Sterbehilfe: Aktiv und passiv

Es gibt einen Unterschied zwischen “töten” und “sterben lassen”. Auch, wenn es in der Konsequenz (langfristig) dasselbe ist, ob man einen 35jährigen Mann erschießt oder eben 50 oder 60 Jahren wartet, bis er “von selbst” stirbt, beurteilen wir “erschießen” und “warten” moralisch und rechtlich unterschiedlich. Das ist trivial, man muss es sich aber für die Sterbehilfedebatte noch einmal so klar vor Augen führen.

Denn: Worum geht es in der aktuellen deutschen Debatte? Es geht um die aktive Form der Sterbehilfe, um ein Eingreifen mit dem Ziel der Tötung eines Menschen (in Deutschland verboten, auch dann, wenn es dem Wunsch des Patienten entspräche). Es geht nicht um die passive Form der Sterbehilfe, um ein Nicht- oder Nicht mehr-Eingreifen unter Inkaufnahme eines Sterbens, das früher eintritt als in dem Fall, in dem man “alles” versucht, was menschlich und technisch möglich ist (in Deutschland erlaubt, soweit vom Patienten willentlich verfügt).

Der Mensch ist mehr als Biologie

Man kann tatsächlich der Ansicht sein, dass die passive Form der Sterbehilfe (Sterben lassen auf Verlangen) erlaubt, die aktive Form der Sterbehilfe (Töten auf Verlangen) hingegen verboten sein sollte, weil die gezielte Beendigung menschlichen Lebens ebenso gegen die Würde des Menschen verstößt wie eine Lebensverlängerung um “jeden” Preis. Gerade in einer hochtechnisierten Medizin ist es möglich, biologische Funktionen durch technische zu “ersetzen” und so das “Leben” erheblich zu verlängern. Der Mensch aber ist mehr als seine Biologie.

Der Philosoph Robert Spaemann meint dazu in seinem Aufsatz Es gibt kein gutes Töten (1997): “Die Medizin kann nicht mehr dem Prinzip folgen, jederzeit jedes menschliche Leben so lange zu erhalten, wie das technisch möglich ist. Sie kann es nicht aus Gründen der Menschenwürde, zu der auch das menschenwürdige Sterbenlassen gehört.” Das bedeutet konkret: “Das ärztliche Berufsethos muß angesichts der ständig wachsenden Möglichkeiten der Medizin Kriterien der Normalität entwickeln, Kriterien für das, was wir jedem Menschen, und gerade den kranken und alten, an Zuwendung, an Pflege, an medizinischer Grundversorgung schulden, und für das, was statt dessen abhängig gemacht werden muß von Alter, Heilungsaussicht und persönlichen Umständen.”

Den moraltheoretischen Hintergrund der Differenzierung von “töten” und “sterben lassen” bildet der prinzipielle Unterschied zwischen “handeln” und “unterlassen”. Auch dazu gibt Robert Spaemann den entscheidenden Hinweis: “Der Wert jedes menschlichen Lebens ist zwar inkommensurabel, daher das unbedingte Tötungsverbot. Es gibt aber in moralischer Hinsicht einen Unterschied zwischen Handlungsgeboten und Unterlassungsgeboten. Nur Unterlassungsgebote können unbedingt sein, Handlungsgebote nie. Handlungsgebote unterliegen immer einer Abwägung der Gesamtsituation, und dazu gehören auch die zur Verfügung stehenden Mittel.”

Es kommt nicht nur auf die Folgen an

Ironischerweise bestärkt die Aufhebung der Differenz nicht den Vorrang der Unterlassung, sondern sie erhöht den Druck zu handeln: “Wer jeden Verzicht auf den Einsatz der äußeren Mittel als Tötung durch Unterlassen brandmarkt, der bereitet – und zwar oft absichtlich – den Weg für das aktive Umbringen.” Motto: Wenn das eine geht, warum dann nicht auch das andere – wenn es doch auf dasselbe hinausläuft? Dass es aber darauf – auf die Folgen allein – nicht ankommt (zumindest nicht in der Ethik und idealerweise dann auch nicht im Recht), muss man heute wieder stärker betonen.

