Der Brexit ist beschlossen. Was passiert nun?

[...] Es ist eines der größten Probleme Europas: dass die Vision eines friedlichen und geeinten Kontinents durch die Vision eines reichen Kontinents ersetzt wurde und die Vision von Menschlichkeit durch die Vision von Bürgerlichkeit. Die Aufbauphase eines zerstörten Europas ist im Suchen nach Wohlstand versickert. Übrig bleibt eine trübe Pfütze von „Gib mir genug Geld und ansonsten meine Ruhe“. [...] Von Bastian Volkamer

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Lasst es bitte Fußball bleiben

[...] Nebenbei bemerkt: Ich bezweifle, dass die Trademark „Die Mannschaft“ in erster Linie politisch gemeint ist. Viel plausibler ist, dass man eben aus Marketinggründen einen prägnanten, griffigen Namen brauchte, wie es sie auch für andere Nationalmannschaften gibt. Wenn man allerdings der Streichung des Wortes „national“ eine tiefere Bedeutung beimessen will, dann sollte doch auffallen, dass, während alle anderen ganz bescheiden einfach nur ihr Land vertreten, die Deutschen mal wieder alles an sich reißen: Sie stehen nicht für ihr Land, sondern für „die Mannschaft“ an sich, für den Fußball schlechthin. Sollten also die Deutschen tatsächlich an einem national bedingten Größenwahn leiden, dann würde es hier evident. [...] Von Anna Diouf

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Rechtsextremismus selbstgestrickt

[...] Was ist nun das Fazit? Mit diesen zweifelhaften Befunden des „Kompetenzzentrums für Rechtsextremismus- und Demokratieforschung“ der Universität Leipzig und ihrer unkritischen Übernahme und Skandalisierung in den Medien wird die in den vergangenen Jahren erschreckend vorangetriebene Spaltung unserer Gesellschaft weiter verstärkt. Diejenigen, die zu der Hälfte gehören, die diesen Aussagen nicht zustimmen, werden weiter in Alarmstimmung gegen die vermeintliche „rechte Gefahr“ aus der „Mitte der Gesellschaft“ versetzt, und im Glauben bestärkt, dass der aggressive Kampf gegen sie eine gute und notwendige Sache und in diesem Kampf alles erlaubt ist, da es ja gegen „Rechtsextremismus“ geht, der bekanntlich das schlimmste Übel überhaupt darstellt. [...] Von Marco Kunz

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Mit aller Gewalt: erfolgreich selbst ausgrenzen

[...] Anstatt diese Zeichen der Mehrheitsgesellschaft (als mehr will ich das ja nicht mal deuten) der Zusammengehörigkeit, der Annahme, der Toleranz und des Respekts, der Menschenwürde und des Mitgefühls freudig zur Kenntnis zu nehmen und zu versuchen, diese positiven Signale in den Alltag zu übernehmen und darauf konstruktiv aufzubauen, kommen nun einzelne Schreiber aus der Szene und hauen den Gutwilligen und Mitempfindenden ein Scheunentor vor der Nase zu. [...] Von Martin Wind

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Lasst den Tätern endlich ihre Motive

[...] Als er darauf angesprochen und aufgefordert wird, Ross und Reiter zu nennen, zieht er sich blasiert auf sein vermeintliches Herrschaftswissen zurück. Anstatt sich zu erklären, suhlte er sich in seiner vermeintlichen „intellektuellen Überlegenheit“, die er aus seiner kryptischen Zitation ableitet. Enzensberger hat einen eindrucksvollen und schlüssigen Text geschrieben. Der entbindet aber einen Journalisten nicht davon, den Kern der Sache zu benennen. Und der heißt in diesem Fall, im Fall des Terrors in Orlando, im jedem einzelnen Fall der getöteten mehr als 50 homosexuellen Mitmenschen „Hass des Islam gegenüber Homosexuellen“. [...] Von Martin Wind

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Überall Rassisten

[...] Im Rahmen der Berichterstattung Gauland/Boateng stand ich kürzlich am Kölner Hauptbahnhof neben einem offenbar – aus Hautfarbe und Kleidung geschlossen – schwarzafrikanischen Ehepaar, die sich auf Englisch unterhielten. Kurz habe ich überlegt, zu fragen, was sie denn von der ganzen Geschichte halten. Und es ging tatsächlich die Schere in meinem Kopf los: Ist es nicht ein Affront, sie anzusprechen mit keinem anderen Anlass als ihrer Hautfarbe und ihres fremdländischen Äußeren? Ein „weißes“ Ehepaar hätte ich jedenfalls nicht angesprochen, da sie vermutlich nicht betroffen wären. Was ich sagen will: Zu der natürlichen Hemmung, Menschen am Bahnhof einfach so auf politische Themen anzusprechen, gesellte sich die Hemmung, eine (Mikro) Aggression ausstrahlen zu können. Ich habe sie also nicht angesprochen, und frage mich jetzt, abgesehen von ihrer Meinung zu dem Thema, ob das nicht auch das Ergebnis ihrer Hautfarbe und insofern ebenfalls rassistisch war. Da bräuchte ich selbst ein paar Schleifen im Hirn, bis ich das für normal halten könnte. [...] Von Felix Honekamp

