Gallionsfiguren versagen im Talkgeschäft

Vollverschleiert, als menschliches Wesen nur an den Händen, den Augen und an der Stimme erkennbar, hat eine schweizerische Muslima an einer deutschen Talkshow teilgenommen. Man könnte sagen, das gehöre nun mal in einer aufgeklärten und toleranten Gesellschaft zum guten Ton, dass man alle zu Wort kommen lasse. Die Moderatorin der Sendung – Anne Will – hat das auch einem der Mitdiskutanten rüde mitgeteilt, als dieser sich gegen die Propaganda der vollverschleierten Muslima verwahrte: „Es gehört auch zu unserem Werteverständnis, dass wir uns mit den Meinungen anderer auseinandersetzen“, kujonierte Will den israelisch-arabischen Psychologen Ahmad Mansour. Mansour, bekannt als ausgewiesener Fachmann für Islam und Radikalisierung, lebt wegen seiner Islamkritik in ständiger Gefährdung und erhält von radikalen Muslimen Todesdrohungen.

Überhaupt war der gesamte Verlauf der Sendung interessant. Immer wieder konnte die sogenannte Frauenbeauftrage des „Islamischen Zentralrats der Schweiz“ (IZRS) – einer ähnlich suspekten Organisation wie der sogenannte „Zentralrat der Muslime“ in Deutschland – ihre fundamentalistischen Vorstellungen des Korans verbreiten. Flankendeckung erhielt sie dabei von Anne Will, die ihr deutliche Kritik vom Leibe hielt. Doch das ist weniger der Knackpunkt meiner Überlegungen. Wichtiger scheint mir die Frage, weshalb diese Propagandistin in eigener Sache überhaupt in einer Talkshow des zwangsbeitragsfinanzierten, öffentlich-rechtlichen Fernsehen auftreten durfte.

Einladungen an „extreme“ Gruppierungen

Wir erinnern uns an die heftigen Diskussionen um die Einladung von Politikern der als extremistisch zwangsverorteten Parteien in Deutschland. Diese Scheu der Medien den Vertretern ungenehmer Überzeugungen eine „Plattform zu bieten“ gipfelte sogar darin, dass man nach Landtagswahlen selbst gewählte Politiker nicht zu den sogenannten Elefantenrunden lud, so sie den „falschen Parteien“ angehörten. Verlierer aber, die nicht mehr in den Landtag einzogen, durften hingegen noch einen Abgesang auf ihre bisherige Tätigkeit halten.

Es ist immer eine schwierige Abwägung, welche Wirkung der Auftritt Andersdenkender in den Medien haben kann: Auf der einen Seite kann das Volk sich unmittelbar selbst informieren und den Menschen beim Verbreiten Ihrer Gedanken zuhören. Auf der anderen Seite besteht so selbstverständlich die Gefahr, dass eben auch extremes Gedankengut verbreitet wird. Hier stellt sich allerdings auch die Frage, was denn nun schon „extrem“ oder gar „extremistisch“ ist! Die Diskussionen zu dieser Verortung laufen meines Empfindens in unserer Gesellschaft derzeit aus dem Ruder. Es besteht die Gefahr einer hysterischen Dämonisierung aller als Extremisten, die den derzeitigen Kurs der Bundesregierung in Frage stellen und nicht mehr mittragen wollen.

Auch abweichende Meinungen zulassen

Der Gefahr einer einseitigen Radikalisierung oder einer einseitigen Darstellung extremistischer Positionen, könnten die Gestalter der Talkshows durch eine parteilich ausgewogene Besetzung Ihrer Gesprächsrunden begegnen. Allerdings konnte man in den vergangenen zehn Jahren kaum je den Eindruck bekommen, dass eine wirklich ausgewogene Besetzung der Studiorunden angestrebt wurden. Meistens sind die Vertreter der medial am beliebtesten Meinung in der Mehrheit und erhalten so mehr Rede- und Sendezeit, als die Vertreter der abweichenden Meinungen.

Wichtig aber ist, dass die Randständigen und Extremen überhaupt zu Wort kommen dürfen und können! Das ist Teil unserer demokratischen Verfasstheit und gehört zu einem aufgeklärten Diskurs in einer toleranten Gesellschaft. Insofern war der oberlehrerhafte Einwurf Wills an Herrn Mansour selbstverständlich leider doch gerechtfertigt. Vor dem Hintergrund der Debatte um den Ausschluss demokratischer Parteien vom Talkshow-Zirkus aber eine erstaunliche Einlassung. Erklären kann man sich diese Debatte zur Ausgrenzung unerwünschter Meinungen eventuell noch mit der Angst, den Argumenten der Debattenteilnehmern nicht gewachsen zu sein.

Das peinliche Versagen der Moderatoren

Manche Medienschaffenden und eventuell auch Fernsehzuschauer werden sich wahrscheinlich noch an das fulminante Untergang Erich Böhmes in der Talkrunde „Talk in Berlin“ erinnern, der angetreten war, Jörg Haider, Parteichef der Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), „zu entzaubern“. Da traf die journalistische Hybris, über alles besser Bescheid zu wissen, auf einen ausgewiesenen politischen Kenner, der argumentativ hervorragend aufgestellt war. Und solche Niederlagen selbstsicherer Talkshow-Moderator_Innen durften wir in der jüngeren Vergangenheit durchaus auch andernorts erleben.

Und so entsteht häufig der Eindruck, dass viele Medienschaffenden gerne alles von der freien Meinungsäußerung ausschließen würden, was dem stillschweigende „Gentlemen’s Agreement“, dieser augenzwinkernden Kumpanei zwischen Politik und Talkshow-Zirkus zuwiderlaufen könnte: Man sondert die kaum noch voneinander unterscheidbaren Positionierungen ab, geht kaum aufeinander ein und eine tiefergehende argumentative Auseinandersetzung scheuen wir, denn damit überfordern wir ja das „tumbe Volk“. Auf eine solche Sendung kann man sich ohne größere Anstrengung vorbereiten, indem man am Morgen die „Welt“, die „FAZ“, die „Augsburger Allgemeine Zeitung“ und zur Not noch die umstrittene Illustrierte aus dem Hafenviertel von HH durchblättert (SPIEGEL).

Personengebundene Talkrunden abschaffen

Kommen aber die Vollverschleierten, dann muss man, um sie zu demaskieren und die ungeschminkte Wahrheit hinter dem Schleier zu erkunden, thematisch sattelfest und belesen sein. Das gleiche gilt, wenn man sich traut, politisch Anderstickende einzuladen, die weit über den eigenen Horizont hinausdenken: Da muss man tatsächlich wissen, wovon die reden und wie die argumentieren, um eine solche Sendung bestehen zu können. Und das fordere ich von den Sendungsmachern: Arbeitet Euch in die Thematik ein! Findet gute Argumente. Lasst politische, religiöse, wirtschaftliche, gesellschaftliche und künstlerische Exoten durchaus auch zu Wort kommen. Aber begegnet ihnen nicht hilflos.

Die Angst vor den Randständigen, vor den Extremen, den Minderheiten, den schrillen und lauten ist verständlich. Sie – diese „Angst“ – muss in einer pluralen Gesellschaft zumindest von Medienschaffenden, von Redakteuren, Journalisten oder auch einfach nur von Moderator_Innen tatsächlich „unterdrückt“ werden, denn auch diese Gruppierungen gehören zu unserer Gesellschaft. Nun stellt sich aber die Frage, ob einzelne Gallionsfiguren des Talkshow-Zirkus dem breiten Spektrum gesellschafltichen Diskurses tatsächlich inhaltlich gewachsen sind. Meiner Meinung nach überfordert das einzelne Moderator_Innen erheblich. Und auch das ist verständlich: Nicht jeder Mensch kann souverän über den Islam, Freihandelsabkommen, politische Entwicklungen in der Türkei oder auch die Rohstoffverteilung in der Antarktis sowie die Interessen der Umweltverbände an einer Klimaerwärmung nachdenken und dazu sachgerecht argumentieren. Das ist schlicht zuviel.

Echte Fachleute sollen moderieren

Und so bleibt eigentlich nur ein Fazit: Wenn wir den gesellschaftlichen Diskurs in seiner ganzen Breite in unserem Talkshow-Zirkus dargestellt haben wollen, dann sollten diese nicht nur von jeweils einer Person, einer Gallionsfigur moderiert werden. Eine Sendung nach einer Persönlichkeit zu benennen, gibt dem Moderator zwar das trügerische Gefühl einer Unersetzlichkeit. Es ist aber nicht förderlich für das Vorankommen der Willensbildung der Zuschauer. Setzt sie alle ab, die Wills, die Illners, die Maischbergers und die Jauchs. Lasst die Fachleute ran an die Themen, dann kommen solche Rohrkrepierer wie die Willsche Moderation mit der fundamentalistischen Muslima auch eher seltener vor. Einer Antonia Rados hätte eine „Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz“ nicht so auf der Nase herumtanzen können.

Und dann werden alle Befürchtungen und Überlegungen, ob man „so jemandem eine Plattform bieten“ dürfe, obsolet. Man muss so jemandem Plattform bieten, damit die Chance zur Selbstentzauberung besteht. Zum Entsetzen vieler Islam-Apologeten ist nämlich genau das in der Will Sendung auch passiert. Und auch Politiker haben sich medial schon schön selbst entmystifiziert. Nur Mut, Ihr Medienschaffenden. Nur Mut!

Autor: Martin Wind

Jean-Claude Juncker – der kleine Absolutist

Da steht er nun also: ein grauhaariger, alter Mann in einem etwas zu groß geratenen Anzugsakko, leicht vornübergebeugt, eine Tasse Kaffee in der Hand. Nichts ungewöhnliches, sollte man denken. Schaut man genauer hin, dann ist auf dem Foto zu erkennen, dass es sich bei dem alten Mann um Jean-Claude Juncker handelt. Ja, genau – den Jean-Claude Juncker, der seit 1. November 2014 Präsident der Europäischen Kommission ist. Protegiert von der Bundeskanzlerin der Deutschen wurde der ehemalige Finanz- und Premierminister Luxemburgs auch von Deutschen in seinem Amt installiert.

Das Foto als solches ist eigentlich vollkommen unspektakulär: Man sieht diesen alten, gebeugten Mann, neben ihm einen seiner Mitarbeiter, hinter ihm eine Mitarbeiterin, beide dienstbeflissen um den Herrn bemüht. Im Hintergrund schaut ein gestrenger Herr aufmerksam in die Runde: Sicherheit! Und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte zu diesem Bild. Gefunden habe ich es bei einem Bekannten, selbst mal Minister in einer Landesregierung und mit den Gepflogenheiten in politischen Kreisen vertraut. Nach seinen Informationen sollte Juncker am Flughafen Tegel aus dem Auto steigen, die Abfertigungshalle durchschreiten und in seiner Lounge Platz nehmen, bis er ins Flugzeug steigen konnte. Dafür – und nur dafür – waren mehrere Polizisten abgestellt worden, die den Weg Junckers für seinen Durchmarsch für den Publikumsverkehr sperren sollten.

