Rechte Heiden

Erinnern Sie sich noch? Asterix. Da gab es diesen Druiden, Miraculix, der bei aufkommenden Gefahren angesichts der römischen Besatzer einen Zaubertrank zusammenbraute, den alle Dorfbewohner vor dem Kampf tranken (außer Obelix, der als Kind in einen Kessel mit Zaubertrank gefallen und daher dauerhaft gestärkt war). Der Druide Miraculix ist ein weiser, sympathischer Greis, friedliebend und naturverbunden.

Naturverbunden sei er auch, so Burghard B., selbsternannter Druide aus Schwetzingen[sic!]. Hier hören die Gemeinsamkeiten mit Miraculix aber schon auf. Denn als weise, sympathisch und friedliebend lässt sich nur schwerlich ein Mensch charakterisieren, der in den Sozialen Medien zur Vernichtung aller Juden und Moslems aufruft. Burghard B. wird zur Reichsbürgerszene gezählt, gegen die in den letzten Tagen verstärkt vorgegangen wurde.

Bindungskraft rechtsextremer Ideologie

Dass der neuheidnische Kult alles andere als ein harmloses Freizeitvergnügen esoterisch veranlagter Naturfreunde ist, war bereits vorher bekannt. Der Neopaganismus ist das religiöse Moment der rechtsextremen Ideologie, mit dem vor allem Frauen und politisch weniger interessierte Menschen an die „Bewegung“ angebunden werden sollen. Offenbar mit Erfolg.

Zur Naturverbundenheit tritt die Heimatliebe und die Verklärung der antiken bis frühmittelalterlichen Geschichte der Germanen, die sich tapfer gegen die Römer wehrten und erst von christlichen Missionaren ihrer Kultur beraubt wurden. Das übliche Feindbild der Neuheiden ist denn auch das Christentum, insbesondere die Katholische Kirche. Nicht von ungefähr ist der Voigt-Rosenbergsche Neun-Millionen-Mythos besonders in neopaganen Kreisen virulent.

Die Kirche brachte Kultur

In Wahrheit hat die Kirche so etwas wie Kultur erst nach Mitteleuropa gebracht. Denn Kultur braucht Verstetigung. Die gab es bei den alten Germanen aber nicht, weder besondere Bauwerke noch Bücher oder Artefakte, die nicht zugleich Gebrauchsgegenstände waren. Bibliotheken gab es erst, als auf „deutschem“ Boden Kirchen und Klöster errichtet wurden. Eine Ausbildung in Kulturtechniken (wie Lesen und Schreiben) gab es ebenfalls erst mit dem Christentum.

Auch ethisch schneidet der Neopaganismus schlechter ab als die „böse Kirche“. Während der spätantiken Völkerwanderungen ging beispielsweise die Idee des gerechten Krieges, wie sie Augustinus entfaltet hatte, weitgehend unter und wurde wieder durch den „natürlichen“ Krieg ersetzt. Dieser kannte keine der für den bellum iustum-Topos üblichen Anfragen und Einschränkungen, sondern nur ein vorzivilisatorisches „Recht des Stärkeren“.

Der „Stärkere“ hat den „mächtigeren Gott“

Ohnehin war Stärke im heidnischen Stammesdenken alles. Und auch der entscheidende Grund, den Gott der Christen nach einer militärischen Niederlage anzunehmen: Er hatte sich als der Stärkere erwiesen. Das allein zählte. Argumente und liebevolle Zuwendung waren in der Heidenmission de facto untaugliche Mittel. Welcher Gott lässt uns Schlachten und Kriege gewinnen? Das war die Frage des Heiden.

Schaut man sich Fälle wie den im Zuge von Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gestern verhafteten Burghard B. an, so scheint das Heidentum germanischer Prägung in den letzten 1500 Jahren nur wenig dazugelernt zu haben. Immerhin: Man nutzt moderne Technik für den Hass auf andere Religionen. Das ist allemal erstaunlich. So als naturverbundener Druide.

Autor: Josef Bordat

 

(Der Text erschien zuerst auf Jobo72 und wird mit freundlicher Genehmigung des Autors hier übernommen Herzlichen Dank Josef Bordat.)

Die Deutschen haben Dank verdient

Deutschland ist ein schönes Land, ein abwechslungsreiches Land, mit einem fleißigen und arbeitsamen, gebildeten und hilfsbereiten Volk. Die Wirtschaft brummt und lässt sich auch durch die Politik kaum abwürgen, die Menschen schuften bei sinkenden Realeinkommen, bescheren „dem Staat“ Rekordsteuereinnahmen und lassen sich sogar zu außergewöhnlichem ehrenamtlichem Engagement bewegen, wenn der Staat überfordert ist. Das ist ein hervorragender Zug an unserem Volk, das weltweit für seine Großzügigkeit gerühmt wird.

