Jede Ente ist eine zuviel …

Seit geraumer Zeit geistert der üble Begriff „Lügenpresse“ durch die Öffentlichkeit, der pauschal alle Medienschaffenden unter Verdacht stellt. Es gibt Menschen, die suchen geradezu danach, Medien nachweisen zu können, dass Sie nicht Fakten berichten, sondern eine tendenziell gefärbte Darstellung der Realität betreiben, Sachverhalte unterschlagen oder Dinge so hindrehen, dass sie in ein vermeintlich gewolltes Weltbild passen. Für richtige Journalisten, die ihr Handwerk sauber betreiben wollen und sich dem Pressecodex verpflichtet fühlen, ist es traurig, dass Kollegen bei solchen unsäglichen und standeswidrigen Versuchen tatsächlich erwischt werden können. Nun hat ein bisher als Qualitätszeitung firmierendes Blatt einen Artikel veröffentlicht, der erst zu einem fulminanten shitstorm gegen den befragten Politiker (AfD-Vize Gauland) führte, dann aber jene beflügeln konnte, die im Vorgehen der Journalisten und der Frankfurter Allgemein Sonntagszeitung (FAS) – gelinde gesagt – einen journalistisch-handwerkliche groben Fehler erkennen wollten und konnten.

Auf facebook habe ich vor dem Hintergrund meiner Erfahrungen als Redakteur einer Wochenzeitung und meiner Tätigkeiten als Pressesprecher ein paar Fragen gestellt, auf die mein geschätzter Kollege Peter Winnemöller antwortete. Wir haben diese Unterhaltung als Interview fortgesetzt:

Frage: „Über wen sagt es mehr aus, wenn man einem Interviewten raten muss, sein Interview in Zukunft komplett mitzuschneiden?“

Peter Winnemöller (PW): „Das bedeutet natürlich bedauerlicherweise den Verlust einer Kultur des Vertrauens, denn eigentlich sollte man davon ausgehen können, dass ein Journalist dem Grunde nach der Wahrheit verpflichtet ist. Wir sind alle Menschen, unsere Natur ist erbsündlich gebrochen – ich als Christ formuliere das jetzt mal so -, darum sind wir stets in Versuchung, die Wahrheit in unsere Richtung zu verbiegen. Das aber ist nicht das Problem. Das Problem liegt darin, sich nicht von dieser Tatsache beeindrucken zu lassen und trotzdem nach der Wahrheit zu suchen, sich ihr aller Versuchungen zum Trotz verpflichtet zu fühlen.“

Dennoch würde ich jedem in kritischer Situation raten, sich ein kleines kostengünstiges Aufnahmegerät zuzulegen. Ich hätte als Journalist nichts nichts dagegen, denn leider muss ich inzwischen ja damit leben, was Kollegen angerichtet haben, die nicht sauber arbeiten, sondern Tendenzberichterstattung betreiben wollen.

Darüber hinaus biete ich immer an, dem Interviewten meine Aufzeichnung zuzusenden. So schafft man Vertrauen selbst bei denen, die man im Kommentar zu kritisieren beabsichtigt oder im Kommentar kritisiert hat.

Frage: „Und was bedeutet es, wenn man einem Menschen raten muss, keine Gespräche mehr „unter drei“ zu führen, das heißt, vertraulich miteinander Informationen auszutauschen und davon ausgehen zu können, dass davon kein Wort in die Berichterstattung einfließen wird?“

PW: „Das führt zu einem schlimmen Verlust einer freien, starken, gut informierten Presse. Niemand wird freiwillig noch „unter drei“ reden, wenn er befürchten muss, Teile des Gespräches (ganz gleich, ob richtig oder falsch zitiert) am nächsten Tag in der Zeitung zu lesen. Es wäre die Aufgabe der Herausgeber und Chefredakteure, auf diese Tugend der Verschwiegenheit unbedingt zu drängen, denn am Ende wird es das Medium sein, das dabei verliert. Und zudem werden ehrliche und anständige Kollegen in Verruf gebracht und in Sippenhaft genommen.

Der Leser verliert am Ende ebenfalls, denn eine gute und seriöse Berichterstattung sowie einen kenntnisreichen Kommentar braucht es unbedingt, will man sich nicht endgültig auch in breiten Schichten ein Informationsprekariat heranziehen.“

Frage: „Wie empfinden sie als erfahrener Journalist die derzeitige Entwicklung in der Medienbranche? Auflagen brechen dramatisch ein, Verlage krebsen finanziell am Limit, Redaktionen werden geschlossen …?“

PW: „Miterleben zu müssen, wie eine ganze Medienlandschaft durch zunächst verweigerten, dann nur scheu aufgenommenen Strukturwandel den Bach herunter geht, ist scheußlich.

Das Internet und die sozialen Medien können und dürfen ein Korrektiv zu klassischen Medien sein. Dem haben sich die Medienschaffenden zu stellen. Dabei aber einer dem Internet und den sozialen Medien innewohnenden Gefahr der Shitstormisierung von verfälschten oder vereinfachten Informationen noch in die Hände zu arbeiten, statt durch unbedingte Seriosität und größtmögliche Aufrichtigkeit einen Gegenpol aufzubauen, ist nicht nur die schlimmste Gefahr für die freien Medien, sondern auch ein Unverschämtheit gegenüber jedem, der den Wunsch hat, sich redlich und umfassend zu informieren.“

Frage: „Als ehemaliger Redakteure einer Wochenzeitung und als Pressesprecher verschiedener Institutionen, kenne ich die Mechanismen und Interessen des Berichterstattens und die Vorgehensweisen und Verlockungen bei der Information Medienschaffender. Was halten Sie von Vorfällen, wie wir Sie beispielsweise in der Berichterstattung zu den vermeintlichen Aussagen eines spanischen Bischofs beobachten mussten oder wie sie sich derzeit in der Berichterstattung zum Fall Gauland auf offener Bühne abspielen?“

PW: „Eines sollte man bedenken: Mit jeder (halben, viertel oder ganzen) Ente auf dem Medienteich wächst nicht nur der Argwohn der Bürger, sondern auch das Potential für unseriöse Portale mit nicht immer ganz klarem Hintergrund.

Und darum frage ich mich schon, ob wir nicht besser eine Qualitätsoffensive von den etablierten Medienhäusern einfordern sollten. Diese aber bitte mit Nachdruck!“

Herr Winnemöller, ich danke Ihnen für das Gespräch und für die offenen Worte!

Die Fragen stellte Martin Wind

Nach der Empörung

Die Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitiert AfD-Vize Alexander Gauland mit den Worten: „Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ Gemeint ist Jérôme Boateng aus Berlin, Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters. Er spielt beim FC Bayern München und gilt bei Kennern des Fußballsports seit Jahren als einer der besten Innenverteidiger der Welt.

Nun ist die Empörung groß: Gauland habe Boateng beleidigt. Ich bin zwar eher der Meinung, Gauland habe mit seiner Aussage vielmehr „die Leute“ beleidigt, indem er ihnen kollektive Fremdenfeindlichkeit unterstellt (soweit ein in Berliner geborener und in der Bundesliga tätiger deutscher Nationalspieler überhaupt als Beispiel für „Fremdheit“ taugt), aber was soll’s. Deutschland ist sich einig, so einig wie selten zuvor: Gauland hat Boateng beleidigt. Und: Deutschland empört sich.

Ketzerische Frage

Man könnte – nachdem man sich 30 Minuten empört hat – eine ketzerische Frage stellen: Hat Gauland Recht? Also dann, wenn man die Aussage so versteht, dass er meinte, es gäbe in Deutschland Menschen, die einen dunkelhäutigen jungen Mann nicht gerne in ihrer Umgebung haben wollten, wenn sie denn die Wahl hätten.

Solche Fragen („Hätten Sie diese Menschen gerne als Nachbarn?“ – Gezeigt werden Bilder von Schwarzafrikanern, orthodoxen Juden, Frauen mit Kopftuch etc.) stellen normalerweise Soziologen, die zum Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit forschen. Im Rahmen einer Allensbach-Studie (2008) wollten Feldforscher genau dies wissen: „Hätten Sie Menschen mit anderer Hautfarbe gerne als Nachbarn?“

Das Ergebnis zeigt zweierlei: Ja, es gibt Menschen, die lieber keine dunkelhäutigen Nachbarn hätten. Und: Es gibt dabei einen großen Unterschied zwischen Kirchgängern und Nicht-Kirchgängern (es handelte sich um eine religionssoziologische Studie). Während bei den Nicht-Kirchgängern sechs von 100 „Leuten“ sagten, „einen Boateng“ hätten sie nicht gerne als Nachbarn, war es bei den Kirchgängern nur einer von 100.

Rund fünf Prozent der Deutschen sind klar fremdenfeindlich

Wenn wir nun unterstellen, dass die Zahl der praktizierenden Christen in Deutschland vielleicht bei sieben Prozent der Bevölkerung liegt, kommt man insgesamt auf ein Potenzial an Fremdenfeindlichkeit von mindestens fünf Prozent. Das bedeutet: Für mindestens vier Millionen Deutsche gilt, was Gauland sagt: „Sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben“.