Schließlich appelliert Spaemann, den Tod bewusst ins Leben zu holen: “Die Hospizbewegung, nicht die Euthanasiebewegung ist die menschenwürdige Antwort auf unsere Situation. Wo Sterben nicht als Teil des Lebens verstanden und kultiviert wird, da beginnt die Zivilisation des Todes.” Oder, um es mit Bundespräsident a. D. Horst Köhler zu sagen: Der Mensch sollte an der Hand, nicht durch die Hand der Angehörigen sterben. Das macht die Würde seines Lebens im Sterben aus.

Autor: Josef Bordat

Ist die Kirche homophob? Oder zumindest der Vatikan?

Wenn der Fahrer eines roten Autos mit 130 km/h durch eine geschlossene Ortschaft fährt und daraufhin von der Polizei einen Bußgeldbescheid bekommt, dann deshalb, weil er mit seinem Auto zu schnell fuhr. Und nicht, weil das Auto rot ist. Es ist zwar richtig, dass das Auto rot ist und dass der Fahrer des roten Autos mit einem roten Auto zu schnell fuhr, aber er wird wegen überhöhter Geschwindigkeit belangt, nicht wegen der Autofarbe. Die Schlagzeile “Unmittelbar nach Fahrt durchs Stadtgebiet: Polizei bestraft Fahrer eines roten Autos” wäre also – wohlwollend ausgedrückt – grob irreführend, weil man als Leser annehmen müsste, die Autofarbe habe irgendetwas mit der Straferteilung zu tun. Hat sie aber nicht. Cum hoc ergo propter hoc? Das ist hier die Frage, die man sich stellen muss, wenn man sachangemessen über die Raserei berichten will. Oder auch nicht. Man kann auch einfach denjenigen Sachverhalt aus dem Gesamtkontext reißen, der die meisten empörten Kommentare verspricht. Über Kausalität braucht man dann nicht mehr lange nachzudenken. Hauptsache das cum zieht. Und: propter – ach, wen interessiert’s?!

Folglich heißt es in Deutschlands führendem Nachrichtenportal: Unmittelbar nach Coming-Out: Vatikan feuert schwulen Geistlichen. Und weiter: “Ein hochrangiger Geistlicher aus dem Vatikan hat sich zu seiner Homosexualität bekannt. Die katholische Kirche reagierte prompt und feuerte den 43-jährigen Polen.” Ja, das tut er, der böse Vatikan: feuern. Aber nicht, weil der gute Geistliche schwul ist oder sich zu seiner Homosexualität bekannt hat, sondern weil er nicht zölibatär lebt. Dies zu tun hat er, der gute Geistliche, aber versprochen, als er in den Dienst der Katholischen Kirche eintrat. Er hat also sein Versprechen gebrochen – auf seine Art, die nur eine mögliche ist und auf die es auch weiterhin gar nicht ankommt. Entscheidend ist: Er hat sich nicht an eine Regel gehalten, die man bescheuert finden darf, an die er sich aber – wenn er katholischer Priester sein will – zu halten hat: ohne Partner zu leben. Er, der gute Geistliche, wusste von der Regel, hat versprochen sie zu halten, hat (lange) vorgetäuscht, sie auch wirklich zu halten, hat sie aber nicht gehalten, hält sie nicht und will sie auch künftig nicht halten. Deshalb – und nur deshalb – wird er gefeuert. Er musste damit rechnen. So, wie auch der Fahrer eines moosgrünen Autos mit einem Bußgeldbescheid rechnen muss, wenn er mit 130 km/h durch eine geschlossene Ortschaft fährt. Auch silber-metallic bewahrt nicht vor dem Knöllchen.

