Nizza: Nur ein kurzer Einwurf

Nizza reiht sich ein in die Liste des Terrors. Sind wir jetzt alle Nizza? Und dann vergessen wir lieber alles und werden bald London … oder Köln?

Offenbar mehr als 80 Tote in Nizza: Ein Lkw rast in eine Menschenmenge, die den Nationalfeiertag feiert; kilometerweit werden Menschen mitgerissen, schwer verletzt und ermordet. Im Internet kursieren Handy-Aufnahmen, die den Schrecken in ihrer mangelnden Bildqualität nur verstärken.

Hört man zunächst von einem solchen Zwischenfall – „Lkw rast in Menschenmenge – Mehrere Tote!“ – dann wünscht man sich, man dürfe von einem Unfall ausgehen. Es geht aber nicht mehr: Seit Paris, Brüssel, London, Madrid, New York … ist der erste Gedanke bei einem Zwischenfall mit vielen Toten der an einen Terroranschlag. Und in den meisten Fällen liegt man damit richtig. Und dann fragt man sich auch nicht mehr, welchen Hintergrund der oder die Täter haben: Sozialistische Terroristen der Art der RAF? Separatisten? Könnte alles sein, aber im Zweifel: Islamisten! Auch hiermit liegt man meistens richtig.

Gebet für die Opfer

Dann gehen einem die Bilder der getöteten Menschen, auch die Bilder verstörter und trauernder Angehöriger und Freunde nicht mehr aus dem Kopf. Für die zu beten ist erste Christenpflicht. Sie wurden aus dem Leben gerissen oder ihr Leben wurde unwiderruflich aus der bisherigen Bahn geworfen: Das Leben einer Ehefrau oder eines Kindes eines Mannes, der von diesem Lkw in Nizza zerquetscht wurde, wird niemals mehr so sein wie früher. Man mag sich nicht vorstellen, wie man selbst fühlen würde – es geht einfach nicht, dazu reicht die Vorstellungskraft nicht aus. Welche unvorstellbare Kraft brauchen diese Menschen, von der ich überzeugt bin, dass sie nur Gott schenken kann.

Beten wir also für diese Menschen – das ist das einzige, was wir für den Moment tun können. Und doch erscheint es mir zu wenig. In aller Hilflosigkeit erscheint es so, als dürften solche Taten nicht länger ohne Konsequenzen bleiben.

Der immer gleiche Hintergrund

Denn in den kommenden Tagen werden wir wieder halbherzige Versuche sehen, die Tat von Nizza als die eines verwirrten Einzeltäters darzustellen: Mag er sich auch auf den IS oder den Islam berufen, mag er auch einen nordafrikanischen Migrationshintergrund haben. Es darf nur ein Einzeltäter gewesen sein, sonst würde die Panik nur vergrößert. Erinnern Sie sich an die Sätze unseres Innenministers: „Ein Teil der Antwort könnte die Bevölkerung verunsichern!“ Offener ist wohl selten kommuniziert worden, dass im Umfeld solcher Anschläge die Lüge um sich greift.

Denn eines ist wohl zwischenzeitlich unstrittig: Wo immer in der westlichen Welt Terroranschläge geschehen, liegt man mit der Einschätzung „islamistischer Hintergrund“ zu fast 100 % richtig. Das heißt nicht, dass jeder Moslem ein Islamist ist, aber es bedeutet, dass diese Religion und Ideologie offenbar ein Gewaltproblem hat. Das bedeutet, dass die Gefahr, die von einem Christen, einem Hindu oder einem Buddhisten in Europa ausgeht, als eher gering eingeschätzt werden kann. Beim Islam ist das anders. Darum ist es auch nicht verwerflich, hier einen genaueren Blick zu wagen: Moscheen zu überprüfen, Migranten einer besonderen Kontrolle zu unterziehen. Das ist nicht diskriminierend sondern Folge von Erfahrungen und Statistik.

Und nun?

Sind wir nun alle Nizza, wie wir schon Paris oder Brüssel waren? Und ist das überhaupt hilfreich? Vor kurzem erst wurde von einem – Gott sei Dank – vereitelten Anschlag in Düsseldorf berichtet. Heute beginnt in Düsseldorf die Rheinkirmes, Deutschlands zweitgrößtes Volksfest nach dem Oktoberfest. Am Samstag finden ein paar Kilometer weiter rheinaufwärts die „Kölner Lichter“ statt. Hundertprozentig sichern kann man solche Feste nie – aber glaubt irgendjemand, dass in Deutschland genug getan wird, Anschläge wie die in Nizza zu vereiteln? Unser Plan ist, in der kommenden Woche die Rheinkirmes zu besuchen – man ist versucht zu sagen: Jetzt erst Recht. Aber ich kann auch nicht sagen, dass mich die Sicherheitslage gänzlich unbeeindruckt ließe.

Die deutschen Grenzen stehen noch immer sperrangelweit offen, noch immer gibt es Tausende Migranten, die unerfasst in Deutschland leben. Die meisten von ihnen – so hoffe ich jedenfalls – auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung oder von mir aus auch nur Armut in ihren Herkunftsländern. Die meisten von ihnen auf der Suche nach einem besseren Leben. Aber es reichen ein paar wenige Irre, die sich mit den Flüchtlingen haben ins Land schleusen lassen.

