Erschreckender Provinzchauvinismus an der Spitze des „ZDK“

Und da hat man sich aber mal wieder disqualifiziert unter den Katholiken dieser Welt! Der Präsident des „Zentralkomitees der deutschen Katholiken“ („ZDK“), Thomas Sternberg, hat in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen Zeitung einmal mehr die alten Themen hervorgekramt und sich am Zölibat abgearbeitet, nicht ohne in gut deutscher Manier („Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Neger“) deutlich zu machen, dass man sich als deutsche Kirche nicht von Ausländern leiten lassen will. Katholisch.de hat – wen wundert’s – linientreu Sternbergs Inhalte aufbereitet, natürlich ohne sie zu problematisieren (wie es angebracht wäre angesichts unverhohlener Forderungen nach Frauendiakonat etc).

Der „Import-Priester“ zelebrierte feierlich

Als ich am Sonntag in einer mir unbekannten Stadt (Stuttgart) unterwegs war, habe ich (natürlich) eine heilige Messe gesucht, und die nächstbeste, die nach durchfeierter Nacht möglichst kurzfristig (=schlafgünstig) zu erreichen war, herausgesucht. Durch die geöffneten Pforten des schlichten aber katholisch eingerichteten Gotteshauses schallt a-cappella-Gesang – offenbar gibt es wegen Ferien oder Krankheit keine Orgel. Als Mensch mit Hang zum Pietismus gibt es für mich nicht stimmungsvoll-frömmeres, nichts schlicht-erhebenderes als die fromme Gemeinde Gottes im hölzernen Gotteshaus mit niedrigem Giebel und weiß getünchtem Türmchen, die froh und gläubig Choräle singt. Ein gutes Omen. Noch besser wurde es drinnen: Bis zur Predigt (schön und katholisch) der biodeutsche Priester, ab der Opferung der Import (Afrika). Allerdings hätte der deutsche Priester dem afrikanischen ruhig die ganze Messe anvertrauen können (um dann vielleicht statt Konzelebration noch eine weitere Gemeinde der Stadt mit einer heiligen Messe zu versorgen?!). Denn die Messfeier ab der Opferung war außerordentlich feierlich in ihrer Schlichtheit, außerordentlich gläubig, sorgsam, liebevoll, sensibel und gottesfürchtig, kurz sie war einfach außerordentlich, und in nichts (in den „Essentials“) weniger als eine tatsächlich auch amtlich außerordentliche Form.

Ich liebe übrigens Priester mit Akzent, weil ich mir irgendwann in kindlicher Assoziation die Meinung zu eigen gemacht habe, dass, da Jesus ja nun einmal Jude aus Palästina war, er bestimmt nicht akzentfrei sprechen würde. Darum konnte ich mir bei einem Priester mit Akzent immer besonders gut vorstellen, dass Jesus direkt mit mir spräche. Außerdem hatte ich schon immer das Gefühl, dass in den gebrochenen Worten des Import-Priesters eine besondere Liebe und Zärtlichkeit für den Heiland mitschwingt. Vielleicht liegt das gar nicht am Akzent, sondern am Glauben, aber für mich hat das ganze eben eine assoziative Verbindung. So waren die Priester (der ordentlichen Form), die mich besonders geprägt haben, und die ich nie vergessen werde, obwohl ich mit manchen nicht ein Wort gewechselt habe, Polen, Inder, Nigerianer.