Der Wunsch des Herrn ist Befehl

Doch dann fällt Juncker plötzlich ein, dass er dann doch noch gerne eine Zigarette rauchen will und dazu einen Kaffee trinken möchte. Er bleibt demnach vor der Abfertigungshalle mit den Gates stehen und lässt sich einen Kaffee bringen.

Und jetzt kommt es dicke. Der Bekannte schreibt: „Ein prominenter Europäer trinkt außerhalb (!) des Flughafengebäudes noch einen Kaffee, deshalb werden innerhalb (!) des Gebäudes Hunderte Passagiere gestoppt und dürfen nicht zu ihren Gates. Den Polizisten war das sehr unangenehm. Gut, dass außerhalb des Gebäudes die Kommentare der Leute nicht zu hören waren.“

Das Volk ist empört

Wie diese Kommentare gelautet haben könnten, wird im Kommentarbereich des Bekannten deutlich: „Das muss wohl irish coffe gewesen sein?“ oder auch „ab jeder Realität, weit ab von den Menschen“ und „Was erwartet man von einem Mann, der sich wie ein Despot aufführt?“. Lediglich der kurzzeitig CDU-Generalsekretär gewesen und und ehemalige MDB der CDU, Ruprecht Polenz, ließ noch Verständnis für den armen Menschen durchblicken, der so sehr unter den Sicherheitsvorkehrungen leiden müsse.

Der Autor dieser Zeilen hat Bundespolitik am Rhein erlebt, auch höchste Sicherheitsstufen, er hat zehn Jahre in Berlin gelebt, dort in der Landespolitik gearbeitet und Bundespolitik hautnah erlebt. Und er hat erlebt, wie Menschen mit Sicherheitsvorkehrungen umgehen können. Da gab es welche, die es genossen, mit großem Aufzug vorzufahren und zu beobachten, wie beim Begleitschutz die Türen aufflogen, bevor noch die Fahrzeugkolonne zum Stehen kam. Es waren meistens eher die weniger wichtigen, aber dennoch vorsichtshalber schon mal als „gefährdet“ eingestuften, die Wert auf solchen Popanz legten. Die wirklich wichtigen haben auf solche Auftritte und vor allem auf solche Beeinträchtigungen der Bevölkerung meistens genervt reagiert und ihre Begleiter zu Zurückhaltung aufgefordert.

Es passt ins Bild dieses skrupellosen Politikers

Aber es passt ins Bild eines Mannes, in dessen Verantwortung das Großherzogtum Luxemburg zur Steuerumgehungsoase für globalisierte Großkonzerne wurde und der schon mal Sätze sagt, die folgendermaßen lauten:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

oder auch:

„Wenn es ernst wird, muss man lügen.“

Wenn ein solcher Mann, den laut Aussage vieler Menschen aus der näheren Umgebung mit dem Präsidenten des Europäischen Parlamentes, Martin Schulz, eine übergroße Vorliebe zu edlen Weinen verbindet, so keinerlei Gespür für die Belange seiner Mitmenschen hat, dann wundert man sich nicht über den Hass und die Abneigung, die den europäischen Institutionen inzwischen aus der Bevölkerung entgegenschlägt. Und man wundert sich auch nicht, dass Völker, die frei über ihren Verbleib in der Europäischen Union abstimmen dürfen, von ihrem demokratischen Recht Gebrauch machen und sich der Inhaftnahme für Schuldenmacher entziehen. Und so ist es gar nicht „gut“ sondern im Gegenteil sehr schade, dass dieser fleischgewordene Inbegriff des Molochs der Europäischen Union nicht hören konnte, was die Menschen von ihm und seinem hochherrschaftlichen Auftritt halten.

Autor: Martin Wind

Die Einheit, der „rote Dany“ und sexueller Missbrauch

„Divide et impera“ – nach diesem Slogan handelt offensichtlich der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). Er teilte seinen Koaltionspartnern von CDU und GÜNEN mit, dass er in diesem Jahr Daniel Cohn Bendit als Redner zur obligatorischen Feier des Tages der Deutschen Einheit in der Paulskirche gewonnen habe. Daniel Cohn-Bendit, das Enfant terrible, der europäischen Politik, der Straßenkampfgefährte Joschka Fischers und der intellektuelle Flügelmann des späteren hessischen Umweltministers. In aller Ruhe konnte Feldmann sich zurücklehnen und dem erwartbaren Hauen und Stechen zwischen seinen politischen Partnern zusehen. Und wie die Forelle beim Fliegenfischen instinktiv zubeißen muss, so sich eine Köderfliege auf die Wasseroberfläche senkt, so reagierten CDU und Grüne auf dieses Ansinnen.

„Die pädophile Vergangenheit“

Nicht zu Unrecht erinnerten Michael zu Löwenstein, CDU-Fraktionsvorsitzender im Frankfurter Stadtparlament an den durchaus bewegten und in Teilen auch anrüchigen Lebensweg Daniel Cohn-Bendits, dem er eine „pädophile Vergangenheit“ attestierte. Er bezog sich dabei auf Ausschnitte aus der Autobiographie „Der große Basar“ des grünen Politikers, in denen dieser 1975 unter anderem schrieb:

„Mein ständiger Flirt mit allen Kindern nahm bald erotische Züge an. Ich konnte richtig fühlen, wie die kleinen Mädchen von fünf Jahren schon gelernt hatten, mich anzumachen. Es ist kaum zu glauben. Meist war ich ziemlich entwaffnet. (…) Es ist mir mehrmals passiert, dass einige Kinder meinen Hosenlatz geöffnet und angefangen haben, mich zu streicheln. Ich habe je nach den Umständen unterschiedlich reagiert, aber ihr Wunsch stellte mich vor Probleme. Ich habe sie gefragt: „Warum spielt ihr nicht untereinander, warum habt ihr mich ausgewählt und nicht andere Kinder?“ Aber wenn sie darauf bestanden, habe ich sie dennoch gestreichelt.“

Und noch 1982, als 37 Jähriger, schwelgte Daniel Cohn-Bendit genüßlich in Erinnerungen an seine Zeit als Erzieher in „alternativen Kindergärten“. In der Aufzeichnung einer französischen Fernsehsendung kann man ihn auf youtube bei seinem theatralischen Auftritt in einer Talkshow bewundern:

„Jetzt arbeite ich mit kleinen Kindern. Ach, was sie mit mir nicht alles tun! (…) Um 9 Uhr morgens gehe ich dahin zu meinen acht kleinen Knirpsen zwischen 16 Monaten und zwei Jahren. Ich wasche ihnen den Popo ab, ich kitzel sie, sie kitzeln mich, wir schmusen uns … (…) Die Sexualität eines Kindes ist etwas Fantastisches. Man muss aufrichtig sein, seriös. Bei den ganz Kleinen ist es etwas anderes, aber bei den vier bis sechsjährigen, wenn ein kleines fünfjähriges Mädchen beginnt, sie auszuziehen. Es ist großartig, weil es ein Spiel ist. Es ist ein wahnsinnig erotisches Spiel.“

Das Versagen der Medien

Inzwischen hat sich Daniel Cohn-Bendit wortgewaltig und empört von seinen früheren Aussagen distanziert. Er bezeichnet sie als unerträgliche Übertreibungen, die lediglich seinem Geltungsdrang und seiner überschäumenden revolutionären Attitude geschuldet gewesen seien. In allen Gesprächen und Interviews zu diesem mehr als delikaten Thema überlassen die Medien in der Regel ihm ohne weitere Nachfrage die Selbstentlastung. Einem umstrittenen Magazin aus Hamburg, dem SPIEGEL, genügte gar ein schlichtes „Nein“ auf die Frage, ob er je ein Kind „unsittlich“ berührt habe. Da kommt keine Nachfrage und es werden keine Erklärungen abgefragt, wie er denn überhaupt auf die Idee kam, sich gerade mit diesen sexuellen, vorgeblich phantasierten Themen profilieren zu müssen. Das zeigt eine erstaunliche Beißhemmung für eine Illustrierte, die sich sonst so gerne als investigativ, hartnäckig und unbestechlich geriert.

Niemand hat da Cohn-Bendit die Frage gestellt, was er persönlich denn als „unsittliche Berührung“ empfindet und niemand hat ihn gefragt, ob und gegebenenfalls warum er es zuließ, dass – wie er selbst genießerisch darstellt – ein Kind ihn „unsittlich berührt“ habe. Der Autor hat im Rahmen der Aufklärung sexuellen Missbrauchs innerhalb der Kirche weitaus „harmlosere“ Vorkommnisse geschildert bekommen, die dennoch klar als Missbrauchshandlungen bezeichnet und konsequent auch so behandelt wurden. Und da gab es keine schriftlich niedergelegten und mehrsprachig publizierten oder gar medial ausgestrahlten „Geständnisse“. Im Gegenteil!

Die peinliche Unterstützung

Für Cohn-Bendit ist das alles nur noch lästig: „Ich habe mich des Öfteren dafür öffentlich entschuldigt, mehr kann ich nicht tun. Ich habe diese Scheiße so satt!“ erteilt er sich in einem Interview mit der Frankfurter Rundschau erneut selbst eine Absolution.

Das alleine genügt Manuel Stock,dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen im Frankfurter Stadtparlament, um für Dany, wie man Cohn-Bendit in seinen Kreisen liebevoll nennt, in die Bresche zu springen. Für ihn sind die oben zitierten Geständnisse nichts weiter als „unscharfe Äußerungen“. Was er an diesen Schilderungen an „Schärfe“ noch vermisst, wäre durchaus mal interessant zu erfahren!

Die Distanz zur nationalen Einheit

Abgesehen von der moralischen Tauglichkeit eines Festredners darf durchaus auch die fachliche Kompetenz oder – insbesondere bei Politikern – durchaus auch die ideologische Einstellung eine Rolle spielen. Kompetenz besitzt der „rote Dany“ allemal, denn reden kann er. Das beweist er immer und immer wieder bei politischen Auftritten oder als oft gebuchter Wortspender in Talkshows. Es war jedoch genau dieser wortgewaltige Dany, der 1990 im Frankfurter Magistrat durchsetzte, dass der damals bundesweit noch als Gedenktag an den 1953 stattgefundenen Aufstand der Werktätigen in der „DDR“ gegen das sozialistische Regime begangene 17. Juni, als Multikulti-Happening ohne Bezug zum nationalen Feiertag abgehandelt wurde. Weder von ihm noch von seiner Partei, den Grünen, sind Freudenbekundungen bezüglich der Erlangung der Freiheit für 16 Millionen Deutsche, den Untergang der real existierenden sozialistischen Diktatur noch über die Herstellung der territorialen Einheit Deutschlands überliefert. Eher im Gegenteil.