Und nun? Ich habe keine Antwort! Aber ich gebe zu: Ich habe jetzt schon die politischen Antworten der kommenden Tage satt, deren Protagonisten genau so ahnungslos sind.

 

 

Autor: Felix Honekamp

Nachtrag: Mein lieber Freund Klaus Kelle schreibt hier, was auch mich umtreibt:

„Wir sind in diesen schweren Momenten an der Seite von Frankreich“, sagt gerade Außenminister Steinmeier im Fernsehen. „Kurz vor dem Wochenende erholen sich die Temperaturen“, meldet der Nachrichtensender N 24…. ich glaube, ich muss kotzen.

Stoppt die Rituale – Worte alleine genügen nicht!

Fassunglosigkeit. Dieses Gefühl ist mächtiger als die Trauer oder das Mitgefühl. Fassungslosigkeit angesichts der Grausamkeit, der Kaltblütigkeit, der Erbarmungslosigkeit eines Menschen, der beschlossen hat, der Vernichtung und Zerstörung zu dienen. Fassungslosigkeit angesichts der atemberaubenden Schnelligkeit, mit der sich ein fröhliches Fest in ein Massaker verwandelt, im Herzen Europas.

Das Netz ist nicht die reale Welt

Wenn in einem fernen Land ein Attentat geschieht, dann sind sie nicht weit: Die Klagen der pseudo-humanistischen Elite, die meint, weil ein Massenmord in einem westlichen Land mehr Solidaritätsbekundungen auf Facebook und in anderen sozialen Medien hervorrufe, seien die Leben von Nichteuropäern weniger wert. Nun möchte man diese Menschen fragen, ob sie eigentlich in der Realität angekommen sind. Das Netz ist nämlich nicht die reale Welt, auch wenn man das vergessen könnte, wenn man das Haus nur noch verlässt, um Soja-Latte zu trinken und ansonsten das, was Algorithmen vorgeben, als das echte Leben betrachtet.

Im Gegenteil scheinen europäische Leben erschreckend wenig wert zu sein: Sie sind es nicht wert, dass man für sie kämpft, dass man für sie entschlossen gegen Salafismus und Islamismus vorgeht, dass man sich anders für sie einsetzt als mit bloßen Worten des Entsetzens nach einer Gräueltat. Unsere Politiker, unsere Verantwortlichen können ein Leben in Bangladesch oder in Bagdad nicht schützen. Aber es ist auch nicht ihre Aufgabe. Es ist ihre Aufgabe, ihr Volk zu schützen, und alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um seinem Wohl zu dienen. Und darüber könnte Sicherheit auch an anderen Orten, an denen Islamisten wüten, wieder einkehren. Vielleicht sollte man angesichts der Bedrohungen, denen wir ausgesetzt sind, von Hybris und Selbstüberschätzung abkommen, und wieder öfter die Formel „so wahr mir Gott helfe“ verwenden – denn angesichts einer Ideologie, deren Anhänger genau eines wollen, nämlich uns ermorden, ist es wohl angebracht, etwas Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Wenn keiner hingeht, aber der Krieg zu Dir kommt

Der erste Schritt allerdings wäre, die Augen zu öffnen und die Realität wahrzunehmen. Ist den Eliten wirklich nicht klar, dass keine Propaganda und keine Augenwischerei sie halten wird, wenn die Bevölkerung irgendwann nicht mehr akzeptieren will, den Blutzoll für Realitätsverweigerung zahlen zu müssen? Kann man es wirklich darauf ankommen lassen, dass am Ende aus besorgten Bürgern zornige Bürger werden, die womöglich selbst in die Hand nehmen werden, was der Staat nicht tun will? Wollen wir dabei zusehen, wie Europa im Hass versinkt? Was tun, wenn keiner hingeht, aber der Krieg zu dir kommt?

Autor: Anna Diouf

Die unheilige Wirkung unreflektierter Buchtreue …

Die meinungsbildende Elite unseres Landes scheint davon auszugehen, dass gewisse unpopuläre Mantras geglaubt werden, wenn man sie nur oft genug wiederholt. „Der Islam gehört zu Deutschland“ ist eines davon, und je ärger der islamistische Terror wütet, desto mehr muss man darauf bestehen.

In der Auseinandersetzung mit dem Islam fällt auf, dass die deutschen kulturellen Eliten an unheilbarer Egozentrik leiden. Während man unaufhörlich behauptet, sich für ein Miteinander stark zu machen, fehlt die Fähigkeit, die ein Zusammenleben erst möglich macht: Die Fähigkeit, von sich abzusehen und anzuerkennen, dass andere Menschen, andere Weltanschauungen und andere Religionen die Realität völlig anders betrachten und bewerten, als man selbst.

Die Struktur des Islam wird verkannt

Sehr schön äußert sich dieses Phänomen in der immer wieder vorgebrachten Forderung nach mehr Islamunterricht, wie nun wieder vom bayrischen Landesbischof Bedford-Strohm geäußert. Dass islamische Verbände dies fordern, ist einsichtig und ihr gutes Recht. Wer allerdings immer noch glaubt, mehr Islamunterricht führe zu mehr Integration, der glaubt auch daran, dass Shakespeare eigentlich ein Muslim namens Sheik Zubayr war. Aber das ist jetzt nicht das Thema.