Wäre nun Alexander Gauland nicht bei der AfD, sondern bei den Grünen, lobte man ihn heute morgen bundesweit dafür, das Thema Rassismus und Fremdenfeindlichkeit so deutlich angesprochen zu haben. Und, Gegenprobe: Hätte Alexander Gauland gesagt, es gäbe in Deutschland niemanden, der etwas gegen „einen Boateng“ als Nachbarn auszusetzen habe, hagelte es heute morgen wohl Kritik seitens jener Soziologen, die es besser wissen. Von der politischen Konkurrenz würde ihm rasch die Verharmlosung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorgeworfen. Diesmal übrigens völlig zu Recht.

Man kann sich über die AfD empören – vielleicht soll oder muss man es sogar. Aber nicht aus den falschen Gründen und an der falschen Stelle. Das fällt irgendwann auf.

Autor: Josef Bordat

TTIP: Keine Ahnung, aber davon eine Menge

TTIP-Gegner wie -Befürworter gackern über ungelegte Eier. Die eigentliche Herausforderung liegt aber nicht in dem potenziellen Vetragswerk.

Sind Sie für oder gegen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership – Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft)? Oder haben Sie dazu – Gott bewahre – keine Meinung? Das wäre schlecht, denn dann können Sie nicht mitreden. Ist aber im Grunde ganz einfach: Sind Sie gegen amerikanische Chlorhühnchen und für den Erhalt deutscher Arbeitsplätze, dann sind Sie gegen TTIP. Sind Sie für friedenssichernden Handel und für den Erhalt deutscher Arbeitsplätze, dann sind Sie für TTIP. Alles klar? Sie meinen, so einfach sei das alles nicht, und es würde sich schon lohnen, da abzuwägen … und überhaupt seien die von mir genannten Alternativen nicht überschneidungsfrei … dann haben Sie Recht und vermutlich mehr verstanden als die mehr oder weniger aggressiven Für- oder Gegensprecher dieses geplanten und noch in Verhandlung befindlichen Abkommens. Ein Nein oder Ja zu TTIP kann also immer nur bedeuten, bestimmte Verhandlungspositione der EU oder der USA gutzuheißen oder abzulehnen. „Stop TTIP“ ist mithin eine der unsinnigsten Parolen, die es derzeit politisch zu bestaunen gibt – genau so unsinnig allerdings ist das undifferenzierte Go-TTIP der anderen Seite.

Regulierungswut generiert Kosten ohne Wertschöpfung

Freihandel – das wird die Leser meiner Texte nicht verwundern – hat in erster Linie mal meine Zustimmung. Dazu allerdings müssen auch die Bedingungen stimmen. Wen also heute die Sorge um den Mittelstand umtreibt, gegen eine vermeintliche Übermacht amerikanischer Großkonzerne nicht bestehen zu können, dem muss man Recht geben. Denn das letzte, was ein kleines bis mittelständisches Unternehmen in Deutschland derzeit gebrauchen kann ist, nachdem es sich durch den deutschen und europäischen Regulierungswust gekämpft und nicht wertschöpfende Kosten getragen hat, mit einem Unternehmen als Wettbewerber konfrontiert zu sein, das in einem vergleichsweise freien Markt agieren kann. Notwendig für den Freihandel wäre es also, entweder die Ausgangslagen „gleichnamig“ zu machen, oder in einen Wettbewerb der Nationen zu treten, was dann hieße: Auf beiden Märkten überzeugen, warum hohe deutsche und europäische Sozial-, Steuer-, Sicherheits-, Umwelt-, Verbraucherschutz- und regulatorische Kosten für den Kunden am Ende besser sind (von Währungs- und Zinspolitik ganz zu schweigen).

Das allerdings wird schwerfallen und man sitzt allzu schnell dem Missverständnis auf, der Preis einer Leistung errechne sich aus Kosten und erwartetem Gewinn. So stellen sich das jedenfalls die linken Strategen in der Politik das vor: Mehrkosten für irgendeine unsinnige und nicht wertschöpfende Regulatorik wie die Zeiterfassungen zum Mindestlohn können doch auf den Preis aufgeschlagen werden – der Kunde wird es schon bezahlen. Wird er im Zweifel auch (mit abnehmender Tendenz), aber nur, wenn er keine Alternativen hat. Darum sind bei solchen nationalen oder auch regionalen Alleingängen immer auch Folgemaßnahmen zum Schutz der heimischen Unternehmen notwendig – die Interverntionsspirale nimmt seinen Lauf. In Wahrheit bestimmen aber Angebot und Nachfrage den Preis und der bestimmt – abzüglich der Renditevorstellungen – die maximalen Kosten einer Leistung. Das ist keine „Raketentechnik“, wird aber, gerade von Politikern, die nie in der freien Wirtschaft tätig waren, gerne vergessen, verdrängt oder – wohl noch eher – intellektuell nicht durchdrungen.

Schwer zu ertragen: Probleme erkennen zu müssen

Bestrebungen wie TTIP legen diese Problematik erneut offen. Demonstranten gegen TTIP, die einen „ungerechten Wettbewerb“ befürchten, haben insofern durchaus Recht: Wenn europäische Unternehmer und Unternehmen staatlicherseits gegängelt werden, dann ist der Wettbewerb mit einem Unternehmen, dass diesen Regierungseskapaden nicht ausgesetzt ist, tatsächlich nicht „gerecht“. Andererseits sind aber diese Einschränkungen nicht allein auf dem Mist der Politiker gewachsen – die wurden für Vorschläge, die die Arbeitskosten belasten im Zweifel demokratisch gewählt. Insofern wäre TTIP die Gelegenheit, aus einem linken Traum aufzuwachen: Dem Traum, man könne soziale Wohltaten ausgießen, „Verteilungsgerechtigkeit“ herstellen, die Unternehmen mit allerlei scheinbar doch „guten“ Auflagen belasten, ohne dass das Konsequenzen hätte. In einem wirklich freien Markt wären Vereinbarungen wie TTIP gar nicht notwendig: TTIP kann, wenn es denn kommt und wenn es denn dem Namen „Freihandelsabkommen“ gerecht wird, nur eine Reparatur darstellen für einen aktuell zutiefst durch staatliche Eingriffe – von Interessengruppen gefordert – gestörten Markt.

Lasst also Unternehmen unter möglichst freien Bedingungen in Wettbewerb zueinander treten. Die besseren, innovativeren, kundenorientierteren, strategisch besser agierenden werden dann langfristig gewinnen – und die, die verlieren, werden etwas anderes tun. Das bringt nicht nur mehr Wohlstand für alle – weltweit -, sondern sichert auch Arbeitsplätze in verantwortlich agierenden Unternehmen und sorgt für eine bessere Bedienung der Kunden auf allen Ebenen. Daran, und nicht an europäischen Umwelt- und Sozialstandards, muss sich ein potenzielles TTIP-Vertragswerk messen lassen: Sind die Bedingungen für die Wettbewerber in diesem Markt gleich? Idealerweise gleich gut, vermutlich – je nach Durchsetzungskraft der Interessengruppen – aber gleich schlecht. Sollten die TTIP-Bedingungen aber gleich schlecht werden, werden sich insbesondere amerikanische Unternehmen noch mehr auf anderen Märkten wie dem Pazifikraum engagieren. Die Europäer dürfen dann staunend wahrnehmen, wie sie selbst den Entwicklungen hinterherhinken, andere Unternehmen es – gestärkt durch dieses Engagement – selbst mit einem regulierten und überbürokratisierten europäischen Markt aufnehmen können … und wollen wir wetten: Dann schimpfen sie wieder auf die Internationalisierung und kämpfen gegen einen ungerechten Wettbewerb! Und werden vergessen haben, dass sie mit einem vernünftigen Freihandelsabkommen den Schlüssel zum Erfolg in der Hand gehalten, ihn aber nicht umgedreht haben.

Autor: Felix Honekamp

Es wird Zeit für einen „Kampf gegen Extremisten“

Politiker leben und arbeiten exponiert. Sie beziehen Stellung und vertreten Meinung. Diese treffen nicht immer auf Zustimmung. Dagegen kann man argumentieren. Es gibt aber auch Menschen – manche mit schweren psychischen Störungen – die versuchen, Menschen mit anderer Meinung physisch zu vernichten. Dieser Gefahr sind sich Politiker bewusst. Gerade Politiker. Wie schnell es um Leben und Tod gehen kann, haben wir in der Vergangenheit bei Anschlägen auf Frau Henriette ‪‎Reker‬, auf Oskar ‪‎Lafontaine‬ und auf Wolfgang ‪‎Schäuble‬ erleben müssen, die Opfer feiger Anschläge auf Leben und Gesundheit wurden.