Es stellt sich demnach durchaus die Frage, was einen umstrittenen 71jährigen dazu treiben könnte, sich erneut den Auseinandersetzung mit den kruden Neigungen seiner Vergangenheit zu stellen. Was könnte Dany dazu bewegen, anlässlich der Feier des Jahrestages eines Ereignisses, das er mit großer Wahrscheinlichkeit keineswegs freudig begrüßte, solche öffentlichen Querelen auf sich zu nehmen? Er kannte die Problematik seiner Person doch schon seit Beginn des neuen Jahrtausends. Zuletzt hatte er sich 2013 im Vorfeld zur Verleihung des „Theodor-Heuss-Preises“ einer Diskussion seiner unappetitlichen Erinnerungen in aller Öffentlichkeit stellen müssen. Denn – davon gehe ich jetzt mal aus – zu einem so wichtigen nationalen Anlass wird er dann doch als überzeugter Politiker und Idealist ohne finanziellen Anreiz seine „Deutung der Deutschen Einheit geben, des Deutschlands heute, 26 Jahre nach der Wiedervereinigung“.

Das moralische Versagen der GRÜNEN

Vielleicht aber ist es ja doch der schnöde Mammon. Vielleicht ist es doch einfach nur die Höhe des Schmerzensgeldes, das den „roten Dany“ dazu bewegen kann, sich zu einem Thema zu äußern, das die einen zu feiern gedenken, zu dem er innerlich persönlich jedoch wahrscheinlich kaum einen positiven Bezug haben wird. Und vielleicht ist es ja doch das Klimpern der Talerstückchen, das ihn versgessen lässt, wie eine Diskussion wieder hochkocht, die einfach nur peinlich ist – für Ihn und seine Partei: Wie umgehen mit den vielen Versäumissen der GRÜNEN im Umgang mit sexuellen Missbrauch an Minderjährigen in den Reihen der GRÜNEN. Dany ist bekanntermaßen nur eine der bekannteren Figuren aus diesem bis heute nicht aufgeklärten Sumpf der GRÜNEN Pädophilie. Hätte Cohn-Bendit Anstand, würde er jegliche öffentliche Betätigung inzwischen unterlassen. Hätten die GRÜNEN Anstand, würden sie ihn dazu drängen, sich öffentlich nicht mehr zu äußern. Aber auch im Fall Volker Beck schaffen die GRÜNEN es ja nicht, ihn aus der Öffentlichkeit zu nehmen. Da sollten die GRÜNEN sich endlich ein Beispiel nehmen an der konsequenten Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs und der inzwischen strikten Ahndung solchen Fehlverhaltens innerhalb der katholischen Kirche.

Autor: Martin Wind

Tödliche Scheinberatung

Die Beratung schwangerer Frauen in Konflikt- und Notsituationen habe ergebnisoffen zu erfolgen. Alles andere sei Heuchelei, nehme die Frau in ihrem Konflikt, in ihrer Not nicht ernst. Besonders die katholische Kirche steht in diesem Zusammenhang in der Kritik, weil und soweit sie daran festhält, keinen Beratungsschein auszustellen, den es für die straffreie Abtreibung nach § 218 StGB braucht. Was ist davon zu halten?

Laut Gesetz m u s s Beratung z u m Leben erfolgen

Zunächst ist es so, dass die Beratung immer zum Leben erfolgen muss – und nicht neutral. In § 219 StGB wird festgelegt, dass „[d]ie Beratung [..] dem Schutz des ungeborenen Lebens [dient]“. Weiter heißt es dort: „Sie hat sich von dem Bemühen leiten zu lassen, die Frau zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu ermutigen und ihr Perspektiven für ein Leben mit dem Kind zu eröffnen; sie soll ihr helfen, eine verantwortliche und gewissenhafte Entscheidung zu treffen. Dabei muß der Frau bewußt sein, daß das Ungeborene in jedem Stadium der Schwangerschaft auch ihr gegenüber ein eigenes Recht auf Leben hat und daß deshalb nach der Rechtsordnung ein Schwangerschaftsabbruch nur in Ausnahmesituationen in Betracht kommen kann, wenn der Frau durch das Austragen des Kindes eine Belastung erwächst, die so schwer und außergewöhnlich ist, daß sie die zumutbare Opfergrenze übersteigt“.

So hat die Beratung zu erfolgen. Eigentlich. Ich bin selbst kein Berater, jedoch interessierter Beobachter und habe insoweit Kontakt mit Beraterinnen und Beratern in unterschiedlichen Beratungsstellen. Man sollte nicht unterschätzen, wie viele Frauen sich schon vor der Beratung entschieden haben (was ja bei einer so tiefgreifenden persönlichen Entscheidung auch nicht verwundern sollte), und zwar gegen ein Kind. Und sich dann nur den nötigen Schein „abholen“ wollen.

Ergebnisoffenheit führt bisnnen Minuten zum Todesurteil

Dieser wird auch binnen weniger Minuten ohne weiteres ausgestellt – je „ergebnisoffener“ sich die Beratung dünkt, desto einfacher und schneller geht das. Es ist also ein formalisiertes Standardverfahren, das mit dem hehren Anspruch des § 219 StGB nichts zu tun hat. Als Begründung für eine Soziale Indikation – in über 90 Prozent der Fälle das grundsätzliche Verbot des § 218 StGB hemmend – reicht dann etwa: „Kind passt mir momentan nicht“. Das ist eine Beratung um des Scheines willen, eine Scheinberatung.

Dass sich eine Beratungsstelle eingedenk dieser Umstände nicht instrumentalisieren lassen möchte, ist ihr nicht zum Vorwurf zu machen. Denn, wir erinnern uns: Beratung muss immer zum Leben erfolgen. Wenn das nicht gelingt, ist die Entscheidung der Frau zu tolerieren, aber nicht weiter zu unterstützen. Sehr wohl aber ist die Frau weiter zu unterstützen (wenn sie etwa ein weiteres Mal kommt, ist sie genauso engagiert zu beraten wie zuvor). Aber durch Ausstellen des Scheins an einer Abtreibung mitzuwirken, wenn auch nur formal, läuft dem Anspruch einer Beratung zum Leben zuwider.

Hier gibt´s den Tod auf Schein

Was wäre von einer Seelsorgeeinrichtung zu halten, die Suizidkandidaten nach erfolgter (und sicher auch engagierter), aber letztlich erfolgloser Beratung zum Leben regelmäßig ein Rezept für Zyankali ausstellte? Die Botschaft, die davon ausginge, lautete doch: „Hier gibt’s Rezepte für Zyankali“. Genau das passiert, wenn das „Ergebnisoffene“ an der Beratung nicht nur als pragmatisch, sondern als programmatisch aufgefasst und kommuniziert wird. Wenn aus dem Hinnehmen und Dulden der falschen Entscheidung des insoweit irrenden Gewissens der Frau die prinzipielle Neutralität in der Beurteilung ihrer Entscheidung wird – und dies auch so sein soll.

Der Beratungsbegriff im Rahmen der Normen zur Abtreibung muss (wieder?) ernst genommen werden. Wie wenig ernst es der Gesetzgeber damit jedoch selbst nimmt, zeigt der Umstand, dass er bis heute dem Auftrag des Bundesverfassungsgericht nicht nachgekommen ist, die Normen selbst erneut zu beraten. Das wird mit Hinweis auf den „Erfolg“ der Regelung abgelehnt. Indikator sind die sinkenden Abtreibungszahlen, die jedoch weniger mit der Rechtslage als vielmehr mit sinkenden Schwangerschaften insgesamt zu tun haben (die Zahl der Geburten sinkt ja ebenfalls).

Leidenschaftslosigkeit schützt kein Leben

Ergebnisoffen ist also im Kontext der Beratung schwangerer Frauen in Konflikt- und Notsituationen ein höchst problematischer Begriff, wenn damit so etwas wie leidenschaftslose Neutralität suggeriert wird. Denn damit würde das eigentliche Anliegen der Beratung geschwächt: das Leben zu schützen – das der schwangeren Frau, aber auch das des ungeborenen Kindes.

Autor: Josef Bordat

http://www.marsch-fuer-das-leben.de

(Artikel erschien zuerst auf Jobo72 unter dem Titel „Ergebnisoffen?“ und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors hier übernommen Herzlichen Dank Josef Bordat.)

Hass und Häme, Lug und Trug

Wenn man Menschen in diesem Land befragen würde, welche Tugenden und Werte ihnen wichtig sind, dann würde wahrscheinlich „Ehrlichkeit“ relativ hoch eingestuft, Steuerhinterziehung hin oder her.

Warum ist es dann recht und billig, mit allen Mitteln eine friedliche, aus der Mitte der Gesellschaft wirkende Veranstaltung zu diskreditieren und zu diffamieren mit völlig unhaltbaren Vorwürfen?

Jeder hat das Recht auf eine schwachsinnige Meinung

Ich habe kein Problem damit, wenn ein Antifa-Mensch gegen den „Marsch für das Leben“ ist. Er findet es in Ordnung, Menschen abzutreiben, weil er meint, dass eine Frau selbst bestimmen kann, was sie mit ihrem Körper tut, und wenn sich in diesem Körper zufällig ein weiterer befindet, kann sie entscheiden, was damit passiert. Ich finde es bedenklich, dass ein Mensch tatsächlich politisch mündig sein und eine derartig schwachsinnige Position vertreten kann, aber es ist so, und es ist einsichtig, dass ein solcher Mensch gegen den Marsch für das Leben ist.

Ich habe ebenso wenig ein Problem damit, wenn ein Nazi gegen den „Marsch für das Leben“ ist. Denn ein Nazi findet nicht jedes Leben gleich lebenswert. Hitler hat „lebensunwertes Leben“ vernichten lassen, und ebenso geschieht es heute, dass Kinder, bei denen ein Downsyndrom diagnostiziert wird, praktisch kaum eine Chance haben, geboren zu werden. Das ist ein Fakt, und wer das in Ordnung findet, muss sich damit abfinden, in nicht so guter Gesellschaft zu sein, was dieses Thema betrifft.

Christen hetzen gegen den „Marsch für das Leben“?

Wie aber Christen gegen den „Marsch für das Leben“ hetzen können, ist mir unverständlich und macht mich betroffen und ratlos.
Ein paar kurze Fragen: Darf und soll man um Tote trauern? Darf und soll man an Menschen erinnern, die zu früh aus dem Leben gerissen worden sind? Oder sollte man versuchen, sie zu vergessen und ihr Andenken nicht zu bewahren? Glaubst du, dass Gott den Menschen erschaffen hat und jedes einzelne Leben schafft? Glaubst du, dass Gott jeden Menschen liebt? Glaubst du, dass Gott möchte, dass ein gezeugter Mensch nicht das Licht der Welt erblickt? Einfache Fragen, für die es für einen Christen nur eine Antwort gibt. Ja, man soll um die Toten trauern, man soll ihr Andenken ehren. Und darum gibt es den Marsch für das Leben. Er erinnert an alle jene, über deren Leben jemand anders das Todesurteil gesprochen hat, weil sie gerade nicht in die Lebenssituation gepasst haben, weil sie behindert gewesen wären, oder weil sie durch ein Verbrechen entstanden sind (übrigens sind das weniger als ein Prozent der Fälle, nur mal so für die Statistiker).