Wer solches fordert, der geht von sich, vom Christentum, aus, und versäumt es, die völlig andere, zum Teil gegensätzliche Struktur des Islam anzuerkennen. Auf Kosten der Realität wird die eigene Disposition einem anderen übergestülpt in der Hoffnung, der andere werde zwangsläufig erkennen, dass man selbst das beste und einzige Rezept für die perfekte Welt habe – was „perfekt“ ist, bestimmen dabei natürlich wir. So schwingt sich Bedford-Strohm auch gleich zum Sprecher der islamischen Verbände auf und kann uns sagen, was für einen Islam sich diese in Deutschland wünschen.

Religionsunterricht sollte der staatlichen Ordnung inhaltlich nicht widersprechen

Das System des staatlich geregelten Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen ist für den Katholizismus oder ähnlich hierarchisch und lehramtsorientiert strukturierte Landeskirchen lutherischer oder reformierter Prägung ausgelegt, gerät in puncto Sinnhaftigkeit bereits angesichts der derzeitigen Beliebigkeit des evangelischen Bekenntnisses an seine Grenzen und ist schon bezüglich der freikirchlich organisierten evangelischen Konfessionen nicht mehr anwendbar. Denn es setzt zuerst voraus, dass es klar definierte, für alle Angehörigen der Denomination gültige Glaubenssätze gibt, die vermittelt werden können, und dass es einen klaren Ansprechpartner gibt, der für diese Inhalte verantwortlich zeichnet. Natürlich gibt es in vielen Fragen Nuancen, Kontroversen und Unstimmigkeiten, aber der kleinste gemeinsame Nenner an Glaubensinhalten, die verbindlich sind, sollte so gewichtig sein, und die Anzahl derer, die ihnen zustimmen, sollte so groß sein, dass es sich lohnt, staatlicherseits Lehrer dafür auszubilden und Stundendeputate festzusetzen. Sodann setzt es voraus, dass die Inhalte der (rechts)staatlichen Ordnung unseres Landes zumindest nicht grundsätzlich widersprechen – zum einen, weil sich nicht erschließt, wieso der Staat etwas fördern sollte, was ihm prinzipiell entgegensteht, zum anderen, weil unsere Ordnung nicht nur relativ betrachtet gelungen ist, sondern auch gewisse als universell geltende Prinzipien weitgehend umsetzt. Wäre dem nicht so, wäre unerklärlich, wieso so viele Menschen nach Europa kommen, um genau hier zu leben und von unserer Ordnung zu profitieren.

Keine dieser Voraussetzungen erfüllt der Islam. Es ist unverständlich und unerklärlich, wieso dieser einfache Sachverhalt in die Köpfe der Repräsentanten der Intelligenz nicht vordringt: Es gibt im Islam keine letzte Instanz in Glaubensfragen. Was der Protestantismus versucht, die völlige und absolute Unmittelbarkeit des Ich vor Gott, setzt der Islam vollkommen und gänzlich um. Das heißt konkret, dass, unterstützt von Gelehrten oder eben auch nicht, im Grunde jeder selbst entscheidet, welche Auslegung des Islam die richtige ist. Sie lesen richtig: Nicht, welche er für die richtige Auslegung hält, sondern, welche die richtige ist (Wenn Sie den Unterschied zwischen diesen beiden Aussagen nicht mehr verstehen können, dann sind Sie bereits mit der eingangs erwähnten Krankheit infiziert).

Toleranz ist erklärungsbedürftig

Natürlich gibt es trotzdem allen Muslimen gemeinsame Glaubensvorstellungen. Aber gerade die, die entscheidend sind in der Frage der Akzeptanz unserer Verfassung und unserer Lebensart, sind nicht derart dogmatisch, dass nicht jeder seine eigene Meinung dazu haben könnte: Ist es erlaubt, Andersgläubige umzubringen? Manch einer sagt nein, manch einer sagt ja, manch einer sagt jein, solange es Christen und Juden sind nicht, aber Apostaten auf jeden Fall. Ist es erlaubt, Homosexuelle umzubringen? Manch einer sagt nein, manch einer sagt ja, usw. Ist es erlaubt, seine Frau zu schlagen? Nun, sie kennen die islamischen Antworten auf diese Frage. Das Problem ist nun nicht, dass die einzelnen Gläubigen darauf unterschiedliche Antworten geben, das Problem ist, dass keine dieser Antworten prinzipiell höhere Autorität genießt. Sicher kann man den einen oder anderen Katholiken finden, der meint, er dürfe seine Frau schlagen – aber ihm stellt sich im Lehramt eine Autorität entgegen, die er zu akzeptieren hat; oder er nimmt eben in Kauf, dezidiert gegen seine Religion zu handeln. Aber weder der Moslem, der „nur“ Apostaten töten lassen will, noch der, der alle Andersgläubigen töten will, handelt gegen eine solche Autorität. Eher noch muss der, der Andersgläubige akzeptieren will, darlegen, wie er diese Ansicht mit dem Koran und mit den Hadithen in Einklang bringt, also, wie er als rechtgläubig durchgehen will.

