Herzerwärmend: Von Lichtern und St. Martin

Martinsumzüge und Weihnachtsmärkte in der dunklen und kalten Jahreszeit wärmen das Herz. Schon längst hat der Sozialstaat den Hl. Martin überflüssig gemacht. Bettler gehen in die Kleiderkammer nicht zum Bundeswehroffizier, wenn sie frieren. Weihnachten ist längst ein Hochfest des Kommerz. Die Geburt des Kindes in der Krippe von Bethlehem ruft allenfalls noch das Jugendamt auf den Plan.

In der Tat sind ja nur noch eine Minderheit der Menschen in Deutschland bekennende und praktizierende Christen. Da ist die Botschaft einen heiligen Bischofs und Einsiedlers oder eben auch die Weihnachtsbotschaft, dass Gott Mensch geworden ist, keine Nachricht mehr. Aber wir sind gute Menschen, deshalb ist ja Martin den kleinen Kindern ein Vorbild. Und wir sind Romantiker, deshalb ist die Weihnachtsfeier – beginnend irgendwann Mitte November – so herzerwärmend.

Christlichen Feste sind keineswegs harmlos

Manche jedoch sind klüger als andere und wissen darum, dass diese christlichen Feste keinesfalls so harmlos sind, wie die Romantik uns glauben machen möchte. Martin teilte seinen Mantel mit dem frierenden Bettler, weil Armut eine Wirklichkeit ist. Gott wurde Mensch, weil der Mensch der Erlösung bedarf. Das darf nicht sein! Der Sozialstaat löst die Armut und der moderne Mensch hat gefälligst gut zu sein. Selbst in Kirchen wird das gepredigt. Unter dem Mantel der Toleranz, der übrigens nicht geteilt werden darf, bekämpft man nicht nur die Namen der Feste sondern auch deren Inhalte.

Aus dem Fest des Heiligen Martin von Tours wird eine Sonne, Mond und Sterne- Fest. Aus dem Weihnachtsmarkt wird zuweilen ein Lichtermarkt, wie z.B. in Elmshorn. Andere Orte finden andere vermeintlich neutrale Namen. Nun muss man, um der Wahrheit Ehre zu geben, ja zugeben, dass gerade konservative Katholiken mit dem Begriff Weihnachtsmarkt durchaus fremdeln. Gar nicht mal so sehr, weil Weihnachten ja noch gar nicht begonnen hat, ja nicht einmal der Advent wäre auch nur schon in der Nähe. Allenthalben hört man in diesem Jahr von einem kurzen Advent. Nein, er beträgt vier Sonntage, wie in jedem Jahr, die symbolisch für 4000 Jahre Wartezeit auf den Erlöser der Welt stehen. Und ja, er hat ein paar weniger Tage für die Weihnachtseinkäufe, aber allem Kommerzgerede zum Trotz „Jesus is the reason for the season!“. Mit diesem Motto gingen vor ein paar Jahren vor allem amerikanische junge Christen gegen den überbordenden Kommerz zu Weihnachten vor.

Sie wissen nicht, was sie tun

Die religiöse Basis für die Feste ist, wie oben gesehen, längst weggebrochen. Nun beginnt zu Bröckeln, was an kulturellen Derivaten aus dem Glauben hervorgegangen ist und lange Zeit so reiche Früchte für unsere Gesellschaft getragen hat. Das nämlich ist der Kern des Problems, mit dem wir derzeit zu kämpfen haben und das uns Allerheiligen kostet und Halloween beschert. Ein Phänomen, das uns St. Martin verleidet, aber auf Laternenumzüge nicht verzichten will. Einen schönen Laternenumzug macht hier vor Ort der evangelische Kindergarten. Die feiern einen Heiligen! Vor wenigen Jahren noch hätte man vom Oberkirchenrat noch eine strenge Rüge für derart papistische Umtriebe bekommen. Sie wissen nicht, was sie tun. Weihnachten wird aus Gründen der Toleranz zum Lichterfest. Das Kind in der Krippe stört die Toleranten ebenso wie es den Kommerz stört.