Er erinnert außerdem daran, dass jedes Leben lebenswert ist. Punkt. Dies sind die Anliegen des Marsches, und wer andere unterstellt, der ist ein Lügner. Natürlich ist es tatsächlich der Mehrheit der Bevölkerung nur schwer zu vermitteln, dass es gut sein soll, ungeborene Kinder zu töten. Da es also schwierig ist, Unterstützer für das Anliegen der Gegendemonstranten zu finden, wenn man den tatsächlichen Sinn des Marsches betrachtet, werden einfach allerlei Anliegen erfunden, unterstellt oder aufgrund der katholischen Positionen eines Teils der Teilnehmer angenommen. Dann noch ein paar Anschuldigungen wie „erzkonservativ“ oder „rechts“ oder „radikal“ hinzufügen, und schon kann man es als positiv darstellen, gegen den Marsch für das Leben zu sein – obwohl man mit seiner Opposition gegen diese Veranstaltung eigentlich gegen das Recht auf Leben für alle Menschen ist, und damit übrigens auch gegen das Grundgesetz.

Frauen in Not werden im Stich gelassen

Wenn die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz sich gegen den „Marsch für das Leben“ engagiert, weil sie meint, Beratungen müssten „ergebnisoffen“ sein, dann schlägt sie damit Schwangeren in Not ins Gesicht. Sie sagt damit auf gut deutsch: Ich will mit deinem Leid nichts zu tun haben. Sie sagt damit, dass sie sich für das Leben des Kindes einsetzen will, aber nicht entschieden. Sie will es lieber in Kauf nehmen, dass das Kind stirbt, als anzuecken. Das ist in etwa die Fürsorge von Eltern, die ihr Kind lieber vor’s Auto laufen lassen, als ihm den Ernst der roten Ampel zu erklären – könnte unangenehm sein, das Kind könnte sich verletzt fühlen. Es gibt aber einen Unterschied zwischen verletzen und sich verletzt fühlen. Während eine Frau, die abtreibt, ihre eigene Integrität und das Leben ihres Kindes in jedem Fall verletzt, kann man nie verhindern, auch bei noch so freundlicher, respektvoller Beratung, dass ein Mensch in einer Extremsituation sich verletzt fühlt, wenn man ihm rät. Teile der evangelischen Kirche sehen es daher als Beratung, einfach das zu unterstützen, was die Frau tun will, egal, was für Folgen es hat, und das nennt man dann „ergebnisoffen“. Für das Wohl der Frau und des Kindes nicht das Risiko eingehen zu wollen, das Leben zu verteidigen und damit erst einmal etwas zu sagen, was die Frau als Affront verstehen könnte, offenbart Bequemlichkeit, Desinteresse und Gleichgültigkeit und ist durch nichts zu rechtfertigen.

Abgesehen davon bewegt sich die Kirche damit auch gesetzlich auf unsicherem Terrain. Man darf ja nicht müde werden, es zu betonen, weil es kaum jemand weiß, aber Abtreibung ist in diesem Land verboten. Offenbar ist Abtreibung also ganz klar als ein Übel erkannt und angesehen, und es gibt keinen Grund, wieso sich die Kirche mit denen gemein machen sollte, die Abtreibung als ein positives Recht sehen. Diese stehen damit nämlich ganz klar und eindeutig dem Gesetz entgegen und verlangen eine Relativierung des Rechts auf Leben, die es natürlich praktisch bereits gibt, auch wenn (wenigstens) theoretisch am Recht auf Leben festgehalten wird.

Sonderlinge diskreditieren das gute Anliegen nicht

Natürlich ist es ärgerlich, dass sich unter Lebensschützern auch Menschen befinden, die wenig eloquent, wenig empathisch oder wenig intelligent sind, und durch krude oder brutale Wortwahl ihrem eigenen Anliegen ein Bein stellen. Aber solche Menschen gibt es überall. Würde man jedes Anliegen lediglich nach denen beurteilen, die es verfolgen, könnte man wohl jedes gesellschaftliche Engagement an den Nagel hängen. Ja, diese Leute sind lästig, und man will sich mit ihnen nicht gemein machen. Das ist verständlich. Aber was hindert uns eigentlich daran, diesen Menschen schlicht und einfach kontra zu geben, ihnen zu widersprechen und dennoch engagiert im Lebensschutz tätig zu sein? Gar nichts hindert uns daran. Es wäre doch zu raten, statt der pathologischen Fixierung auf ein paar Querschläger im Bereich Lebensschutz (von denen einige auch schlicht aus Entsetzen und Empfindsamkeit emotional oder verbal heftig werden, was ja nun auch vielleicht bis zu einem gewissen Grad verständlich ist), einmal auf die Charaktere schauen, die man unter den Gegnern trifft. Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz macht sich also lieber gemein mit Menschen, die „Hail Satan“ proklamieren? Ist das wirklich angemessener, als einem übermotivierten Lebensschützer zu mehr Empathie zu raten? Ist es angemessen, Menschen zu unterstützen, die unverhohlen fordern, dass Menschen das Recht bekommen, über Leben und Tod eines anderen zu entscheiden? Menschen umzubringen, weil sie eine „Last“ wären, weil ihr Leben nicht so wäre, wie man das für sie gerne hätte? Wo ist der kritische Blick der evangelischen Kirche auf die Gegendemonstranten und ihre menschenverachtenden Parolen und Forderungen?

Medien sind mitverantwortlich und machen sich schuldig

Wer einmal auf dem Marsch für das Leben war, dem kann nicht verborgen bleiben, dass hier tatsächlich die Gesamtgesellschaft Partei für das Leben ergreift: Hier sind alle zugegen, Familien, Jugendliche, alte Menschen, Menschen jeder Religion und Weltanschauung. Dagegen blickt man bei den Gegendemonstranten auf eine einheitliche, schwarz gekleidete, aggressive Masse (mit ein paar pinkfarbenen oder blauen Schöpfen dazwischen). Der Marsch für das Leben wird daran gehindert, eine flächendeckende Bewegung mit Millionen Anhängern zu sein, indem eine verabscheuungswürdig voreingenommene Presse die Lügen der Gegner bereitwillig streut, die Selbstdarstellung und das Selbstverständnis der Bewegung aber ignoriert und verfälscht. Es ist die Fehlinformation, nicht das Anliegen, das den Marsch in Verruf bringt. Wer sich als Christ versteht, sollte aber der Wahrheit verpflichtet sein und nicht dabei helfen, die Tatsachen zu verunklaren.

Autor: Anna Diouf

http://www.marsch-fuer-das-leben.de

Neuer Umgang: Wir Bürger werden „vernudged“

Nudging ist eine inzwischen recht bekannte Technik. Auf Basis der Verhaltensforschung setzt man Impulse, die auf Verhaltensänderung der Bürger abzielen. Man ändert das Verhalten der Menschen ohne neue Rechtsnormen erlassen zu müssen. Zugleich spart man sich auch die Debatte, ob es denn gesellschaftlich so oder anders gewollt ist. Seitens der Bundesregierung arbeitet man zunehmend mit Methoden des Nudging. Das dürfte inzwischen hinlänglich bekannt sein. Ein Geheimnis macht niemand daraus.

Ein dem Nudging sehr ähnliche Handlungsabfolge konnte man aktuell erleben. In den frühen Morgenstunden meldete Spiegel online, die Bundesregierung wolle sich von der Armenien Resolution des Deutschen Bundestages distanzieren. Der Aufreger war absehbar, denn in der Bevölkerung erfreute sich diese Resolution so großer Zustimmung, wie schon lange keine politische Maßnahme des Parlamentes mehr.

Die Türkei ist für Merkel wichtig

Ausgerechnet das sollte von Seiten der Regierung „kassiert“ werden, weil der NATO- Partner und EU- Aspirant Türkei verschnupft und mit Sanktionen reagiert hat? Das kann doch nicht sein.

Es kann, denn man braucht die Türkei, um die Flüchtlinge fern und um den Konflikt in Syrien in Schach zu halten. Eine blöde Situation. Der Präsident der Türkei fordert von der Regierung, sich von der Armenien Resolution zu distanzieren, sonst drohen Sanktionen. Man ahnt, daß es um mehr geht als um ein paar Abgeordnete, denen nicht erlaubt wird, deutsche Soldaten in Incirlik zu besuchen. Im Laufe des Vormittags hagelt es Dementis, Demetis von Demintis, Relativierungen des Demitis der Dementis. Als der Bundespressesprecher verkündet, daß sich die Regierung nicht distanzieren wird, weiß schon längst niemand mehr wirklich, was denn nun eigentlich Fakt ist. Man distanziere sich nicht, läßt man regierungsseitig Volk und dessen Vertreter wissen, aber man messe der Resolution im Grunde auch keine Bedeutung zu, aber natürlich dürfe das Parlament mal darüber geredet haben.

Distanzierung ohne „distanzieren“ sagen zu müssen

Pardauz. Ziel erreicht. Die Kanzlerin hat nicht einen Ton dazu verlauten lassen. Bei der Abstimmung über die Resolution, wir erinnern uns, glänzte man seitens der Regierung durch Abwesenheit. Man weiß nun warum. Dem Grunde nach wurde das Volk hier „vernudgt“. Ein vorher zu berechnendes Verhalten wurde ausgelöst, indem ein Medium eine Stinkbombe werfen konnte. Sofort war im üblen Odeur die Ente lokalisiert. Doch statt die Ente zu braten, gesellte man ihr in den kommenden Stunden ein paar Küken bei. Dann die „erlösende“ Nachricht: Es ist ja alles ganz anders. Aber irgendwie doch so ähnlich.
Jetzt kann sich doch keiner mehr aufregen.
Gemerkt?

Der Trick ist raffiniert. Am Ende hat sich nun nämlich doch, so wie es vom Präsidenten der Türkei erwünscht war, die Regierung von der Armenien Resolution distanziert. Was soll es denn sonst heißen, wenn der Umstand „hat keine rechtlichen Folgen“ so betont wird. Rechtliche Folgen waren mit der Resolution nie verbunden. Übersetzt heißt das doch: Für die Regierung hat die Resolution keine Relevanz. Patsch! Abgeordnete abgewatscht. Alle wissen es, aber keiner redet darüber. Warum eigentlich nicht? Vermutlich weil es doch sehr raffiniert eingefädelt war. Und wer will schon als Alumützenträger da stehen? Man hat uns hier gut vernudgt.

Autor: Peter Winnemöller

Erschreckender Provinzchauvinismus an der Spitze des „ZDK“

Und da hat man sich aber mal wieder disqualifiziert unter den Katholiken dieser Welt! Der Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ („ZDK“), Thomas Sternberg, hat in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung einmal mehr die alten Themen hervorgekramt und sich am Zölibat abgearbeitet, nicht ohne in gut deutscher Manier („Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger“) deutlich zu machen, dass man sich als deutsche Kirche nicht von Ausländern leiten lassen will. Katholisch.de hat – wen wundert’s – linientreu Sternbergs Inhalte aufbereitet, natürlich ohne sie zu problematisieren (wie es angebracht wäre angesichts unverhohlener Forderungen nach Frauendiakonat etc).