Gegen alle möglichen Fährnisse des Lebens können und sollen wir uns – zum Teil privat – absichern. In der großen Menge der Beitragszahler einer Solidargemeinschaft wird ein Schicksalsschlag nicht mehr (unbedingt) bedrohlich für das finanzielle Ein- und Auskommen der Betroffenen: Krankenkassen erhalten von ihren Versicherten Geld und zahlen Medikamente und notwendige ärztliche Hilfen. Dieses System der solidarischen Unterstützung hat sich bewährt. Auch die Agentur für Arbeit lebt von dieser Solidarität und den Einzahlungen der Arbeitnehmer, die sich dort gegen Arbeitsplatz- und Einkommensverlust versichern. Für unser eigenes Land und für unsere Bevölkerung, ja sogar darüber hinaus, haben wir so die Solidarität und die gegenseitige Hilfe institutionalisiert.

Den Versicherungen geht es nicht schlecht

Das ist gut so und ein Geschäft, das sich rentiert. Die Agentur für Arbeit hat im vergangenen Jahr beispielsweise rund fünf Milliarden Euro Überschuss erwirtschaftet. Auch den Krankenversicherern geht es nicht schlecht, legt man Immobilien, Dienstfahrzeuge und Einkommen der Leitungsebenen zugrunde. Das alles garantiert selbstverständlich auch, dass nur die besten Köpfe sich bei einer solchen Versicherung als Manager verdingen. Solche Aufgaben sind mit großer Verantwortung verbunden, denn das Geld der Versicherten soll und muss sinnvoll ausgegeben werden. Das stellen die Versicherungsunternehmen durch umfangreiche Kontrollmechanismen sicher, die Missbrauch durch Leistungsempfänger beinahe vollständig ausschließen.

Ein ebenfalls sehr kluger Mechanismus ist die sogenannte Sonderkündigungsregel. Die erlaubt es sowohl Versicherung als auch Versicherten, nach einem Leistungsfall den gegenseitig geschlossenen Vertrag zu kündigen. Das bedeutet, dass die Versicherung, nachdem sie das getan hat, wofür sie Geld bekam, den betreffenden Beitragszahler aus dem Vertragsverhältnis werfen kann. Der Beitragszahler kann das umgekehrt natürlich auch. Dem Autor wurde nach zwanzig Jahren Beitragszahlung gerade von seiner Haftpflichtversicherung gekündigt, weil man bei ihm ein „Ungleichgewicht in der Beitragssumme und der beglichenen Haftungssumme“ festgestellt hat.

Leistungsbeschränkungen

Auch Krankenkassen sind nur beschränkt zum Einsatz verpflichtet. Und dieser Einsatz ist dann selbstverständlich immer mit langwieriger Bürokratie verbunden. Und da kommt dann wieder unser großartiges Volk und springt für diejenigen ein, die ihren eigentlichen Aufgaben unter der Prämisse der Wirtschaftlichkeit nachkommen müssen. In Oberbayern beispielsweise hat vor einigen Monaten eine junge Mutter ihr zweites Kind entbunden. Es kam zu schwersten Komplikationen, einer Fruchtwasserembolie, die zur Folge hatten, dass der Frau der rechte Arm, beide Unterschenkel sowie die Finger der linken Hand amputiert werden mussten. Im Dezember konnte sie endlich wieder zu ihrer Familie ins eigene Heim zurückkehren.

Doch jetzt muss das Leben neu geregelt werden: rollstuhlgerechtes Fahrzeug sowie ein Treppenlift sind bereits angeschafft. Mit hochwertiger Prothetik wird sie wieder laufen können. Auch die Arme und die Hand werden wohl ersetzt. Eine dieser Prothesen kostet alleine rund 60.000 Euro. Und jetzt kommen meine Nachbarn, die Bevölkerung unseres Ortes, der Nachbarstadt, des Landkreises und des Regierungsbezirks, Vereine, Verbände, Kirchengemeinde und sammeln Geld für die Familie. Selbst aus fernen Gegenden Deutschlands kommen Spenden. Unglaublich viele sammeln und helfen, wo und wie sie nur können.

DANKE!

Und dafür, ihr lieben, fleißigen und guten Deutschen, dafür sage ich jetzt einfach mal ein dickes „DANKE“. Ihr seid ein tolles Volk, ihr seid gute Nachbarn, hilfsbereite Mitmenschen, großzügig Geber und verlässliche Mitbürger. Danke, dass Ihr da einspringt, wo diejenigen, die leisten sollten und könnten, das nicht so tun, wie man das in einem Sozialstaat erwarten dürfte .

Autor: Martin Wind

Wer helfen will, kann das hier tun:

Wer auf folgendes Konto spendet, bekommt, bei Angabe seiner ADRESSE auch eine steuerabzugsfähige Spendenquittung der Pfarrgemeinde ausgestellt.