Wortmeldung vom Schrottplatz der Kirche

Es ist ein weiterer Gipfel auf dem Schrottplatz der katholischen Kirche in Deutschland, wenn nach den Entgleisungen gewisser Kardinäle über Afrika und die angebliche Rückständigkeit der afrikanischen Kirche nun ohne jede Schamesröte die ganze provinzielle Spießigkeit des bürgerlichen Amtskatholizismus offenbar wird. „Import-Priester“! Was für eine bodenlose Impertinenz! Hat man noch Worte? Es gibt nur eine Kirche. Und ein Glied dieser Kirche kann nicht so fremd sein, dass es „importiert“ werden müsste. Ein „Import-Priester“, das wäre ein Anglikaner oder Orthodoxer. Und auch dann wäre die Wortwahl natürlich zu geißeln. Ein katholischer Priester aber gehört zu uns. Und vielleicht offenbart sich hier auch schon ein Teil des Problems des Priestermangels: Ein Mangel an Respekt, an Achtung, an Liebe, an Wertschätzung, an Dankbarkeit, an Identifikation mit dem Priester, dafür aber Anspruchshaltung und Gängelung.

Wir sind Weltkirche! Und zwar nicht nur dann, wenn es darum geht, Notmaßnahmen abgelegener Amazonasgemeinden zu übertragen auf unsere Rheingemeinden (obwohl es am Rhein keinen Urwald gibt, und ein derartiger Notstand, dass Priester Gemeinden gar nicht erreichen können, im Rheintal eher unwahrscheinlich ist). Nicht nur dann, wenn man mal wieder einen Brunnen in Afrika finanziert hat, um ein gutes Gewissen zu haben, wenn man sich ein neues Auto kauft. Wir sind Weltkirche. Außer in ehemaligen Bundesdörfern am Rhein. Da ist man piefke-katholisch und klatscht im Gospelchor auf eins und drei begeistert mit, weil man ja so kosmopolitisch ist.

Chauvinismus aus deutschen Kirchenkreisen

Weltkirche, das heißt: eine Gemeinschaft aller Gläubigen durch Zeit und Raum. Wenn ein Glied leidet, leiden alle. Nun mag es für den Deutschen ungewohnt sein, zu den Leidenden zu gehören, aber genauso ist es: Wir leiden in unserer Kirche an geistlicher Armut, und wir müssten dankbar sein für die eifrigen Seelenhirten, die hier Abhilfe schaffen. Aber dankbar sein gegenüber denen, von denen man gestern noch Dankbarkeit erwartet hat für den Brunnen und das Schulgebäude? Nein, Dankbarkeit ist „auf Dauer keine Lösung“ für Herrn Sternberg und Konsorten. Man will sein eigener Herr sein, seine eigene Kirche schmeißen, und sich nicht reinreden und reinglauben lassen von Leuten, die tatsächlich katholisch sind. Angeleitet von einem Neger? Einem Inder? Wie, die wurden doch eben erst von uns Lesen und Schreiben gelehrt, damals in Obervolta. Wie uns Björn Odendahl, Mitarbeiter bei katholisch.de, ja vor einiger Zeit nochmals verdeutlichte, ist der Glaube in Afrika ja ohnehin zu hinterfragen, denn die Kirche wachse dort lediglich, „weil die Menschen sozial abgehängt sind und oft nichts anderes haben als ihren Glauben. Sie wächst, weil der Bildungsstand durchschnittlich auf einem niedrigeren Niveau ist und die Menschen einfache Antworten auf schwierige (Glaubens)fragen akzeptieren.“ Noch Fragen zum Thema Kulturchauvinismus, Kulturimperialismus und paternalistischem Pseudokolonialismus? Im Sinne der Nächstenliebe muss ich jetzt aufhören, denn sonst werde ich angesichts solcher Frechheiten noch unleidlich. Gibt es eigentlich in Afrika heutzutage diese Missionssammelbüchsen wie bei uns früher? Statt mit Wackelnegerkopf und Banane mit so einem Blondwackelkopf mit Kartoffeln, der fröhlich nickt, wenn man einen Heller hineinwirft? Vielleicht lohnt eine Anschaffung solcher Spendendosen, denn die Lage in Deutschland wird sicher noch eine Menge Missionare (der offizielle katholische Begriff für „Importpriester“, Herr Sternberg, nur mal so…) notwendig machen. Ja, okay, ich hör jetzt wirklich auf.