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Im Herzen blond

[...] Im Grunde ist diese absurde Einstellung Folge einer komplexen, von Schuldgefühlen geprägten Psychose. Wenn alles, was „deutsch“ ist, automatisch schlecht ist und mit dem Makel behaftet, von Nazis instrumentalisiert worden zu sein oder von Neonazis instrumentalisiert werden zu können, dann bleibt nicht mehr viel, worüber man sich identifizieren kann. Heiliges römisches Reich deutscher Nation? Da kommen gleich drei gefährlich braun anmutende Worte drin vor. Volk? Das Nomen zu „völkisch“, also tabu. „Geschichte“? Dazu gehören unzweifelhaft die Jahre 1933-45. In Ansätzen hat dieses notorisch schlechte Gewissen auch die Esskultur bereits erreicht. Eine gescheite Bratwurst kann eben beim besten Willen nicht halal sein, wer weiß, wann auch diese letzte Bastion deutschen Selbstverständnisses fallen wird – beim Bier gibt es ja wenigstens die alkoholfreie Alternative. [...] Von Anna Diouf

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Jede Ente ist eine zuviel …

[...] Dabei aber einer dem Internet und den sozialen Medien innewohnenden Gefahr der Shitstormisierung von verfälschten oder vereinfachten Informationen noch in die Hände zu arbeiten, statt durch unbedingte Seriosität und größtmögliche Aufrichtigkeit einen Gegenpol aufzubauen, ist nicht nur die schlimmste Gefahr für die freien Medien, sondern auch ein Unverschämtheit gegenüber jedem, der den Wunsch hat, sich redlich und umfassend zu informieren. [...] Peter Winnemöller wird von Martin Wind interviewt

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Nach der Empörung

[...] Man könnte – nachdem man sich 30 Minuten empört hat – eine ketzerische Frage stellen: Hat Gauland Recht? Also dann, wenn man die Aussage so versteht, dass er meinte, es gäbe in Deutschland Menschen, die einen dunkelhäutigen jungen Mann nicht gerne in ihrer Umgebung haben wollten, wenn sie denn die Wahl hätten. Solche Fragen („Hätten Sie diese Menschen gerne als Nachbarn?“ – Gezeigt werden Bilder von Schwarzafrikanern, orthodoxen Juden, Frauen mit Kopftuch etc.) stellen normalerweise Soziologen, die zum Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit forschen. Im Rahmen einer Allensbach-Studie (2008) wollten Feldforscher genau dies wissen: „Hätten Sie Menschen mit anderer Hautfarbe gerne als Nachbarn?“ [...] Von Josef Bordat

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TTIP: Keine Ahnung, aber davon eine Menge

[...] Demonstranten gegen TTIP, die einen „ungerechten Wettbewerb“ befürchten, haben insofern durchaus Recht: Wenn europäische Unternehmer und Unternehmen staatlicherseits gegängelt werden, dann ist der Wettbewerb mit einem Unternehmen, dass diesen Regierungseskapaden nicht ausgesetzt ist, tatsächlich nicht „gerecht“. Andererseits sind aber diese Einschränkungen nicht allein auf dem Mist der Politiker gewachsen – die wurden für Vorschläge, die die Arbeitskosten belasten im Zweifel demokratisch gewählt. Insofern wäre TTIP die Gelegenheit, aus einem linken Traum aufzuwachen: Dem Traum, man könne soziale Wohltaten ausgießen, „Verteilungsgerechtigkeit“ herstellen, die Unternehmen mit allerlei scheinbar doch „guten“ Auflagen belasten, ohne dass das Konsequenzen hätte. In einem wirklich freien Markt wären Vereinbarungen wie TTIP gar nicht notwendig: TTIP kann, wenn es denn kommt und wenn es denn dem Namen „Freihandelsabkommen“ gerecht wird, nur eine Reparatur darstellen für einen aktuell zutiefst durch staatliche Eingriffe – von Interessengruppen gefordert – gestörten Markt. [...] Von Felix Honekamp

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