Herzerwärmend: Von Lichtern und St. Martin

Martinsumzüge und Weihnachtsmärkte in der dunklen und kalten Jahreszeit wärmen das Herz. Schon längst hat der Sozialstaat den Hl. Martin überflüssig gemacht. Bettler gehen in die Kleiderkammer nicht zum Bundeswehroffizier, wenn sie frieren. Weihnachten ist längst ein Hochfest des Kommerz. Die Geburt des Kindes in der Krippe von Bethlehem ruft allenfalls noch das Jugendamt auf den Plan.

In der Tat sind ja nur noch eine Minderheit der Menschen in Deutschland bekennende und praktizierende Christen. Da ist die Botschaft einen heiligen Bischofs und Einsiedlers oder eben auch die Weihnachtsbotschaft, dass Gott Mensch geworden ist, keine Nachricht mehr. Aber wir sind gute Menschen, deshalb ist ja Martin den kleinen Kindern ein Vorbild. Und wir sind Romantiker, deshalb ist die Weihnachtsfeier – beginnend irgendwann Mitte November – so herzerwärmend.

Christlichen Feste sind keineswegs harmlos

Manche jedoch sind klüger als andere und wissen darum, dass diese christlichen Feste keinesfalls so harmlos sind, wie die Romantik uns glauben machen möchte. Martin teilte seinen Mantel mit dem frierenden Bettler, weil Armut eine Wirklichkeit ist. Gott wurde Mensch, weil der Mensch der Erlösung bedarf. Das darf nicht sein! Der Sozialstaat löst die Armut und der moderne Mensch hat gefälligst gut zu sein. Selbst in Kirchen wird das gepredigt. Unter dem Mantel der Toleranz, der übrigens nicht geteilt werden darf, bekämpft man nicht nur die Namen der Feste sondern auch deren Inhalte.

Aus dem Fest des Heiligen Martin von Tours wird eine Sonne, Mond und Sterne- Fest. Aus dem Weihnachtsmarkt wird zuweilen ein Lichtermarkt, wie z.B. in Elmshorn. Andere Orte finden andere vermeintlich neutrale Namen. Nun muss man, um der Wahrheit Ehre zu geben, ja zugeben, dass gerade konservative Katholiken mit dem Begriff Weihnachtsmarkt durchaus fremdeln. Gar nicht mal so sehr, weil Weihnachten ja noch gar nicht begonnen hat, ja nicht einmal der Advent wäre auch nur schon in der Nähe. Allenthalben hört man in diesem Jahr von einem kurzen Advent. Nein, er beträgt vier Sonntage, wie in jedem Jahr, die symbolisch für 4000 Jahre Wartezeit auf den Erlöser der Welt stehen. Und ja, er hat ein paar weniger Tage für die Weihnachtseinkäufe, aber allem Kommerzgerede zum Trotz „Jesus is the reason for the season!“. Mit diesem Motto gingen vor ein paar Jahren vor allem amerikanische junge Christen gegen den überbordenden Kommerz zu Weihnachten vor.

Sie wissen nicht, was sie tun

Die religiöse Basis für die Feste ist, wie oben gesehen, längst weggebrochen. Nun beginnt zu Bröckeln, was an kulturellen Derivaten aus dem Glauben hervorgegangen ist und lange Zeit so reiche Früchte für unsere Gesellschaft getragen hat. Das nämlich ist der Kern des Problems, mit dem wir derzeit zu kämpfen haben und das uns Allerheiligen kostet und Halloween beschert. Ein Phänomen, das uns St. Martin verleidet, aber auf Laternenumzüge nicht verzichten will. Einen schönen Laternenumzug macht hier vor Ort der evangelische Kindergarten. Die feiern einen Heiligen! Vor wenigen Jahren noch hätte man vom Oberkirchenrat noch eine strenge Rüge für derart papistische Umtriebe bekommen. Sie wissen nicht, was sie tun. Weihnachten wird aus Gründen der Toleranz zum Lichterfest. Das Kind in der Krippe stört die Toleranten ebenso wie es den Kommerz stört.

Was noch nicht auffällt, ist die Leere, die aus dem Wegbrechen der Kultur entsteht. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne kulturellem Handeln einfach einen neuen Namen verpassen und den Kern ignorieren. Das vom Kern befreite Fest wird ein kurzes Eigenleben entwickeln, und dann an seiner eigenen Sinnlosigkeit zerbrechen. Schon jetzt will man den vierten Sonntag im Advent die Geschäfte öffnen, weil der Advent so kurz ist. Bald werden wir darüber diskutieren, warum wir am ersten Weihnachtstag nicht mit der Familie einkaufen gehen können. Da kann man sich die Geschenke doch direkt aussuchen.

Es wird ein Vakuum entstehen

Wir werden bei fortschreitender Entwickelung unsere Kultur so weit aushöhlen, dass am Ende nichts mehr davon übrig bleibt. Dann, wenn dieses Vakuum entstanden ist, kommt es zum Schwur. Wer oder was wird in ein bis zwei Generationen bereit stehen, dieses religiöse und kulturelle Vakuum zu füllen? Denn dass sich dieses Vakuum füllen wird, daran besteht kein Zweifel.

Autor: Peter Winnemöller

„Freiheit“ ist Toleranzfähigkeit gegenüber Andersdenkenden

Bitte distanzieren Sie sich erst einmal! Egal wovon, von irgendetwas ganz gruseligem, wie der jüngst in den Bundestag eingezogenen Partei. Im Diskurs erlebe ich das in jüngster Zeit öfter. Es ist ein gängiges Muster in den Sozialen Medien. Immer dann, wenn ein Konservativer auf einen (zumeist) Linksliberalen trifft.

Das Motiv dahinter ist im Grunde ganz einfach. Man geht nicht auf Argumente pro oder contra ein, sondern ist bemüht, den Gesprächspartner zu diskreditieren. Der wiederum hat den Schwarzen Peter doch erst einmal beweisen zu müssen, daß er diskursberechtigt ist.

Wenn die „falsche Person“ etwas sagt …

Es geht dann sehr schnell nicht mehr darum, ob z.B. Gendermainstreaming sinnvoll ist oder nicht. Kern der Unterhaltung ist sehr schnell, ob denn dieser oder jener, der die Haltung auch vertritt nicht gar rechtsextrem ist. Das Denkverbot ergibt sich nicht aus dem Gedanken an sich, sondern daraus, wer noch so denkt.