Ich bin überzeugt, niemand, der es nicht selbst erlebt hat, kann nachvollziehen, was ein Mensch im Moment eines Anschlages erlebt, fühlt, fürchtet. Stellt sich der Anschlag im Nachhinein als „harmloser“ ‪‎Tortenwurf‬ heraus, so bleiben dennoch mindestens physische Verletzungen, die sich zu Traumata auswachsen können. Die Opfer werden sich schlagartig ihrer Schutzlosigkeit, ihrer Hilflosigkeit und ihrer Verletzlichkeit bewusst. Wie sie damit umgehen (können), vermag niemand vorauszusagen.

Die Angst wird bleiben

Einem Opfer eines solchen Anschlags ist es wahrscheinlich völlig egal, ob es sich letztlich „nur“ um eine Torte handelte, die es ins Gesicht bekam. Die Angst wird bleiben, denn es hätte schlimmer kommen können.

Das ist kein Scherz, das ist auch keine Form einer demokratischen Auseinandersetzung um Ideen und Programme. Das ist blanker Terror. Es ist an unseren Politikern und an unseren Gerichten, hier endlich konsequente Abschreckung zu praktizieren: Wer den politischen Mitbewerber – wie auch immer – physisch bedroht oder gar angreift, sollte meines Erachtens konsequent wie ein Verbrecher behandelt werden, der eine schwerer Körperverletzung versucht oder begangen hat. Das beginnt schon im Kleinen. Und daher ist es auch so verwerflich, dass beispielsweise Heiko ‪‎Maas‬ Aktionen der Antifa gut heißt und als Ausdruck „demokratischen Widerstands“ feiert oder Manuela ‪Schwesig‬ die gewaltschwangeren Randalen der Linksterroristen als „aufgeblasene Probleme“ verniedlicht. Das sind Menschen, die die Fundamente unserer demokratischen Kultur abschaffen wollen, wenn sie Andersdenkende zum Verstummen bringen (siehe Artikel im Neuen Deutschland von dieser Woche!). Wer die Auftritte der sogenannten Antifaschisten beobachtet, der wird nicht umhin kommen, deren absoluten Gewalt- und Vernichtungswillen konstatieren zu müssen.

Antifa ist kein geborener Verbündeter demokratischer Parteien

Politische Kundgebungen wie „Demo für alle“ oder auch der Schweigemarsch der Lebensschützer sind derzeit noch durchführbar, weil ein riesiges Aufgebot der Polizei solche Veranstaltungen vor den Schlägertrupps der sogenannten Antifaschisten schützt. Wann werden ‪#‎LINKE‬, ‪#‎GRÜNE‬, ‪#‎SPD‬, Maas, Schwesig, ‪‎Stegner‬ und Konsorten endlich verstehen, dass die sogenannten ‪Antifa‬ keine geborenen Verbündeten demokratischer Parteien sein dürfen?

Wann werden Maas und Konsorten endlich verstehen, dass der „Kampf gegen Rechts“ eine einseitige Verharmlosung extremistischer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland darstellen? Wann wird Bundesministern und allen aktiven Politikern endlich deutlich, dass der Kampf um die Demokratie ein wehrhafter und konsequenter „Kampf gegen undemokratische Extremisten“ werden muss?

Kampf gegen jede Form undemokratischen Extremismus´

Es bleibt der Appell: Vergesst endlich Eure ideologischen Scheuklappen, Euer spießig-piefiges Lagerdenken, Euren Schulterschluss mit vermeintlichen Verbündeten und beginnt Euch überzeugend für Toleranz und Demokratie einzusetzen. Geht endlich parteiübergreifend gegen jede echte Bedrohung der Demokratie vor und belasst es nicht bei der symbolhaften Abwehr gegen politische Mitbewerber innerhalb des demokratischen Spektrums. Tut etwas gegen die Politikverdrossenheit, gegen die Resignation der Bürger.

Potentielle künftige Opfer solcher feigen und erbärmlichen Attacken auf unser demokratisches Gefüge werden es Euch danken. Derzeit gibt es aber noch keinerlei Grund für „Dank“.

Ach so – ich vergaß: Es gibt auch Politiker, die sich über ihre Rhetorik zu Scharfmachern – um den Begriff  „Schreibtischtäter“ zu vermeiden – aufschwingen.

Autor: Martin Wind

Wie man Wasser in Eis verwandelt

Der Katholikentag steht ins Haus. Ab kommenden Mittwoch, dem 25. Mai, treffen sich in Leipzig für vier Tage Menschen aus der Kirche, aus Vereinen, Verbänden und Gruppen, aus anderen Konfessionen und Religionen, Interessenvertreter und Amtsträger, um gemeinsam über Politik, Gesellschaft, Religion und Glauben zu reden. Veranstaltet wird dieses Treffen vom „Zentralkomitee der deutschen Katholiken“ („ZDK“), einer von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) anerkannten Laienorganisation aus den Strukturen und Verbänden der Kirche.

Ein solches Treffen wirft medial natürlich seine Schatten voraus. Der Präsident des „Zentralkomitees“, Thomas Sternberg, wurde vom Deutschlandfunk zur Bedeutung des „ZDK“, zu Kirche, Theologie, kirchlicher Lehre und zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen befragt, die Programmpunkte des Treffen sein werden. Die Antworten des Komitee-Funktionärs werfen zum Teil Fragen auf, die man als praktizierender, gläubiger Christ von der katholischen Basis und als politisch vielseitig interessierter Mensch gerne noch beantwortet sähe. Im Folgenden werden einige Passagen seiner Ausführungen weiterführenden Fragen gegenübergestellt:

Sternberg: „… Soweit ich sehe ist hier keine Position wirklich ausgegrenzt oder ausgeschaltet worden, es sei denn, es sind wirklich eindeutig menschenfeindliche Parolen, die auf einem Katholikentag so nichts zu suchen haben. …“

Was ist mit der Anwesenheit von „donum vitae“? Ein Verein, der sich nach dem Ausstieg kirchlicher Beratungsstellen aus der staatliche geförderten Schwangerenberatung gegründet hat, um das päpstliche Verbot der Beteiligung am sogenannten „Beratungsschein“ – der zwingenden Voraussetzung zur straffreien Tötung ungeborener Kinder – zu umgehen. Vertritt „donum vitae“ so nicht auch durch sein Handeln „menschenfeindliche Parolen/Positionen“?

Was ist mit „pax christi“? Ein Verein, der rhetorisch kaum verhohlen gegen den Staat Israel hetzt und eine Kennzeichnungspflicht für Produkte aus jüdischen Siedlungen aus den sogenannten besetzten Gebieten fordert. Welche Gedanken drängen sich da dem geschichtsbewussten Christen auf?

Sternberg: „… Wenn Sie wieder lesen, was heute an Unfug auf den Zeitungen steht, dass sie (Frauke Petry) Probleme hat überhaupt mit dem Kopftuch in diesem Land. Ich frag mich, wie man in den bayerischen Dörfern mit den alten Frauen nächstens umgeht. …“

Die „alten Frauen“ in Bayern tragen heute eher keine Kopftücher mehr. Wenn sie das tun, dann meistens aus (noch gelebter) Tradition und individuellem Modeempfinden oder aus Praktikabilitätsgründen. Es ist bisher in Deutschland auch kein Fall bekannt, in dem Frauen ethnisch deutscher Herkunft von nahen Angehörigen genötigt, ja gezwungen wurden Kopftuch zu tragen. Soweit bekannt, hat in den vergangenen sechzig Jahren niemand den Frauen der oben beschrieben Gruppe Gewalt angedroht, sollten sie es wagen, kein Kopftuch zu tragen. Es ist ebenso kein Fall belegt, in dem eine Frau aus der oben skizzierten Gruppe ermordet wurde, weil sie kein Kopftuch trug und deshalb die „Ehre der Familie“ wieder hergestellt werden musste. Warum benutzt er also einen so hinkenden Vergleich? Was will er damit bewirken? Soll die Diskussion banalisiert und zurückgedrängt oder gar lächerlich gemacht werden?

Sternberg: „… Wir hatten am 29. April in Münster den bundesweiten Tag der Diakonin. Da wurden die Frauenverbände immer schräg angesehen, dass sie hier mit einer solchen Vehemenz auf den Diakonat der Frau pochen. Und zwei Wochen später verkündet der Papst vor Ordensfrauen in Rom, dass er genau das jetzt etwas intensiver prüfen werde. …“

Hat Sternberg den Originaltext oder eine fundierte Übersetzung gelesen? Wenn nicht, so sei ihm das dringend ans Herz gelegt. Selbst Frau Florin weist ihn ja immerhin darauf hin, dass seine Interpretation ein wenig hoch gegriffen ist.

Sternberg: „… Es geht mir eher darum, dass Christen deutlich machen, was sie trägt in ihrem sozialen Dienst. Und dass erst die Frage kommt, was sie trägt, und dann erst über Gott gesprochen wird und nicht primär, wie das in einigen Sekten üblich ist, zunächst einmal über Gott und über den Glauben gesprochen wird. Bei den Christen steht der Dienst an erster Stelle. …“

Wie kommt er auf diese interessante Theorie? Steht an erster Stelle auch für Christen nicht der Gottesdienst. Dieser manifestiert sich auch im Dienst am Nächsten. Aber ohne den Bezug zu Gott verliert der „Dienst am Nächsten“ seine transzendente Rückbindung und somit auch seinen „Sinn“?