Was noch nicht auffällt, ist die Leere, die aus dem Wegbrechen der Kultur entsteht. Es ist ein Irrtum zu glauben, man könne kulturellem Handeln einfach einen neuen Namen verpassen und den Kern ignorieren. Das vom Kern befreite Fest wird ein kurzes Eigenleben entwickeln, und dann an seiner eigenen Sinnlosigkeit zerbrechen. Schon jetzt will man den vierten Sonntag im Advent die Geschäfte öffnen, weil der Advent so kurz ist. Bald werden wir darüber diskutieren, warum wir am ersten Weihnachtstag nicht mit der Familie einkaufen gehen können. Da kann man sich die Geschenke doch direkt aussuchen.

Es wird ein Vakuum entstehen

Wir werden bei fortschreitender Entwickelung unsere Kultur so weit aushöhlen, dass am Ende nichts mehr davon übrig bleibt. Dann, wenn dieses Vakuum entstanden ist, kommt es zum Schwur. Wer oder was wird in ein bis zwei Generationen bereit stehen, dieses religiöse und kulturelle Vakuum zu füllen? Denn dass sich dieses Vakuum füllen wird, daran besteht kein Zweifel.

Autor: Peter Winnemöller

„Freiheit“ ist Toleranzfähigkeit gegenüber Andersdenkenden

Bitte distanzieren Sie sich erst einmal! Egal wovon, von irgendetwas ganz gruseligem, wie der jüngst in den Bundestag eingezogenen Partei. Im Diskurs erlebe ich das in jüngster Zeit öfter. Es ist ein gängiges Muster in den Sozialen Medien. Immer dann, wenn ein Konservativer auf einen (zumeist) Linksliberalen trifft.

Das Motiv dahinter ist im Grunde ganz einfach. Man geht nicht auf Argumente pro oder contra ein, sondern ist bemüht, den Gesprächspartner zu diskreditieren. Der wiederum hat den Schwarzen Peter doch erst einmal beweisen zu müssen, daß er diskursberechtigt ist.

Wenn die „falsche Person“ etwas sagt …

Es geht dann sehr schnell nicht mehr darum, ob z.B. Gendermainstreaming sinnvoll ist oder nicht. Kern der Unterhaltung ist sehr schnell, ob denn dieser oder jener, der die Haltung auch vertritt nicht gar rechtsextrem ist. Das Denkverbot ergibt sich nicht aus dem Gedanken an sich, sondern daraus, wer noch so denkt.

In der Tat ist es ja so, daß AfD, Identitäre und andere durchaus Ansichten vertreten, die dem Grunde nach originär Konservativ sind. So manch ein gruseliger Nationalist, Rassist oder Sexist vertritt zuweilen in anderen Bereichen durchaus aus als sinnvoll zu bezeichnende Positionen. Nun ist es allerdings wenig sinnvoll zu behaupten, Lebensrecht für alle Menschen sei eine rechte Position, nur weil rechtsextrem denkende Protagonisten zuweilen gegen Abtreibung sind. Doch genau das passiert. Du bist gegen Abtreibung? Die AfD ist auch gegen Abtreibung! Distanzier Dich erst mal von der AfD! Dann muß man nicht mehr über Abtreibung reden.

… dann „darf“ selbst „das Korrekte“ nicht „richtig“ sein.

Der tiefere Sinn ist tatsächlich eine von Linken immer häufiger angewandte Strategie der Diskursverweigerung. Mehr und mehr Menschen erkennen, daß linke Welt- und Gesellschaftsmodelle nicht funktionieren. Sie haben noch nie funktioniert und sie werden nicht funktionieren. Doch da gilt es Pfründe zu verteidigen. Allein in Deutschland gibt es um die 200 Genderlehrstühle. Man entzieht sich bislang erfolgreich einer neutralen Evaluierung, was natürlich völlig unwissenschaftlich ist. Gender hat bislang noch eine linke Politmacht im Rücken. Gender ist tief in die öffentliche Verwaltung eingedrungen und hält in Form eine Aufklärung zu Diversität in allen Schulfächern munter Einzug in die Schule. Doch es regt sich Widerstand. Die meisten Menschen in unserem Land denken bürgerlich, das ist zu unterscheiden von konservativ, aber die Überschneidungen sind weitaus größer als gedacht. Gegen diesen Widerstand wütet eine linke Diskursverweigerung. Alles was nach rechts riecht, wird aus dem Diskurs gekegelt.