In der Tat ist es ja so, daß AfD, Identitäre und andere durchaus Ansichten vertreten, die dem Grunde nach originär Konservativ sind. So manch ein gruseliger Nationalist, Rassist oder Sexist vertritt zuweilen in anderen Bereichen durchaus aus als sinnvoll zu bezeichnende Positionen. Nun ist es allerdings wenig sinnvoll zu behaupten, Lebensrecht für alle Menschen sei eine rechte Position, nur weil rechtsextrem denkende Protagonisten zuweilen gegen Abtreibung sind. Doch genau das passiert. Du bist gegen Abtreibung? Die AfD ist auch gegen Abtreibung! Distanzier Dich erst mal von der AfD! Dann muß man nicht mehr über Abtreibung reden.

… dann „darf“ selbst „das Korrekte“ nicht „richtig“ sein.

Der tiefere Sinn ist tatsächlich eine von Linken immer häufiger angewandte Strategie der Diskursverweigerung. Mehr und mehr Menschen erkennen, daß linke Welt- und Gesellschaftsmodelle nicht funktionieren. Sie haben noch nie funktioniert und sie werden nicht funktionieren. Doch da gilt es Pfründe zu verteidigen. Allein in Deutschland gibt es um die 200 Genderlehrstühle. Man entzieht sich bislang erfolgreich einer neutralen Evaluierung, was natürlich völlig unwissenschaftlich ist. Gender hat bislang noch eine linke Politmacht im Rücken. Gender ist tief in die öffentliche Verwaltung eingedrungen und hält in Form eine Aufklärung zu Diversität in allen Schulfächern munter Einzug in die Schule. Doch es regt sich Widerstand. Die meisten Menschen in unserem Land denken bürgerlich, das ist zu unterscheiden von konservativ, aber die Überschneidungen sind weitaus größer als gedacht. Gegen diesen Widerstand wütet eine linke Diskursverweigerung. Alles was nach rechts riecht, wird aus dem Diskurs gekegelt.

Weisen Sie doch erst mal nach, daß Sie nicht AfD sind! Zack, Ende, fertig!

Die verführerische Leichtigkeit der Ausgrenzung

Der Widerstand aus der Mitte verschwindet nicht, er verstummt. Und er weckt Schläfer an den Enden der politischen Extreme. Wo in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr die Debatte um den richtigen Weg geführt werden darf, verlagert sich die Debatte nach außen. Wo in der Mitte die Freiheit nicht verteidigt wird, da fällt sich rechten oder linken Extremen zum Opfer.

Es ist schon eine Einschränkung der Freiheit, wenn wissenschaftliches Arbeiten in jedem nur denkbaren Fach die sogenannte Genderperspektive zu berücksichtigen hat. Spätestens hier sollte jedem Auffallen, daß Gendermainstreaming ein Widergänger des Dialektischen Materialismus ist. Wenn es Studenten und Dozenten nicht mehr können, braucht es vielleicht die Stimme eines Kindes, den nackten Kaiser zu entlarven. Es gibt Jungen und es gibt Mädchen. Und die unterscheiden sich voneinander. Das ist alles.

Derzeitige Diskurshegemone unterdrücken den freien Austausch der Gedanken

Mehr und mehr tritt das gefährliche Schweigen ein. Hinter vorgehaltener Hand im Wohnzimmer – bei abgeschalteter Alexa – wenn man unter Freunden ist, wird Tacheles geredet. Ansonsten spricht man mit Disclaimern oder windet sich diplomatisch. Ein falsches Wort kann das berufliche Aus bedeuten.

Es ist demgegenüber gerade das Kennzeichen einer freien Gesellschaft, immer und überall frei reden zu dürfen. Mache sich jeder klar, wie sehr der Grad unserer Freiheit schon eingeschränkt ist, wenn man bei fast jedem Satz nachdenken muß, ob man nicht irgendetwas einschränken muß.

Zwischenmenschlicher Umgang gegen ideologische Ausgrenzung

Es ist Zeit, das offene Wort zu suchen und wieder ohne Disclaimer auszusprechen. Und es ist Zeit, mit dem örtlichen AfD- Abgeordneten auch dann auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein zu trinken, wenn man seine Ansichten zutiefst verabscheut.

Wer mir eine der Freiheit feindliche Gesinnung unterstellen will, der ist in der Beweispflicht. Nicht ich muß nachweisen, mit wem ich rede, um im Diskurs zu bleiben.

So geht Freiheit.

Autor: Peter Winnemöller

Reformation – ein Nachklapp

Es ist vorbei! 500 Jahre Reformation sind erfolgreich bewältigt. Gab es denn überhaupt einen Grund zu feiern? Wohl eher nicht. Wurde überhaupt ordentlich gefeiert? Auch das war eher Fehlanzeige. Nach dem Kirchentag in Berlin war die Luft raus. Nur noch ein dünnes Luthersäuseln hier und da. Eher war man katholischerseits damit beschäftigt, sich je nach Anschauung ökumenisch anzubiedern oder vor selbigem zu warnen.

An der einen oder anderen Stelle gab es den Wunsch nach einem gemeinsamen Christusfest. Aber sorry, Christusfest? Die Kirche feiert ein ganzes Kirchenjahr lang Christus. Vom ersten Advent bis Christkönig ist jeder Sonntag ein Christusfest. Darum ordnet sich ein Festjahr, das in seiner Gesamtheit, egal ob Marien-, Heiligen- oder Herrenfest auf Christus hinweist.

Nett gemeint …

Evangelischerseits mag die Einladung nett gemeint sein. Die einzelne Gemeinde mag sich in die Pflicht genommen gefühlt haben, doch unterm Strich war das doch reiner Popuilismus.

Die Reformation, die hier großartig zu feiern vorgegeben wurde, hat unterm Strich Trennung, Streit und Krieg gebracht. Mit dem 30-jährigen Krieg fand das seinen Höhepunkt. Dieser zog wie ein andauernder Orkan über unser Land und brachte Verwüstung, Tod und Terror im Namen der Religion. Was gibt es da zu feiern?