Sternberg: „… Wenn ich Kritik habe, dann die, dass ich die Hoffnung habe, dass diese wunderbaren Ankündigungen, die er (Papst Franziskus) macht und diese Bewegung, auch in Strukturen umgesetzt wird. (…) Das muss jetzt auch Niederschlag finden, das gilt für eine ganze Reihe weiterer Dinge, ich habe die große Hoffnung, dass er uns erhalten bleibt und dass es uns auch gelingt diese Bewegung in Strukturen umzusetzen.“

Mit solchen Funktionären ist es nicht erstaunlich, dass viele Strukturen der Kirche wie bleierne Bunkerfundamente wirken. „Bewegung in Strukturen umzusetzen“,  ist das nicht wie Wasser in Eis zu verwandeln?

Autor: Martin Wind

Mehr Freiheit statt Papiergeld

„Das Ende des Papiergeldzeitalters“ ist für jeden Verteidiger der Freiheit und Fan Roland Baaders eine Pflichtinvestition.

Wollte man der Zitaten- und Aphorismensammlung „Das Ende des Papiergeldzeitalters“ einen Vorwurf machen, dann höchstens den Titel des Buches. Denn der mag den einen oder anderen Leser abschrecken, der sich nicht durch ein wirtschaftswissenschaftliches Werk arbeiten möchte, Sorge hat, den „österreichischen“ Geldtheorien nicht folgen zu können – schon gar nicht in der Form der auf das Wesentliche zusammendampfenden Zitate. All diejenigen kann ich aber beruhigen: Das von Rahim Taghizadegan im Schweizer Verlag Johannes Müller herausgegebene Buch entspricht viel mehr dem Anspruch des Untertitels, ein „Brevier der Freiheit“ zu sein, einer Freiheit wie Roland Baader sie Zeit seines Schaffens vertreten hat.

Die Freiheit eines Christen

Leider habe ich Roland Baader, der im Januar 2012 nach langer Krankheit verstarb, nie persönlich kennengelernt. So bin ich erst durch die im libertären Magazin „eigentümlich frei“ veröffentlichten diversen Nachrufe auf ihn aufmerksam geworden und war in der Folge über sein Werk „Die belogene Generation“ – gerichtet eigentlich an Leser, die mindestens zwanzig Jahre jünger sind als ich – mit einem Freiheitsbegriff konfrontiert, der meine Sicht auf die Welt deutlich verändert hat. Diese Nachrufe beschreiben ihn nicht nur als freiheitsliebend sondern auch als gläubigen Christenmenschen, auch wenn er an den Kirchen in Deutschland wenig Erfreuliches gefunden hat. Sympathisch muss er gewesen sein, aber auch teilweise resigniert angesichts der Tatsache, dass nicht nur in Deutschland der Mehrzahl der Menschen das Gefühl für Freiheit vollends abhanden gekommen zu sein scheint.

Aus seinen umfangreichen Werken hat Rahim Taghizadegan, selbst wie Baader Privatgelehrter alter Schule, eine Sammlung von Kernsätzen vorgelegt, die einen Streifzug durch all die Themen liefern, die mit der Freiheit zu tun haben, oder – mehr noch – in denen Freiheit bedroht oder fast unwiederbringlich niedergeschlagen wurde. Nach einer kurzen Einführung in Leben und Werk Baaders startet das Buch denn auch mit einem bekannten Abschnitt, überschrieben mit „Mein Traum“, nachzulesen auch bei der eigentümlich frei, in dem Baader deutlich macht, was ihn umtreibt: Es ist fast ein kleines Manifest, dass er mit den Worten beschließt:

„Was ich brauche, das sind: Freunde, Familie und rechtschaffene Christenmenschen, in guten und in schlechten Zeiten; und ich bin Freund, Familienglied und Christ, auch dann, wenn es anderen schlecht geht; aber dazu brauche ich keine Funktionäre und Schmarotzer, keine bezahlten Schergen und staatsversorgte Wohltäter. Dazu brauch ich nur die mir Nahestehenden und den Herrgott. Hier stehe ich. Gott helfe mir! Ich kann nicht anders!“

Das ist exakt das, was jeden freiheitsliebenden Menschen einen Schlag in die Magengegend verpasst, wenn er sieht, in welchen Lebensbereichen, auch in solchen Themen die ihn vermeintlich nur indirekt betreffen, eben keine Freiheit mehr herrscht. Besonders wesentlich wird diese Einschätzung vor allem vor dem Hintergrund des Niedergangs des Sozialismus Ende der 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, mit dem man diese große freiheitsraubende Ideologie bereits am Ende gesehen hat. Aber nichts da: Die sozialistischen Gesellschaftsingenieure sind heute stärker denn je, haben andere Instrumentarien gefunden, die Freiheit auf eine Art einzuschränken, dass viele sogar bereit sind, für diese „Errungenschaft“ zu danken. Darum müsste man den Büchern Baaders – aus meiner Sicht besonders denen, die sich um gesellschaftliche Freiheit drehen – eine blaue und eine rote „Pille“ beilegen, wie sie Morpheus in „Die Matrix“ dem Hacker Neo anbietet: „Nimm die blaue Pille — die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst was du auch immer glauben willst. Nimm die rote Pille — du bleibst hier im Wunderland und ich werde dir zeigen wie tief das Kaninchenloch reicht.“ Wer Baaders Bücher liest, hat sich für die rote Pille entschieden und sieht fortan – jedenfalls besser als vorher – die Matrix der Kontrolle und Unfreiheit, die ihn umgibt: Mehr oder weniger technikfrei, aber mit Unterstützung von Politik, Medien, Interessengruppen und – leider auch – Teilen der Kirchen.

Es stehen keine unwichtigen Sätze in diesem Buch

Zitate aus diesem Brevier auszuwählen fällt schwer: Es stehen schlicht keine unwichtigen Sätze in diesem Buch, die man guten Gewissens auslassen könnte. Trotzdem wird jeder Leser seine Schwerpunkte finden, auch anhand der von Taghizadegan vorgenommenen inhaltlichen Gliederung (die bisweilen zu Wiederholungen führt, was der Klarheit durchaus dient, ab und zu aber irritieren mag). Von unterschiedlichen Formen der gesellschaftlichen Staatsgläubigkeit über die nicht anders als sozialistisch zu benennende Geldpolitik, über staatliche Einmischungen in Bildungs- und Gesundheitspolitik bis hin zu den Politikern selbst reichen die Beschreibungen Baaders zu den „Feinden der Freiheit“. Dem setzt er fünf Aspekte einer freien Ordnung entgegen, von denen besonders die letzte in einem katholischen Blog Aufmerksamkeit erregen muss: Freiheit, Recht & Gerechtigkeit, Wettbewerb & Freihandel, Geld & Gold und – last but not least – Religion.

Dieser letzte Abschnitt beginnt mit einem fulminanten Plädoyer für die durch den Glauben an Gott geforderte Freiheit eines jeden Menschen – und die Gefährdung dieser Freiheit durch die Ablösung Gottes durch den Staat oder ein anderes Kollektiv. Darum hier in voller Länger das Zitat aus dem Jahr 1988:

„Mit der Verneinung der Herrschaft Gottes hat man vermeintlich jeglichen Herrschaftsanspruch abgeschüttelt. Folglich versteht das sich „selbstbestimmende“ Individuum seine von ihm eingerichtete Staatsform als permanenten Prozess der Abschaffung von Herrschaft. Es berührt uns nur scheinbar seltsam und widersprüchlich, dass das Zeitalter der totalen „Emanzipation“ zusammenfällt mit der Ägide der Verherrlichung des Kollektivs, denn der Mensch, der seine subjektive Individualität in Wahrheit nur in der Beziehung zu Gott gewinnen und erfahren kann, muss – einmal von Gott getrennt – zur Überzeugung gelangen, dass er kein subjektiv maßgebliches Wesen mehr ist, sondern seine Bedeutung nur noch als Bestandteil des Kollektivs erfahren kann. Also verherrlicht er dieses Kollektiv und „befreit“ sich gleichzeitig als Ersatzhandlung von untergeordneten Schein-Herrschaftsstrukturen der ihm verbliebenen Restbindungen „Ehe“, „Familie“, „Schule“, „Nation“, die in Wirklichkeit nur Ordnungs- und Orientierungsstrukturen (und keine Herrschaftsstrukturen) sind.“

Dieser Überzeugung ist Baader treu geblieben, wie aus einem – ebenfalls etwas längeren, aber lesenswerten – Zitat aus dem Vorwort zu Robert Grözingers „Jesus, der Kapitalist“ von 2012 hervorgeht. Darin geht es nicht nur generell um das „Kollektiv“ sondern die thematischen und persönlichen Gottessubstitute, die den Menschen erneut unterwerfen und ihn seiner Freiheit berauben (die ihm von Gott geschenkt ist):