Dieser Sachverhalt scheint Bedford-Strohm und seinen Mitstreitern ebenso undenkbar, wie die Tatsache, dass nicht jeder den Relativismus und die Beliebigkeit lebt und propagiert, die in Teilen der evangelischen Gemeinschaften und katholischen Amtsträgern und der Kirche grassieren. Es gibt Menschen, die stellen Gottes Wort über Menschenwort, und da ist dann lebenswichtig, was dieses Gotteswort angeblich oder tatsächlich besagt. Sich in diese Gedankenwelt hineinzuversetzen würde zu so etwas wie Verständnis führen – vielleicht weigert man sich dagegen, weil in der allgemeinen Diktion „Verständnis“ und „Befürwortung“ mittlerweile deckungsgleich gebraucht werden.

Es gibt zwar nur „einen Islam“ – aber der ist sich uneinig

Nun scheitert also der islamische Bekenntnisunterricht gleichermaßen an der Unwägbarkeit der Inhalte und an dem fehlenden einheitlichen Ansprechpartner. Wer bestimmt in Deutschland, was der „echte“ Islam ist? Schia oder Sunna oder gar Ahmadiyya? Türken oder Araber? Nehmen wir an, ein säkular geprägter sunnitischer „deutscher“ Islam würde in den Schulen gelehrt: Was würde die große Mehrheit derer, die diesen Islam nicht unterstützen, daran hindern, ihre Kinder in der eigenen Gemeinde unterweisen zu lassen? Und welche Wirkung kann dann wohl ein Unterricht haben, der Überzeugungen vermittelt, die man nicht teilt, der von Instanzen konzipiert wurde, die man nicht akzeptiert, gelehrt von weiblichen Lehrkräften, die man nicht respektiert?

Allerdings ist die Forderung nach Islamunterricht nicht die einzige unausgegorene Überlegung. Bedford-Strohms Aussagen suggerieren, für Muslime herrsche in Deutschland keine Religionsfreiheit, bzw. ihre Religionsfreiheit würde eingeschränkt. Nun ist natürlich Religionsunterricht an öffentlichen Schulen keineswegs zwingend notwendig, um Religionsfreiheit zu garantieren, und wenn dieselbe an existenzielle Rechte anderer stößt, etwa das Recht auf Leben oder Unversehrtheit, dann können wie sie ja nun auch kaum für alle Bestandteile des Islam in Anspruch nehmen. Überhaupt scheint es in der Welt des Landesbischofs Millionen integrationswilliger Muslime zu geben, die allein durch die ablehnende Haltung der Nochmehrheitsgesellschaft ausgegrenzt werden. Dass in der Realität werbende Initiativen seitens des Staates oder seitens verschiedener Stiftungen nicht durch besorgte Bürger, sondern durch die Uneinheitlichkeit oder gar die Unwilligkeit der muslimischen Partnerverbände torpediert werden, hat in dieser Gedankenwelt keinen Platz. Übrigens ist die Aussage, man solle nicht Muslime ausgrenzen, sondern die Kräfte fördern, die sich im Islam für unsere vielbeschworenen „Werte“ einsetzen, geradezu lächerlich: Zum einen gibt es im Islam keine „Kräfte“, die sich für unsere Werte einsetzen. Es gibt lediglich Menschen, also Muslime, die das tun. Und eben jene Muslime werden regelmäßig mit Rassismus- und Islamophobievorwürfen bedacht, weil ihre Strategie, das Benennen der Missstände, von der Mainstream-Elite als zu wenig weichspülkompatibel betrachtet wird. Ein interessanter Aspekt ist, dass, wenn man sich die Motive dieser Menschen anschaut, normalerweise nicht der Islam und etwa daraus resultierende positive Kräfte Motivation für das gesellschaftspolitische Engagement sind, sondern der Kontakt mit europäischen Werten oder mit der europäischen Welt und ihren (meist) säkularen Traditionen und Ideologien. Wer diese Muslime fördert, sorgt automatisch dafür, dass die anderen ausgegrenzt werden: Denn deren Ziel ist ja gerade die Vereinnahmung unserer Gesellschaft durch den Islam, und eben nicht Integration des Islam in die Gesellschaft. Anders als die Muslime lässt sich der Islam selbst nur um den Preis der eigenen Identität und Grundwerte „integrieren“. Menschen dagegen kann man davon überzeugen, sich einzubringen und, wo nötig, ihre Einstellungen zu ändern. Die Gesellschaft kann hier werben, fördern, locken, sich einsetzen, aber sie wird wenig Erfolg haben, wenn sie über den Islamunterricht versucht, die Kinder säkular-europäisch zu „indoktrinieren“.