Instinktiv haben viele wohl gemerkt, daß es wenig Grund zu feiern gibt. Allenfalls romantisch zu nennen sind Träume von einem gemeinsamen Abendmahl ohne gemeinsames Amt. Förmlich zerschellt sind die Träume von einem Papstbesuch zum Reformationstag in Deutschland. Der Papst war zu Besuch beim lutherischen Weltbund. Die EKD – die evangelische Kirche in Luthers Heimat – ist da nicht Mitglied. Das sagt auch was.

Ökumene in Deutschland? Werbeschauspiel …

Es nützt auch nicht wirklich etwas, im Sinne der Einheit im Glauben, wenn Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm publikumswirksam zusammen durch Jerusalem flanieren und auch sonst auf Harmonie machen. Es ist gut, wenn der DBK- Vorsitzende und der EKD- Vorsitzende sich persönlich gut verstehen. Persönliche Sympathie und räumliche Nähe der Wirkungsorte verkürzen so manchen Weg, der sonst wesentlich länger wäre. Doch in Wahrheit ist Ökumene in Deutschland vor allem PR. Als wäre ins Sachen Einheit etwas machbar.

Die Einheit im Glauben, die zu einer Einheit der Kirche führt, ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Das erkennt man an der Rückkehr eines Teils der Anglikaner in die Kirche. Das sieht man an der immer konkreter werdenden Chance der Piusbruderschaft eine Personalprälatur zu werden. Die Einheit ist ein Wesensmerkmal der Kirche. Darum kann es nur eine Form der echten Ökumene geben: Die freie Rückkehr in die Einheit. Aspekte wie „versöhnte Verschiedenheit“ sind keine Einheit und auch keine echte Option für die Kirche. Eine friedliche Koexistens ist politisch. Das ist keine Existenz in der Wahrheit.

Einheit ohne Wahrheit geht nicht

500 Jahre nach der Reformation mögen viele Wunden verheilt sein und man kann gut miteinander reden. Das sollte niemand geringschätzen. Doch in gleicher Weise sollte sich niemand Illusionen machen. Eine Einheit ohne Wahrheit wird es nicht geben. Am Ende zerschellen Populismus und Wunschdenken an dieser einfachen Wirklichkeit.

Es ist gut, daß das Feiern und Gedenken nun ein Ende hat.

An vielen Stellen in der Kirche und ganz besonders im Rat für die Einheit der Christen im Vatikan wird ganz still und sehr, sehr intensiv Ökumene betrieben. Das ist Schwerstarbeit und ein Monsterwerk an Kommunikation. Im Gegensatz zu dem, was sich der deutsche Michel denkt, ist Ökumene ein weltkirchliches Thema. Die EKD ist da gerade mal eine Fußnote.

Ökumenisch: der Buß- und Bettag

Und wenn es wieder einen evanglischen Feiertag in Deutschland geben soll, dann streitet doch bitte für den Buß- und Bettag, denn da kann ein Katholik ganz ökumenisch mitgehen. Der Reformationstag ist kein Tag der Versöhnung und wahrlich kein Tag für ein Fest.

Autor: Peter Winnemöller

Früher war mehr Lametta. Nicht.

Der 24. Oktober ist vorbei, und überrascht haben wir an diesem Tag festgestellt: In zwei Monaten ist Heiligabend. DerReformationstag ist ins Land gegangen und die Feiertage Allerheiligen und Allerseelen liegen hinter uns. Wenden wir uns dem kommenden Fest zu, reden wir darüber.
Vorzugsweise über frühere Weihnachten. Als alles besser war. Als die Familie gemütlich beisammen saß und sich die Christbaumkerzen in seligen Kinderaugen spiegelten…

Ach so, ja, stimmt, das Bild stammt aus der Cola-Werbung und aus alten Hollywoodfilmen.

Aber wie war das wirklich, im eigenen „früher“? Ich habe heute mal zurückgedacht.

„… als alles besser war …“

Die „selige Kleinkinderzeit“, als der ganze Vorbereitungsstress noch auf den Erwachsenen lastete, während man selbst ganz unbeschwert den Heiligabend genießen konnte:

Nach schneller Bescherung zu Hause mit gestressten Eltern ab ins Auto und auf zum Haus der Oma, wo sich der Rest der damals großen Familie zum „richtigen“ Heiligabend traf, noch mal Bescherung und dann das große und recht steife Festessen, während der Vater und andere Männer noch vor dem Dessert mehrfach heimlich auf die Uhr schauten, weil sie wussten, dass sie diverse Familienmitglieder noch würden nach Hause fahren müssen.

Als einzig besondere Erinnerung an all diese Heiligabende fällt mir interessanterweise die alte Porzellanspieluhr meiner Oma ein, die nur an Heiligabend hervorgeholt und auf der Anrichte aufgebaut wurde, wo sie – wenn wir Kinder sie unter strenger Aufsicht hatten aufziehen dürfen – „Alle Jahre wieder“ spielte.

Feiertagsterror

Eigentlich – und un-eigentlich auch – wurde es danach nie besser. Anders, ja. Besser, nein. Da gab es das Hin- und Herfahren zu verschiedenen Verwandten an Heiligabend und den Feiertagen, etwas, zu dem nicht jeder in der Familie Lust hatte und so entsprechend genervter und schlechter Stimmung war. Nicht jeder hatte Freude am Einkauf von Geschenken in der Zeit vor Heiligabend – entsprechend „gestresst“ von der lästigen Pflicht war der- oder diejenige an Heiligabend. Essen kochen, Baum schmücken, Geschenke einpacken, die Zimmer schmücken, den Tisch decken, Verwandte besuchen, Verwandte zu sich holen – naja, wer kennt das nicht?

Ein Weihnachten, von dem ich heute rückblickend sagen würde „Das war so richtig schön und gelungen; wäre es doch heute wieder so wie damals!“ war tatsächlich nicht darunter.

Später kamen noch einige Weihnachtsfeste hinzu, die überschattet waren von schwerer Krankheit und Todesfällen, aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Sitze ich hier und tue mir gerade so recht von Herzen selber leid?