„Solange man glaubte, nur Gott könne irgendwann eine neue Erde und einen neuen Menschen erschaffen, hielt sich der Wahn in Grenzen. Als man aber begann, zu glauben, der Mensch könne kraft seiner Vernunft dieses Werk selber oder sogar noch besser (und früher) vollbringen, wurde der Wahn grenzenlos. Man betete jetzt die selbsternannten Götter der Vernunft an: Robespierre, Lenin, Stalin, Hitler, Mao, Ho-Chi-Minh, Pol Pot, Kim-Il-Sung, Che Guevara und Konsorten. Und auf ihr Geheiß oder in ihrem Namen rottete man jeden aus, der dem neuen Diesseitsparadies der Vernunft-Religion aufgrund seines veralteten „Menschseins“ entgegenstand. Dieser Wahn ist keineswegs zu Ende. In jüngerer Zeit ist er (noch) in weniger martialischen Gewändern unterwegs, aber der Gesinnungsabsolutismus wächst in den politisch korrekten Strömungen wie dem „Europäischen Werte“-Dogmatismus, dem Öko-Fundamentalismus, dem Multikulturalismus, der Gleichstellungsmanie, der Klima-Hysterie und dem Gender-Mainstreaming-Delirium (um nur einige zu nennen). In ihrer Gesamtheit deuten die Erscheinungen darauf hin, dass die Menschheit auch jetzt wieder den Weg in den Totalitarismus – zurück ins irdische und vermeintliche Paradies antreten will.“

Ist „Das Ende des Papiergeld-Zeitalters“ also im Kern ein pessimistisches Buch? Viel Anlass zu Optimismus ist in der Tat für die Sache der Freiheit nicht angebracht. Und doch scheint durch die Zeilen immer wieder die Hoffnung auf, dass die Kritiken und Appelle nicht in den Wind geschrieben sind. Wenn man so will ist es das Vermächtnis Roland Baaders an jeden Freiheitsliebenden, diese Überzeugungen fortzusetzen, für sie zu kämpfen und nicht aufzugeben.

Von allzu viel Hoffnung zeugt es nicht, aber so bleibt am Ende auch eine wesentliche Überzeugung, die auch der teilen kann, der optimistisch in die Zukunft der Freiheitlichkeit schaut:

„Hat jemand, der unablässig für die Freiheit eintritt, überhaupt noch eine Erfolgsaussicht? Eigentlich nur eine: die Selbstachtung nicht zu verlieren.“

Ohne mich an diesem Vermächtnis vergreifen zu wollen, möchte ich den letzten Satz trotzdem leicht korrigieren: Hat also jemand, der unablässig für die Freiheit eintritt, überhaupt noch eine Erfolgsaussicht? Mindestens eine: die Selbstachtung nicht zu verlieren.

Autor: Felix Honekamp

 Roland Baaders (Hrsg.: Rahim Taghizadegan) „Das Ende des Papiergeld-Zeitalters: Ein Brevier der Freiheit“ ist im März im Verlag Johannes Müller erschienen und auch als eBook erhältlich:

Bedrängte Christen alleingelassen

Asche haben sie sich auf´s Haupt gestreut, gemeinsam „mea culpa“ bekannt – obwohl sie nicht mal persönlich gefehlt hatten. Sie haben bedauert und getrauert, sie waren beschämt und sie haben versprochen: „Nie wieder!“ Bischöfe der katholischen Kirche und Amtsträger evangelischer Gemeinschaften hatten in den vergangenen siebzig Jahren genug Zeit und Gelegenheit, sich der Fehler ihrer jeweiligen Organisationen und Strukturen in der Geschichte bewusst zu werden, diese „aufzuarbeiten“, Lehren zu ziehen und klüger zu werden. Doch haben sie die Zeit gut genutzt, haben sie aus den Fehlern und Schwächen ihrer Amtsvorgänger wirklich etwas gelernt?

Nun – angesichts des derzeitigen Umgangs der Leitungsgremien der katholischen Kirche und seitens der evangelischen Gemeinschaften mit Verfolgungen und Drangsal, denen christliche Flüchtlinge in bundesdeutschen Erstaufnahmelagern ausgesetzt sind, beschleicht einem das traurige Gefühl, dass all´ die hehren Sprüche zur Vergangenheit eben auch nur hehr und nur Fensterreden aber keineswegs ehrlich waren. „Wehret den Anfängen!“ galt offenbar nur als Anklage gegen die Altvorderen oder wandte sich gegen abstrakte Bedrohungsszenarien im politischen Alltag der Nachkriegsrepublik.

Das geschichtsvergessene Versagen der Funktionsträger und Gremien

Heute – vor die große Herausforderung gestellt, erneut gegen religiöse Bedrohung vorzugehen und Unterdrückten beizustehen – versagen die oben angeführten Gremien auf beschämende Weise. Das heißt nicht, dass nicht viele Einzelinitiativen, unermüdliche Hilfsbereitschaft, lokale Unterstützungen und Minderungen des Leids aus den Gemeinden heraus geleistet würden. Selbst die großen Hilfsorganisationen der Kirche, wie beispielsweise die „Caritas“ und die evangelische „Diakonie“ zeigen sich flexibel und versuchen, den nach Deutschland eingereisten Menschen beizustehen. Aus diesem Kreis der Helfenden von der Basis kamen schon früh die ersten Berichte von dem, was Christen in Lagern widerfährt. Bereits 2014 waren die Hinweise und die belegten Tatvorgänge so zahlreich und so glaubhaft, dass selbst die überregionale „Welt“ im August unter dem Titel „Christen spüren auch in Deutschland den Hass“ einen ausführlichen Bericht mit mehr als 12.000 Zeichen zum Thema veröffentlichte. Seither ist das Problem in der regionalen und überregionalen Tagespresse ständig mit größeren Berichten oder kleineren Meldungen „präsent“.

Immer wieder haben Christen von der Basis deshalb die Amtsträger zu mehr Einsatz für die christlichen Glaubensgeschwister aufgefordert, man hat gebeten, gedrängt, gefleht und geflucht, denn irgendwie schienen die Amtsträger das Problem nicht sonderlich ernst zu nehmen. Von politischer Seite konnte auch keine Hilfe erwartet werden, da dort der erbetene Schutz für die Verfolgten, zur Diskriminierung der Verfolger umgedeutet wurde.

Bischöfe liefern christliche Opfer den Tätern aus

Noch im April 2016 haben sich laut eines Berichts von rbb|24 in Berlin der evangelische Bischof Dröge und der katholische Erzbischof Heiner Koch, trotz der überall verfügbaren Meldungen und trotz bedrückender Details, gegen eine getrennte Unterbringung oder eine gesonderte Behandlung für bedrängte Christen in Flüchtlingsheimen ausgesprochen. „Es kann kein Weg sein, vor etwaigem (sic!) intoleranten (sic!) Verhalten gegenüber Christen zu kapitulieren, indem man eigene Unterkünfte nur für sie einrichtet“, so Erzbischof Koch. Nicht genug, dass der Erzbischof die Taten verharmlosend als „intolerantes Verhalten“ relativiert, er stellt auch noch deren bisheriges Geschehen in Frage. Mit dem Begriff „etwaig“ verweist er auf eventuell künftig eintretende, aber nicht zwingend geschehende Ereignisse. Die Opfer der Übergriffe gegen Christen werden sich verzweifelt fragen, was denn für den Herrn Erzbischof wohl „ein Weg“ sein könnte, der keine Kapitulation vor Intoleranz und Unterdrückung gegenüber Christen wäre.

Der Erzbischof muss sich auch die Frage gefallen lassen, wie er so selbstbewusst seine christlichen Mitmenschen ihren Peinigern in den Flüchtlingsheimen überlassen kann, nur um nicht vor den Aggressoren zu kapitulieren. Die Opfer der Aggressionen wurden nicht gefragt, ob sie Subjekte dieser heroischen Widerstandsbewegung sein wollen. Menschen als Mittel pädagogischer Maßnahmen zu missbrauchen, kann wohl kaum als probates Instrument einer gelingenden Integration gefeiert werden. Kein Aggressor wird religiöse Toleranz dadurch lernen, dass er mit seinem Opfer zusammen leben „muss“.

Wo sind die Hirten, die ihre Schafe vor den Wölfen verteidigen?

Als nicht betroffener und dennoch durchaus empathischer Christ Mitteleuropas fragt man sich, was da in Bischöfen vorgeht, die ihre Glaubensgeschwister auf der Flucht und in großer Not derart alleine lassen. Eigentlich haben wir gelernt, dass ein Hirte seine Schafe verteidigt, wenn die Wölfe sie bedrohen. Und eigentlich haben wir gelernt, dass ein Hirte auch dem Schäfer der benachbarten Herde zu Hilfe eilt, wenn die Wölfe oder der Bär dessen Herde angreifen. Jetzt drängt sich der Eindruck auf, dass die Hirten sich von den Hilferufenden wegdrehen und lediglich die eigene, unruhig grummelnden Herden zu beruhigen versuchen. Ein Amtsträger, der so auf seine Herde wirkt, muss sich nicht wundern, wenn bei den Gläubigen Vertrauen und Achtung in seine Person schwinden. Ein solches Verhalten der Bischöfe ist der beste Weg, um sich die Autorität von Amt und Person selbst zu demontieren.