Konzept: homophobe Katholiken

Ob er, der gute Geistliche, darauf besonders stolz sein sollte, seinen Arbeitgeber getäuscht zu haben, ob er das (einzige) Opfer in der Sache ist und der böse Vatikan der (einzige) Täter, ist die eine Frage, die man stellen kann. Nur cum oder schon propter – das ist die andere Frage, die man stellen muss. Es ist dies aber keine Frage, die man beantworten kann, wie es einem gerade opportun erscheint. Zum Beispiel, wenn man die Farbe rot nicht ausstehen kann. Oder den Vatikan gerne als das sähe, was er nicht ist: homophob. Oder, wenn man will, dass die geneigte Leserschaft denkt: “Ich wusste es: Die Polizei hat was gegen rote Autos!” An den Kommentaren gemessen, hat Tagesschau.de das Kampfziel in Sachen Desinformation für den Monat Oktober schon erreicht: Die Amtsenthebung wird als “Akt des homophoben Vatikan-Regimes” missverstanden, das Konzept des “homophoben Katholiken” konditioniert den Diskurs; der eigentliche Kausalzusammenhang spielt keine Rolle. Nicht auszudenken, wenn demnächst ein Priester sein Versprechen wegen einer Frau bricht! Dann wäre die Kirche am Ende auch noch heterophob! – Was? In einem solchen Fall wird gar nicht berichtet? Stimmt auch wieder.

 

Autor: Josef Bordat

Deutschlands freundliches Gesicht

Deutschland ist ein schönes, erstrebenswertes Land. Ein Land, das in Notsituationen ein freundliches Gesicht zeigt und dessen politische Führung dazu steht. So sehr unsere Bevölkerung auch mit sich ringt und diskutiert: unsere Offenheit wird in der Welt gesehen und gelobt. Ich bin stolz auf diese Offenheit. Darauf, dass wir nicht vergessen haben, wieviel wir selbst anderen verdanken. Doch gerade weil ich damit einverstanden bin, besorgt es mich zu sehen, wie immer wieder das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird.

Zu oft wird vergessen, dass Freundlichkeit freundlich beantwortet werden muss, sonst hat sie kein langes Leben. Ein unfreundliches Deutschland aber wünscht sich niemand. Wir haben aus der Geschichte gelernt, dass es uns gut ansteht, zu helfen. Wir sollten darüber nicht vergessen zu lernen, dass Situationen kippen und Schlimmes hervorbringen können: auch das lehrt unsere Geschichte. Ein Mindestmaß an politischer Vorsicht mit uns selbst ist angebracht.

Daher halte ich es für fatal, wenn Politiker Mietern ihrer Gemeinde die Wohnung kündigen, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Noch deutlicher kann man nicht sagen, dass die eigene Bevölkerung nicht mehr zur Aufgabe gehört, die man im Amtseid beschwor. Ebenso fatal ist es, wenn Frauen und Kinder sich in manchen Flüchtlingsheimen nachts nicht auf die Toilette trauen, aus Angst, vergewaltigt zu werden. Viele Frauen fragen sich, ob auch sie demnächst Angst haben müssen. Es ist fatal, wenn die Massenschlägereien zwischen Neuankömmlingen noch mehr Aufwand für uns zur Folge hat, für die Schläger jedoch meist nichts.

Wann, fragt sich mancher, wird endlich klar gemacht, was bei uns geht und was nicht. Wann wird klar, dass man sich auf mehr als auf Unterstützung einlässt, wenn man zu uns kommt. Wann wird das Bild, dass sich die Zuwanderer von uns machen, endlich vollständig: dass Deutschland erstrebenswert ist und dass man sich dort zu benehmen hat? Wer es als sein Recht ansieht, andere zu bedrohen, zu vergewaltigen oder an der Mitsprache zu hindern, ist hier falsch. Wie kann sich jemand auf die Herkunft aus einem unsicheren Drittland berufen, wenn er genau diese Unsicherheit selbst verbreitet? Er schadet uns und allen, die nach ihm zu uns kommen wollen, denn er hat ihr Gesicht für uns geprägt. Das aber trägt zu einer allgemeinen Vorverurteilung bei, die bei uns niemals wieder siegen darf!