„Weihnachten“ war so nie …

Nein. Eher nehme ich erstaunt zur Kenntnis, dass alles, was ich oben zusamengefasst habe, Erfahrungen sein dürften, die – zumindest, wenn sie einmal ehrlich mit sich und ihrem persönlichen „früher“ sind – sehr viele Menschen so oder ähnlich gemacht haben.

Warum sonst schießen „Alle Jahre wieder“ kurz vor der Adventszeit die Rat-und-Hilfe-Angebote wie Pilze aus dem Boden. „Endlich stressfreie Weihnachten!“ wird darin versprochen, oder „10 Tipps, wie Sie dem Weihnachtsstress entgehen!“, oder auch das Versprechen „Dieses Jahr wird alles anders!“.

Letztlich laufen all die Ratgeber auf die eine Sache hinaus:

Jene, die sie befolgen, versprechen sich davon, dass Weihnachten wieder so wird, wie es nie war.

Da werden Geschenke schon im Oktober gekauft, oder aber man versichert sich „Dieses Jahr schenken wir uns nichts!“. Fleisch wird Wochen vor Weihnachten vorbestellt und Lebensmittel eingelagert, oder man reserviert gleich einen Tisch für die ganze Familie im Restaurant. Kein Plätzchenbacken, schließlich sind die Kinder schon groß, und gekaufte Plätzchen schmecken auch gut. Und so weiter, und so weiter.

Same procedure as every year

Und so vergeht wieder ein Weihnachten, und einige haben es tatsächlich geschafft, den Vorbereitungsstress ganz oder teilweise für sich hinauszunehmen. Doch am 2. Weihnachtstag sitzen die meisten von ihnen da und ertappen sich auch in diesem Jahr wieder bei dem Gedanken:

„Gut, dass es vorbei ist.“

Warum ist das so? Ich meine, ich weiß es.

Fragen wir uns erst mal kurz: Was ist Weihnachten?

Weihnachten ist
– Plätzchen backen
– Geschenke machen
– Lebkuchen und Spekulatius essen
– Glühwein trinken
– „Jingle Bells“ und „Last Christmas“ im Radio hören
– „In Familie machen“
– Duftkerzen anzünden
– auf Schnee hoffen
– Weihnachtsbaum schmücken
– „Drei Nüsse für Aschenblödel“ gucken

Falsch!

Die meisten begehen Weihnachten aus und in Tradition

Alles, was ich oben aufgezählt habe, ist – zumindest hierzulande – WeihnachtsTRADITION. Eine Tradition, gegen die überhaupt nichts einzuwenden ist und die ich jedem Menschen (auch mir) von Herzen gönne.

Aber feiern wir denn eine Tradition? WENN das so ist, müssen wir alles, was ich oben benenne, umtaufen in „Winterfest“ oder „Sonnwendfeier“. So manch einer hätte damit heute leider gar kein Problem. Er oder sie mag sich hier bestätigt fühlen und darf mit dem Lesen aufhören.

„Weihnachten anders“ – durch Rückbesinnung auf das Wesentliche

Für den Rest, der sich auch heute noch nach jedem Weihnachtsfest fragt „War das alles?“, möchte ich weiterschreiben. Und ich möchte fragen:

„Haben wir nicht vergessen, den einzig wahrhaft wichtigen Gast zu unserem Heiligabend einzuladen?“

Sagen wir es nur so dahin, vielleicht auf die Frage in der Fußgängerzone in der Adventszeit: „An Weihnachten feiern wir, dass Jesus geboren wurde“ – oder GLAUBEN wir auch daran?

„Gott ist Mensch geworden und hat unter uns gelebt.“

Wow! Was für ein Satz. Was für eine Nachricht. Was für ein – Glaube!

Glauben wir daran? Können wir an Heiligabend mit einem von Freude erfüllten „Halleluja!“ auf Jesu Geburt anstoßen?

Wenn ja, wird unser Heiligabend nie wieder mit dem schalen Gefühl des „War das alles?“ enden.

Wenn nein, wird es bei den sinnentleerten Traditionen bleiben.

Autor: Heike Sander

Claus Kleber und die Religionsfreiheit im Grundgesetz – ein Missverständnis

Gilt die Religionsfreiheit für eine Religion, die Religionsfreiheit ablehnt? Claus Kleber springt mit seiner Diskussion dazu viel zu kurz.

Da hat Claus Kleber mal wieder in die … gegriffen: Den Katechismus der katholischen Kirche mit der Scharia verglichen, das erzürnt, wie ich finde zu Recht, nicht nur Katholiken sondern jeden, der etwas auf die christlichen Grundlagen unserer Gesellschaft hält. Allerdings ist da auch eine Menge künstlicher Aufgeregtheit im Spiel, denn erstens ist Kleber sicher nicht so dumm zu glauben, dass das, was darin stünde (in KKK und Scharia) sei doch irgendwie ähnlich und zweitens ging es in dem Interview auch gar nicht um den Vergleich dieser beiden Dokumente. Worum es aber ging ist etwas anderes: Mit seiner Nachfrage (die Diskussion mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel ist bei kath.net gut wiedergegeben) machte er nämlich auf den springenden Punkt in der Debatte um den AfD-Bundestagsabgeordneten und Bewerber für das Amt eines Bundestagsvizepräsidenten, Albrecht Glaser, aufmerksam. Der hatte in einem Interview erläutert, dass, wenn eine Religion aufgrund ihrer Glaubenssätze die in der Verfassung garantierte Religionsfreiheit nicht respektiere, diese Religion diese Freiheit auch nicht für sich in Anspruch nehmen könne.

Scharia vor Grundgesetz?

Das ist eine politisch in der Tat spannende Frage und durch das Verdikt „islamfeindlich“ reichlich naiv und dümmlich beschrieben. Albrecht Glaser soll aufgrund dessen – nach dem Willen der meisten Parlamentarier der anderen Parteien – nicht Bundestagsvizepräsident werden, weil er damit die im Grundgesetz festgelegte Religionsfreiheit für Muslime in Frage stelle. Nun stellt sich die Frage, ob ein Scharia-Anhänger Bundestagsvizepräsident werden könnte, weil der ja ebenfalls die Religionsfreiheit – für alle anderen Religionen – ablehnt? Das dahinter stehende generelle Problem, so das Argument Alice Weidels, könne man formal nur auflösen, wenn Islamvertreter einen Eid auf unsere Verfassung leisten müssten. Und hier denkt sich der bauernschlaue Kleber, könne er einen Stich machen, indem er ihr in den Mund legte, dass dies bedeute, den Moslems das Recht auf Religionsfreiheit zu bestreiten. In Wahrheit ist das natürlich vergleichbar mit der Frage der Schlange im Paradies, ob Gott wirklich gesagt habe, Adam und Eva dürften von keinem der Bäume kosten – nicht mal eine Dreiviertelwahrheit. Worum es eigentlich geht, ist ja die Frage, ob die Religionsfreiheit auch für die Teile einer Religion gilt, die nicht verfassungskonform sind.