Was treibt Bischöfe eigentlich zu solchen unerklärlichen Erklärungen und Verhaltensweisen. Was treibt sie da um? Bischöfe sind eigentlich Gott, der Kirche, der Theologie und den Gläubigen verpflichtet. Sie haben sich nicht vor der Öffentlichkeit, den Medien oder dem Staat zu rechtfertigen. Sie sind kein Teil einer staatlichen Toleranzpolitik, die suggerieren will, dass Hilfe für Opfer eine Diskriminierung der Täter darstellen würde. Wenn Bischöfe sich endlich wieder von vermeintlich relevanten medialen und öffentlichen Erwartungen befreiten, würde das zumindest einen Teil ihrer Stärke und Wirksamkeit ausmachen. Das würde auch dem Staat den Rücken im Umgang mit solchen Verbrechern stärken. Dann könnte man jenen, die ihre archaischen Vorstellungen vom Umgang mit Christen, Frauen und Kindern hier so austoben möchten, wie sie das in ihren Herkunftskultur gelernt haben, verdeutlichen, dass sie damit ihren Bewerber-, Flüchtlings- oder Asylantenstatus unwiderruflich verlieren. Da muss es unmissverständlich heißen: In unserer Kultur werden sie durch ein solches Verhalten automatisch zum Täter. Unser Staat sollte sich mit Rückhalt aus der Bevölkerung und seitens aller gesellschaftlichen Kräfte erlauben, alle darauf hinzuweisen, dass sie eine Abschiebung ohne Rückfahrtschein gewinnen, wenn sie sich unzivilisiert benehmen.

Bischöfe sollten ihren Einfluss nutzen, um wirksamen Schutz einzufordern

Jesus hat uns Christen gesagt: „Ihr seid das Salz der Erde“. Er hat uns nicht mitgegeben, dass wir der weiche und süße Weckmann der Öffentlichkeit und der Political Correctness sein sollen, der beinahe allen schmeckt. Mit politisch fein austarierten Statements, die niemandem weh tun, aber auch keinem helfen, werden Bischöfe ihrer großen Verantwortung nicht gerecht. Da ist dann auch konziliante Konfrontation gefragt und das Einfordern unbequemer Lösungen. Man sollte von Bischöfen erwarten können, dass sie die Erstaufnahmelager besuchen, dass sie Behörden Dampf unter dem Hintern machen und Redaktionen sensibilisieren. Das muss so lange geschehen, bis deutlich wird, dass unsere christlichen Brüder und Schwestern in unserem Land, in das sie geflohen sind, leider wieder von denen gepeinigt werden, vor denen sie hierher geflohen sind. Wenn das dann schmerzhaft ins Bewusstsein der Politik gedrungen ist und daraus endlich wirksamer Schutz für Christen erwächst, dann haben die Bischöfe einen Teil ihres Auftrages befriedigend erfüllt und werden ihrer Verantwortung gerecht.

Ein kleiner Anfang scheint zumindest mal gemacht: Die Bischofskonferenz kommt angesichts der Meldungen in der Tagespresse um eine Reaktion nicht mehr herum. Die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) meldet, die Bischofskonferenz habe erkannt, dass die Situation der christlichen Flüchtlinge in Flüchtlingseinrichtungen es erforderlich mache, „die generellen Konzepte für den Betrieb dieser Einrichtungen einer kritischen Überprüfung zu unterziehen“.

Autor: Martin Wind

Religion und Ideologie. Und das Christentum

Ich bin immer dankbar für Anregungen der Art „Dazu können Sie doch auch mal etwas schreiben!“. Nicht immer kann ich diese Anregungen umsetzen. Manchmal aber schon – wie in diesem Fall.

Kürzlich wies mich eine Leserin auf einen ihrer Ansicht nach ärgerlichen Text hin, in dem Religion und Ideologie hinsichtlich ihrer Wirkung auf Politik und Gesellschaft gleichgesetzt wurden. In der Tat: Ein sehr ärgerlicher Text. Es ist zunächst schwer, einen Zugang zu der darin vorgetragenen Argumentation zu bekommen. Der Verfasser überdehnt den Ideologiebegriff derart („Wir sind alle Ideologen!“), dass tatsächlich auch „die“ Religionen darunter fallen. Der Text ist also zunächst konzeptionell problematisch. Zudem lässt der Autor im Verlauf seiner Darlegung den Wahrheitsbegriff m.A.n. unterbestimmt, v.a. mit Blick auf das Christentum. Ich will hier nur kurz andeuten, was ich damit meine.

Religion und Ideologie werden gleichgesetzt

Die Rede von „den“ Religionen ist unzulässig. Es gibt etwa 5000 Religionen, die höchst unterschiedlich sind. Das interessiert den Autor aber nicht, weil er sie alle durch den Wahrheitsanspruch in Fragen der Lebensführung verbunden sieht. Er müsste also eigentlich sagen: „Gemeinschaften von Menschen, die für richtig halten, was sie tun“. So etwas meint er nämlich, wenn er Religion und Ideologie in dieser Hinsicht gleichsetzt.

Damit handelt er sich ein riesiges Problem ein: Derart aufgeweicht lässt sich alles unter „Ideologie“ fassen. Wenn alles, was Ideen zu Mensch und Gesellschaft beinhaltet, die überhaupt einen Geltungsanspruch erheben, eine Ideologie ist (so scheint es der Autor ja zu sehen), dann ist natürlich auch die katholische Soziallehre eine Ideologie und jede Form politischer Einflussnahme, seien es die Vorschläge der AfD oder das Engagement von Greenpeace oder das Wirken von DGB oder DFB oder des Bauernverbands. Und natürlich auch die Beteiligung der Katholischen Kirche und anderer Religionsgemeinschaften an öffentlichen Debatten.

Sprachliche Aufweitung eines Begriffs bis zur Unkenntlichkeit

Das merkt der Autor und sagt es auch („Wir sind alle Ideologen!“). Der Autor versucht den Ideologiebegriff zu neutralisieren und depotenziert ihn damit – in einem Diskurs, in dem Religion als Ideologie zum Kampfbegriff wurde (Islamdebatte). Das ist einerseits sehr löblich (gegen überzogene und undifferenzierte Islamkritik), andererseits gefährlich, weil er damit zu weit vom allgemeinen Sprachgebrauch abweicht. Jedes öffentliche Argumentieren der Kirche als Ausdruck von Ideologie misszuverstehen – vom Lebensschutz bis zur Energiepolitik – verfängt eben nur bei Aufweitung des Begriffs – bei Aufweitung bis zur Unbrauchbarkeit.

Der Autor sieht sich selbst in Opposition zum gesellschaftlichen Konsens, nach dem Religion gerade keine Ideologie sei, ja, bewusst vom Ideologieverdacht ausgenommen werde. Das mag als rhetorisches Motiv im Raum stehen bleiben, deckt sich aber nicht mit meiner Erfahrung. Im Gegenteil: Mir begegnen fast nur Menschen, die die Position des Verfassers teilen. Der Vorwurf, den man dem Verfasser dabei machen kann, geht v.a. in die Richtung, dass er Ideologien verharmlost, um dann um so heftiger auf den Wahrheitsbegriff einzuschlagen und „die“ Religionen zu treffen. Lassen wir uns einmal darauf ein.

Eine Person ist im Christentum die Wahrheit

Der Autor stellt also den Wahrheitsbegriff unter Generalverdacht, ohne zu sehen, was „Wahrheit“ (in den einzelnen Religionen und Ideologien) bedeutet und wie sie konkret gelebt wird. Das könnte man sich ja mal für das Christentum im Detail anschauen. Christen glauben ja, dass die Wahrheit eine Person ist – Jesus Christus. Daraus erwächst aber gerade keine (für Ideologien typische) Intoleranz, sondern die Achtung vor dem Gebot der Liebe, die selbst den Feind einschließt. Das ist derart unideologisch, weniger Ideologie geht nicht (es sei denn, man sieht die Liebe als Idee an und folgt dem bis zur Unkenntlichkeit überdehnten Ideologiekonzept des Autors).

Es geht im Christentum eben gerade nicht nur um eine Transzendierung des „ideologischen Wahrheitsanspruchs“ (das machte die Sache am Ende nur noch schlimmer, so dass dann derart missbrauchte Religionen tatsächlich „Superideologien“ werden können), sondern um eine konkrete Person, die Wahrheit ist und dies in ihrer Lehre und ihrem Leben erkennbar wird. Diese Wahrheit in Christo führt nicht zur Intoleranz einer politischen Ideologie, auch wenn sie den Anspruch erhebt, gesellschaftlich wirksam zu werden.