Also lieber konstruktiv: Das geht ‚raus an alle Import-Priester: Lieber „Import-Priester“, nein, du bist keine Ware für mich. Und du bist auch deshalb kein „Import“, weil das, was du uns vermittelst, die Gnaden der Sakramente, die Seelsorge, die Glaubensunterweisung, nicht etwas Fremdes ist, sondern das EIGENTLICH Katholische, das nicht an Zeit und Ort gebunden ist. Und du bist als Hirte der Herde Christi eben auch nicht fremd, sondern unser Bruder. Danke, dass du da bist! Danke, dass du die Heilige Messe für uns zelebrierst. Danke, dass ich dich immer fragen kann, ob ich noch beichten kann, und dass du es immer möglich machst. Danke, dass du meine Gedanken und Gefühle ernst nimmst und nicht deiner Agenda opferst. Danke, dass du mein geistliches Wachstum willst und dass du dich dafür mitverantwortlich fühlst. Danke, dass ich dich jederzeit um Rat fragen darf, und dass du nicht so tust, als müsse ich mein eigener Papst sein und alleine klarkommen. Danke für dein echtes, väterliches Priestertum!

Autor: Anna Diouf

Deutschlands immer noch willige Helfer. Oder: Weg mit Israel!

Reißerischer Titel? Ja, vielleicht. Und es wird auch Menschen geben, die sagen „Meine Güte, wozu die Aufregung?“.

Aber ich habe mich aufgeregt, und zwar über diesen Artikel in der FAZ:

„Israel fehlt auf Kempinski-Liste“

Wenn Sie glauben, ich würde jetzt in flammender Rede zum Boykott eines Hotels aufrufen? Falsch. Denn tatsächlich sehe ich das Kempinski in Berlin nur als eine Art Platzhalter für das eigentliche Problem. Oder besser: die eigentliche Schande.

Auf Anweisung der Direktion …

Da bemerkt ein Hotelgast, dass die Vorwahl Israels auf der Telefonliste in seinem Zimmer fehlt. Gut, das allein ist keine Nachricht wert. Diese Listen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Doch auf Nachfrage erhält er (sicher hinter vorgehaltener Hand) die Auskunft, man habe die Vorwahl Israels auf Anweisung der Direktion von der Liste gestrichen, da dies von der arabischen Kundschaft verlangt worden sei.

Glaube ich das? Ja. Und zwar trotz des Versuchs eines Dementi von Hotelseite im
Spiegel

… und ein Dementi

Dort heißt es u.a. zu der Aussage, Israel sei auf Verlangen arabischer Kunden von der Liste gestrichen worden:

„Das klingt ungeheuerlich. Auch deshalb, weil der Kempinski-Gründer Berthold selbst jüdischen Glaubens war, das Unternehmen wurde in der Nazizeit arisiert.“

Äh.. ja. Das ist jetzt der Gegenbeweis?

Man könne die Aussage des Mitarbeiters nicht bestätigen. Aha. Oder auch: Naja.

Trotzdem: Wir haben eine Aussage, und wir haben ein Dementi. Warum glaube ich der Aussage?

Antwort: Weil der Schuh passt.

Leider.

Der Schuh passt

Er passt in ein Deutschland, in dem es linkerseits zum guten Ton gehört, gegen den „Judenstaat“ zu hetzen, der alle braven Palästinenser fälschlich zu Terroristen stempelt und seine Nachbarstaaten knechtet. (Manchmal möchten man diesen Leuten ja mal einen simplen Größenvergleich auf der Weltkarte anraten, aber naja… lassen wir das.)

Er passt in ein Deutschland, in dem eine latente Verächtlichkeit gegen alles Jüdische immer vorhanden war und in den vergangenen Jahren eher zu- als abnimmt.