Wenn also ein Moslem heute sagt, er hänge zwar der Scharia an, das Grundgesetz stehe für ihn aber höher, und darum werde er die Religionsfreiheit für andere Religionen oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau achten, dann wäre der Konflikt schon aufgelöst. Niemand wird ihn dann hindern zu beten, eine Moschee zu besuchen oder sonst wie seine Religion auszuüben. Zum Dschihad muss er sich allerdings ein anderes Land suchen – die Freiheit zum Kampf gegen Vertreter anderer Religionen hat in diesem Land niemand; das hat Verfassungsrang!

Grundgesetz, es sei denn Scharia?

Aber die Frage bleibt: Kann ein gläubiger Moslem einen solchen Eid wahrhaftig und ernsthaft leisten? Kann er das, wenn er tatsächlich glaubt, dass es Allahs Wille ist, dass sich die Frau dem Mann in der von der Scharia geforderten Weise unterwerfe? Kann er sich dann gegen Allah stellen – gegen Gott, auch wenn sein Verständnis von Gott für einen Christen noch so abstrus erscheinen mag? Kleber stellt das in Frage und versucht, Frau Weidel daraus einen Strick zu drehen: Das könne man doch von einem Moslem nicht verlangen! Und da sind wir – aus politischer Sicht – beim wirklichen Skandal. Der liegt nicht darin, dass Kleber Scharia und KKK vergleicht, der liegt darin, dass er insinuiert, dass man von Moslems nicht verlangen könne, die Verfassung zu achten (und auf sie einen Eid zu leisten), da sie ansonsten ihr Recht auf Religionsfreiheit einbüßten. Keine Ahnung, ob Herrn Kleber eigentlich klar ist, an welcher Lunte er da zündelt: Unterdrückung von Frauen, Verfolgung von Homosexuellen, Dschihad in Deutschland? Klebers These: Ja, wenn sie doch daran glauben!

Grundgesetz oder Katechismus

Umgekehrt ist Klebers Vergleich mit dem Katechismus aus katholischer Sicht trotzdem interessant. Selbst ein Vertreter des linksorientierten Staatsfernsehens wird am Ende ja nicht umhin kommen, diese Einschätzung auch auf andere Religionen auszuweiten – auch auf Christen und Katholiken. Für „uns“ ist die Situation im Moment noch einigermaßen bequem, weil im deutschen Grundgesetz (soweit ich den Überblick habe) nichts drin steht, was unserem Glauben widerspricht. Es gibt Gesetze bei denen man da Zweifel haben kann, aber das Grundgesetz atmet noch immer einen christlichen Geist, ist, wenn man so will, ein säkulares Dokument mit Gottesbezug. Darum haben auch deutsche Bischöfe kein Problem damit, konkordatsgemäß einen Eid auf die Verfassung zu schwören.

Was aber, wenn sich das mal ändert? Was, wenn zum Beispiel ein angebliches Recht der Frau auf eine Abtreibung mal Verfassungsrang bekommen sollte? Auszuschließen ist das nicht. Was, wenn tatsächlich mal in der Verfassung geregelt wird, dass es mehr als zwei Geschlechter gäbe und diese frei durch den Menschen wählbar sein sollen? Auch das nicht allzu sehr aus der Luft gegriffen. Und beides ist in keinem Fall mit dem Katechismus und dem katholischen Glauben vereinbar. Von aktuell noch abwegigen aber nicht auszuschließenden anderen Verfassungsänderungen wollen wir gar nicht erst reden.

Die katholische Antwort: Katechismus vor Scharia!

Bislang lautete die vorwurfsvoll gemeinte Frage an dieser Stelle immer: Du willst doch nicht Deinen „privaten“ Glauben über die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland stellen? Und die Antwort darauf musste schon immer lauten, Claus Kleber hat das jetzt nur in seiner Rolle als „Meinungsführer“ einer öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendung vermutlich aus Versehen bestätigt: „Ja sicher, was denn sonst!?“ Atheisten und Säkularisten bekommen bei sowas Ausschlag, und aus ihrer Sicht ist das durchaus nachvollziehbar. Aber für einen Christen gilt, dass er zwar dem Kaiser geben wird, was dem Kaiser gehört, aber in jedem Fall Gott geben wird, was Gott gehört. Und die unwiderrufliche Loyalität eines Christen gilt immer in erster Linie Gott, eine eingeschränkte Loyalität kann einem Staat nur gelten, wenn der sich gottgemäß zeigt, sich insbesondere nicht selbst zu einem Gott macht.

Der gesellschaftliche Dissens lässt sich über ein kurzes Fernsehinterview nicht auflösen: Für einen Katholiken steht Jesus Christus, dessen Willen Bibel und Katechismus dokumentieren, über dem Grundgesetz, was nur so lange unkritisch ist, wie das Grundgesetz dem Katechismus nicht widerspricht. Ich nehme für mich in Anspruch, meinen Glauben über die Verfassung zu stellen. Ich negiere nicht mal den gleichen Anspruch der Moslems, ihren Glauben über die Verfassung zu stellen. Ich negiere aber ganz entschieden den Anspruch irgendeines Gläubigen anderer Religionen, seinen Glauben über den katholischen zu stellen. Die Verfassung ist mir aus der Glaubensperspektive ziemlich egal – die Bestrebungen anderer Religionen, die Freiheit meiner Religionsausübung einzuschränken, ist es aber nicht. Den Unterschied allerdings wird ein Herr Kleber mit seiner säkularen Brille vermutlich so schnell nicht verstehen.