Der „Import-Priester“ zelebrierte feierlich

Als ich am Sonntag in einer mir unbekannten Stadt (Stuttgart) unterwegs war, habe ich (natürlich) eine heilige Messe gesucht, und die nächstbeste, die nach durchfeierter Nacht möglichst kurzfristig (=schlafgünstig) zu erreichen war, herausgesucht. Durch die geöffneten Pforten des schlichten aber katholisch eingerichteten Gotteshauses schallt a-cappella-Gesang – offenbar gibt es wegen Ferien oder Krankheit keine Orgel. Als Mensch mit Hang zum Pietismus gibt es für mich nicht stimmungsvoll-frömmeres, nichts schlicht-erhebenderes als die fromme Gemeinde Gottes im hölzernen Gotteshaus mit niedrigem Giebel und weiß getünchtem Türmchen, die froh und gläubig Choräle singt. Ein gutes Omen. Noch besser wurde es drinnen: Bis zur Predigt (schön und katholisch) der biodeutsche Priester, ab der Opferung der Import (Afrika). Allerdings hätte der deutsche Priester dem afrikanischen ruhig die ganze Messe anvertrauen können (um dann vielleicht statt Konzelebration noch eine weitere Gemeinde der Stadt mit einer heiligen Messe zu versorgen?!). Denn die Messfeier ab der Opferung war außerordentlich feierlich in ihrer Schlichtheit, außerordentlich gläubig, sorgsam, liebevoll, sensibel und gottesfürchtig, kurz sie war einfach außerordentlich, und in nichts (in den „Essentials“) weniger als eine tatsächlich auch amtlich außerordentliche Form.

Ich liebe übrigens Priester mit Akzent, weil ich mir irgendwann in kindlicher Assoziation die Meinung zu eigen gemacht habe, dass, da Jesus ja nun einmal Jude aus Palästina war, er bestimmt nicht akzentfrei sprechen würde. Darum konnte ich mir bei einem Priester mit Akzent immer besonders gut vorstellen, dass Jesus direkt mit mir spräche. Außerdem hatte ich schon immer das Gefühl, dass in den gebrochenen Worten des Import-Priesters eine besondere Liebe und Zärtlichkeit für den Heiland mitschwingt. Vielleicht liegt das gar nicht am Akzent, sondern am Glauben, aber für mich hat das ganze eben eine assoziative Verbindung. So waren die Priester (der ordentlichen Form), die mich besonders geprägt haben, und die ich nie vergessen werde, obwohl ich mit manchen nicht ein Wort gewechselt habe, Polen, Inder, Nigerianer.

Wortmeldung vom Schrottplatz der Kirche

Es ist ein weiterer Gipfel auf dem Schrottplatz der katholischen Kirche in Deutschland, wenn nach den Entgleisungen gewisser Kardinäle über Afrika und die angebliche Rückständigkeit der afrikanischen Kirche nun ohne jede Schamesröte die ganze provinzielle Spießigkeit des bürgerlichen Amtskatholizismus offenbar wird. „Import-Priester“! Was für eine bodenlose Impertinenz! Hat man noch Worte? Es gibt nur eine Kirche. Und ein Glied dieser Kirche kann nicht so fremd sein, dass es „importiert“ werden müsste. Ein „Import-Priester“, das wäre ein Anglikaner oder Orthodoxer. Und auch dann wäre die Wortwahl natürlich zu geißeln. Ein katholischer Priester aber gehört zu uns. Und vielleicht offenbart sich hier auch schon ein Teil des Problems des Priestermangels: Ein Mangel an Respekt, an Achtung, an Liebe, an Wertschätzung, an Dankbarkeit, an Identifikation mit dem Priester, dafür aber Anspruchshaltung und Gängelung.

Wir sind Weltkirche! Und zwar nicht nur dann, wenn es darum geht, Notmaßnahmen abgelegener Amazonasgemeinden zu übertragen auf unsere Rheingemeinden (obwohl es am Rhein keinen Urwald gibt, und ein derartiger Notstand, dass Priester Gemeinden gar nicht erreichen können, im Rheintal eher unwahrscheinlich ist). Nicht nur dann, wenn man mal wieder einen Brunnen in Afrika finanziert hat, um ein gutes Gewissen zu haben, wenn man sich ein neues Auto kauft. Wir sind Weltkirche. Außer in ehemaligen Bundesdörfern am Rhein. Da ist man piefke-katholisch und klatscht im Gospelchor auf eins und drei begeistert mit, weil man ja so kosmopolitisch ist.

Chauvinismus aus deutschen Kirchenkreisen

Weltkirche, das heißt: eine Gemeinschaft aller Gläubigen durch Zeit und Raum. Wenn ein Glied leidet, leiden alle. Nun mag es für den Deutschen ungewohnt sein, zu den Leidenden zu gehören, aber genauso ist es: Wir leiden in unserer Kirche an geistlicher Armut, und wir müssten dankbar sein für die eifrigen Seelenhirten, die hier Abhilfe schaffen. Aber dankbar sein gegenüber denen, von denen man gestern noch Dankbarkeit erwartet hat für den Brunnen und das Schulgebäude? Nein, Dankbarkeit ist „auf Dauer keine Lösung“ für Herrn Sternberg und Konsorten. Man will sein eigener Herr sein, seine eigene Kirche schmeißen, und sich nicht reinreden und reinglauben lassen von Leuten, die tatsächlich katholisch sind. Angeleitet von einem Neger? Einem Inder? Wie, die wurden doch eben erst von uns Lesen und Schreiben gelehrt, damals in Obervolta. Wie uns Björn Odendahl, Mitarbeiter bei katholisch.de, ja vor einiger Zeit nochmals verdeutlichte, ist der Glaube in Afrika ja ohnehin zu hinterfragen, denn die Kirche wachse dort lediglich, „weil die Menschen sozial abgehängt sind und oft nichts anderes haben als ihren Glauben. Sie wächst, weil der Bildungsstand durchschnittlich auf einem niedrigeren Niveau ist und die Menschen einfache Antworten auf schwierige (Glaubens)fragen akzeptieren.“ Noch Fragen zum Thema Kulturchauvinismus, Kulturimperialismus und paternalistischem Pseudokolonialismus? Im Sinne der Nächstenliebe muss ich jetzt aufhören, denn sonst werde ich angesichts solcher Frechheiten noch unleidlich. Gibt es eigentlich in Afrika heutzutage diese Missionssammelbüchsen wie bei uns früher? Statt mit Wackelnegerkopf und Banane mit so einem Blondwackelkopf mit Kartoffeln, der fröhlich nickt, wenn man einen Heller hineinwirft? Vielleicht lohnt eine Anschaffung solcher Spendendosen, denn die Lage in Deutschland wird sicher noch eine Menge Missionare (der offizielle katholische Begriff für „Importpriester“, Herr Sternberg, nur mal so…) notwendig machen. Ja, okay, ich hör jetzt wirklich auf.

Also lieber konstruktiv: Das geht ‚raus an alle Import-Priester: Lieber „Import-Priester“, nein, du bist keine Ware für mich. Und du bist auch deshalb kein „Import“, weil das, was du uns vermittelst, die Gnaden der Sakramente, die Seelsorge, die Glaubensunterweisung, nicht etwas Fremdes ist, sondern das EIGENTLICH Katholische, das nicht an Zeit und Ort gebunden ist. Und du bist als Hirte der Herde Christi eben auch nicht fremd, sondern unser Bruder. Danke, dass du da bist! Danke, dass du die Heilige Messe für uns zelebrierst. Danke, dass ich dich immer fragen kann, ob ich noch beichten kann, und dass du es immer möglich machst. Danke, dass du meine Gedanken und Gefühle ernst nimmst und nicht deiner Agenda opferst. Danke, dass du mein geistliches Wachstum willst und dass du dich dafür mitverantwortlich fühlst. Danke, dass ich dich jederzeit um Rat fragen darf, und dass du nicht so tust, als müsse ich mein eigener Papst sein und alleine klarkommen. Danke für dein echtes, väterliches Priestertum!

Autor: Anna Diouf

Deutschlands immer noch willige Helfer. Oder: Weg mit Israel!

Reißerischer Titel? Ja, vielleicht. Und es wird auch Menschen geben, die sagen „Meine Güte, wozu die Aufregung?“.

Aber ich habe mich aufgeregt, und zwar über diesen Artikel in der FAZ:

„Israel fehlt auf Kempinski-Liste“

Wenn Sie glauben, ich würde jetzt in flammender Rede zum Boykott eines Hotels aufrufen? Falsch. Denn tatsächlich sehe ich das Kempinski in Berlin nur als eine Art Platzhalter für das eigentliche Problem. Oder besser: die eigentliche Schande.

Auf Anweisung der Direktion …

Da bemerkt ein Hotelgast, dass die Vorwahl Israels auf der Telefonliste in seinem Zimmer fehlt. Gut, das allein ist keine Nachricht wert. Diese Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch auf Nachfrage erhält er (sicher hinter vorgehaltener Hand) die Auskunft, man habe die Vorwahl Israels auf Anweisung der Direktion von der Liste gestrichen, da dies von der arabischen Kundschaft verlangt worden sei.

Glaube ich das? Ja. Und zwar trotz des Versuchs eines Dementi von Hotelseite im
Spiegel

… und ein Dementi

Dort heißt es u.a. zu der Aussage, Israel sei auf Verlangen arabischer Kunden von der Liste gestrichen worden:

„Das klingt ungeheuerlich. Auch deshalb, weil der Kempinski-Gründer Berthold selbst jüdischen Glaubens war, das Unternehmen wurde in der Nazizeit arisiert.“

Äh.. ja. Das ist jetzt der Gegenbeweis?

Man könne die Aussage des Mitarbeiters nicht bestätigen. Aha. Oder auch: Naja.

Trotzdem: Wir haben eine Aussage, und wir haben ein Dementi. Warum glaube ich der Aussage?

Antwort: Weil der Schuh passt.

Leider.

Der Schuh passt

Er passt in ein Deutschland, in dem es linkerseits zum guten Ton gehört, gegen den „Judenstaat“ zu hetzen, der alle braven Palästinenser fälschlich zu Terroristen stempelt und seine Nachbarstaaten knechtet. (Manchmal möchten man diesen Leuten ja mal einen simplen Größenvergleich auf der Weltkarte anraten, aber naja… lassen wir das.)

Er passt in ein Deutschland, in dem eine latente Verächtlichkeit gegen alles Jüdische immer vorhanden war und in den vergangenen Jahren eher zu- als abnimmt.