„Islam“ bringt Unheil und Gewalt, indem Menschen sich an die Lehre halten

Ein weiterer Knackpunkt in der Fehlbewertung des Islam ist die Weigerung, die kulturbildenden Aspekte des Christentums in ihrer Fülle und in ihrer überwältigenden positiven Wirkung wahrzunehmen. Wenn „Aufklärung“ die heilige Kuh ist, ein Axiom, ein nicht hinterfragbares Gut, wenn die Frage, was sie gebracht hat, nicht historisch-wissenschaftlich, sondern rein ideologisch beantwortet wird, ungeachtet aller Tatsachen, dann wird einfach der gesamte voraufklärerische christliche Glaube als gewalttätiger Aberglaube diffamiert. Und zwar entgegen dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Stand. Wenn antikatholische Mythen über Hexenverbrennung und Kreuzzüge unbesehen geglaubt und in den Rang von Dogmen erhoben werden, dann fällt der himmelweite Unterschied zwischen Islam und Christentum natürlich nicht mehr weiter auf. Das Christentum hat immer dann Unheil und Gewalt gebracht, wenn aus Unkenntnis oder Ungehorsam gegen seine Lehre und gegen die expliziten oder impliziten Anweisungen des Lehramts gehandelt wurde. Der Islam dagegen bringt Unheil und Gewalt, indem sich die Menschen an die Anweisungen halten, die sie seinen Lehren entnehmen.

Ja, Herr Bedford-Strohm, mehr Islamunterricht. Und zwar am besten organisiert von der EKD. Dann können wir sichergehen, dass sich kein Glaubenssatz in den deutschen Islam einschleicht, der irgendwie kontrovers, anstößig oder nicht mit dem mehrheitsgesellschaftlichen Hedonismus und Materialismus kompatibel wäre. Das wäre dann tatsächlich für Sie und für den Rest der Friede-Freude-Eierkuchen-Elite eine angenehme Religion. Bloß Islam könnte man sie nicht mehr nennen: Aber daran werden sich die Muslime sicher nicht weiter stören.

Autor: Anna Diouf

„Ja ja, nein nein“

Nein heißt nein. Eine erstaunliche Erkenntnis, die jetzt sogar ins Gesetz soll. Da sage noch einer, wir seien kein Volk von Denkern mehr.
Die wichtige Sache, um die es dabei geht, ist der Sex. Eine Sache, bei deren Durchführung es allerdings weniger ums Denken an sich geht. Offensichtlich sind wir auch ein Volk von – nun ja, lassen wir das.

Der Anlass zu dieser geradezu philosophischen Herangehensweise an den Sexualtrieb, ein im wahrsten Sinne des Wortes drängendes Thema, ist das gehäufte Vorkommen von Fällen, in denen die Grenze zwischen Beischlaf und Vergewaltigung oder die zwischen Flirt und Nötigung zu verschwimmen beginnt oder massiv durchbrochen wird. Es sind schlimme Dinge, die da geschehen! Zurück bleiben Verletzungen, die es zu vermeiden gilt. Und die Gesellschaft, die sich mit Händen und Füssen dagegen wehrt, dass ihr irgendjemand ins Sexualleben hineinredet, sucht plötzlich nach gesetzlichen Regelungen. Wie soll das zusammengehen?

Pech für die Opfer

Man kann erst einmal durchaus eine Logik erkennen: ein großer Freiraum braucht eine starke Grenze, die die Freiheit schützt, indem sie die Unfreiwilligkeit aufs Schärfste sanktioniert: alles ist erlaubt, außer Zwang. Die Folge: da man, so ist es Konsens, nicht vorschreiben will, wer mit wem darf, wird eben geregelt, wer hinterher für was bestraft wird. Klingt komisch? Ist es auch, denn dies ist eine Logik, die nicht greift. Angesichts von Vergewaltigungen führt die gute deutsche Gesellschaft abstruse Diskussionen darüber, wie das verhindernde Nein denn formell auszusehen hat. Sagen? Wehren? Reicht ein Gesichtsausdruck? Oder gar ein ungutes Gefühl danach? Nur in den seltensten Fällen produzieren Gerichte etwas Sinnvolles, wenn sie nachträglich entscheiden sollen, was im Rausch der Sinne legitim war. Es ist absurd. Wie soll man in einem Rechtsstaat, in dem der Beklagte im Zweifelsfall freigesprochen wird, etwas verurteilen, für das es nur die Aussagen der Betroffenen gibt? Unser Rechtsverständnis bedeutet hier schlicht Pech für die Opfer, die keinen Beweis vorlegen können. Doch das kann es ja wohl nicht sein. Die ganze Diskussion geht offenbar am Ziel vorbei.

Vor Jahrzehnten befreite sich unsere Gesellschaft aus der sexuellen Bevormundung. Ihr Argument: man dürfe Liebe nicht verbieten. Doch diese gegenseitige Liebe ist längst nicht mehr Grundlage für Sexualität; schon bald wurde sie reduziert auf das Einverständnis der Partner zum sexuellen Vergnügen. Erlaubt war in den Augen der Gesellschaft, was beiden Spaß macht. Wozu lieben? Der/die hat doch sein/ihr Vergnügen, das reicht. Doch was macht dem Partner Spaß? Was ist erlaubt? Offenbar alles, wozu er/sie nicht nein sagt. Das ist zu wenig? Nun, genau darum scheint es aber zu gehen, denn genau das versuchen wir verzweifelt zu regeln: wie sagt man nein?

Sex ist gesetzlich nicht zu fassen

Dem Sexualtrieb, einem wilden Gaul, der ohnehin oft kaum zu reiten ist, wurden die Zügel abgenommen: zügellose Sexualität. Doch was als Befreiung empfunden wurde, ging nach hinten los. Der Gaul tritt um sich und die Gesellschaft findet sich auf seinem Rücken wieder, im Rodeo. Und so treibt die selbstbezogene Leidenschaft im Bett und anderswo ihre traurigen Blüten.