Stimmungen dieser Art sind politisch ernst zu nehmen. Nicht der Umfrageergebnisse wegen, sondern weil diese Stimmungen Kraft haben und uns prägen können, wie wir es nicht wollen. Zu oft wird vergessen, dass es bei Sorgen erst einmal darum geht, dass sie existieren, nicht, ob sie berechtigt bzw. opportun sind.

Ein solches Thema ist schwer zu behandeln. Ich tue es nicht, um einer Stoppt-die-Flüchtlinge-vor-unseren-Grenzen-Mentalität das Wort zu reden – im Gegenteil. Es geht darum, unserem freundlichen Gesicht den nötigen Charakter zu geben. Es sollte das Gesicht eines Freundes mit Niveau und Lebensart sein, der weiß, was er will, und es von seinen Mitmenschen erwartet. Nicht das Gesicht eines grinsenden und zu allem nickenden Trottels, der irgendwann wieder den rechten Arm hebt, weil er vor sich selbst erschrickt.

Autor: Bastian Volkamer

Familiensynode

Warum ist es der Kirche wichtig, eine Position zu Ehe, Familie und Sexualität zu vertreten?

Neben vielen inhaltlichen Anmerkungen zu Detailfragen wurde anlässlich der Familiensynode auch die Grundsatzfrage gestellt: Warum ist das überhaupt wichtig für die Kirche: Familie, Ehe, Sexualität? Warum kann sich die Kirche da nicht raushalten?

Raushalten – das geht nicht! Zumindest dann nicht, wenn die Kirche die Offenbarung, auf der sie gründet, ernst nimmt. Gerade gestern wurde die einschlägige Stelle aus dem Evangelium Jesu Christi weltweit in den Heiligen Messen gelesen – nicht, weil gerade Familiensynode ist, sondern weil es die Leseordnung so vorsieht: “Da kamen Pharisäer zu ihm und fragten: Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen? Damit wollten sie ihm eine Falle stellen. Er antwortete ihnen: Was hat euch Mose vorgeschrieben? Sie sagten: Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen und die Frau aus der Ehe zu entlassen. Jesus entgegnete ihnen: Nur weil ihr so hartherzig seid, hat er euch dieses Gebot gegeben. Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen, und die zwei werden ein Fleisch sein. Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen” (Markus 10, 2-9).

Raushalten – das geht nicht! Zumindest dann nicht, wenn die Kirche überhaupt einen moralischen Anspruch aufrecht erhalten will. Und das sollte sie, ja, das muss sie, wenn sie Kirche Jesu Christi sein will. Sexualität ist Teil der Person und die Person ist ein Gegenstand des Christentums – sowohl in ihrer Beziehung zu Gott als auch zu anderen Personen, also: in der Art und Weise, wie sie ihr Leben führt. Wenn die Kirche sich da raushalten soll, dann kann sie sich auch auflösen. Die Kirche muss sich also auch in Fragen einmischen, die das Innerste der Person betreffen, das gehört zu ihrem Wesen. Dass wir als Gläubige dabei mit Anforderungen konfrontiert werden, die wir nicht verstehen und denen gerecht zu werden uns schwer fällt, und dass sogar – aus der heutigen theologischen Sicht – Fehler gemacht wurden in den letzten 2000 Jahren, das ist unbestritten, darf aber nicht dazu führen, nun gar nichts mehr zu sagen, wenn eine Gesellschaft darüber diskutiert, was gut und richtig und was böse und falsch ist. Hier erwartet auch die Gesellschaft von der Kirche, dass sie Orientierung gibt. Auch für die Gewissensbildung, die zu dem führen soll, das immer wieder vehement eingefordert wird, die Eigenverantwortung nämlich, ist eine Orientierung hilfreich bis nötig.