Autor: Felix Honekamp

Dem Staat vertraut – auf Sand gebaut

In diesem Land hören wir tagtäglich von Gewalttätern, untergetauchten Terroristen und islamistischen Umtrieben. Diese Leute gehören abgeschoben. Sie haben hier nichts verloren. Weil sie nichts sind als gemeine Verbrecher, die alle, die hier leben, bedrohen. Sie bedrohen unser Leben, unsere Sicherheit und unser Wohlbefinden. Es ist die erste Aufgabe des Staates, dem wir Bürger uns unterwerfen, uns zu schützen. Wir treten unsere Freiheit zu einem nicht geringen Teil an ihn ab, weil wir das von ihm erwarten.

Und nun geht dieser Staat hin und holt Berufsschüler aus dem Unterricht um sie abzuschieben. Das ist das Verhalten dessen, der dem Kleinsten auf dem Schulhof das Butterbrot wegnimmt, weil er sich an die älteren Kinder nicht herantraut. Ekelhaft.

Kein Einzelfall

Dabei ist der junge Afghane aus Nürnberg beileibe kein Einzelfall. Die, an die der Staat herankommt, sind jene, die dazugehören wollen. Er weiß, wie sie heißen, wo sie wohnen, und wo sie sich aufhalten, weil sie nämlich gerade dabei sind, sich zu integrieren. Sie haben den fatalen Fehler begangen, den auch Deutsche machen, schon darin erweisen sie sich als kompatibel mit der deutschen Gesinnung: Sie haben sich dem Staat anvertraut und sich in seine Klauen begeben. Und der macht jetzt eben mit ihnen, was er will. Schön doof, kann man da eigentlich nur sagen.

Wie will man uns eigentlich vermitteln, dass, nachdem man uns unkontrollierte Immigration als Bereicherung verkaufen wollte, die, die ernsthaft daran gehen, eine Bereicherung zu werden, wegschafft werden? Offenbar will man uns übers Ohr zu hauen. „Seht her, wir setzen Recht durch“, ruft man uns zu; und während man spontane Proteste niederprügelt, lässt man die Gefährder gewähren. Im Grunde nur eine weitere Facette des jüngsten Skandals um die Bundeswehr: Wo immer deutlich wird, dass der Staat schwach, planlos und tatenlos ist, wird wahllos dreingeschlagen um die Fassade aufrechtzuerhalten und die eigene Unfähigkeit zu kaschieren. Ein sicheres Zeichen für Verfall.

Autor: Anna Diouf

Rechte Heiden

Erinnern Sie sich noch? Asterix. Da gab es diesen Druiden, Miraculix, der bei aufkommenden Gefahren angesichts der römischen Besatzer einen Zaubertrank zusammenbraute, den alle Dorfbewohner vor dem Kampf tranken (außer Obelix, der als Kind in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen und daher dauerhaft gestärkt war). Der Druide Miraculix ist ein weiser, sympathischer Greis, friedliebend und naturverbunden.

Naturverbunden sei er auch, so Burghard B., selbsternannter Druide aus Schwetzingen[sic!]. Hier hören die Gemeinsamkeiten mit Miraculix aber schon auf. Denn als weise, sympathisch und friedliebend lässt sich nur schwerlich ein Mensch charakterisieren, der in den Sozialen Medien zur Vernichtung aller Juden und Moslems aufruft. Burghard B. wird zur Reichsbürgerszene gezählt, gegen die in den letzten Tagen verstärkt vorgegangen wurde.

Bindungskraft rechtsextremer Ideologie

Dass der neuheidnische Kult alles andere als ein harmloses Freizeitvergnügen esoterisch veranlagter Naturfreunde ist, war bereits vorher bekannt. Der Neopaganismus ist das religiöse Moment der rechtsextremen Ideologie, mit dem vor allem Frauen und politisch weniger interessierte Menschen an die „Bewegung“ angebunden werden sollen. Offenbar mit Erfolg.

Zur Naturverbundenheit tritt die Heimatliebe und die Verklärung der antiken bis frühmittelalterlichen Geschichte der Germanen, die sich tapfer gegen die Römer wehrten und erst von christlichen Missionaren ihrer Kultur beraubt wurden. Das übliche Feindbild der Neuheiden ist denn auch das Christentum, insbesondere die Katholische Kirche. Nicht von ungefähr ist der Voigt-Rosenbergsche Neun-Millionen-Mythos besonders in neopaganen Kreisen virulent.

Die Kirche brachte Kultur

In Wahrheit hat die Kirche so etwas wie Kultur erst nach Mitteleuropa gebracht. Denn Kultur braucht Verstetigung. Die gab es bei den alten Germanen aber nicht, weder besondere Bauwerke noch Bücher oder Artefakte, die nicht zugleich Gebrauchsgegenstände waren. Bibliotheken gab es erst, als auf „deutschem“ Boden Kirchen und Klöster errichtet wurden. Eine Ausbildung in Kulturtechniken (wie Lesen und Schreiben) gab es ebenfalls erst mit dem Christentum.

Auch ethisch schneidet der Neopaganismus schlechter ab als die „böse Kirche“. Während der spätantiken Völkerwanderungen ging beispielsweise die Idee des gerechten Krieges, wie sie Augustinus entfaltet hatte, weitgehend unter und wurde wieder durch den „natürlichen“ Krieg ersetzt. Dieser kannte keine der für den bellum iustum-Topos üblichen Anfragen und Einschränkungen, sondern nur ein vorzivilisatorisches „Recht des Stärkeren“.

Der „Stärkere“ hat den „mächtigeren Gott“

Ohnehin war Stärke im heidnischen Stammesdenken alles. Und auch der entscheidende Grund, den Gott der Christen nach einer militärischen Niederlage anzunehmen: Er hatte sich als der Stärkere erwiesen. Das allein zählte. Argumente und liebevolle Zuwendung waren in der Heidenmission de facto untaugliche Mittel. Welcher Gott lässt uns Schlachten und Kriege gewinnen? Das war die Frage des Heiden.

Schaut man sich Fälle wie den im Zuge von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gestern verhafteten Burghard B. an, so scheint das Heidentum germanischer Prägung in den letzten 1500 Jahren nur wenig dazugelernt zu haben. Immerhin: Man nutzt moderne Technik für den Hass auf andere Religionen. Das ist allemal erstaunlich. So als naturverbundener Druide.