Falls das schwer zu glauben ist: Hier drei spontane Beispiele – nicht vom Hörensagen, sondern aus eigenem Erleben:

Drei Beispiele

+Vor einigen Jahren meinte eine damalige Kollegin im Gespräch über die Judenverfolgung der Nazizeit (ich weiß nicht mehr, wie wir darauf kamen):
Ja, das sei natürlich schlimm gewesen, aber irgendwie seien sie ja doch auch selber Schuld gewesen. Denn immerhin werde dieses Volk seit Jahrhunderten immer wieder verfolgt – also müsse es dafür ja wohl auch einen Grund geben. (Wer es nicht verstanden hat: Soll heißen „Selber Schuld!“)

+Dann gab es da die Bekannte, die davon erzählte, wie sie auf den Namen für ihre gerade geborene Tochter Sabine gekommen waren, und dass kurz auch Sarah in der engeren Auswahl gewesen sei, aber das wäre ihr dann doch zu jüdisch gewesen.

+Und als drittes Beispiel: Gerade heute die Aussage über ein südamerikanisches Land, Geschäfte seien dort besonders schwierig. Viele Juden da.

Diese drei Geschichten sind keine Ausnahmen, sondern Beispiele. Beispiele für Dinge, die man so und ähnlich immer wieder und überall zu hören bekommt.

Die alten Vorurteile

Die alten Vorurteile sind immer noch da. Manchmal frage ich mich sogar in Bezug auf all jene, die bei der Erwähnung des Holocaust sofort in Rufe ausbrechen wie „Wir wollen davon nichts mehr hören!“ und „Was haben wir damit heute noch zu tun?“:
Wann wird es soweit sein, dass sie die (heutigen) Juden als Schuldige dafür ausmachen, dass sie, die Deutschen, sich heute noch in der Verantwortung sehen müss(t)en? Weil schon allein die Existenz eines „Judenstaates“, in dem regelmäßig der Shoah gedacht wird, ein elender Mühlstein am Hals der eigenen Selbstgerechtigkeit ist?

Ist es da ein schwerer Schritt für einen Deutschen, bzw. für die Direktion eines deutschen Hotels, Israel mal eben von der Landkarte… äh… nein, soweit sind wir ja (noch) nicht – aber immerhin doch von der Länderliste der Telefonvorwahlen zu streichen? Weil es eine Grupper reicher arabischer Gäste so verlangt?

Nein. Obwohl man es nicht glauben möchte. Man möchte sich wünschen, dass eine Geschichte wie die unsere einer solchen Forderung nur eines entgegenhalten könnte:

„NEIN!“

Doch die Araber konnten sich damals wie heute auf „ihre“ Deutschen verlassen, wenn es gegen „den Juden“ ging/geht. Jemand, der jahrelang beruflich auch in arabischen Ländern unterwegs war, erzählte mir vor Jahren einmal, wie oft er dort als Deutscher begrüßt wurde mit den Worten „Deutscher? Hitler! Guter Mann! Die Juden!“, und es folgten ein nach oben gereckter Daumen und ein breites Grinsen.

Die Schande

Sei es, weil die Geldbörse wichtiger ist als der eigene Anstand.
Sei es, weil einfaches Nichtstun und Wegsehen sicherer ist.
Sei es, weil schlicht nicht sein kann, was nicht sein darf.
Sei es, weil „man“ insgeheim denkt: „Selber Schuld.“

Egal, was die Gründe sein mögen:

Eine Schande bleibt eine Schande bleibt eine Schande

Autor: Heike Sander

Der Wohlfühl-Papst

Papst Franziskus fordert heraus, mich genau so wie jeden Katholiken. Aber manche meinen, er sei ein Wohlfühl-Papst. Zeit, mal grundsätzlich zu werden.