Noch diskutieren wir darüber, wie man einem ausschlagenden Gaul mit einem entschiedenen Nein gegenübertritt. Noch spricht kaum einer aus, was auf der Hand liegt: Man redet beim Sex vom Nein, aber nicht vom Ja. Die einzig richtige Regel wäre: nur ein ausdrückliches Ja darf die Grundlage sein. Doch damit tut man sich schwer: wie soll man das regeln? Mit einem kleinen Standardvertrag, in dem man vorher kurz gemeinsam die einvernehmlichen Praktiken, Techniken und Hilfsmittel ankreuzt? Mit einer Art Sex-AGB? Und wie dokumentiert man die Einhaltung der Vereinbarung?

Man kann es drehen und wenden, wie man möchte: beim Sex begibt man sich in einen Lebensbereich, der gesetzlich nicht zu fassen ist. In dem die einzige Sicherheit, die man hat, das Vertrauen den Partner/die Partnerin ist. Das Wohl des anderen muss dem eigenen Vergnügen mindestens ebenbürtig sein – eine Haltung, die zwischen Menschen, die sich lieben, selbstverständlich ist. Das Ja muss die Grundlage sein, damit es unnötig wird, ein Nein rechtlich durchzusetzen.

Zügellosigkeit hat mit Freiheit nichts zu tun

Jeder sexuelle Verstoß gegen das Wohl des Partners ist ein Vergehen, jeder gewaltsame Verstoß ein Verbrechen, sei es körperliche oder seelische Gewalt. Selbstverständlich muss es Sanktionen geben, doch in vielen Fällen wird ein Opfer nicht zu seinem Recht kommen – weder die direkten Opfer von Gewalt, noch die Opfer falscher Aussagen. Ein gesetzlicher Schutz, so wichtig er ist, wird niemals ausreichen.

Deshalb ist die Gesellschaft dringend gefragt, den Gaul wieder einzufangen: ein zügelloser Sexualtrieb, der überall und in jeder Form als auslebenswert hofiert und gepriesen wird, hat mit sexueller Freiheit so viel zu tun, wie Fressucht und Übergewicht mit gesunder Ernährung. Es ist erschütternd, dass die Gesellschaft zunehmende Nötigungen und Vergewaltigungen braucht, um anhand der verursachten Verletzungen langsam den Wert und die Tiefe der Sexualität wieder zu entdecken. Und doch ist es ein kleines Hoffnungszeichen.

Für diejenigen, die nicht warten können, bis die nötige Vertrauensbasis da ist, empfiehlt sich mittelfristig, beim One-Night-Stand für eine ausreichende Anzahl von Zeugen zu sorgen und zur Dokumentation wenigstens eine Tonaufnahme mitlaufen zu lassen. So ist man auf der rechtssicheren Seite. Alle anderen sollten überlegen, ob es vielleicht irgendwo eine Orientierung gibt, in der Sexualität, Verbindlichkeit, Liebe und Vertrauen zusammengehören und man mehr auf den Partner schaut, als auf sich selbst.

Autor: Bastian Volkamer

Denunzieren leicht gemacht – eine Handreichung

Im Moment fliegt wieder viel Aufregung und Empörung durchs Netz. Ich will das nicht abtun oder mich lustig machen – ich bemerke nur, dass ich mich seit einer Weile nur noch selten mit-empöre oder mit-aufrege. Ein wenig gibt mir das zu denken: Bin ich schon so abgeklärt, dass mich alles kalt lässt? Oder gibt es einfach derzeit zu viel Empörendes, und irgendwann fehlt halt die Kraft, sich weiter als HB-Männchen unter der Decke zu halten? Oder ist es die Weisheit des „Alters“, die zur Einsicht führt, dass nicht jede durchs Netz fegende Empörungswelle den Aufwand auch wirklich lohnt?

Heute un-empöre ich mich jedenfalls einmal über eine Broschüre mit dem Namen

„Hetze gegen Flüchtlinge in sozialen Medien – Handlungsempfehlungen“

herausgegeben von einer gewissen „Amadeu Antonio Stiftung“ unter Förderung des Bundesministeriums für Gedöns (würde jedenfalls ein ehemaliger Kanzler sagen)

Seit gestern gibt es so einige Links zu Artikeln und Blogbeiträgen, die sich damit beschäftigten. Ich habe sie nicht gelesen – mir hat einfach über Tag die Zeit dazu gefehlt, und heute Abend habe ich mir gesagt:
„Dann lies doch lieber gleich die Broschüre und schau‘, was du davon hältst.“

Das habe ich nun auch getan.

Mein erster Gedanke war – ja, sorry, hier stehe ich; ich kann nicht anders! – dass ich den Leuten gerne mal eine Reihe Kommas schenken möchte:

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Ganz offensichtlich herrscht daran dort im Schreibbüro ein gewisser Mangel.

Naja, aber nun im Ernst.