Autor: Josef Bordat

 

(Der Text erschien zuerst auf Jobo72 und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors hier übernommen Herzlichen Dank Josef Bordat.)

Angemessener Rassismus?

Dilemma – das ist eine unangenehme Situation, in der man nicht das „Richtige“, sondern immer nur eine Nuance des Schlechten, Schlechteren oder nicht ganz so Schlechten tun kann.

Ein Dilemma ist es, wenn man weiß, dass eine Tätergruppe vornehmlich aus Menschen besteht, die eine gewisse Physiognomie gemein haben, während die meisten Menschen, die zufällig diese Eigenschaft teilen, friedlich und unbescholten sind.

Problematische Situation

Es kann uns nicht egal sein, wenn die Polizei generell Nordafrikaner – oder Menschen, die man als nordafrikanisch oder arabisch aussehend empfindet (was auch durchaus den einen oder anderen Mexikaner, Griechen oder auch Deutschen treffen kann) – aussortiert und prophylaktisch kontrolliert. Als freie Bürgerin eines freien Landes möchte ich das nicht. Als Mensch mit sichtbarem Migrationshintergrund möchte ich das nicht. Als Frau aber möchte ich ebenso wenig von Menschen eben jenes Kulturraums (oder irgendeines anderen) bedroht oder genötigt werden.

Es ist heuchlerisch, auf die Polizei zu schimpfen. Aber natürlich könnte man, wenn man denn wollte, anfangen, sich darüber zu unterhalten, wie man die freien Bürger und die freien Gäste dieses Landes beschützt – vor Kriminalität und vor rassistischer Vorverurteilung gleichermaßen. Vielleicht können wir bessere Rezepte finden. Wenn aber ohne Rassismuskeule und Empörungsgeheul kein Diskurs möglich ist, kann sich auch die Polizei nicht frei und ehrlich darüber äußern, was sie braucht, will und kann. Schließlich wird niemand, der seinen Verstand einsetzt, behaupten, die deutsche Polizei sei per se rassistisch oder wolle rassistisch sein. Aber wieso soll die allgemeine Überforderung mit einer für uns neuen Situation für die Polizei nicht gelten? Arbeiten dort Übermenschen? Nein, dort treffen wir auf dieselben grundsätzlich gutmütigen, tendenziell romantisch-idealistischen und Loriotesk tragischen Gestalten, die im deutschen Volk überproportional vertreten sind.

Handeln kann oft nicht perfekt sein

Man kann Sicherheitsmaßnahmen wie die in Köln ohne Hetze und ohne Polemik rechtfertigen, und man kann alle Bürger, die unberechtigterweise ins Visier derer geraten, die für unsere Sicherheit garantieren sollen, um Verständnis bitten, man kann sich schon im Voraus bei denen entschuldigen, die jetzt scheel angesehen werden. Das Problem ist hier der deutsche Hang zur heroischen Tugendhaftigkeit: Es fällt offenbar schwer, einzusehen, dass etwas, das man tut, nicht perfekt, aber notwendig ist. Ob Deutsche kontrollieren oder nicht kontrollieren, es ist keine pragmatische Frage, sondern es geht um ein idealistisch verklärtes Prinzip: Egal, was getan wird, es soll es moralisch geboten, einwandfrei und unanfechtbar sein. Was dazu führt, dass die Front zwischen Fanatikern verläuft: Zwischen denen, die behaupten, braune Haut sei statistisch gesehen mit Hang zu sexueller Nötigung verknüpft, und denen, die sich jetzt – typisch – statt inhaltliche Auseinandersetzung zu leisten, an einem harmlosen Wort wie „Nafri“ aufreiben, um sich nicht der traurigen Realität zu stellen.

Dass wir uns dazu herablassen, nach Aussehen zu selektieren, ist ätzend, nervig. Es macht uns bewusst, dass unsere Freiheit, vorurteilsfrei zu sein, schon arg strapaziert ist, wenn sie nicht schon als eingestürztes potemkinsches Dorf darniederliegt. Das tut weh. Und es bleibt nur zu hoffen, dass uns etwas Würdigeres einfällt. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir erkennen, dass latenter Rassismus keinesfalls erst seit vorgestern ein Problem in Deutschland ist, und dass er, wenn überhaupt, nie so angemessen war, wie in der jetzigen Situation.

Autor: Anna Diouf

Unter dem Radar: Medikamententests an Dementen

Das war zur rechten Zeit, könnte man meinen. Das Gezeter um die US-Wahl und der Schock um die Wahl Donald Trumps machten möglich, was noch im Sommer danebenging:

Das Durchboxen einer Gesetzesänderung vorbei an der Wahrnehmung des größten Teils der Bevölkerung.

Noch im Juni 2016 war eine Abstimmung im Schnellverfahren verhindert worden, u.a. auch wegen beider Kirchen, die sich vehement gegen das Gesetz gestellt hatten. Sie sprachen damals von einer

„Verzweckung des Menschen“

Verteidigt wurde und wird das Gesetz vom Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann. Ein CDU-Politiker.

An diesem 9. November 2016 jedoch wurde der Antrag im Bundestag von 330 von 581 Parlamentariern angenommen. Hand hoch, wer das mitbekommen hat?!

Worum es geht, ist schnell erklärt:

Es ist fortan erlaubt, an Demenzkranken Arzneitests vorzunehmen. Und zwar solche Tests, die für die Kranken keinerlei Nutzen bringen werden.

Alles, was es dazu braucht, ist eine Einwilligung der Kranken, unterschrieben zu einer Zeit, als „sie noch einigermaßen fit waren“. Sozusagen eine Blankovollmacht. Nebenbei stellt sich die Frage: Wie wird dieses „noch einigermaßen fit“ eigentlich festgestellt, und durch wen?

„gruppennützige Forschung an nicht einwilligungsfähigen Personen“

So nennt man das im Politikerdeutsch. Übrigens betrifft das theoretisch nicht nur schwer Demenzkranke, sondern auch geistig Behinderte!

Nun mag man sagen, es müsse ja niemand eine solche Einwilligung unterschreiben. Richtig.

Theoretisch.