Falls das schwer zu glauben ist: Hier drei spontane Beispiele – nicht vom Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben:

Drei Beispiele

+Vor einigen Jahren meinte eine damalige Kollegin im Gespräch über die Judenverfolgung der Nazizeit (ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen):
Ja, das sei natürlich schlimm gewesen, aber irgendwie seien sie ja doch auch selber Schuld gewesen. Denn immerhin werde dieses Volk seit Jahrhunderten immer wieder verfolgt – also müsse es dafür ja wohl auch einen Grund geben. (Wer es nicht verstanden hat: Soll heißen „Selber Schuld!“)

+Dann gab es da die Bekannte, die davon erzählte, wie sie auf den Namen für ihre gerade geborene Tochter Sabine gekommen waren, und dass kurz auch Sarah in der engeren Auswahl gewesen sei, aber das wäre ihr dann doch zu jüdisch gewesen.

+Und als drittes Beispiel: Gerade heute die Aussage über ein südamerikanisches Land, Geschäfte seien dort besonders schwierig. Viele Juden da.

Diese drei Geschichten sind keine Ausnahmen, sondern Beispiele. Beispiele für Dinge, die man so und ähnlich immer wieder und überall zu hören bekommt.

Die alten Vorurteile

Die alten Vorurteile sind immer noch da. Manchmal frage ich mich sogar in Bezug auf all jene, die bei der Erwähnung des Holocaust sofort in Rufe ausbrechen wie „Wir wollen davon nichts mehr hören!“ und „Was haben wir damit heute noch zu tun?“:
Wann wird es soweit sein, dass sie die (heutigen) Juden als Schuldige dafür ausmachen, dass sie, die Deutschen, sich heute noch in der Verantwortung sehen müss(t)en? Weil schon allein die Existenz eines „Judenstaates“, in dem regelmäßig der Shoah gedacht wird, ein elender Mühlstein am Hals der eigenen Selbstgerechtigkeit ist?

Ist es da ein schwerer Schritt für einen Deutschen, bzw. für die Direktion eines deutschen Hotels, Israel mal eben von der Landkarte… äh… nein, soweit sind wir ja (noch) nicht – aber immerhin doch von der Länderliste der Telefonvorwahlen zu streichen? Weil es eine Grupper reicher arabischer Gäste so verlangt?

Nein. Obwohl man es nicht glauben möchte. Man möchte sich wünschen, dass eine Geschichte wie die unsere einer solchen Forderung nur eines entgegenhalten könnte:

„NEIN!“

Doch die Araber konnten sich damals wie heute auf „ihre“ Deutschen verlassen, wenn es gegen „den Juden“ ging/geht. Jemand, der jahrelang beruflich auch in arabischen Ländern unterwegs war, erzählte mir vor Jahren einmal, wie oft er dort als Deutscher begrüßt wurde mit den Worten „Deutscher? Hitler! Guter Mann! Die Juden!“, und es folgten ein nach oben gereckter Daumen und ein breites Grinsen.

Die Schande

Sei es, weil die Geldbörse wichtiger ist als der eigene Anstand.
Sei es, weil einfaches Nichtstun und Wegsehen sicherer ist.
Sei es, weil schlicht nicht sein kann, was nicht sein darf.
Sei es, weil „man“ insgeheim denkt: „Selber Schuld.“

Egal, was die Gründe sein mögen:

Eine Schande bleibt eine Schande bleibt eine Schande

Autor: Heike Sander

Der Wohlfühl-Papst

Papst Franziskus fordert heraus, mich genau so wie jeden Katholiken. Aber manche meinen, er sei ein Wohlfühl-Papst. Zeit, mal grundsätzlich zu werden.

Perfide sei sein Vergleich von Islam und Christentum. Intellektuell sei er überfordert. Oder, die Spitze der Kommentare, die ich dazu bislang gelesen habe: Offenbar habe Lucifer auf dem Stuhl Petri Platz genommen. Und das alles, weil er sich nicht in einer Art und Weise zum Thema islamistischer Terrorismus geäußert hat, wie man sich das in manchen Kreisen gewünscht hätte. Und ich betone: Ich glaube zu verstehen, was der Papst gemeint hat, aber auch ich würde mir klarere Aussagen wünschen!

Das ist aber nicht das einzige Vergehen, das sich der Papst in den Augen mancher Besser-Päpste zu schulden hat kommen lassen. Eine kleine Sammlung aus der Erinnerung:

Er kniet nicht richig vor dem Allerheiligsten.
Am Gründonnerstag wäscht er Frauen und Strafgefangenen, notfalls auch muslimischen Flüchtlingen, die Füße.
Er spricht zu wenig über den Skandal der Abtreibungen.
Sein wirtschaftspolitischer Sachverstand ist quasi nicht vorhanden, und so argumentiert er hart an der Grenze zum Sozialismus.
Die Sakramentenlehre, insbesondere in Bezug auf die Ehe, im Gefolge aber auch in Bezug auf die Eucharistie und die Beichte, will er offenbar aufweichen.
Er weigert sich, Homosexuelle für ihre Taten zu verurteilen.
Über Teile der vatikanischen Kurie hat er geschimpft.
Angeblich hat er einige vatikanische Traditionen, beispielsweise hinsichtlich der Kleidung, als Karneval bezeichnet.
Er weicht keinem Mikrofon und keiner Interviewanfrage aus.
Und zu allem Überfluss: Er trägt schwarze Schuhe und fährt Kleinwagen!

Die Spitze des Eisbergs

So gesehen sind seine Worte auf der Rückreise vom Weltjugendtag nur die Spitze eines Eisbergs von Unverschämtheiten, die uns dieser Papst aus der Pampa zumutet. Und das, wo wir es uns doch gerade unter Papst Benedikt so schön gemütlich haben machen können. Bei dem gab es klare, theologisch fundierte Ansagen: Da ist vorn, so ist’s recht! Abweichungen davon führen in die Irre! Das alles mit einem notwendigen rhetorischen „Rufzeichen“ versehen. Das von Benedikt XVI. einberufene Jahr des Glaubens war eine so wunderbare Selbstvergewisserung, auf der richtigen Seite zu stehen. Und dann kommt plötzlich der Bischof aus Buenos Aires und stellt das alles in Frage?

„Wer bin ich, dass ich verurteile?!“ sagt er über Homosexualität. „Wiederverheiratete Geschiedene gehören zur Kirche!“ scheint sein familientheologisches Mantra. „Wir müssen an die Ränder!“, so formuliert er den Auftrag an die Katholiken. Wieder Rufzeichen, aber doch weniger theologisch korrekt, immer mit dem Hauch eines innerkirchlichen Selbstzweifels: „Wer bin ich, dass ich …“ heißt am Ende: „Wer sind wir, dass wir …?!“ Das ist unangenehm, denn Franziskus zeigt nicht, wo vorne ist. Er gibt Hinweise, stellt Meinungen in den Raum, argumentiert oft mit seinem Menschenverstand; nicht theologisch brilliant, schon gar nicht dogmatisch, erst recht formuliert er nicht druckreif.

Unschärfen

So mancher wünschte sich, er würde nun auch noch den letzten Schritt tun und die katholische Lehre zur Disposition stellen. Nur … den Gefallen tut er nicht. Er erteilt keine Generalabsolution für Homosexuelle. Das Priesteramt für Frauen führt er nicht ein. Er hebt auch nicht die Sakramentalität der Ehe auf. Eigentlich bewegt er sich konsequent im Rahmen der katholischen Lehre … reizt sie allerdings bis zum Bersten aus, um die von ihm zitierten Ränder zu erreichen.

Und dabei stellt er unangenehme Fragen: Kann es sein, dass nicht nur Islamisten töten, sondern am Ende die Vergötterung des Geldes? Kann es sein, dass wir es uns zu bequem machen, wenn wir auf den Terror einer anderen Religion verweisen? Vielleicht ist ein „Nein“ zur Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene zwar eine kurze, aber keine ausreichende Antwort? Womöglich leben wir als Katholiken keinen anziehenden Glauben vor und treiben Menschen damit aus der Kirche? Und vor allem: Müssen wir nicht runter vom Sofa, auf dem wir es uns mit Bibel, Katechismus und der Ratzinger-Schriftenreihe bequem gemacht haben, und der Welt Rede und Antwort stehen, die Christus nicht kennt und vielfach nicht kennen will?

Deutliche Worte

Liebe Leser  von „disputat“ (und meines Blogs), ich werde Ihnen jetzt ein Geständnis machen. Ich wünschte mir, Papst Franziskus würde auch mal einem Journalisten ausweichen und nicht auf jede Frage losplappern. Kann er sich nicht, wenn er schon kein so brillanter Theologe wie sein Vorgänger ist, wenigstens nur auf die Seelsorge konzentrieren? Oder kann er, wenn er dem nicht entgehen kann, nicht wenigstens die wesentlichen Passagen aus dem Katechismus auswendig lernen und rezitieren? Ist es denn wirklich zu viel verlangt, dass dieser Papst einfach mal den Mund hält, damit unsereins nicht ständig damit beschäftigt ist, ihn zu verteidigen?

Aber Moment … dazu habe ich diesen Blog doch mal gestartet: Zur Verteidigung des Papstes gegen ungerechtfertigte Anfeindungen. Gut, damals war es Papst Benedikt XVI. und manchmal frage ich mich, ob ich diesen Blog heute eigentlich noch mal starten oder ihn zumindest anders nennen würde? Aber vielleicht fängt dieser Blog gerade erst an, richtig spannend zu werden? Jetzt wo es nicht mehr so bequem ist, sich in einer konservativ-katholischen Niesche für den Papst in eine vermeintliche Schlacht zu stürzen? Oder eben jetzt wo ich selbst erst mal überlegen muss, ob nach einer spontanen inneren Abwehrreaktion der Papst nicht vielleicht doch Recht haben könnte?

Hoffentlich Versöhnliches

Der eine oder andere Leser mag sich nun in dem manchmal beißenden Sarkasmus wieder entdeckt haben, den ich mir oben nicht verkneifen konnte. Darum bitte ich um Verzeihung, falls ich Ihnen damit zu nahe getreten sein sollte. Das was ich oben beschrieben habe, ist aber eher ein Spiegel meiner eigenen Seele als ein „Angriff“ gegen das katholisch-konservative Heerlager, zu dem ich mich zugehörig fühle.

Mancher meint, dieser Papst sei zu sehr dem Zeitgeist zugewandt, er sei ein Wohlfühl-Papst. Nun, möglicherweise ist er das für Menschen, die außerhalb der Kirche stehen. Auch da bin ich mir allerdings nicht sicher, da deren „Hoffnung“ auf eine Auflösung der katholischen Sittenlehre sich langsam in Luft auflösen dürfte. Ganz sicher ist er das aber nicht nach innen, für diejenigen, die versuchen, ihm zu folgen, die sich an Kirchenlehre und Doktrin zu orientieren wollen. Dieser Papst erfordert von uns eine Haltung. Er fordert mich heraus, meinen kleinen Theologenwinkel zu verlassen, den ich ungefragt und ohne Berufung bezogen habe. Dieser Papst fordert Widerspruch heraus – er ist kein Orientierungspunkt sondern ein Stein des Anstoßes im Inneren der Kirche. Manche meinen, das sei nicht die Aufgabe eines Papstes – Ich frage mich mehr und mehr: Warum eigentlich nicht?