Perfide sei sein Vergleich von Islam und Christentum. Intellektuell sei er überfordert. Oder, die Spitze der Kommentare, die ich dazu bislang gelesen habe: Offenbar habe Lucifer auf dem Stuhl Petri Platz genommen. Und das alles, weil er sich nicht in einer Art und Weise zum Thema islamistischer Terrorismus geäußert hat, wie man sich das in manchen Kreisen gewünscht hätte. Und ich betone: Ich glaube zu verstehen, was der Papst gemeint hat, aber auch ich würde mir klarere Aussagen wünschen!

Das ist aber nicht das einzige Vergehen, das sich der Papst in den Augen mancher Besser-Päpste zu schulden hat kommen lassen. Eine kleine Sammlung aus der Erinnerung:

Er kniet nicht richig vor dem Allerheiligsten.
Am Gründonnerstag wäscht er Frauen und Strafgefangenen, notfalls auch muslimischen Flüchtlingen, die Füße.
Er spricht zu wenig über den Skandal der Abtreibungen.
Sein wirtschaftspolitischer Sachverstand ist quasi nicht vorhanden, und so argumentiert er hart an der Grenze zum Sozialismus.
Die Sakramentenlehre, insbesondere in Bezug auf die Ehe, im Gefolge aber auch in Bezug auf die Eucharistie und die Beichte, will er offenbar aufweichen.
Er weigert sich, Homosexuelle für ihre Taten zu verurteilen.
Über Teile der vatikanischen Kurie hat er geschimpft.
Angeblich hat er einige vatikanische Traditionen, beispielsweise hinsichtlich der Kleidung, als Karneval bezeichnet.
Er weicht keinem Mikrofon und keiner Interviewanfrage aus.
Und zu allem Überfluss: Er trägt schwarze Schuhe und fährt Kleinwagen!

Die Spitze des Eisbergs

So gesehen sind seine Worte auf der Rückreise vom Weltjugendtag nur die Spitze eines Eisbergs von Unverschämtheiten, die uns dieser Papst aus der Pampa zumutet. Und das, wo wir es uns doch gerade unter Papst Benedikt so schön gemütlich haben machen können. Bei dem gab es klare, theologisch fundierte Ansagen: Da ist vorn, so ist’s recht! Abweichungen davon führen in die Irre! Das alles mit einem notwendigen rhetorischen „Rufzeichen“ versehen. Das von Benedikt XVI. einberufene Jahr des Glaubens war eine so wunderbare Selbstvergewisserung, auf der richtigen Seite zu stehen. Und dann kommt plötzlich der Bischof aus Buenos Aires und stellt das alles in Frage?

„Wer bin ich, dass ich verurteile?!“ sagt er über Homosexualität. „Wiederverheiratete Geschiedene gehören zur Kirche!“ scheint sein familientheologisches Mantra. „Wir müssen an die Ränder!“, so formuliert er den Auftrag an die Katholiken. Wieder Rufzeichen, aber doch weniger theologisch korrekt, immer mit dem Hauch eines innerkirchlichen Selbstzweifels: „Wer bin ich, dass ich …“ heißt am Ende: „Wer sind wir, dass wir …?!“ Das ist unangenehm, denn Franziskus zeigt nicht, wo vorne ist. Er gibt Hinweise, stellt Meinungen in den Raum, argumentiert oft mit seinem Menschenverstand; nicht theologisch brilliant, schon gar nicht dogmatisch, erst recht formuliert er nicht druckreif.

Unschärfen

So mancher wünschte sich, er würde nun auch noch den letzten Schritt tun und die katholische Lehre zur Disposition stellen. Nur … den Gefallen tut er nicht. Er erteilt keine Generalabsolution für Homosexuelle. Das Priesteramt für Frauen führt er nicht ein. Er hebt auch nicht die Sakramentalität der Ehe auf. Eigentlich bewegt er sich konsequent im Rahmen der katholischen Lehre … reizt sie allerdings bis zum Bersten aus, um die von ihm zitierten Ränder zu erreichen.