Weisen Sie doch erst mal nach, daß Sie nicht AfD sind! Zack, Ende, fertig!

Die verführerische Leichtigkeit der Ausgrenzung

Der Widerstand aus der Mitte verschwindet nicht, er verstummt. Und er weckt Schläfer an den Enden der politischen Extreme. Wo in der Mitte der Gesellschaft nicht mehr die Debatte um den richtigen Weg geführt werden darf, verlagert sich die Debatte nach außen. Wo in der Mitte die Freiheit nicht verteidigt wird, da fällt sich rechten oder linken Extremen zum Opfer.

Es ist schon eine Einschränkung der Freiheit, wenn wissenschaftliches Arbeiten in jedem nur denkbaren Fach die sogenannte Genderperspektive zu berücksichtigen hat. Spätestens hier sollte jedem Auffallen, daß Gendermainstreaming ein Widergänger des Dialektischen Materialismus ist. Wenn es Studenten und Dozenten nicht mehr können, braucht es vielleicht die Stimme eines Kindes, den nackten Kaiser zu entlarven. Es gibt Jungen und es gibt Mädchen. Und die unterscheiden sich voneinander. Das ist alles.

Derzeitige Diskurshegemone unterdrücken den freien Austausch der Gedanken

Mehr und mehr tritt das gefährliche Schweigen ein. Hinter vorgehaltener Hand im Wohnzimmer – bei abgeschalteter Alexa – wenn man unter Freunden ist, wird Tacheles geredet. Ansonsten spricht man mit Disclaimern oder windet sich diplomatisch. Ein falsches Wort kann das berufliche Aus bedeuten.

Es ist demgegenüber gerade das Kennzeichen einer freien Gesellschaft, immer und überall frei reden zu dürfen. Mache sich jeder klar, wie sehr der Grad unserer Freiheit schon eingeschränkt ist, wenn man bei fast jedem Satz nachdenken muß, ob man nicht irgendetwas einschränken muß.

Zwischenmenschlicher Umgang gegen ideologische Ausgrenzung

Es ist Zeit, das offene Wort zu suchen und wieder ohne Disclaimer auszusprechen. Und es ist Zeit, mit dem örtlichen AfD- Abgeordneten auch dann auf dem Weihnachtsmarkt einen Glühwein zu trinken, wenn man seine Ansichten zutiefst verabscheut.

Wer mir eine der Freiheit feindliche Gesinnung unterstellen will, der ist in der Beweispflicht. Nicht ich muß nachweisen, mit wem ich rede, um im Diskurs zu bleiben.

So geht Freiheit.

Autor: Peter Winnemöller

Reformation – ein Nachklapp

Es ist vorbei! 500 Jahre Reformation sind erfolgreich bewältigt. Gab es denn überhaupt einen Grund zu feiern? Wohl eher nicht. Wurde überhaupt ordentlich gefeiert? Auch das war eher Fehlanzeige. Nach dem Kirchentag in Berlin war die Luft raus. Nur noch ein dünnes Luthersäuseln hier und da. Eher war man katholischerseits damit beschäftigt, sich je nach Anschauung ökumenisch anzubiedern oder vor selbigem zu warnen.

An der einen oder anderen Stelle gab es den Wunsch nach einem gemeinsamen Christusfest. Aber sorry, Christusfest? Die Kirche feiert ein ganzes Kirchenjahr lang Christus. Vom ersten Advent bis Christkönig ist jeder Sonntag ein Christusfest. Darum ordnet sich ein Festjahr, das in seiner Gesamtheit, egal ob Marien-, Heiligen- oder Herrenfest auf Christus hinweist.

Nett gemeint …

Evangelischerseits mag die Einladung nett gemeint sein. Die einzelne Gemeinde mag sich in die Pflicht genommen gefühlt haben, doch unterm Strich war das doch reiner Popuilismus.

Die Reformation, die hier großartig zu feiern vorgegeben wurde, hat unterm Strich Trennung, Streit und Krieg gebracht. Mit dem 30-jährigen Krieg fand das seinen Höhepunkt. Dieser zog wie ein andauernder Orkan über unser Land und brachte Verwüstung, Tod und Terror im Namen der Religion. Was gibt es da zu feiern?

