Familienväter, die Weihnachten nie wieder nach Hause kommen werden, um Kinder, die fehlen, um Mütter, die nicht mehr da sind. Fragen Sie die Hinterbliebenen der Opfer von Berlin, ob sie „jetzt erst recht“ einfach weitermachen. So geht Solidarität nicht! Ein Volk, dem so etwas widerfährt, muss Schmerz darüber empfinden, gemeinsam trauern, gemeinsam handeln.

Ein Schrei nach Vernunft

Nicht von ungefähr hält sich ein Teil der sozialen Netzwerke gerade wie an einem letzten Strohhalm an einem Fernsehmitschnitt fest, der Helmut Schmidts Reaktion auf den Terror dokumentiert. Mannhafte, starke, entschlossene Worte, über ein Volk, das zusammenhält. Dass dieser Ausschnitt vermehrt geteilt wird, ist kein Ruf nach dem starken Führer in der Not, sondern der Schrei nach ein wenig Vernunft und kühler Entschlossenheit in einer Gemengelage, in der immer nur der emotionale Overkill regiert – in alle Richtungen. Schmidt hat unmissverständlich deutlich gemacht, dass sich das Deutsche Volk seiner Tage nicht an den Terror gewöhnen werde, dass es eben nicht weitermacht, als sei nichts gewesen, auch nicht im Sinne eines Martyriums für die freiheitliche Gesellschaft. Hier wird davon gesprochen, dass man sich dem Terror entschlossen entgegenstellt, auch, wenn das das Leben verändern sollte.

Das impliziert für uns Dinge, die wir nicht mögen, in unserem Schrebergärten-Deutschland, aber dieses Deutschland war gewissen Politikern ohnehin ein Dorn im Auge. Mehr Misstrauen gegen bestimmte ethnische und religiöse Gruppen, Angst vor Menschenansammlungen und vergessenen Rucksäcken, weniger Vertrauen untereinander. Das ist nicht schön. Aber wenn die Realität unschön ist, sollten wir sie zur Kenntnis nehmen. Das wird Leben retten.

Autor: Anna Diouf