Sexualmoral schafft Verbindung zwischen Anthropologie und Ethik

Raushalten – das geht nicht! Zumindest dann nicht, wenn die Kirche überhaupt noch am ethischen Diskurs teilnehmen will. Der Blick auf Familie, Ehe und Sexualität ist Teil der Anthropologie (christliches Menschenbild) und Teil der Ethik (christliche Moraltheorie). Von der anthropologischen Positionierung hängt ab, wie ethische Fragen beantwortet werden, nicht nur im Bereich der Sexualmoral. Es ist wichtig, die Sexualmoral als Spezialgebiet der christlichen Ethik bzw. der katholischen Morallehre aufzufassen. Diese erschöpft sich nicht darin, kommt aber ohne Sexualmoral nur zu fragmentarischen Ergebnissen. Erst die Sexualmoral schafft eine Verbindung zwischen Anthropologie und Ethik, die auch in andere Bereiche der Moraltheorie führt, etwa in die Bioethik, die Medizinethik, die Umweltethik. Die Vorstellung von gelungener Sexualität macht die Ethik rund. Eine Ethik, die der Frage nachgeht, wie der Mensch handeln soll, und dabei Fragen von Ehe, Partnerschaft, Freundschaft, Familie und Sexualität, ja, auch von Erotik und Sex, ausblendet, wird immer unvollständig sein.

Deshalb kann sich die Kirche da nicht raushalten. Das gilt übrigens nicht nur für die Kirche. Viele Ethiken machen anthropoligische Voraussetzungen, die gerade auch sexual- und reproduktionsethisch konnotiert sind. Sie sind zum Teil viel stärker an der Regulierung der Sexualität interessiert als es die Kirche je war. Der hedonistische Utilitarismus etwa basiert ganz wesentlich darauf, Sex und Reproduktion zu trennen, um das Moment des Spaß-Habens in den Vordergrund stellen und als wesentliches Merkmal von bzw. wichtiges Kriterium für Freiheit anbieten zu können.

Das lässt auch Gesellschaftsentwürfe nicht unbeeinflusst. Nicht nur Nationalsozialismus (Mutterkreuz) und Kommunimus (FKK als Ersatzfreiheit) sind da einschlägig, auch die neuere deutsche Demokratie. In dieser kam es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu der tragischen Entwicklung, die sexuelle Befreiung nicht nur phänomenologisch, sondern normativ aufzufassen (Wer beim Spaß-Haben nicht mitspielt, ist verklemmt und gerät unter sozialen Druck; man muss sich nur vor Augen führen, was die Opfer des Missbrauchs an der Odenwaldschule über die Überzeugungs- und später auch Rechtfertigungsstrategien ihrer Peiniger aussagen).

Die Kirche soll schweigen?

Gerade auch an Familienmodellen und Sexualutopien machen sich Ethiken fest. Vorstellungen zur Reproduktion sind von Platon über Thomas Morus bis hin zu den Entwürfen des 20. Jahrhunderts ganz zentrale Überlegungen eines jeden Sozialingenieurs. Und ausgerechnet die Kirche soll hierzu schweigen? Gerade im Politischen Utopismus ging es dabei übrigens um Macht, Sozialkontrolle und Unterdrückung (also das, was der Kirche oft als Motiv unterstellt wird, wenn sie sich zu Fragen der Sexualität äußert), ausgehend von einem sehr unchristlichen Menschenbild (etwa einem behavioristischen wie bei Skinner, Autor von Walden Two).

Kurz gesagt: Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, muss zugleich wollen, dass sie Teile der Offenbarung verleugnet, auf der sie gründet. Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, der muss in Kauf nehmen, dass sie dann auch nichts mehr zur Ethik insgesamt sagen kann, weil ihrer Morallehre die anthropologischen Grundlagen entzogen sind. Wer will, dass die Kirche nichts mehr zum Thema Ehe, Familie und Sexualität sagt, verleiht ihr unter den moralischen Instanzen gerade jenen Sonderstatus, den er ihr nehmen will.

Autor: Josef Bordat