Instinktiv haben viele wohl gemerkt, daß es wenig Grund zu feiern gibt. Allenfalls romantisch zu nennen sind Träume von einem gemeinsamen Abendmahl ohne gemeinsames Amt. Förmlich zerschellt sind die Träume von einem Papstbesuch zum Reformationstag in Deutschland. Der Papst war zu Besuch beim lutherischen Weltbund. Die EKD – die evangelische Kirche in Luthers Heimat – ist da nicht Mitglied. Das sagt auch was.

Ökumene in Deutschland? Werbeschauspiel …

Es nützt auch nicht wirklich etwas, im Sinne der Einheit im Glauben, wenn Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm publikumswirksam zusammen durch Jerusalem flanieren und auch sonst auf Harmonie machen. Es ist gut, wenn der DBK- Vorsitzende und der EKD- Vorsitzende sich persönlich gut verstehen. Persönliche Sympathie und räumliche Nähe der Wirkungsorte verkürzen so manchen Weg, der sonst wesentlich länger wäre. Doch in Wahrheit ist Ökumene in Deutschland vor allem PR. Als wäre ins Sachen Einheit etwas machbar.

Die Einheit im Glauben, die zu einer Einheit der Kirche führt, ist ein Geschenk des Heiligen Geistes. Das erkennt man an der Rückkehr eines Teils der Anglikaner in die Kirche. Das sieht man an der immer konkreter werdenden Chance der Piusbruderschaft eine Personalprälatur zu werden. Die Einheit ist ein Wesensmerkmal der Kirche. Darum kann es nur eine Form der echten Ökumene geben: Die freie Rückkehr in die Einheit. Aspekte wie „versöhnte Verschiedenheit“ sind keine Einheit und auch keine echte Option für die Kirche. Eine friedliche Koexistens ist politisch. Das ist keine Existenz in der Wahrheit.

Einheit ohne Wahrheit geht nicht

500 Jahre nach der Reformation mögen viele Wunden verheilt sein und man kann gut miteinander reden. Das sollte niemand geringschätzen. Doch in gleicher Weise sollte sich niemand Illusionen machen. Eine Einheit ohne Wahrheit wird es nicht geben. Am Ende zerschellen Populismus und Wunschdenken an dieser einfachen Wirklichkeit.

Es ist gut, daß das Feiern und Gedenken nun ein Ende hat.

An vielen Stellen in der Kirche und ganz besonders im Rat für die Einheit der Christen im Vatikan wird ganz still und sehr, sehr intensiv Ökumene betrieben. Das ist Schwerstarbeit und ein Monsterwerk an Kommunikation. Im Gegensatz zu dem, was sich der deutsche Michel denkt, ist Ökumene ein weltkirchliches Thema. Die EKD ist da gerade mal eine Fußnote.

Ökumenisch: der Buß- und Bettag

Und wenn es wieder einen evanglischen Feiertag in Deutschland geben soll, dann streitet doch bitte für den Buß- und Bettag, denn da kann ein Katholik ganz ökumenisch mitgehen. Der Reformationstag ist kein Tag der Versöhnung und wahrlich kein Tag für ein Fest.

Autor: Peter Winnemöller

Sternstunden bei den Grün*Innen

Es ist endlich soweit, die Partei des grünen Fortschritts will Vorreiter*In werden und auf ihrem Parteitag eine einheitliche, gendersensible Schreibweise für die eigenen Schriftstücke beschließen. War ja auch bislang mühsam bei den Damen und HerrInnen Grünen. Die einen benutzen in ihren Anträgen Unterstriche um die Männ_Innen und die weiblichen Freundinnen von Anton Hofreiter sprachlich zu kennzeichnen, die anderen nur das große Binnen-I für die StraßenreinigerInnen. Wieder andere nutzten die Doppelschreibweise für Sprachmörderinnen und Sprachmörder und dann gab es auch noch die Verweigerer, die bislang in schnödem Duden-Deutsch schrieben.

151118autorenkarte_birgitJetzt wird alles besser, und vor allem einheitlich. Wir sind in Deutschland, da geht doch nichts über eine klare Regelung. Aber jeder bitte nur einen Stern! Denn auch wenn man doch eigentlich eine bunte Partei sein will, bricht sich der Drang zum einheitlichen Drangsalieren bei den Grün*Innen doch immer wieder freie Bahn. Das ist beim versuchten Veggie-Day nicht anders, als bei der bundesweiten Raucherjagd, warum also nicht auch in der Sprache?