Kontodaten:

Pfarrgemeinde Maria-Himmelfahrt

Sparkasse Landsberg-Dießen

IBAN: DE66700520600008225633
BIC:    BYLADEM1LLD

VERWENDUNGSZWECK (unbedingt angeben): Familie Dahm

Wer noch mehr über die junge Frau erfahren möchte, kann sich hier kundig machen:

http://www.kreisbote.de/lokales/landsberg/andrea-dahm-musste-vierfach-amputiert-werden-rotary-club-landsberg-unterstuetzt-junge-mutter-7134983.html

Angemessener Rassismus?

Dilemma – das ist eine unangenehme Situation, in der man nicht das „Richtige“, sondern immer nur eine Nuance des Schlechten, Schlechteren oder nicht ganz so Schlechten tun kann.

Ein Dilemma ist es, wenn man weiß, dass eine Tätergruppe vornehmlich aus Menschen besteht, die eine gewisse Physiognomie gemein haben, während die meisten Menschen, die zufällig diese Eigenschaft teilen, friedlich und unbescholten sind.

Problematische Situation

Es kann uns nicht egal sein, wenn die Polizei generell Nordafrikaner – oder Menschen, die man als nordafrikanisch oder arabisch aussehend empfindet (was auch durchaus den einen oder anderen Mexikaner, Griechen oder auch Deutschen treffen kann) – aussortiert und prophylaktisch kontrolliert. Als freie Bürgerin eines freien Landes möchte ich das nicht. Als Mensch mit sichtbarem Migrationshintergrund möchte ich das nicht. Als Frau aber möchte ich ebenso wenig von Menschen eben jenes Kulturraums (oder irgendeines anderen) bedroht oder genötigt werden.

Es ist heuchlerisch, auf die Polizei zu schimpfen. Aber natürlich könnte man, wenn man denn wollte, anfangen, sich darüber zu unterhalten, wie man die freien Bürger und die freien Gäste dieses Landes beschützt – vor Kriminalität und vor rassistischer Vorverurteilung gleichermaßen. Vielleicht können wir bessere Rezepte finden. Wenn aber ohne Rassismuskeule und Empörungsgeheul kein Diskurs möglich ist, kann sich auch die Polizei nicht frei und ehrlich darüber äußern, was sie braucht, will und kann. Schließlich wird niemand, der seinen Verstand einsetzt, behaupten, die deutsche Polizei sei per se rassistisch oder wolle rassistisch sein. Aber wieso soll die allgemeine Überforderung mit einer für uns neuen Situation für die Polizei nicht gelten? Arbeiten dort Übermenschen? Nein, dort treffen wir auf dieselben grundsätzlich gutmütigen, tendenziell romantisch-idealistischen und Loriotesk tragischen Gestalten, die im deutschen Volk überproportional vertreten sind.

Handeln kann oft nicht perfekt sein

Man kann Sicherheitsmaßnahmen wie die in Köln ohne Hetze und ohne Polemik rechtfertigen, und man kann alle Bürger, die unberechtigterweise ins Visier derer geraten, die für unsere Sicherheit garantieren sollen, um Verständnis bitten, man kann sich schon im Voraus bei denen entschuldigen, die jetzt scheel angesehen werden. Das Problem ist hier der deutsche Hang zur heroischen Tugendhaftigkeit: Es fällt offenbar schwer, einzusehen, dass etwas, das man tut, nicht perfekt, aber notwendig ist. Ob Deutsche kontrollieren oder nicht kontrollieren, es ist keine pragmatische Frage, sondern es geht um ein idealistisch verklärtes Prinzip: Egal, was getan wird, es soll es moralisch geboten, einwandfrei und unanfechtbar sein. Was dazu führt, dass die Front zwischen Fanatikern verläuft: Zwischen denen, die behaupten, braune Haut sei statistisch gesehen mit Hang zu sexueller Nötigung verknüpft, und denen, die sich jetzt – typisch – statt inhaltliche Auseinandersetzung zu leisten, an einem harmlosen Wort wie „Nafri“ aufreiben, um sich nicht der traurigen Realität zu stellen.

Dass wir uns dazu herablassen, nach Aussehen zu selektieren, ist ätzend, nervig. Es macht uns bewusst, dass unsere Freiheit, vorurteilsfrei zu sein, schon arg strapaziert ist, wenn sie nicht schon als eingestürztes potemkinsches Dorf darniederliegt. Das tut weh. Und es bleibt nur zu hoffen, dass uns etwas Würdigeres einfällt. Aber wenn wir ehrlich sein wollen, müssen wir erkennen, dass latenter Rassismus keinesfalls erst seit vorgestern ein Problem in Deutschland ist, und dass er, wenn überhaupt, nie so angemessen war, wie in der jetzigen Situation.

Autor: Anna Diouf