Doch wie schnell ist gerade ein älterer Mensch unter Druck gesetzt und überredet?

Und wer kann heute eine solche Blankovollmacht geben und dabei deren Trageweite voraussehen: Wie viele weitere Türen wird das Gesetz in 10 oder 15 Jahren schon geöffnet haben, auf die heute niemand hinweist – hinweisen kann?

Es gab und gibt viele kritische Stimmen:

„Forschung, die zu wesentlichen Fortschritten im Sinne der Patienten führt, können wir schon unter der heutigen Gesetzgebung durchführen.“

sagt der Altersforscher Johannes Pantel.

„Nicht praktikabel und wenig sinnvoll“

beurteilt die Deutsche Alzheimergesellschaft.

Und Renate Künast spricht von

„Trickserei, wenn der Arzt für die Probandenerklärung über eine Studie aufklären soll, über die er zu diesem Zeitpunkt ja noch gar nichts wissen kann.“

Nun ja, auf der anderen Seite: Warum auch nicht? Der demente Mensch hat ja am nächsten Tag eh schon wieder vergessen, was man am Vortag mit ihm angestellt hat.

Menschenwürde? Ach, zum Teufel damit!

In diesem Sinne: Einen schönen Tag noch.

Autor: Heike Sander

Tödliche Scheinberatung

Die Beratung schwangerer Frauen in Konflikt- und Notsituationen habe ergebnisoffen zu erfolgen. Alles andere sei Heuchelei, nehme die Frau in ihrem Konflikt, in ihrer Not nicht ernst. Besonders die katholische Kirche steht in diesem Zusammenhang in der Kritik, weil und soweit sie daran festhält, keinen Beratungsschein auszustellen, den es für die straffreie Abtreibung nach § 218 StGB braucht. Was ist davon zu halten?

Laut Gesetz m u s s Beratung z u m Leben erfolgen

Zunächst ist es so, dass die Beratung immer zum Leben erfolgen muss – und nicht neutral. In § 219 StGB wird festgelegt, dass „[d]ie Beratung [..] dem Schutz des ungeborenen Lebens [dient]“. Weiter heißt es dort: „Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt“.

So hat die Beratung zu erfolgen. Eigentlich. Ich bin selbst kein Berater, jedoch interessierter Beobachter und habe insoweit Kontakt mit Beraterinnen und Beratern in unterschiedlichen Beratungsstellen. Man sollte nicht unterschätzen, wie viele Frauen sich schon vor der Beratung entschieden haben (was ja bei einer so tiefgreifenden persönlichen Entscheidung auch nicht verwundern sollte), und zwar gegen ein Kind. Und sich dann nur den nötigen Schein „abholen“ wollen.

Ergebnisoffenheit führt bisnnen Minuten zum Todesurteil

Dieser wird auch binnen weniger Minuten ohne weiteres ausgestellt – je „ergebnisoffener“ sich die Beratung dünkt, desto einfacher und schneller geht das. Es ist also ein formalisiertes Standardverfahren, das mit dem hehren Anspruch des § 219 StGB nichts zu tun hat. Als Begründung für eine Soziale Indikation – in über 90 Prozent der Fälle das grundsätzliche Verbot des § 218 StGB hemmend – reicht dann etwa: „Kind passt mir momentan nicht“. Das ist eine Beratung um des Scheines willen, eine Scheinberatung.

Dass sich eine Beratungsstelle eingedenk dieser Umstände nicht instrumentalisieren lassen möchte, ist ihr nicht zum Vorwurf zu machen. Denn, wir erinnern uns: Beratung muss immer zum Leben erfolgen. Wenn das nicht gelingt, ist die Entscheidung der Frau zu tolerieren, aber nicht weiter zu unterstützen. Sehr wohl aber ist die Frau weiter zu unterstützen (wenn sie etwa ein weiteres Mal kommt, ist sie genauso engagiert zu beraten wie zuvor). Aber durch Ausstellen des Scheins an einer Abtreibung mitzuwirken, wenn auch nur formal, läuft dem Anspruch einer Beratung zum Leben zuwider.

Hier gibt´s den Tod auf Schein

Was wäre von einer Seelsorgeeinrichtung zu halten, die Suizidkandidaten nach erfolgter (und sicher auch engagierter), aber letztlich erfolgloser Beratung zum Leben regelmäßig ein Rezept für Zyankali ausstellte? Die Botschaft, die davon ausginge, lautete doch: „Hier gibt’s Rezepte für Zyankali“. Genau das passiert, wenn das „Ergebnisoffene“ an der Beratung nicht nur als pragmatisch, sondern als programmatisch aufgefasst und kommuniziert wird. Wenn aus dem Hinnehmen und Dulden der falschen Entscheidung des insoweit irrenden Gewissens der Frau die prinzipielle Neutralität in der Beurteilung ihrer Entscheidung wird – und dies auch so sein soll.

Der Beratungsbegriff im Rahmen der Normen zur Abtreibung muss (wieder?) ernst genommen werden. Wie wenig ernst es der Gesetzgeber damit jedoch selbst nimmt, zeigt der Umstand, dass er bis heute dem Auftrag des Bundesverfassungsgericht nicht nachgekommen ist, die Normen selbst erneut zu beraten. Das wird mit Hinweis auf den „Erfolg“ der Regelung abgelehnt. Indikator sind die sinkenden Abtreibungszahlen, die jedoch weniger mit der Rechtslage als vielmehr mit sinkenden Schwangerschaften insgesamt zu tun haben (die Zahl der Geburten sinkt ja ebenfalls).

Leidenschaftslosigkeit schützt kein Leben

Ergebnisoffen ist also im Kontext der Beratung schwangerer Frauen in Konflikt- und Notsituationen ein höchst problematischer Begriff, wenn damit so etwas wie leidenschaftslose Neutralität suggeriert wird. Denn damit würde das eigentliche Anliegen der Beratung geschwächt: das Leben zu schützen – das der schwangeren Frau, aber auch das des ungeborenen Kindes.

Autor: Josef Bordat

http://www.marsch-fuer-das-leben.de

(Artikel erschien zuerst auf Jobo72 unter dem Titel „Ergebnisoffen?“ und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors hier übernommen Herzlichen Dank Josef Bordat.)