Auf dem Parteitag in Halle, soll laut Meldung des Magazins Der Spiegel der sogenannte „Gender*Star“ ganz groß rauskommen, um dann Einheit und Ruhe in den sprachlichen Gender-Trouble zu bringen. Warum es nicht ein deutscher Gender-Stern sein kann, weiß ich zwar nicht, nehme aber an, dass die Formulierung in der englischen Sprache weitere Modernität im global ausgerichteten Marsch Richtung Regenbogen darstellen soll. Zwar sind die Grünen sonst immer ein bisschen kritisch in Sachen Globalisierung, hier will man aber den weltoffenen Anschluss offenbar nicht verpassen. Möglicherweise soll auch eine Verwechslung mit dem deutschen Mercedes-Stern als Symbol von Konsumdenken und Kapitalismus bei den Grün*Innen vermieden werden.

Oder heißt es jetzt gar die Grünenden, analog zu den Studierenden und Demonstrierenden, und Rad Fahrenden, die uns neuerdings überall zufußgehend begegnen? Zumindest laut Leitfaden des grünen Bundesvorstandes, sind solche Formulierungen gern gesehen. Wenn der gendersensible Grünende also am Ampelweibchen-Übergang steht, ist er als an der Ampel Stehender Zufußgehender am korrektesten beschrieben. Selbst wenn die Apel gar nicht grün, sondern rot ist.

Ein wahrer Sternenregen wird das also zukünftig in den parteiinternen Dokumenten der Grün*Innen werden. Wobei zu befürchten ist, dass damit das Ende der sprachlich korrekten Fahnenstange noch lange nicht erreicht sein wird. Warum nur Parteidokumente mit sexuell vielfältigen Sternchen versehen, wenn man einen ganzen Sprachraum begrünen kann?

Die neuen Bildungsplan-Entwürfe im grün-rot-regierten Baden-Württemberg schlagen schließlich vor, dass zukünftig auch alle Schüler, oder heißt es jetzt Lernende,  im Rahmen des Deutschunterrichtes die gendersensible Sprache kennen lernen sollen. Nicht geklärt ist bislang, ob dann dort noch die lustigen A- und X-Endungen des AK-Sprachhandeln an der Berliner Humboldt-Universität, der Gender_Gap oder die finalgrüne Sternchenvariante unterrichtet werden sollen, schließlich bastelt sich derzeit jeder Gender-Experte eigene Schreibweisen, was die Initiative auf dem grünen Parteitag erst nötig macht. Sicher gestellt wäre damit aber auf jeden Fall, dass das Beharren von Schüler*innen auf dudendeutsche Grammatik beim Verfassen der Hausaufgaben, deren homophobe und transphobe Gesinnung eindeutig outet, und es deutlich leichter werden wird, die Guten und die Bösen in der Klasse zu identifizieren.

Eines ist klar: Es grünt ziemlich grün, wenn Deutschland Sprachblüten blühen. Wenn die Abstimmenden ihr „ja“ zum Gender*Star gegeben haben, könnte somit der Tag des Parteitagsbeschlusses auch als gendersensibler Sternschnuppentag parteiintern jährlich neu begangen werden. Kinder könnten den Sternschnuppen-Tanz vorführen und gleichzeitig ihr Geschlecht tanzen. Die Regenbogenfähnchen können mit Sternchen beklebt werden. Gitarrenklänge untermalen den Ausklang bei lecker Bionade und Tofu-Wrap. Man könnte es aber auch als den Tag begehen, an dem die Grün*Innen ihre Gehirnwindungen final ins All katapultiert haben.

Willkommen im Babysitterstaat

Noch immer brodelt die Gerüchteküche um das abgesagte Fußballspiel zwischen den Niederlanden und Deutschland. Nach wie vor ist die Frage ungeklärt, ob ein Sprengsatz gefunden wurde oder nicht. Manche Zeitungen melden es heute nach wie vor. Bereits gestern ging diese Meldung durchs Netz. In einem Rettungswagen sei ein Sprengsatz gefunden worden. Weitere Meldungen sprechen davon, daß ein „Gefährder“ in der Nähe des Stadions gesehen worden sei. Alles bleibt im Unklaren. Nichts genaues weiß man nicht.