Intoleranz ist die Grundlage der Ideologie

Dass Christen in der Geschichte der Kirche auch intolerant handelten (was niemand bestreiten wird) und ihren religiösen Glauben zur allgemein verbindlichen Denkweise und Lebensform (vulgo: zur Ideologie) erhoben, ist kein Beleg für die Religion ist Ideologie-These, sondern ganz im Gegenteil ein Hinweis darauf, was passiert, wenn Christen von der Wahrheit in Christo abweichen (also: von der Liebe) und statt dessen ihrer eigenen Wahrheit (die dann tatsächlich ideologisch wirken kann) folgen: Religion wird zur Ideologie. Das muss sie aber eben erst werden, das ist sie nicht schon!

Wenn Religion ohnehin und immer Ideologie wäre (und damit alle Religionen – „unterschiedslos“, wie der Verfasser betont), dann würde das auch für das Christentum gelten – insoweit es eine Religion ist. Dann gäbe es aber keine zwei ganz unterschiedlichen Umgangsformen mit Häresie in der Kirchengeschichte, und zwar von Beginn der Christenheit an – eine unideologische (Duldung – argumentative Auseinandersetzung) und eine ideologische (Verfolgung – gewaltsame Bekämpfung). Woher sollte jene kommen, wenn nicht aus der christlichen Religion selbst? Aus der kulturellen und sozialen Umgebung der Antike werden die Impulse sicher nicht gekommen sein.

Der Versuch Ideologie mit Ideologie zu entschärfn

Nun (umgekehrt) die Sache zu retten, indem man sagt, alles sei Ideologie, dürfe es aber nicht sein, sondern müsse sich dem Grundgesetz unterstellen (oder einer anderen zivilreligiösen, i.e. dann wohl auch „ideologischen“ Normativität), würde ja das Grundgesetz zur absoluten Wahrheit machen (und damit die demokratisch-freiheitliche Ordnung zur „Ideologie“). Hier zeigt sich die Schwäche des vom Autor postulierten Relativismus‘: Er führt in den Widerspruch, wenn man ihn auf sich selbst anwendet (Motto: „Alles ist relativ!“ – Gegenfrage: „Alles?“).

Absolute Wahrheit braucht aber das Absolute (also: Gott) und – damit sie nicht ideologisch missbraucht wird – einen Grund in einer Verbindlichkeit, die über Konventionen hinausgeht. Im Christentum ist diese Verbindlichkeit gegeben, weil Wahrheit kein Konzept, sondern eine Person ist, die sehr konkret handelt und uns damit zeigt, was wahr ist.

Unredliche Argumentation

Die (in der Tat: ideologischen!) konkreten Konsequenzen (etwa die Schwächung der Religionsfreiheit) sind fatal. Gerade die Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit ist die Keimzelle jeglicher Freiheit und damit die Basis dessen, was unser Grundgesetz ausmacht. Bürgerliche Grundrechte gegen das fundamentale Menschenrecht Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit (und als solches sahen sie so unterschiedliche Denker wie Jellinek oder Bloch) auszuspielen, ist absurd.

In Sachen Ethik argumentiert der Verfasser schließlich derart unredlich, dass man ihm raten möchte, er möge den Ideologievorwurf auch mal probeweise auf sich selbst anwenden. So macht er geschickterweise gleich die Ideologieform (sic!) der Moral zum Gegenstand, so als gäbe es keine Moral ohne Moralismus. Klar: Moralismus ist niemals ideologiefrei (so, wie eine versalzene Suppe immer salzhaltig ist – aber wer sagt, dass eine Suppe versalzen sein muss?!). Religion hingegen kann – als Moralsystem – moralismusfrei sein, nämlich dann, wenn sie sich von der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes bestimmen lässt, gerade so, wie sich jene Gerechtigkeit und diese Barmherzigkeit aus Offenbarung (Bibel) und Tradition (Lehramt) von außen her darbieten und wie sie sich dem Menschen in seinem Gewissen und vor seiner Vernunft als wahr zu erkennen geben und dadurch sein Handeln von innen her motivieren. So, wie im Christentum. Zugegeben: Das ist ein Ideal. Aber damit noch lange keine Ideologie.

Alles in allem liegt die Leserin goldrichtig: Ein sehr ärgerlicher Text.

Autor: Josef Bordat

Katharina von Siena. Und andere Frauen in der Kirche …

Die Dominikanerin Katharina von Siena ist Kirchenlehrerin und Schutzpatronin Europas. Am 29. April gedenkt die Katholische Kirche dieser bedeutenden Heiligen. Frau sein und die Wertschätzung der Kirche erfahren – wie passt das denn zusammen? Recht gut, wenn man genauer hinschaut. Denn: Frauen spielen in der angeblichen „Männerkirche“ eine große Rolle. „Die Kirche kann nicht sie selbst sein ohne Frauen und deren Rolle. Der weibliche Genius ist nötig an den Stellen, wo wichtige Entscheidungen getroffen werden“, meint auch Papst Franziskus.

Nicht nur die Gottesmutter Maria, auch andere Frauen werden in der Katholischen Kirche hoch verehrt. Katharina von Alexandrien, Elisabeth von Thüringen, Barbara, Lucia, Rita, Edith Stein zählen zu den bekanntesten Heiligen überhaupt. Die Kirche hat durch ihr Andenken die Biographien dieser Frauen für die Nachwelt erhalten. Auch in den vergangenen Jahren wurden Frauen selig gesprochen, die in ganz unterschiedlicher Weise Vorbilder im Glauben sind, etwa Mutter Teresa, Chiara Luce und Schwester Faustina.

Wertschätzung der heiligen Frauen durch die Kirche

Besonders die vier Kirchenlehrerinnen erfahren heute eine große Beachtung als Ordengründerinnen, Ordensreformatorinnen, Mystikerinnen und Philosophinnen: Hildegard von Bingen (12. Jahrhundert), Katharina von Siena (14. Jahrhundert), Teresa von Ávila (16. Jahrhundert) und Thérèse von Lisieux (19. Jahrhundert). Zwar sind die Frauen mit 11 Prozent quantitativ unterrepräsentiert, ihr Anteil ist damit halb so hoch wie der deutscher Hochschullehrerinnen im 21. Jahrhundert (22 Prozent).

Trotz dieses Nachholbedarfs zeigt sich an der Wertschätzung gegenüber den heiligen Frauen, dass das Bild der „Männerkirche“ schief ist. Zumindest aber unvollständig. Ausgeblendet wird dabei, dass gerade in der letzten Zeit die Rolle der Frauen in der Kirche eine größere wurde, auch durch die Personalpolitik des Papstes. 20 Prozent aller Mitarbeiter im Vatikan sind weiblich; der Anteil hat sich in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt.

Frauen in verantwortlichen und machtvollen Positionen der Kirche

Auch leitende und wichtige beratende Tätigkeiten werden mehr und mehr von Frauen ausgeübt. So ernannte Papst Franziskus 2014 die im Fach Dogmatik habilitierte Franziskanerin Maria Domenica Melone zur Rektorin der Päpstlichen Universität Antonianum und im Jahr darauf die italienische Historikerin Stefania Nanni, Professorin für „Geschichte der Neuzeit“ an der römischen Universität La Sapienza, zur Konsultorin der Kongregation für Selig- und Heiligsprechungen. Im gleichen Jahr nahm ein 24-köpfiges Beraterinnen-Gremium mit Frauen aus Wissenschaft und Medien, Diplomatie und Politik, Bildung und Gesundheitswesen die Arbeit im Päpstlichen Kulturrat auf.

Doch Frauen in hohen und höchsten Ämtern des Vatikan sind keine Erfindung des aktuellen Papstes: Schon zu Zeiten Papst Benedikts XVI. wurde Maria Domenica Melone Dekanin der Theologischen Fakultät am Antonianum (2011). Und bereits im Jahre 2003 berief Papst Johannes Paul II. die Mediävistin Letizia Ermini Pani zur Präsidentin der Päpstlichen Akademie für Archäologie und die Soziologin Schwester Enrica Rosanna zur Untersekretärin der Ordenskongregation.

Frauen in Leitungspositionen und auf der mittleren Leitungsebene der Kirche in Deutschland

Vier Jahre zuvor hatte eben jener Heilige Johannes Paul II. Katharina von Siena zur Schutzpatronin Europas erhoben, nachdem ihre theologisch bedeutenden Schriften Papst Paul VI. veranlasst hatten, Katharina 1970 in den erlauchten Kreis der Doctores Ecclesiae universalis aufzunehmen – als zweite Frau, eine Woche nach Teresa von Ávila; Thérèse von Lisieux (1997) und Hildegard von Bingen (2012) kamen dann später hinzu.

Und in Deutschland? Wie sieht es hierzulande mit den Frauen in der Kirche aus? Gut, d.h. zumindest nicht schlecht. Also, nicht schlechter jedenfalls als außerhalb der Kirche. Frauen besetzen in Generalvikariaten und Ordinariaten deutscher Diözesen nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (2015) etwa 13 Prozent der höheren Leitungspositionen und 19 Prozent der Stellen auf der mittleren Leitungsebene. Somit ist etwa ein Drittel der mit Leitungsaufgaben verbundenen Positionen in der Kirchenverwaltung von Frauen besetzt.