Und dabei stellt er unangenehme Fragen: Kann es sein, dass nicht nur Islamisten töten, sondern am Ende die Vergötterung des Geldes? Kann es sein, dass wir es uns zu bequem machen, wenn wir auf den Terror einer anderen Religion verweisen? Vielleicht ist ein „Nein“ zur Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene zwar eine kurze, aber keine ausreichende Antwort? Womöglich leben wir als Katholiken keinen anziehenden Glauben vor und treiben Menschen damit aus der Kirche? Und vor allem: Müssen wir nicht runter vom Sofa, auf dem wir es uns mit Bibel, Katechismus und der Ratzinger-Schriftenreihe bequem gemacht haben, und der Welt Rede und Antwort stehen, die Christus nicht kennt und vielfach nicht kennen will?

Deutliche Worte

Liebe Leser  von „disputat“ (und meines Blogs), ich werde Ihnen jetzt ein Geständnis machen. Ich wünschte mir, Papst Franziskus würde auch mal einem Journalisten ausweichen und nicht auf jede Frage losplappern. Kann er sich nicht, wenn er schon kein so brillanter Theologe wie sein Vorgänger ist, wenigstens nur auf die Seelsorge konzentrieren? Oder kann er, wenn er dem nicht entgehen kann, nicht wenigstens die wesentlichen Passagen aus dem Katechismus auswendig lernen und rezitieren? Ist es denn wirklich zu viel verlangt, dass dieser Papst einfach mal den Mund hält, damit unsereins nicht ständig damit beschäftigt ist, ihn zu verteidigen?

Aber Moment … dazu habe ich diesen Blog doch mal gestartet: Zur Verteidigung des Papstes gegen ungerechtfertigte Anfeindungen. Gut, damals war es Papst Benedikt XVI. und manchmal frage ich mich, ob ich diesen Blog heute eigentlich noch mal starten oder ihn zumindest anders nennen würde? Aber vielleicht fängt dieser Blog gerade erst an, richtig spannend zu werden? Jetzt wo es nicht mehr so bequem ist, sich in einer konservativ-katholischen Niesche für den Papst in eine vermeintliche Schlacht zu stürzen? Oder eben jetzt wo ich selbst erst mal überlegen muss, ob nach einer spontanen inneren Abwehrreaktion der Papst nicht vielleicht doch Recht haben könnte?

Hoffentlich Versöhnliches

Der eine oder andere Leser mag sich nun in dem manchmal beißenden Sarkasmus wieder entdeckt haben, den ich mir oben nicht verkneifen konnte. Darum bitte ich um Verzeihung, falls ich Ihnen damit zu nahe getreten sein sollte. Das was ich oben beschrieben habe, ist aber eher ein Spiegel meiner eigenen Seele als ein „Angriff“ gegen das katholisch-konservative Heerlager, zu dem ich mich zugehörig fühle.

Mancher meint, dieser Papst sei zu sehr dem Zeitgeist zugewandt, er sei ein Wohlfühl-Papst. Nun, möglicherweise ist er das für Menschen, die außerhalb der Kirche stehen. Auch da bin ich mir allerdings nicht sicher, da deren „Hoffnung“ auf eine Auflösung der katholischen Sittenlehre sich langsam in Luft auflösen dürfte. Ganz sicher ist er das aber nicht nach innen, für diejenigen, die versuchen, ihm zu folgen, die sich an Kirchenlehre und Doktrin zu orientieren wollen. Dieser Papst erfordert von uns eine Haltung. Er fordert mich heraus, meinen kleinen Theologenwinkel zu verlassen, den ich ungefragt und ohne Berufung bezogen habe. Dieser Papst fordert Widerspruch heraus – er ist kein Orientierungspunkt sondern ein Stein des Anstoßes im Inneren der Kirche. Manche meinen, das sei nicht die Aufgabe eines Papstes – Ich frage mich mehr und mehr: Warum eigentlich nicht?

Autor: Felix Honekamp