Begriffsprobleme

Ich beginne also – ganz unvoreingenommen, denn ei-gent-lich ist eine Broschüre über „rechte Hetze“ im Netz ja mal keine schlechte Idee – mit dem Lesen. Und stutze: Da wird gleich im ersten Satz das Wort „Flüchtlinge“ mit einem „*“ versehen. Ich suche die zugehörige Fußnote. Dort steht:

„*Hinweis: Der Begriff »Flüchtlinge« ist umstritten und aus verschiedenen Gründen problematisch. Wir haben uns aus Zugänglichkeitsgründen für diese Broschüre dennoch dazu entschieden, den Begriff zu verwenden.“

Der Begriff Flüchtling ist „umstritten“? Seit wann denn das? Ist das jetzt schon „rechts“? Oder politisch unkorrekt? Wieso? Ein Mensch, der aus seiner Heimat fliehen muss, ist doch ein Flüchtling. Was soll das? In meiner Familie gab es vor über 70 Jahren auch Flüchtlinge. Darf ich die jetzt auch nicht mehr so nennen? Fängt ja gut an.

Schlechter Start – aber bitte objektiv bleiben. Überlesen wir mal die politisch korrekten „Benutzer_innen“ und machen weiter.

Einleitend

…wird mir erklärt, dass die Broschüre sich mit rechter Hetze im Netz beschäftigt: „rassistische und flüchtlingsfeindliche Aussagen und Kommentare“, und wie man mit ihnen umgeht.

Das ist per se nicht schlecht, auch wenn man sich fragen mag, ob es dazu wirklich eine Anleitungsbroschüre braucht.  Brauche ich – braucht irgendjemand – wirklich die Anleitung, dass und wie man Nazisymbole und -parolen, oder bösartige Flüchtlingsrhetorik, beim jeweiligen Netzwerk melden und schlimmstenfalls zur Anzeige bringen kann?

Naja, sei’s drum.

Hetze erkennen

Ja, wie – echt jetzt? Ihr wollt mir beibringen, wie ich rassistische und/oder fremdenfeindliche Hetze erkenne? Also, ich meine, nicht nur mir, sondern der ganzen Netz-Gemeinde? Also, sozusagen uns Dummerchen, die es ohne euch gar nicht bemerken, wenn sie in eine Horde Nazis geraten sind?

So ganz will mir das gerade nicht gefallen. Wieso eigentlich? Hm… ich glaube, weil ich mir/uns durchaus ein gesundes Grundempfinden zutraue, was den Begriff „Hetze“ angeht. Wenn „man“ stattdessen meint, mir durch Aufzählungen erklären zu müssen, was ich bitteschön alles darunter einzustufen und anzuzeigen habe, dann fühle ich mich… manipuliert.

Die aufgezeigten „Erkennungsmerkmale“ rassistischer Hetze beginnen mit dem Punkt

„Gegenüberstellung »Wir« und »Die«“

Weiter ausgeführt wird dieser Punkt nicht.

„Wir“ Nicht-Flüchtlinge vs. „Die“ Flüchtlinge?

Ehrlich jetzt? Das reicht schon, um unter rassistische Hetze zu fallen?

„Ach.“, sagt Loriot. Und wir belassen es dabei.

Um das klarzustellen: Ich behaupte nicht, die gesamte Auflistung sei eine Albernheit. Aber ich behaupte: Um jene Punkte, die tatschlich klar unter „Hetze“ gegen wen auch immer fallen, als solche einzustufen, hätte ich keiner Broschüre bedurft.

Weiße, alte Männer

Schön finde ich es ja, nebenbei bemerkt, dass wir auch bei den Alltags-Rassist_innen bei der hübsch politisch-korrekten Schreibweise bleiben. Um es mal altmodisch auszudrücken: *rofl*

Ein Grinsen wird mir durch die Fortsetzung entlockt:

„Es sind laut unserer qualitativen Beobachtung Menschen aller Alters- und Bildungsschichten, beiderlei Geschlechts, auch mit Migrationshintergrund – mit einer leichten Verstärkung bei weißen, älteren Männern.“

Jawohl, grinsen. Und nun haltet mal hübsch die Luft an, alle eventuell hier mitlesenden Blockwarte, denn:

„qualitative Beobachtung“ steht da – ja, wie sah die denn aus? Das wird nirgends erklärt. War es eine offizielle Studie? In welchem Umfeld? Über welchen Zeitraum? Wie viele Beobachter haben denn beobachtet? Und worauf lag ihr Augenmerk? Und auf wem?

„Beobachtung“ mag ja stimmen, aber ob sie auch Qualität hatte, mag ich bezweifeln, denn warum sonst ließe man sie ohne jede Hintergrundinfo?

Und was sagt uns die „Beobachtung“ denn nun wirklich? Sie sagt: ALLE sind Rassisten, bzw. können Rassisten sein. Menschen jeden Alters, jeder Bildungsschicht, jeden Geschlechts, sogar jene, die selber Migrationshintergrund haben, können Rassisten sein. Nur bei den weißen, alten Männern, darunter gibt es noch ein paar Rassisten mehr (Ob das eine im Original US-amerikanische Studie war? Denn den KKK habe ich hier in Deutschland noch nicht reiten sehen.).

Fazit: Wir alle sind verdächtig.

Melden – Anzeigen – Blockieren

Anschließend wird explizit erklärt, wie man mit rassistischer Hetze im Netz umgeht.

Melden – beim sozialen Netzwerk. Gut. Wären wir aber auch selber drauf gekommen.