Für Ermittlungen hat jeder Verständnis

Das ist insofern kein Problem, da die Ermittler zunächst einmal ihre Arbeit tun müssen. Dafür hat jeder Verständnis. Gar kein Verständnis mag man jedoch dafür aufbringen, wenn sich der Bundesinnenminister in onkelhaft betulichen Formulierungen ergeht. „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“, ließ Thomas de Maizière auf der Pressekonferenz vernehmen. Das bedeutet, es gibt konkrete Informationen, die der Bundesregierung vorliegen. Die Bundesregierung hält diese Informationen vor der Bevölkerung zurück, um sie nicht zu verunsichern.

Man fragt sich allen Ernstes, was denn noch passieren muß, um die Bevölkerung eines Landes zu verunsichern. Da wird ein Länderspiel abgesagt und eine Großstadt komplett in den Ausnahmezustand versetzt, aber der Bundesinnenminister will die Bevölkerung nicht verunsichern. Man könnte eine Satire daraus machen.
Klar ist, daß keine Informationen an die Öffentlichkeit gelangen dürfen, die einen eventuellen Fahndungserfolg in Frage stellen oder einen Informanten gefährden könnten. Aber die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, welches Ausmaß die Gefährdung wirklich hatte und vielleicht noch hat. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, ob gestern Abend in Hannover einem Verantwortlichen nur die Nerven durchgegangen sind oder ob und welche konkrete Gefährdung wirklich vorgelegen hat.

Das trägt nicht zur Verunsicherung bei

Das trägt nicht zur Verunsicherung bei. Das schafft Klarheit.
Nichts verunsichert die Menschen mehr als mangelndes Vertrauen in Sicherheitskräfte und Regierung. Einer „Wir-schaffen-das-Rhetorik“ mag einfach niemand mehr aufsitzen. Eine Muttikanzlerin und ihre Onkelminister verunsichern die Bevölkerung mit ihrer Babysitterinformationspolitik. Denn nach Onkel Thomas‘ Märchenstunde könnte man einmal mehr die Frage stellen, ob die Regierung nicht doch schon längst die Kontrolle verloren hat. Und das kann einen schon verunsichern.

Autor: Peter Winnemöller

Den Flüchtlingen eine Neue Heimat?

Niemand will die Fehler der 70er wiederholen. Wir machen zwar das gleiche, aber diesmal machen wir die Fehler besser. So ungefähr lassen sich die erklärten Ziele der nordrheinwestfälischen Landesregierung (NRW) zusammenfassen. Wohnraum für die Flüchtlinge wird gebraucht. Sehr viel Wohnraum sogar: ca. 120.000 neue Wohnungen in kurzer Zeit. Das kostet Geld und benötigt kurze Entscheidungswege. Beides will die Regierung bereitstellen. Sie setzt auf große Baumaßnahmen, große Investitionen, verringerte Anforderungen an die Bauten und höhere Häuser. Die Politik vertraut da auf innovative Architekturbüros, die klargemacht hätten: „Ein gut geführtes Hochhaus ist ein Dorf in der Vertikalen.“ Ein Irrtum: Es wird falsch investierter Aufwand sein.

In den 70ern gab es eine architektonische Vision von vielen Menschen, die auf geringem Raum in gut gepflegten Hochhäusern in intensiver Gemeinschaft zusammenleben. Günstige Kosten, kurze Wege, enge Nachbarschaft und gute Wohnqualität wollte man so erreichen. In der Theorie haben auch damals alle Voraussetzungen gepasst. Das bekannte Resultat waren jedoch anonyme Viertel, die von riesigen Firmen oft schlecht verwaltet wurden (und werden). Bald war die niedrige Miete der einzige Grund, sie zu bewohnen. Als eine Kapitalobjekte wurden sie so immer uninteressanter. Das wiederum führte zu einem Sanierungs- und Investitionsstau, da sich die Kosten dafür nicht tragen. Stattdessen wurden sie immer wieder verkauft, was die Mieter zusätzlich verunsicherte. Wer es konnte, verließ diese Wohnungen. So entwickelten sie sich immer problematischer und wurden inzwischen großenteils abgerissen, weil sie zu sozialen Brennpunkten mutierten. Warum sollte das plötzlich anders sein?