Autor: Felix Honekamp

Terror in Deutschland: Schweigen ist feige!

Manchmal ist es, wie beim Terror in Ansbach, gut, einen Tag mit einer Kommentierung zu warten. Dann kommt allerdings ein langer Beitrag dabei raus.

„Es gilt Ruhe und Zurückhaltung als erste Bürgerpflicht“ – so betitelte die WELT am vergangenen Samstag einen Kommentar Ulf Poschards. Ich dachte, ich muss meinen Kaffee wieder ausspucken, als ich das las. Zum Glück war der Titel aus dem Zusammenhang gerissen, die vollständige Formulierung im Beitrag zum Anschlag (komme mir keiner mit Amoklauf!) in München lautet: „Solange aber nicht klar ist, wer die neun unschuldigen Menschen aus ihrem Leben gerissen hat, gilt Ruhe und Zurückhaltung als erste Bürgerpflicht. Das sind wir uns selbst schuldig. Es ist übrigens kein Widerspruch, Wehrhaftigkeit und Augenmaß gleichzeitig zu pflegen.“

Damit kann ich leben und musste doch feststellen, dass ich selbst – gerade in dem Zusammenhang – dagegen verstoßen habe. Als ich die ersten Schlagzeilen darüber las, verpixelte (!) Bilder des Schützen in den Nachrichten sah, war für mich zunächst klar: Islamistischer Terror! Entsprechend habe ich mich auf Facebook geäußert und musste zurück rudern. Offenbar kein islamistischer Hintergrund. So musste ich selbst Abbitte leisten, weil nicht auszuschließen ist, dass ich – in meinem kleinen Rahmen – zur Angst und Verunsicherung beigetragen habe. Manchmal ist es eben besser, sich erst mal zurück zu halten.

Killerspiele und Waffenrecht

Was aber dann passierte, verschlägt einem die Sprache: In den Medien wird der Täter je nach politischer Ausrichtung richtig als Ali S. oder politisch gefärbt David S. bezeichnet: Das eine liefert einen Hinweis auf den Migrationshintergrund, das andere nicht. Migrationshintergrund? Der Täter ist „Deutsch-Iraner“, eigentlich in Deutschland sozialisiert, mit psychischen Problemen. Manche berichten, er sei gemobbt worden, habe sich für den Amoklauf in Winnenden interessiert und Killerspiele am PC gespielt. Ein Schuft, wer das nicht für passend zur Argumentation hält, dass nichts mit nichts zu tun hat.

Und so gerät direkt das Waffenrecht in den Fokus: Dass der Täter von München mit einer illegalen Waffe geschossen hat, stört da nur als Argument. Ziel ist wohl – und das ist schon positiv gedacht – Handlungsfähigkeit zu beweisen. Die viel naheliegenderen Fragen jedoch, wie ein 18-jähriger Deutsch-Iraner mit psychischen Problemen eigentlich an eine illegale Waffe kommt, in welchen Kreisen so jemand unterwegs sein muss, welche sozialen Verstärker eine Rolle spielen – die werden nicht gestellt. Ich möchte gerne noch mal daran erinnern, dass Integration eine Mehrgenerationenaufgabe ist: Nur weil jemand deutscher Staatsbürger und/oder in Deutschland geboren ist, ist er noch lange nicht integriert. Das allerdings ist eine Diskussion, die angesichts weiter bestehenden Migrationsdrucks von der Politik lieber gemieden wird.

Kampf gegen rechts

Da lag ich also mit meiner ersten Einschätzung zum Killer von München daneben, wie nebenbei bemerkt viele andere auch, und lerne daraus, meinen Mund lieber nicht zu früh aufzumachen. Das heißt nicht, zu schweigen, aber Affekt-Postings bei Facebook taugen in der Regel nicht. Und da ich nicht von schnellen Reaktionen lebe – anders als hauptberufliche Journalisten – ist das auch höchstens ein Problem für meine eigene Eitelkeit, die gerne DEN Hammersatz zu einem bestimmten Geschehen raushauen würde, der überall geteilt wird.

Das allerdings dürften sich auch die hinter die Ohren schreiben, die nun das Glück auf ihrer Seite sehen und erneut zum Kampf gegen Rechts blasen. Opfer diesmal Dr. Maximilian Krah, Dresdner Anwalt und CDU-Kreisvorstandsbeisitzer, der kürzlich seine Kandidatur für den Bundestag angekündigt hat. Der, zufällig zum Zeitpunkt der Morde in München, postete zweifach: Erstens auf Facebook ein Bild mit Michael Klonovsky im Biergarten mit einem etwas zu launig geratenen Text, und zweitens einen Tweet mit dem Inhalt: „Ich bin in München. Das muss der Wendepunkt sein: Die Willkommenskultur ist tödlich. Es geht um unser Land!“

Zwischenzeitlich hat Dr. Krah eine Erläuterung dazu abgegeben, nutzen tut ihm die aber nichts mehr: Solche Texte verzeiht der politische Gegner nicht so schnell! Die Dresdner CDU distanzierte sich von ihm, die Jäger des angeblichen rechten Zeitgeists verbeißen sich weiter. Mit anderen Worten: Die Integrationspolitik steht vor einem Scherbenhaufen, aber Hauptsache, wir haben jemanden des rechten Gedankenguts „überführt“ und können so wunderbar vom eigentlichen Thema ablenken.

Reutlingen und Ansbach

Genug Nachrichten für ein Wochenende? Von wegen: In Reutlingen geht ein Mann mit einer Machete auf Passanten los, tötet eine schwangere Frau. Wieder heißt es, kein islamistischer oder kultureller Hintergrund, nur eine persönliche Streitigkeit. Von wie vielen Westeuropäern haben Sie in den letzten Jahren gehört, die mit Macheten auf andere Menschen losgehen? Kein kulturelles Problem? Und in der Nacht zum Montag der Anschlag von Ansbach. Bis auf den Täter zum Glück keine Toten. Aber wenn der Mann eine Eintrittskarte für das Festival gehabt hätte – nicht auszudenken, was sein mit scharfen Gegenständen ausgestatteter Sprengsatz alles angerichtet hätte.

Der Täter diesmal wie aus dem Lehrbuch des Rechtspopulisten: 27-jähriger Syrer, vor zwei Jahren in Deutschland angekommen, vor einem Jahr Asylantrag abgelehnt, trotzdem geduldet, in psychologischer Behandlung, polizeibekannt wegen anderer Vergehen. Wie kommt so jemand an Sprengstoff? Wieso ist so jemand überhaupt in unserem Land? Wieso sitzt so jemand nicht schon lange in Haft, vorzugsweise in seinem Heimatland? Sie meinen, das seien rechte Töne? Dann lesen Sie besser nicht weiter.

Schweigen ist Gold, Schreien auch

Für den gestrigen Montag hatte ich mir erst mal selbst Schweigen verordnet. Nicht noch einmal nach vorne preschen, emotional texten um nachher zurück rudern und den selbsternannten Kämpfern „gegen Rechts“ das Feld überlassen zu müssen. Ich muss nicht der erste mit einem Kommentar sein, und die Likes zu meinen kurzen Post „Okay, ich folge dem Rat meiner Frau und werde heute schweigen.“ lassen mich glauben, das Richtige getan zu haben. Emotionalität kann seinen Wert haben, aber hier – in München, Reutlingen und Ansbach, genau so wie in Stuttgart, Nizza oder Paris – geht es um Menschenleben. Und es geht um die weitere Entwicklung unserer Gesellschaft. Da sollte es erlaubt sein, auch mal den Mund zu halten um in sich zu gehen …

… um dann aber umso lauter zu schreien: Habt Ihr sie noch alle?! So geht es nicht weiter!

Rant Teil I: Phrasendrescher!

Ich kann die ganzen Betroffenheitsphrasen unserer Politiker nicht mehr hören, die mich belehren wollen, dass solche Anschläge nichts mit dem Islam, nicht mit der Herkunftskultur, nichts mit der Flüchtlingspolitik zu tun haben. Ich will von Volksvertretern und einer Regierung, die zulassen, dass tausende sogenannte Flüchtlinge (nicht vergessen, der aus Ansbach war keiner!) unregistriert in Deutschland leben, keine Tipps zur politischen Willensgestaltung hören. Ich zweifle wirklich am Verstand eines Innenministers, der nach einem sogenannten „Amoklauf“ mit einer illegal erworbenen Waffe schärfere Waffengesetze fordert.

Ich kann die Ausflüchte von Islamvertretern nicht mehr hören, die gebetsmühlenartig behaupten, islamistische Anschläge hätten nichts mit dem Islam zu tun. Natürlich sind nicht alle Muslime Gewalttäter, nicht mal ein Bruchteil von ihnen. Und trotzdem rekrutieren sich die Attentäter, die Freibadgrapscher und Macheten-schwingenden „in ihrer Familienehre Verletzten“ aus diesem Kulturraum. Nebenbei: Wer meint, der Islam könne Teil unserer christlich geprägten und (zumindest noch weitgehend) freiheitlichen westlichen Kultur sein, kann sich ja umschauen in der Welt, wie es in islamischen Ländern zugeht.

Oder zum Draufrumdenken ein wesentlicher Unterschied, der mir in vergangenen Wochen und Monaten zwischen Muslimen und Christen deutlich geworden ist: Muslimische Gelehrte und ihre Gläubigen diskutieren die Frage, inwieweit dem Mordaufruf ihres Propheten gegen Ungläubige, den sie für das unverfälschte Wort Gottes halten, zu folgen ist. Christen diskutieren, ob das Gebot der Feindesliebe soweit zu fassen ist, dass man sich notfalls auch von einem Feind töten lassen muss statt sich zu wehren und den Tod des Anderen in Kauf zu nehmen.

Und bei all dem haben wir einen Kanzlerin, die in ihren Stellungnahmen – wie im Münchner Fall – dem amerikanischen und französischen Präsidenten höflich den Vortritt lässt, bevor sie sich selbst ein paar Betroffenheitsphrasen abpressen lässt – nebenbei zu einer Zeit als zu ihrem Glück schon klar ist, dass es sich nicht um einen islamistischen Anschlag gehandelt hat. Pfui, Frau Bundeskanzlerin, schäbig wie sie mit ihren Landsleuten umgehen, denen zu dienen sie geschworen haben.

Rant Teil II: Verharmloser!