Strafanzeige stellen – es wird sogar ein Textvorschlag für die Anzeige gegeben.

Dabei wird der anzuzeigende Hetz-Text durch den Platzhalter »Laber Rhabarber, Laber Rhabarber« ersetzt – „Die machen Satire und merken es nicht mal“, denke ich beim Lesen.

Hetzer blockieren – sie also für sich selbst unsichtbar machen.

Äh, ja, genau – prima Idee. Hilft ungefähr so viel wie die Augen zukneifen, kurz bevor mir der Baum auf den Kopf fällt.

Strategien

Ei-gent-lich ja nicht schlecht: Der Rat, Hetze entgegenzutreten, durch Widerspruch und gute Argumente. Es kann nicht schlecht sein, in einer derartigen Broschüre einmal einige gute Fakten zu benennen (oder zu verlinken), die man (echter) rechter Hetze entgegenhalten kann, oder Gesprächstatktiken aufzuzeigen, wie man ihr begegnen kann (so sie sich denn nicht – wie bei linker Hetze inzwischen ja auch üblich – nur noch auf Niederschreien und -prügeln beschränkt).

Gut oder schlecht?

Könnte man also zusammenfassend sagen: Gute Idee – mittelmäßig durchgesetzt?

Nein, kann man nicht.

Warum?

Weil mein Bauchgrummeln leider jedes Lob über diese Broschüre übertönt.

Ich hatte es oben schon einmal geschrieben, und ich sage es hier noch mal: Ich fühle mich manipuliert.

Manipuliert in einer Weise, die mich zum Dauerdenunzianten machen soll.

Manipuliert, hinter jeder Wortwahl erst einmal den „Rechten“, den „Rechtspopulisten“, den „AfD-Anhänger“, den „Hetzer“, den „Dunkelkatholiken“, den „Ausländerhasser“ etc. zu suchen.

Manipuliert, mich selbst zu zensieren, aus Angst, in die „falsche Ecke“ gestellt zu werden, selbst wenn ich eine unwiderlegbare Tatsache ausspreche.

Der Ausdruck „Flüchtling“ hat bereits einen falschen Unterton, jedenfalls in den Ohren der Blockwarte. Jemand, der „Flüchtling“ schreibt, könnte dies mit abfälliger Betonung tun.

Die Benutzung des Wortes „Wirtschaftsflüchtling“ ist dagegen als klar rassistisch und „rechts“ einzustufen. Weil es eben eine Lüge ist, dass manche Menschen nicht vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland fliehen, sondern aus wirtschaftlicher Not.

Nein, halt, stopp: Natürlich ist das keine Lüge – man darf es nur einfach nicht sagen. Das ist ein Unterschied.

Ein Mythos ist dementsprechend auch das Bild des „übergriffigen Fremden“. Gemeint sind jene Flüchtlinge/Asylbewerber, die beim Anblick junger Frauen ihre Finger nicht bei sich behalten können. Die gibt es gar nicht. Das muss den Frauen aus der Kölner Silversternacht mal jemand sagen – ich wette, die wissen das noch gar nicht.

Die Broschüre arbeitet nach dem Prinzip

„Es kann nicht sein, was nicht sein darf!“

Das ist heutzutage zum Gesamtprogramm geworden, und wer nicht mitmacht, der darf sich warm anziehen.

Sind das denn nun wirklich alles „Rechte“, „Nazis“, „AfDler“ etc., die von Flüchtlingen und Wirtschaftsflüchtlingen reden, die Worte wie „Wir“ und „Die“ benutzen, oder die Übergriffe auf Frauen anprangern?

Ich kann nur für mich selbst sprechen:

Ein Flüchtling ist ein aus seiner Heimat geflohener Mensch. Punkt. Oder auch: Isso. An dem Wort ist nichts schlechtes oder verletzendes.

Ein Flüchtling, der nicht vor Krieg und Verfolgung geflohen und zu uns gekommen ist, sondern der aus wirtschaftlicher Not sein Land verlassen hat, auch, um sich ein besseres Leben (oder überhaupt ein Leben) aufzubauen, ist ein Wirtschaftsflüchtling.  Auch an diesem Ausdruck ist nichts abfälliges: Es ist eine Unterscheidung, und damit ein Fakt. Punkt.

Und es gibt Flüchtlinge bzw. Asylbewerber, die zu uns fliehen, aber nicht bereit sind, sich an unsere Gesetze zu halten. Sie machen nur einen kleinen Teil aller Flüchtlinge aus, aber es gibt sie. Das ist ein Fakt, der ausgesprochen werden darf, der aber eben nicht meint „ALLE Flüchtlinge sind…“.

Bin ich damit „rechts“? Wer mich kennt, weiß es besser.

Hasse ich Flüchtlinge? Auch hier: Wer mich kennt, weiß es besser.

Wenn es etwas gibt, das ich tatsächlich hasse, dann sind es die in ihre eigene Rechtschaffenheit verliebten Gedankenpolizisten, die jeden Mitmenschen erst einmal unter Generalverdacht stellen, bis ein jeder von uns sich aus einer falsch verstandenen Korrektheit in innerer Selbstzensur langsam zerfleischt und im moralinsauren Einheitsbrei auflöst.

Beängstigend.

Autor: Heike Sander