Geschichte wiederholt sich, die Folgen sind bekannt

Die Geschichte wiederholt sich: Die geplanten Maßnahmen fördern vor allem Großprojekte von Großinvestoren. Die Folgen werden die bekannten sein. Hochhaussiedlungen, die in erster Linie von Zuwanderern ohne Geld bewohnt werden und eine (extra dafür zugelassene!) schlechtere Bausubstanz haben, taugen nicht als ernst gemeinte und langfristige Investition. Sie werfen keinen Gewinn ab, werden jedoch künftig hohe Sanierungskosten produzieren, wenn man sie später einmal an normale Baustandards anpassen möchte. Tut man das nicht,entstehen wieder dauerhaft zweitklassige Quartiere, deren Bewohner eher aus prekären Milieus stammen werden. Die Maßnahmen fördern Wohnungsbau als Spekulationsobjekt. Das einzig interessante ist, die Bauten abzuschreiben und dann an jemanden zu verkaufen, der noch irgendwie Geld herausholen kann. Am Ende steht die öffentliche Hand: Das Land und damit die Steuerzahler werden letztlich die Kosten tragen. Und die werden hoch sei! (Straßen-und Brückensanierung im Land zeigen derzeit, wie es in der Politik um die Einschätzung von Folgekosten bestellt ist.) Die Gleichung „sozial“ = „von geringer Qualität, zentral verwaltet und daher billig“ geht letztlich nicht auf. Dazu kommt die soziale Problematik: Siedlungen von Flüchtlingen, die unter sich bleiben, haben mit der dringend notwendigen Integration nichts zu tun.

Wir brauchen keine Massenunterkünfte in schlechter Qualität. Was wir brauchen, ist ein Ansatz, der zugleich die Qualität der Bausubstanz im Land und die dezentrale Integration der Wohnungssuchenden ins normale Wohnumfeld fördert. Der nicht Großinvestitoren mit Interesse an schnellem Profit auf den Plan lockt, sondern Privatleute und kleine Unternehmer. Denn die haben am Erhalt ihrer Häuser langfristig Interesse, da sie von ihnen leben. Warum werden nicht zumindest mit einem Teil des Geldes Hausbesitzer massiv bei Sanierungen und Ausbauten unterstützt? Im Gegenzug bekommt das Land für eine längere Zeit Zugriff auf einige Wohnungen, zahlt geringe Mieten und hat das Recht, sie zu belegen. Eine Maßnahme, die für viele interessant wäre, die sich anstehende oder gewünschte Arbeiten derzeit nicht leisten können. So könnte für viele Menschen dezentral Wohnraum zur Verfügung gestellt werden, was die Integration fördert und soziale Brennpunkte verhindert.

Das Modell fördert die regionale Wirtschaft

Die Bausubstanz wäre verbessert, nicht im Standard gesenkt, was Folgekosten minimiert. Zumindest ein Teil des zusätzlichen Wohnungsbedarfs wäre so aus dem sozialen Sektor herausgeholt, weil sich ein Teil der Unterbringung (was ein furchtbares Wort!) auf dem normalen Wohnungsmarkt abspielt. Der bekäme zudem durch zusätzlichen Bedarf einen Schub. So wäre zumindest Teil der Großmaßnahmen durch viele kleine Einzelmaßnahmen ersetzt, was regional tätigen Firmen zugute kommt, die ansonsten bei Mammutprojekten regelmäßig außen vor bleiben. Und vielleicht der wichtigste Vorteil: Die Problemstellung würde mit den Menschen vor Ort gelöst und nicht gegen sie. Zu erwartender Widerstand der Bevölkerung gegen derartige Projekte ist der Politik bewusst, denn auch von geringeren Möglichkeiten des Einspruchs ist schon die Rede gewesen.

Ich wünsche der Politik Weitsicht und die Fähigkeit, aus schon einmal gemachten Fehlern zu lernen. Und ich wünsche der Politik den Mut, mit ihren Bürgern zusammen zu arbeiten und auf sie zu vertrauen, anstatt sie als Gegner einzuplanen.

Autor: Bastian Volkamer