Und was ich vor allem nicht mehr hören kann, sind die ewigen Phrasen, man dürfe jetzt nicht den Rechtspopulisten das Feld überlassen. Ich bin kein Fan der AfD oder rechter Parteien, aber dieses Feld hat die aktuelle Politik selbst bestellt. Eine Politik des „freundlichen Gesichts“, wo doch bei aller Nächstenliebe gegenüber flüchtenden Menschen, auch Verantwortung angesagt gewesen wäre. Beschwichtigungsformeln mit dem Blick auf die Anschläge in Paris, Brüssel, Nizza … Wer mehr nicht zu bieten hat, soll sich spätestens jetzt, nach dem ersten Selbstmordanschlag in Deutschland, schnellstens aus dem Staub machen!

Und jetzt kommen sie also wieder um die Ecke: Die wirklichen Verharmloser, die das Waffenrecht in Deutschland verschärfen wollen, und damit – wenn überhaupt – nur erreichen, dass sich die Menschen noch schwerer werden verteidigen können, als bisher schon. Die, die meinen, mit einem Rucksackverbot bei Großveranstaltungen könnte man mehr tun, als unbescholtene Teilnehmer schikanieren. Natürlich ist hundertprozentige Sicherheit nicht garantierbar, und mit islamistischen Verrückten muss man immer rechnen. Aber das Problem war in Ansbach so wenig der Rucksack wie es in Nizza der Lastwagen oder in München die illegal erworbene Waffe war: Es sind Menschen, die Waffen nutzen um andere Menschen zu töten – das ist der Ansatz: Gemeinsamkeiten bei denen suchen, die für den Terror verantwortlich sind. Antworten? Vorschläge findet man unschwer in diesem Beitrag!

Oder die, die meinen, Angst sei ein schlechter Ratgeber, man solle sich besser nicht so viele Nachrichten anschauen (als ob man denen aus Deutschland, vor allem öffentlich-rechtliche, nach der Kölner Silvesternacht noch abnehmen würde, überhaupt alles unverfälscht zu berichten), und ansonsten Ruhe bewahren … Die Angst ist da, und sie wird nicht von den Rechten geschürt, nicht mal von den Islamisten, sondern von Politikerdarstellern, die meinen, mit unverholener Informationszurückhaltung „beruhigen“ zu können. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“ – Terroralarm in Hannover schon vergessen, Herr Innenminister?

„Unser Land hat sich verändert.“

Maximilian Krah schrieb auf seinem Blog als Erläuterung zu seinem Posting:

„Unser Land hat sich verändert. Angst hat sich breit gemacht. Angst im Zug, Angst im Schwimmbad, Angst, nachts allein durch die Straßen zu gehen. Unsere Art zu leben basiert auf dem Vertrauen in die Ungefährlichkeit des Anderen. Wir konnten uns immer darauf verlassen, dass diejenigen, die uns im Zug, im Freibad, in der Kneipe und auf der Straße begegnen, von sich aus dieselben Regeln respektieren und dieselben Werte teilen wie wir selbst. Diese Regeln waren zivil, die Werte liberal.

Diese Sicherheit ist dahin. Und sie ist auch dann dahin, wenn sich herausstellen sollte, dass der Anschlag von München anders als die 100 letzten ähnlicher Art keinen islamistischen, sondern einen persönlichen Hintergrund haben sollte. Die 100 islamistischen Anschläge haben uns die Ruhe und Gelassenheit genommen, diesen einhundert-ersten als das zu ertragen, was er möglicherweise und gegen allen ersten Anschein und gegen jede Wahrscheinlichkeit sein könnte: ein Einzelfall.“

Recht hat er. Nun stellt sich aber die Frage, was die Konsequenz sein muss. Als katholischer Blogger kommt mir als erstes das Beten in den Sinn. Die meisten meiner selbstgestrickten und gescheiterten Lösungen für Probleme, die mich betreffen, kranken am Mangel an Vertrauen in Gott. Er muss im Zentrum stehen, ihn dürfen wir fragen, wir können mit ihm diskutieren, um Einsicht bitten. Das muss für einen Christen die Basis sein.

Aber wir sind uns wohl einig, dass wir damit nicht die Hände in den Schoß legen können. Gebet, Betrachtung und Einsicht müssen in Handlungen münden. Und veränderte Rahmenbedingungen erfordern im Zweifel auch verändertes Handeln.

Reden

Und da wird es kompliziert, beim Einzelnen macht sich mitunter Hilflosigkeit breit. Kommunizieren hilft natürlich, Missstände ansprechen: Offene Grenzen? Eine unbekannte Zahl nicht registrierter „Flüchtlinge“ im Land? Das verharmlosende „Der Islam gehört zu Deutschland“ als Staatsdoktrin? Rücksicht auf Täter statt auf tatsächliche und potenzielle Opfer? Kampf gegen Rechts als Reaktion auf islamistischen Terror? Wer hier nicht mehr widerspricht, macht sich mitschuldig am Terror, mitschuldig an der Angst, von der viele nicht mal mehr wissen, wie sie sie artikulieren sollen ohne in ein politisch zweifelhaftes Licht gerückt zu werden.

Man wird diejenigen, die Missstände ansprechen weiterhin als Populisten oder „neue Rechte“ diffamieren. Unser sogenannter Justizminister gibt sich alle Mühe, diese Treiben den Anstrich der Rechtsstaatlichkeit zu geben. Aber ich möchte meinen Kindern nicht irgendwann erzählen müssen, ich hätte einfach klein beigegeben. Und kommunizieren kann man überall: Leserbriefe, Kommentare in sozialen Medien, Anfragen an Politiker … die Verharmloser und Beschwichtiger, die im Hintergrund Verantwortlichen für die Verunsicherung, dürfen keine ruhige Minute mehr haben.

Handeln im Notfall

Beim Handeln wird es in einem Rechtsstaat schon schwieriger. Niemand kann wollen, dass jeder das vermeintliche Recht in seine Hand nimmt. Aber natürlich gibt es in konkreten Situationen Möglichkeiten zum Handeln: Der BMW-Fahrer, der den Mörder von Reutlingen von den Füßen geholt hat – das ist ein Held. Der Mann, der (nach einzelnen Berichten) auf den Killer von München vom Balkon aus eine Bierflasche geworfen hat – schade, dass er nicht getroffen hat. Wenn in konkreten Bedrohungssituationen Flucht nicht möglich oder mit Rücksicht auf andere Menschen nicht angesagt ist, dann ist Gegenwehr notwendig.

Verhältnismäßigkeit ist wichtig, aber wenn ich ehrlich bin: Erste Priorität muss doch haben, den oder die Täter zu stoppen. Jemand wie der Angreifer in Stuttgart sollte sich darüber im Klaren sein, dass sein Tod immer noch das kleinere Übel ist als noch mehr Opfer. Die Täter müssen wissen, dass es um ihr Leben gegen das der möglichen Opfer geht. Wenn ich mich anstrenge, kann ich für Islamisten beten, ihren Tod zu beklagen gelingt mir nicht, wenn dafür Menschen gerettet werden.

Politisches Handeln

Ich finde zwar das Argument einigermaßen hanebüchen, dass man in Deutschland immer noch eher von einem Auto überfahren als Opfer eines terroristischen Anschlags wird (das eine ein Unfall, bei dem man zumindest Vorkehrungen treffen kann, das andere ein bewusst herbeigeführtes, unkalkulierbares Ereignis), aber wahr ist: Die Wahrscheinlichkeit, ein Opfer eines islamistischen Anschlags in Deutschland zu werden, ist recht gering. Umso wichtiger ist, dafür zu sorgen, dass das so bleibt. Und neben der Möglichkeit, das Risiko für den Einzeltäter unkalkulierbar zu machen, gehört dazu die politische Arbeit: Ich spreche keine Wahlempfehlung aus, aber der ausgewogene Umgang mit Freiheit und Sicherheit muss tatsächlich DAS entscheidende Wahlkampfthema 2017 werden.

Selbst in einer Partei aktiv werden? Kann man, wenn man mag, die Zeit und das Durchhaltevermögen dazu hat, sich auch im politischen Kleinklein zurecht zu finden. Oder aber eben durch Schreiben, Proteste, Eingaben etc. Einfluss auf Parteien nehmen. In Tübingen gibt es mit Boris Palmer einen grünen Oberbürgermeister, der sich die Sorgen seiner Bürger im Hinblick auf Migration und Flüchtlingskrise zu Herzen nimmt. Innerparteilich wird er dafür natürlich hart angegriffen. Umso wichtiger, einem solchen Politiker in diesem Thema den Rücken zu stärken, wenn man auch sonst mit seiner Politik und Partei nicht einverstanden sein mag. Die Vernunft sollte sich nicht durch Parteigrenzen einhegen lassen.

Und natürlich das demokratische Mittel der Wahl: „Wählen gehen!“ Ich bin selbst weit davon entfernt, die Demokratie zu einem Gott zu erheben, den manche aus ihr machen wollen. Aber wer die demokratischen Mittel nicht selbst ausschöpft, sollte sich über demokratische Ergebnisse auch nicht beschweren.

Informieren

Als letzten aber nicht unwichtigsten Punkt der Veränderungen noch ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt: Die Information. Wer sich in den letzten Tagen und Wochen auf den zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk verlassen hat, sah sich verlassen. Deutsche Nachrichtensender, die den Schützen aus München – wohlgemerkt mit der gut zu erkennenden Pistole in der Hand – mit Hinweis auf dessen Persönlichkeitsrechte nur verpixelt darstellen, schüren berechtigtes Misstrauen. Darum ist es notwendig, auch andere Informationsquellen zu nutzen … sie aber nebenbei genau so kritisch zu bewerten, wie die „Standardsender“.

Informationen sammeln, vergleichen, bewerten, darüber auch beten, und die Ergebnisse in Handeln münden lassen: So funktioniert eine Zivilgesellschaft. Und jeder, wirklich jeder, der sich dem in den Weg stellt, das heißt die Information behindert oder verfälscht, die Bewertung in politisch opportune Bahnen leiten will, rechtsstaatliches Handeln einzelner Personen als „rechts“ oder sonstwie politisch verunglimpft und dadurch zu unterbinden sucht, ist ein Feind einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Wenn man mal kurz darüber nachdenkt, wen das alles einschließt, kann einem Angst und Bange werden …

Einen Tag geschwiegen …

Ich bin also dem Rat meiner Frau gefolgt, und habe einen Tag lang nichts zum Thema der vergangenen Anschläge und Attacken geschrieben. Heraus gekommen ist ein umso längerer Beitrag – wer viel Zeit hat zum Überlegen, dem fallen eben auch mehr Dinge ein. Ob sich die Atempause gelohnt hat? Jedenfalls glaube ich, dass es gut ist, mein Gemüt erst mal zu beruhigen, bevor ich etwas schreibe. Dann aber – und das ist entscheidend – muss jeder, auf welche Art auch immer, Position beziehen. Was in diesem Land passiert, geht uns alle an, auch wenn man (noch) nicht direkt betroffen ist. Ich kann damit leben, wenn jemand – gerade aus einer christlichen Position heraus – meinen Schlüssen widerspricht. Aber raushalten geht nicht: Der Terror ist in Deutschland angekommen. Schweigen ist feige!

Autor: Felix Honekamp