+++ Bitte beachten Sie die Fehlerberichtigung des Autors zum folgenden Absatz +++

Zum Vergleich: Der Anteil von Frauen in Leitungspositionen beträgt bei deutschen Wirtschaftsunternehmen je nach Größenordnung um die zehn (Mittelständler), 15 (Großunternehmen) bzw. 25 Prozent (Kleinbetriebe). Von der politisch angestrebten Quote (30 Prozent Frauen in Leitungspositionen) ist die freie Wirtschaft also noch weit entfernt, die Katholische Kirche hat sie hingegen längst erreicht bzw. übertroffen. Ganz ohne Quote.

Frauen haben einen anderen Zugang zum Glauben, der gerade in der heutigen Zeit einen unermesslich hohen Wert besitzt. Wenn mich mein Eindruck nicht täuscht, sprechen sie öfter vom Suchen als vom Gefunden haben. Das kommt vielen Menschen heute entgegen. Katharina von Siena etwa meinte:

„Wenn du Gott suchst, wird dich dein aufrichtiger Wille ihn finden lassen. Magst du die vielen Anfechtungen noch so empfinden, dein Wille bleibt sich doch bewusst, dass er Gott sucht.“

Und das ist ja schon was.

Autor: Josef Bordat

Berichtigung eines Fehlers
30. April 2016

In dem Artikel Katharina von Siena. Und andere Frauen in der Kirche ist mir ein Fehler unterlaufen. Darauf hat mich ein aufmerksamer Leser hingewiesen – vielen Dank dafür!

Ich schrieb: „Frauen besetzen in Generalvikariaten und Ordinariaten deutscher Diözesen nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (2015) etwa 13 Prozent der höheren Leitungspositionen und 19 Prozent der Stellen auf der mittleren Leitungsebene. Somit ist etwa ein Drittel der mit Leitungsaufgaben verbundenen Positionen in der Kirchenverwaltung von Frauen besetzt.“ Dieser Schluss ist falsch. Unter der Annahme, dass es genauso viele höhere wie mittlere Leitungspositionen gibt, betrüge der Anteil an den mit Leitungsaufgaben verbundenen Positionen nämlich nicht „etwa ein Drittel“, sondern ungefähr ein Sechstel. Er liegt also in Wahrheit nur halb so hoch wie angegeben.

Damit ist auch meine Einschätzung falsch, die Katholische Kirche in Deutschland habe die Frauenquote von 30 Prozent „längst erreicht bzw. übertroffen“. Das ist nicht der Fall. Wohl aber strebt sie nach eigener Auskunft an, diesen Anteil möglichst bald zu erreichen – und dies auch ohne formale Quotierung.

Ich bitte Sie, die fehlerhafte Darstellung zu entschuldigen!

Österreich und die FPÖ: Lernen von den Ösis!

Die FPÖ überstrahlt die Präsidentenwahlen in Österreich. Aus dem was folgt, können deutsche Parteien lernen.

Als „Piefke“ tue ich mich schwer, die Präsidentenwahl in Österreich inhaltlich allzusehr zu kommentieren. Ich kenne das politische Personal zu wenig, kann kaum Vergleiche anstellen, die über das Maß „ÖVP entspricht Union, SPÖ der SPD, Grüne den Grünen und FPÖ wohl am ehesten der AfD“ hinausgehen. Eigentlich zu wenig um inhaltlich in die Tiefe zu gehen. Andererseits kann man die Österreicher in dieser Hinsicht womöglich als Vorreiter verstehen, die schon viel zu lange mit einer stocksteifen Großen Koalition „gesegnet“ sind und schon deutlich länger mit einer „blauen“ Partei, bei deren ersten Wahlerfolgen bereits innereuropäische Konsequenzen bis hin zu diskutierten Handelsbeschränkungen ein Thema waren. Die FPÖ war noch zur Jahrtausendwende aus deutscher Sicht ein politisches Schmuddelkind, mit denen sich unsere Nachbarn aber gut arrangiert haben.

Volksparteien implodieren

Wenn nun eine große Koalition den Stillstand zelebriert, dann kommen kleine Parteien eben immer weiter nach vorne, die etablierten Parteien werden abgestraft: Wie zu lesen war, liegt die SPÖ als größte Regierungspartei in Umfragen derzeit bei 22-23 %; bei der letzten Nationalratswahl erreichte man noch über 35 % der Stimmen. Der SPÖ-Präsidentschaftskandidat Rudolf Hundstorfer ging jetzt mit etwas über 11 % aus dem Rennen. Noch Fragen, wie eine Volkspartei implodieren kann? Erinnert das nicht frappierend an den Niedergang von CDU und – vor allem – SPD?

Liest man die Kommentare zeigen sich ebenfalls Parallelen: Der Großen Koalition wird in Österreich in den Umfragen vorgeworfen, nicht zu regieren, sondern nur auf Konflikte zu reagieren. Und diese Konflikte steuert die FPÖ. Auch wenn die AfD in Deutschland einen deutlich anderen Status hat als die FPÖ, so ist es doch gerade diese noch kleine Partei, die die politischen Themen vorgibt, selbst wenn sie medial niedergemacht wird. Man mag der deutschen Presse vorwerfen, die AfD unfair zu behandeln: Dass man sie nicht beachten würde, wird wohl niemand behaupten. So wedelt in der Politik nicht nur in Österreich derzeit offenbar der Schwanz mit dem Hund – wobei das Bild insofern schief ist, als dass sich langsam herausstellt, dass der bisherige Hund womöglich doch nur der Schwanz ist. Das mag einer FPÖ auf Sicht auch schaden … Protestwähler sind auch schnell wieder weg, wenn sich die ehemalige Protestpartei erst mal etabliert. Dann bleibt in diesem Spektrum aber noch ein anderer Mitspieler:

GRÜNE verkörpern lange schon etablierte Parteien

In die Stichwahl geht FPÖ-Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer nämlich gegen den Grünen Alexander Van der Bellen. Schaut man in die deutsche politische Landschaft kann man den Grünen auch nicht jeden Erfolg absprechen. Sie sind nicht durchgängig erfolgreich, aber wenn die Grünen in Baden-Württemberg vermutlich weiter den Landesvater stellen und in Sachsen-Anhalt gerade an einer schwarz-rot-grünen Landesregierung beteiligt werden, kann man auch nicht von Erfolglosigkeit sprechen. Und hier wie dort, in Deutschland wie in Österreich, stellen grün und blau zwei gänzlich unterschiedliche Politiksysteme, man möchte sagen, Philosophien dar.

In Österreich wird es spannend sein zu beobachten, wie sich jetzt die „Altparteien“ SPÖ und ÖVP verhalten. Man darf annehmen, dass sie sich – um Hofer zu verhindern – hinter den Grünen-Kandidaten stellen werden. Mein lieber Freund Klaus Kelle kommentiert eine solche Politik schon mit drastischen und zugleich treffenden Worten:

„Sollte das Establishment von Grün bis ÖVP Hofer verhindern, wird er beim nächsten Mal im ersten Wahlgang gewinnen, weil die Bürger Charakterlosigkeit nicht goutieren. Charakterlosigkeit? Ja! Wenn Parteien, die einst inhaltlich nichts verbanden, nun gemeinsam stimmen, um eine unliebsame Konkurrenz zu blockieren, werden sie dafür eine Quittung erhalten.“

Das macht die Stichwahl am 22. Mai umso spannender. Dass die Demokratie so ihre Tücken hat, habe ich bereits verschiedentlich beschrieben. Hier wird die Wahl aber zu einem Lackmustest der Politik: Sind etablierte Parteien in einem Land bereit, wenigstens auf dieser Ebene den Wählerwillen zu erfüllen, oder setzt man – aus den verschiedensten Gründen, die ich gar nicht nur negativ bewerten will – alles daran, eine politische Kraft, die die relative Mehrheit bereits errungen hat, zu unterdrücken? Gelten politische Positionen zwischen etablierten Parteien noch etwas oder ist der Machterhalt die oberste Maxime? Wird in einem politischen Umfeld wie jetzt in Österreich der Feind meines Feindes mein Freund oder reicht es noch für Grauschattierungen, die vielleicht nicht kurzfristig das Präsidentenamt vor einem angeblich rechtspopulistischen Bewerber schützen, aber doch die Demokratie vor dem Parteienproporz der Etablierten?

Inhaltliche Auseinandersetzung muss die Beschimpfung ersetzen

Österreich mag „unser kleiner Nachbar“ sein, aber in den kommenden Wochen können wir – so oder so – noch was von den „Ösis“ lernen für unsere eigene politische Kultur. An dieser Stelle möchte ich gerne noch mal die These Klaus Kelle transportieren, die man sich gerne hinter die Ohren schreiben kann:

„Die Entwicklung auch in Deutschland ist eindeutig – wer nicht bereit ist, sich mit politischen Alternativen auseinanderzusetzen, wird verlieren.“

Und ganz ehrlich: Wer eine sachliche und konstruktive Auseinandersetzung um Positionen und erst anschließend um Wählerstimmen – sei es mit der FPÖ in Österreich, sei es mit der AfD in Deutschland – scheut, um den ist es politisch nicht schade.

Autor: Felix Honekamp